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Gemarkung Aschaffenburg

Innerhalb des Altstadtbereichs konzentrieren sich die bekannten vor- und frühgeschichtlichen Siedlungshinterlassenschaften auf die spätere Oberstadt von Aschaffenburg. Die Topographie des über dem Main gelegenen Plateaus lässt auch heute noch die Anziehungskraft erahnen, die der Schutz bietende Berg auf die Menschen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit ausgeübt hat, selbst wenn umfangreiche Erdbewegungen vermutlich schon seit dem frühen Mittelalter die ursprüngliche Gestalt stark verändert haben. Die fortifikatorischen Möglichkeiten oder weitere siedlungsbegünstigende Faktoren waren möglicherweise nicht hinreichend für eine kontinuierliche intensive Nutzung des Plateaus in vorgeschichtlicher Zeit. Bis in die römische Kaiserzeit hinein liegen jedenfalls vergleichsweise wenige, räumlich und zeitlich weit voneinander getrennte archäologische Strukturen und Funde vor, die wegen der vielfältigen jüngeren Störungen nur schwer zu interpretieren sind. Frühe Kulturschichten sind meist stark durchmischt und erlauben häufig keine Befunderkennung. So überrascht es nicht, dass sich für die meisten vorgeschichtlichen Epochen mit Ausnahme der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit (6.–4. Jh. v. Chr.) nur eine sporadische Besiedlung erkennen lässt. Im Umfeld der Oberstadt wurden neben einem Gräberfeld der Hallstattzeit und einem Bestattungsplatz der Völkerwanderungszeit und vermutlich der Merowingerzeit weitere vor- und frühgeschichtliche Funde bekannt, die sich jedoch nur in den seltensten Fällen eindeutig lokalisieren lassen. Sicherlich geben sie nur einen kleinen Ausschnitt des ehem. Bestandes wieder, denn gerade bei den großflächigen Siedlungserweiterungen des späten 19. und 20. Jh. dürften viele Bodendenkmäler unerkannt zerstört worden sein. Insbesondere obertägig sichtbare Geländedenkmäler haben sich innerhalb der Gemarkung Aschaffenburg nicht erhalten. Die einzige Ausnahme stellt ein angeblicher Grabhügel dar, der sich „in der Nähe des Jägerhauses“, etwa 1.900 m nordöstlich der Stiftskirche in einem kleinen Waldgebiet befunden haben soll. Er wurde bereits im 19. Jh. entdeckt, bei späteren Nachforschungen jedoch nicht wieder aufgefunden. Hinweise auf von dort stammendes, näher zu datierendes Fundmaterial existieren nicht.

Einige der frühesten Belege menschlicher Anwesenheit im Aschaffenburger Raum könnten die im 19. Jh. an die Aschaffenburger Museen übergebenen, mit der Bezeichnung „Fundort in und bei Aschaffenburg“ versehenen Funde der Alt- und Mittelsteinzeit bilden, sofern die Herkunftsbezeichnung korrekt ist. Hervorzuheben ist ein wohl jungpaläolithischer Klingenschaber, der sich den wenigen sicher zu lokalisierenden Funden aus der Zeit der Jäger und Sammler von der Aschaffenburger Oberstadt an die Seite stellen lässt (vgl. Bodendenkmäler, Theaterplatz). Ein ursprünglich als mesolithischer Querschneider angesprochener Silexfund ist offenbar ein neuzeitlicher Flintenstein. Dagegen datiert eine ebenfalls unter der genannten Bezeichnung in den Aschaffenburger Museen aufbewahrte Klingenspitze bereits in das Neolithikum. „Bei der Fasanerie“ östlich der Altstadt wurden ein Steinbeil und ein Keramikgefäß gefunden. Die Fundumstände sind nicht näher bekannt. Beide Objekte wurden bereits vor 1880 den Museen der Stadt Aschaffenburg geschenkt. Das mit 18,5 cm außergewöhnlich große Steinbeil ist aufgrund des spitzen Nackens dem Jung- bis Endneolithikum zuzuweisen. Der hochhalsige Becher aus glimmergemagertem Ton datiert in die frühe Latènezeit (wohl Lt B, 4. Jh. und 1. Hälfte 3. Jh. v. Chr.). Er besaß eine Höhe von 11,6 und einen Durchmesser von 15,5 cm. Die Funde könnten aus einem zerstörten Grabhügel stammen. Heute ist lediglich ein Teil des durch sekundären Brand in der Kriegszeit gesprungenen Steinbeils erhalten. Vermutlich 1886 wurde ein jung- bis endneolithisches Steinbeil aufgefunden, das zunächst fälschlich in der Gemarkung Damm verortet wurde. Die Fundstelle „Am Gottelsberg“ bezeichnet aber sehr wahrscheinlich den Godelsberg östlich von Aschaffenburg. Über die Fundumstände ist nichts bekannt. Das 6,7 cm lange Beil ist aus einem dunkelgrünen, nephritähnlichen Gestein, besitzt einen schmalen Nacken und scharf geschnittene Kanten. Das Fundstück gelangte in die Archäologische Staatssammlung München.

Ein Absatzbeil der mittleren Bronzezeit wurde 1970 bei Aschaffenburg aufgelesen. Näheres zu den Fundumständen ist wegen des Todesfalls des Finders nicht in Erfahrung gebracht worden. Der Verbleib des Objekts ist ebenso nicht bekannt. Ob ein barbarisierter Solidus des Justinian I. (527–565 n. Chr.), der etwa zu Beginn des 20. Jh. bekannt geworden ist, tatsächlich aus Aschaffenburg stammt, ist mangels Angabe zu Fundort, Fundumständen und Verbleib letztlich unsicher. Im Bereich der Theresienstraße, also näher am Ortskern von Damm als an der Altstadt Aschaffenburg gelegen, wurde 1957 bei Bauarbeiten das noch 17 cm hohe Fragment eines Tonkruges mit engem Hals und grob gelochtem Sieb davor entdeckt. Die Wandung zeigte eine feine Querrillung, die im unteren Drittel endet. Das Gefäß war mit 2,5 bis 5 cm breiten, grauen, in Längsrichtung schräg über den Körper geführten Bändern bemalt. Angeblich wurde es in fünf bis sechs Meter Tiefe im anstehenden Löß aufgefunden. Vermutlich gelangte der Fund in die Museen der Stadt Aschaffenburg, wo er aber heute nicht mehr identifizierbar ist. Somit ist auch eine nähere Datierung nicht möglich. Stattdessen werden in der Sammlung der Museen zwei Oberteile von Kannen aufbewahrt, die angeblich ebenfalls 1957 in der Theresienstraße gefunden worden sein sollen. Die für die Region untypischen Stücke gehören vermutlich in römische Zeit. Ein Jahr später wurden bei Kanalisationsarbeiten in der Nähe des Aschaffenburger Bahnhofs an nicht exakt überlieferter Stelle Teile einer aus Sandstein gemauerten Wasserleitung entdeckt. Eine genaue Datierung des vermutlich neuzeitlichen Befundes ist wegen der spärlich überlieferten Informationen nicht möglich.

Einen größeren Umfang nehmen Hinweise zu sicheren und mutmaßlichen Gewässerfunden aus dem Main ein. Einigermaßen verortbar ist ein 1913 bei Baggerarbeiten im alten Hafen entdeckter Einbaum, der seinerzeit für die Aschaffenburger Museen erworben werden konnte. Der durch Austrocknung stark verzogene Fund ist später in der Mitte durchgesägt worden, sonst aber vollständig erhalten geblieben. Nach der Auffindung wurde der Fund als Fischkasten angesprochen, doch handelt es sich zweifellos um den Schwimmkörper einer Fähre. Der Einbaum kann allgemein in das späte Mittelalter oder die frühe Neuzeit eingeordnet werden. Nach einer frühen Fundmeldung soll er die Jahreszahl 1413 getragen haben, doch kann dies in späteren Berichten und anhand des Originals nicht bestätigt werden. Das Objekt hatte eine Länge von 3,40 m und eine Breite von 0,58 m. An den Seitenwänden befanden sich verschiedene Laschen und Ausstemmungen, die zur Verbindung mit weiteren Schwimmkörpern und den Planken der Fähre gedient hatten. Nicht lokalisieren lassen sich weitere, meist nicht sichere Gewässerfunde unterschiedlicher Zeitstellung, die daher nur summarisch aufgelistet werden. Wohl 1928 wurde ein sog. Schuhleistenkeil aus dem Main gebaggert. Das ungewöhnlich große Steinbeil, welches der linearbandkeramischen Kultur zugewiesen werden kann (5600–4900 v. Chr.), ist mit wenigen Ausbrüchen am Nacken gut erhalten. Nach den Unterlagen der Museen der Stadt Aschaffenburg ist das Objekt der Fundstelle auf Höhe des Nilkheimer Hofes zuzuweisen, von der auch der bronzene Dolch stammt, doch lässt sich dies anhand der Akten im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nicht verifizieren. Unmöglich sind nach der Verteilung der Fundstücke auf verschiedene Museen und Kriegsverlusten auch die Anzahl, Fundumstände und genaueren Fundorte weiterer neolithischer Steinbeile und Steinaxtfunde zu klären. „Am Main bei Aschaffenburg“ wurde bereits vor 1880 eine 12,2 cm große jung- bis endneolithische Axt aus serpentinitartigem Gestein gefunden, die an das Germanische Nationalmuseum Nürnberg gelangte. Um 1900 wurde ein „walzenförmiges Steinbeil aus feinkörnigem Amphibolit, spitznackig, gut geschliffen“ aus dem Main geborgen. Der Fund kam an das Museum in Frankfurt-Höchst. Vom Mainufer bei Aschaffenburg stammt eine 1915 aufgelesene Sichel aus hellgrauem Flint. Das ehemals 14,7 cm große Stück ist auf der gesamten Fläche sorgfältig retuschiert. Vermutlich datiert das im Mainfränkischen Museum in Würzburg befindliche Stück in die Schnurkeramik (ca. 2800–2100 v. Chr.). Noch vor 1945 wurden eine endneolithische Hammeraxt aus grauem Gestein mit leicht asymmetrischer Bohrung sowie ein jung- bzw. endneolithisches Trapezbeil aus dem Main gebaggert. Ein spätrömischer Mayener Krug aus dem Bestand des Aschaffenburger Stiftsmuseums könnte ebenfalls als Flussfund aus dem Main stammen, doch ist über die Fundumstände wiederum nichts Verlässliches bekannt. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde schließlich ein aus Ton modellierter Mädchenkopf ausgebaggert, bei dem es sich um eine römische Votivgabe, wohl des 2. Jh. n. Chr., handeln dürfte.

Problematisch müssen hingegen alle auf dem Kunstmarkt erworbenen Objekte bewertet werden. Vielfach ist nicht gesichert, ob sie überhaupt aus der Stadt Aschaffenburg stammen. Im Jahre 1890 wurde eine 17,3 cm lange Franziska mit der Bezeichnung „Fundort bei Aschaffenburg“ durch den Altertumsverein Mainz aus dem Kunsthandel erworben. Näheres ist nicht bekannt. 1898 wurde durch den Mainzer Antiquitätenhändler Reiling ein goldener Filigranfingerring der späten Merowingerzeit (6./7. Jh. n. Chr.) angekauft, der angeblich aus Aschaffenburg stammt. Der Ring ist aus Golddraht verfertigt und besitzt eine runde, flechtbandverzierte Schmuckscheibe, an der Dreipasskugeln befestigt sind. Die Scheibe hat in der Mitte einen runden Knopf, der ebenfalls mit Flechtbanddraht und Perldraht verziert ist. Der Perldraht ähnelt dem einer Goldkopfadel von der Grabung Theaterplatz sehr. Das Fundstück gelangte an das Germanische Nationalmuseum Nürnberg.

Drei Bronzefunde der Mittelbronzezeit wurden vor 1914 aus dem Kunsthandel mit der Fundbezeichnung „angeblich in der Nähe von Aschaffenburg gefunden“ vom Mainfränkischen Museum Würzburg erworben. Der tatsächliche Fundort muss somit offen bleiben. Gleiches gilt für die Zusammengehörigkeit der Fundstücke. Es handelt sich um einen durchbrochenen herzförmigen Anhänger aus Bronzeblech mit aufgerolltem Ende von fast 5 cm Höhe, weiterhin um ein sog. böhmisches Absatzbeil mit stark geschweifter Schneide von 12,9 cm Länge. Die Bahn ist bogenförmig eingezogen. Das dritte Fundstück ist eine Bronzenadel mit kolbenförmigem Kopf und fünf horizontalen Riefengruppen. Sie ist an der Verdickung des Halses durchlocht und besitzt eine Länge von 13,6 cm. Da das bronzene Beil und die Nadel nach Christian Peschecks Beschreibung eine dunkle Edelpatina aufweisen, stammen sie vermutlich aus feuchtem Milieu. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Stücken daher um Flussfunde. Kurz vor 1939 gelangte ein Bronzedolch in eine Aschaffenburger Privatsammlung, der ebenfalls bei Baggerarbeiten im Main gefunden worden sein soll. Nach Peter Endrich lag die Fundstelle auf Höhe des Nilkheimer Hofes. Dies wird jedoch in der Meldung zur Übergabe des Fundes als Dauerleihgabe an die Aschaffenburger Museen im Jahre 1957 nicht erwähnt. Der 17,6 cm lange Dolch ist gut erhalten, besitzt eine breitrunde Griffplatte mit ehemals vier Nietnägeln, von denen noch zwei bewahrt sind. Die leicht geschweifte Klinge hat eine schwache Mittelrippe. Die Umrisse des organischen Griffes zeichnen sich auf dem Metall durch Korrosionsspuren ab. Der Fund ist in die mittlere Bronzezeit zu datieren. Bei den gleichen Baggerarbeiten sollen nach den Unterlagen der Museen der Stadt Aschaffenburg auch eine karolingische Flügellanze der 2. Hälfte des 8. Jh. mit langem Blatt, kurzer Tülle und Damaszierung am Schaft sowie vier linearbandkeramische Schuhleistenkeile aus Amphibolit gefunden worden sein. Mindestens eines der Steinbeile ist heute verschollen. Das von Markus Marquart abgebildete Beil mit Absplitterungen am oberen Ende ist zweifelsfrei mit dem  Schuhleistenkeil identisch. Nach der Beschriftung auf der Rückseite eines Fotos in den Ortsakten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in der Dienststelle Schloss Seehof wird seine Auffindung ohne nähere Eingrenzung des Fundortes bereits in das Jahr 1928 gestellt. Somit müssen der exakte Fundort und -zeitpunkt dieses Altfundes letztlich offen bleiben.

Kontrovers wurde und wird die scheinbar älteste Erwähnung Aschaffenburgs durch den sog. Geographen von Ravenna diskutiert, der wohl am Beginn des 9. Jh. lebte. Offenbar benutzte er Quellen aus der Zeit vor 496, als die Franken über die Alamannen siegten, wenn er unter den civitates der Alamannen eine mit Namen ascapha bzw. ascis erwähnt. Zumeist wurde diese Bezeichnung mit dem Ortsnamen Aschaffenburg bzw. asciburgo oder dem Flußnamen Aschaff identifiziert. Eine intensive alamannische Besiedlung des Stadtberges konnte schließlich durch die Ausgrabungen auf dem Theaterplatz und seinem Umfeld bestätigt werden (vgl. Bodendenkmäler, Theaterplatz). Dort wurden zu einigen Befunden, darunter auch Gebäudereste, ebenfalls germanische Keramik, Glasperlen und Kleinfunde aus Metall, vor allem aber römische Importwaren aufgefunden. Offenbar befand sich im Bereich der Oberstadt von Aschaffenburg also tatsächlich ein Hauptort der Alamannen. Für die karolingische Zeit lassen sich weitere Hinweise auf die Bedeutung Aschaffenburgs fassen. So deuten die goldenen Ohrringe einer auf dem Schlossberg aufgefundenen Bestattung (vgl. Bodendenkmäler, Schloßplatz) auf eine sozial hochstehende Schicht hin, die hier einen Fronhof als Reichsgut unterhalten haben könnte. In der 2. Hälfte des 9. Jh. setzt dann vermehrt die schriftliche Überlieferung für Aschaffenburg ein, was seine damalige Bedeutung untermauert. So heiratete etwa die sächsische Grafentochter Liutgard König Ludwig den Jüngeren zwischen 865 und 874 in Aschaffenburg. 885 starb die Königin und wurde in der Aschaffenburger Stiftskirche (vgl. Baudenkmäler, Stiftsgasse 3) beigesetzt. Im 10. Jh. war Aschaffenburg dann im Besitz der Herzöge von Bayern und Schwaben und spielte eine wichtige Rolle innerhalb der ottonischen Politik. Mit dem Tod Herzog Ottos 982 erlosch die männliche Linie dieses Hauses und die Stadt ging in den Besitz des Erzbistums Mainz über. Eventuell ließ Willigis, der Erzbischof von Mainz, bereits 989 eine Holzbrücke über den Main bauen. In der Folge wuchs Aschaffenburg stetig weiter an. Die Oberstadt wurde wohl spätestens um 1122 durch den Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken befestigt, der eventuell noch weitere Baumaßnahmen vornahm (vgl. Baudenkmäler, Stadtmauer). 1144 besaß der Ort bereits das Marktrecht. Die Stadtrechtsverleihung ist nicht urkundlich überliefert, doch kann sie indirekt für die Zeit zwischen 1161 und 1173 erschlossen werden.

Nachdem die durch die topographischen Gegebenheiten ohnehin beschränkte Siedlungsfläche der Oberstadt wohl im Jahre 1122 von einer Ummauerung vollkommen eingeschlossen war, wurde sie für die prosperierende Stadt zu klein. So entwickelten sich außerhalb des Berings Vorstädte im Bereich der heutigen Unterstadt. Dies wird u. a. durch die 1184 erstmals urkundlich erwähnte Pfarrkirche St. Agatha (vgl. Baudenkmäler, Treibgasse 32) bestätigt, die Seelsorge für die „parochia extra muros civitatis“ betrieb. Die unweit nordöstlich der neuen Burg, dem Vorläufer des Schlosses Johannisburg, gelegene Kirche bildete somit einen Kern der hochmittelalterlichen Unterstadt. Ihre Bewohner besaßen die gleichen Rechte und Verpflichtungen wie die Bürger der Oberstadt. Weitere Vorstädte könnten sich noch im 12. Jh. um den Salzmarkt, dem unteren Bereich der heutigen Herstallstraße, sowie den Dingstall nördlich der Burg und im Bereich von St. Agatha herausgebildet haben. Verschiedentlich ist ein besonders hohes Alter der Fischersiedlung vermutet worden, doch ist die Rückdatierung in karolingische Zeit wenig überzeugend. Im Verlauf des späten Mittelalters wurden die Vorstädte gemeinsam ummauert (vgl. Baudenkmäler, Stadtmauer) und in die Befestigung der gesamten Stadt einbezogen. Durch diese Maßnahme verblieben bis weit in die Neuzeit große unbebaute Flächen innerhalb der Stadtmauer. Mittelalterliche oder frühneuzeitliche Befunde außerhalb der Altstadt sind kaum bekannt geworden. Bei der Neuanlage der Straßenführung und einer Kanalverlegung an der Nordseite der Lamprechtstraße wurde 1994 im unteren Abschnitt eine hölzerne Wasserleitung entdeckt. Sie war aus etwa 2 m langen „Deicheln“, durchbohrten Stämmen aus Kiefernholz, zusammengesetzt. Nach Testbohrungen setzte sich die Leitung noch mindestens 6 m in beide Richtungen von der Fundstelle mit guter Erhaltung fort.

Die Nutzung des Gebietes außerhalb der Altstadt wird vor allem durch zahlreiche ehem. Mühlen angezeigt, deren ältester fassbarer Gebäudebestand in der Uraufnahme von 1845 überliefert ist. Im Bereich der ehem. Mühlen sind Fundamente der Gebäude sowie Überreste technischer Anlagen der frühen Neuzeit, vielleicht auch des späten Mittelalters, zu vermuten. Nördlich der Altstadt am südlichen Ufer der Aschaff befand sich die ehem. Aumühle. Heute ist das Mühlengelände von Bäumen bestanden, aber nicht überbaut. Als früheste Nachricht wurde 1797 die Errichtung eines „Oehlenschlagwerkes“ genehmigt, wo sich zuvor eine unrentabel gewordene Walkmühle befand. Unmittelbar südlich der Mühlengebäude hatte sich auf einer kleinen Erhebung, dem sog. Aumühlenberg, bis 1998 der Turm einer Windmühle erhalten. Im Frühjahr und Sommer 2001 wurde der sich bis etwa 14 m über das Aschafftal erhebende Mühlenberg, heute Glattbacherstraße 44–48, abgetragen. Bei der Beobachtung durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg wurde ein in den Fels gemeißelter Brunnenschacht festgestellt, aus dem einige Hölzer des ehem. Turmwerkes geborgen werden konnten. Der Großteil des Schachtes war vermutlich in den 1950er Jahren mit schwefelhaltigen Kiesen verfüllt worden, die als Produktionsabfälle der ehem. Papierwerke entstanden waren. Aus Sicherheitsgründen konnte der Brunnen daher nicht näher untersucht werden. Die ehem. Pfaffenmühle lag ca. 680 m südwestlich der Aumühle am linken, heute nicht mehr existierenden Arm der Aschaff. Etwa 380 m westlich der Pfaffenmühle, ebenfalls am linken Arm (Südarm) der Aschaff, befand sich die ehem. Schneidmühle. Die Standorte beider Mühlen sind überbaut.

Am Glattbach, einem Zubringer der Aschaff, existierten ebenfalls zwei Mühlen, nämlich die ehem. Schnepfenmühle, deren Standort von Bäumen bestanden ist, und die Haselmühle, lediglich 130 m südlich der Schnepfenmühle, knapp vor der Mündung des Glattbaches in die Aschaff gelegen. Das Gelände der Haselmühle ist heute überbaut. Östlich der Altstadt von Aschaffenburg, unmittelbar südlich des in die Aschaff mündenden Röderbachs befand sich die ehem. Schellenmühle, deren Fläche heute von Wohnbebauung genutzt wird. Schließlich lag südlich der Altstadt, unmittelbar am Hensbach die ehem. Eckertsmühle, von der sich Teile des Hauptgebäudes als Ruine erhalten haben (vgl. Baudenkmäler, Am Häsbach 1a ). Noch heute lässt sich im Grundriss der Stadt deren mittelalterliche Struktur erkennen. Das mittelalterliche Stadtbild war geprägt von den verschiedenen Gewerken, die sich gemäß ihren Bedürfnissen an bestimmten Stellen der Stadt niederließen. So befanden sich am „Badberg“ die Badstuben, die im 16. Jh. in die Badergasse verlegt wurden. Straßennamen wie „Webergasse“ und „Strickergasse“ zeugen von Webern und Seilern, die zum Aufspannen ihres Tuches und ihrer Seile Platz benötigten. Im „Löhergraben“ ließen sich die Gerber, deren Gewerbe mit einer gewissen Geruchsbelästigung verbunden war, nieder. Anders als in anderen Städten waren in Aschaffenburg die Metzger in der Hauptstraße und nicht außerhalb der Stadt anzutreffen, davon zeugt die ehem. „Große Metzgergasse“ (heute Dalbergstraße). Die „Treibgasse“, durch die das Vieh auf die Weiden getrieben wurde, erinnert daran, dass in Aschaffenburg – wie in allen mittelalterlichen Städten – bis ins 19. Jh. Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wurde. Ihren wirtschaftlichen Entwicklungshöhepunkt erreichte die Stadt Aschaffenburg, die damals dem Typus einer geistlichen Residenzstadt entsprach, im 15. und 16. Jh. Mittelalterliche Feindseligkeiten, der Bauernkrieg, der sog. Markgräflerkrieg und auch die Pest haben die Entwicklung der Stadt nur unwesentlich beeinträchtigt. Allerdings hat im 17. Jh. der Dreißigjährige Krieg der Stadt zugesetzt. Ihre Einwohnerzahl ging deutlich zurück. Erst zu Beginn des 19. Jh., als Aschaffenburg nach der Besetzung von Mainz durch die französische Revolutionsarmee Residenz der Kurfürsten wurde, gewann die Stadt wieder an Bedeutung.

Während die mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadt von giebelständigen Fachwerkbürger- und Ackerbürgerhäusern sowie einzelnen bemerkenswerten Stiftsherrenhöfen geprägt war, setzte mit dem vermehrten Zuzug Mainzer Adeliger eine rege Bautätigkeit ein, in der vor allem unter dem Architekten und Landbaumeister Wolfgang Streiter zahlreiche, traufständig errichtete Bürgerhäuser mit Sandsteinfassade entstanden. Wesentliche Spuren hinterließ der portugiesische Architekt und Bauingenieur Emanuel Joseph von Herigoyen, der zwischen 1776 und 1804 für Friedrich Carl Joseph von Erthal in Aschaffenburg tätig war. Der Nachfolger Erthals, Carl Theodor von Dalberg, trug mit der Festlegung von Baulinien und Reglementierungen der Fassaden entscheidend zur Entwicklung des Stadtbildes bei. Seit 1814 unter der Bayerischen Krone, wurde Aschaffenburg in der Mitte des 19. Jh. außerdem zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt im Nordwesten von Bayern. Mit der unter König Ludwig I. eröffneten Bahnlinie von Würzburg nach Frankfurt erfolgte auch die Stadterweiterung Richtung Norden und die Verlagerung des geschäftlichen Treibens von der Dalbergstraße in das neue Bahnhofsviertel. Es ist geprägt von mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern mit historistischen Fassaden, von denen einige anschauliche Beispiele erhalten sind. Zwischen der Stadtmauer und dem von der Bahnlinie Aschaffenburg–Miltenberg gebildeten Ring wuchs die Stadt weiter. So entstanden das Villenviertel entlang der Grünewaldstraße und die Wohnviertel zwischen den Ausfallstraßen Würzburger Straße und Schweinheimer Straße. Bald entstanden auch jenseits der Bahn Industriegebiete und Wohnsiedlungen. In den 1920er und 1930er Jahren entstanden neue Siedlungsformen, u. a. die Mustersiedlungen Österreicher und Obernauer Kolonie. Heute ist Aschaffenburg eine durch die Verluste an architektonischer Substanz während des Zweiten Weltkrieges und die Veränderungen in der Zeit des Wiederaufbaus gekennzeichnete Stadt. Ihre wechselvolle Geschichte lässt sich an den erhaltenen Baudenkmälern noch immer ablesen und reicht mittlerweile bis in die Zeit der Moderne.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 2-7.

Kommentare

  1. Zum letzten Absatz Zeile 6: Friedrich Carl Joseph von Erthal ist am 25. Juli 1802 in Aschaffenburg verstorben. Es müsste also 1802 anstelle von1804 heißen. Er war allerdings dann noch bis 1804 für Dalberg in Aschaffenburg tätig und ging dann mit diesem nach Regensburg.

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