Skip to content

Stiftsgasse – Stiftskirche St. Peter und Alexander

Neben Schloss Johannisburg als kurfürstlichem Herrschaftssitz bestimmt die kath. Stiftskirche St. Peter und Alexander als geistliches Zentrum durch ihre Lage auf einem steil abfallenden Plateau hoch über dem seit alters genutzten Mainübergang bis heute die Silhouette der Stadt. Über Jahrhunderte war sie sichtbares Zeugnis für die Heilsgewissheit und Memoria der hier begrabenen Adelsgeschlechter. Sie diente später Erzbischöfen, Stiftsgeistlichen, privilegierten Bürgern und Hofbeamten als Grablege und war nach dem Erbfall an das Erzbistum Mainz, wie das Schloss, unübersehbares Zeichen für die Würde der über den Ort gebietenden geistlichen Herren. Die Stiftskirche bildet heute zusammen mit den Stiftsgebäuden eine Baugruppe auf dem östlichen, höchst gelegenen Felsensporn jener Erhebung, auf welcher sich die Oberstadt entwickelt hat. Aufgrund der Lage eines ersten, im 9. Jh. an dieser Stelle errichteten Sakralbaus, über dem später der Chor der sich nach Westen erstreckenden Kirche erbaut wurde, fand sich an dem im Süden jäh abfallenden Hang in der weiteren Folge weder geeigneter Baugrund für die notwendigen Stiftsgebäude noch ausreichend Raum für einen Kreuzgang. Von der Bautradition abweichend, wurden diese Bauten daher nördlich der Kirche klosterartig um einen Hof gruppiert. Erschlossen wird die Kirche an ihrer nordwestlichen Partie, die dem Stiftsplatz als ehem. Marktplatz zugewandt ist, über die große barocke Treppenanlage von 1723. Diese führt auf eine Terrasse und von dort zu nördlich und westlich der Kirche vorgelagerten kreuzgangähnlichen Vorhallen mit Portalen. Die erhöhte Lage der Kirche wird dadurch städtebaulich wirkungsvoll inszeniert.

Die monumentale mittelalterliche Kirche folgt kreuzförmigem Grundriss und ist von einem einheitlichen barocken Mansarddach bedeckt. Wie bei den Stiftsgebäuden handelt es sich um einen Putzbau, dessen Gliederungselemente aus Rotsandstein bestehen. Der im Innern zwei Joche tiefe und flach geschlossene Chor und das vergleichsweise breite Querhaus mit einjochigen Armen werden von gotischen Kreuzrippengewölben überfangen. Das elfjochige Langhaus, das leicht aus der Achse nach Süden abweicht, verfügt über einen basilikalen Querschnitt und ist im Mittelschiff etwas breiter als Vierung und Chor. Die Langhauswände werden von rundbogigen Pfeilerarkaden getragen und weisen rundbogige schmale Obergadenfenster auf. Das Mittelschiff schließt ein schlichtes barockes Muldengewölbe. Im Westen des Langhauses ist eine zwei Joche tiefe, dreiachsige Empore in romanischen Formen erhalten. Die schlicht überwölbten Seitenschiffe nehmen weniger Raum als die halbe Breite des Mittelschiffs ein und rücken hinter die Flucht der Stirnseiten des Querhauses zurück. Sie werden bis auf einen Abschnitt am Kreuzgang jeweils von angelagerten gotischen Kapellen gesäumt. Diese und die Seitenschiffe werden von einem gemeinsamen Pultdach bedeckt. In den Ecken zwischen Chor und Querhaus sind zwei Kapellen mit schlichten Dachungen eingefügt, deren südliche den Vorraum der im 17. Jh. östlich angebauten Sakristei bildete. Als weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt erhebt sich an der Südwestecke der spätgotische Turm als monumentaler steinsichtiger Rotsandsteinbau mit einem kräftige Untergeschoss und zwei hohen Hauptgeschossen. Die Gebäudekanten sind an den frei stehenden Seiten mit Strebepfeilern verstärkt. Den Abschluss bildet ein achteckiger, reich gegliederter, spätgotischer Aufbau mit Läuthaus und hohem Spitzhelm. Die Westpartie der Kirche, in deren Mitte sich das alte romanische Hauptportal befindet, wird auf der linken Seite von einem in älterer Forschung als „Turmstumpf“ interpretierten Bauteil flankiert, den ein schlichtes Walmdach bedeckt. Als Hauptfassade dient seit 1516 der in die Nordseite eingefügte Bau der zweijochigen Maria-Schnee-Kapelle, der in seinem Untergeschoss die Vorhalle überwölbt und im Obergeschoss die Kapelle aufnimmt. Diese neue Eingangsfront wurde in ihrer Funktion 1870 durch einen neugotischen Giebel zusätzlich hervorgehoben. Die Entwicklung von der karolingischen Grabkapelle zum geistlichen Zentrum der Stiftkirche bis hin zur heutigen Stadtpfarrkirche St. Peter und Alexander umfasst einen weit über 1.000-jährigen Zeitraum, der sich in der Baugeschichte dieses Kernbaus der Stadt manifestiert.

Geschichte und Baugeschichte:

Der folgende Überblick basiert wesentlich auf den Forschungen von Grimm I 1985, Klewitz 1953 und Oswald 1972 sowie eigenen Forschungen des Verfassers, die zum Abschluss der Kirchenrenovierung 2017 erscheinen werden. Der befestigte, seit alamannischer und fränkischer Zeit besiedelte Ort am Main lag im Schnittpunkt bedeutender Fernstraßen, wie der zwischen Frankfurt und Nürnberg, der Heerstraße nach Würzburg oder der karolingischen Königstraße nach Worms. Der Stiftsberg erhielt seine Bedeutung in geschichtlicher Zeit als Aufenthalts- und Begräbnisort hochadeliger Personen. Die Gemahlin des ostfränkischen Königs Ludwig III. (reg. 876–882), Liutgard († 885) aus dem Haus der Liudolfinger (Ottonen), wurde hier, wie der Annalista Saxo berichtet und archäologische Grabungen bestätigten, in einem ersten Kirchenbau bestattet, der wohl schon bei ihrer zwischen 865 und 874 erfolgten Eheschließung bestanden hat. Der Spessart, 839 als karolingisches Königsgut nachgewiesen, diente, wie die Siedlung, vermutlich als Wittum Liutgards. Das Kollegiatsstift gründete nach Decker-Hauff wohl erst Herzog Liudolf von Schwaben (reg. 949–954, †957), der erste Sohn Kaiser Ottos des Großen (reg. 936–973), mit seiner Gemahlin Ida, der Tochter Herzog Hermanns von Schwaben, die er 947 geheiratet hatte. Da der durch Grabung nachgewiesene, um 950/60 begonnene vorromanische Kirchenbau bei Liudolfs Tod wohl noch nicht weit genug gediehen war, wurde dieser in St. Alban bei Mainz bestattet. Die spätere Tradition beruft sich aber auf deren in der Stiftskirche bestatteten Sohn Otto, Herzog von Schwaben (954–982), als eigentlichem „Stifter“. Möglicherweise war die Siedlung und mit ihr eine erste geistliche Niederlassung schon nach dem Tod Königin Liutgards an Herzog Liudolf gefallen, denn die Königin war die Schwester Ottos von Sachsen, des gemeinsamen Urgroßvaters von Liudolf und Ida. Luitgard tritt jedenfalls in der Überlieferung als „fundatrix“ und gar als heiligmäßige Person („sancta“) sehr viel deutlicher in Erscheinung als Herzog Liudolf. Nach dessen Tod oblagen der Ausbau der Kirche und die Ausstattung des Stiftes seinem Sohn Otto, Herzog von Schwaben, der neben eigenen Dotierungen auch Zuwendungen durch Kaiser Otto II. (reg. 967–983), mit dem er von Jugend auf verbunden war, für das Stift erhielt. Die früheste erhaltene kaiserliche Urkunde bezeugt am 20. Juni 974 die schon zurückliegende Kirchenweihe, eine zweite bestätigt am 11. März 975 das Patrozinium „sancto Petro apostolorum principi“. Neben anderen Reliquien stiftete Herzog Otto vor 982 auch diejenige des hl. Papstes Alexander I. (reg. 105–115), der als Nebenpatron der Kirche aber erst seit dem 13. Jh. deutlicher in Erscheinung tritt. Spätestens seit 1183 wird Herzog Otto in den Urkunden regelmäßig als „fundator“ bezeichnet. Als solchen ehrt ihn auch die 1956 zeitweilig freigelegte Umschrift seines um 1250/60 geschaffenen Sarkophags im Chor.

Mit dem frühen Tod des kinderlos verstorbenen Herzogs gelangten Ort und Stift als Schenkung an das Mainzer Erzstift, das die Oberhoheit bis zur Aufhebung des Kollegiatsstifts 1802/03 ausübte. Schon in der Gründungszeit verfügte das Stift über 25 bis 28 Kanonikate und eine Stiftsschule ist bereits im 10. Jh. belegt. Wichtige Quelle für die liturgische Nutzung der ottonischen Stiftskirche bilden Einträge in deren ältestem Evangeliar, einer Schenkung Liudolfs oder seines Sohnes Otto an das Stift. Es enthält drei Reliquienverzeichnisse sowie Angaben zu fünf Altären, von denen einer sich auf der Westempore befand. Im 13. Jh. wurde Aschaffenburg mit umfangreichen Baumaßnahmen zur Mainzer Nebenresidenz ausgebaut. Dazu gehören der Vorgängerbau des heutigen Schlosses und die vergrößernde Erneuerung der ottonischen Kirche, die beide Würde und Anspruch der Mainzer Erzbischöfe und ihres Domkapitels dokumentierten. Die Weihe der neuen Kirche gilt 1283 als bereits vollzogen (Fath 1972, S. 290). Weitere Stiftungen führten zwar zur Vermehrung der Vikarstellen („Pfründe“) bis auf 32 um die Mitte des 16. Jh. (bei Aufhebung des Stiftes 1802/03 waren es nur noch 13). Die Versuche der Stiftsherren, sich gegenüber Mainz mehr Rechte zu verschaffen, blieben jedoch wenig erfolgreich. Seit 1120 fungierte der „vicedominus“ als erzbischöflicher Vertreter. Zwar stand seit 1262 die Wahl des Propstes dem Aschaffenburger Kapitel zu, doch kam als Kandidat nur ein Mainzer Domherr in Frage. Noch 1418 bestätigte Papst Martin V. dem Kapitel die freie Wahl, doch 1588 resignierte schließlich der letzte Propst und nahm die Dechantei, ebenfalls ein Nebenamt des Mainzer Erzbischofs, an. In eine Zeit des erstarkenden Selbstvertrauens im Stiftskapitel fiel jedoch das Bauprojekt für den mächtigen Südturm im frühen 15. Jh., der erst zu Ende des Jahrhunderts fertiggestellt wurde.

Im 16. Jh. erfuhr die Kirche vor allem durch den Bau der 1516 durch Kardinal Albrecht von Brandenburg (reg. 1514–1545) geweihten Maria-Schnee-Kapelle einen herausragenden baulichen Akzent, mit dem die Hauptfassade der Kirche städtebaulich wirksam nach Norden zum Platz hin verlegt wurde. Mit Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg (reg. 1604–1626) begann neben dem Schlossneubau von 1605–14 auch in der Stiftskirche von 1606 bis etwa 1630 eine umfangreiche Modernisierungskampagne, während der die Kirche systematisch renoviert und ausgestattet wurde. Dabei sollten einerseits die veränderte liturgische Praxis und neue Formen der Repräsentation im Zeitgeschmack berücksichtigt werden, andererseits sollte der Tradition des Ortes und seiner Denkmäler im Sinne der Sukzession der Mainzer Erzbischöfe entsprochen werden. Bis 1618 wurden Fenster und Altäre überarbeitet sowie das Chorgestühl und zahlreiche Grabdenkmäler geschaffen. Infolge des Konzils von Trient war am Hochaltar der Einbau eines Hostientabernakels vorgesehen. Für diese Maßnahmen wurde der Würzburger Maler Georg Rudolf Henneberger (um 1540–1609) als Generalunternehmer verpflichtet. Spätestens seit 1625 war der unter Georg Ridinger (1568–1617) am Schloss beschäftigte und diesem als kurfürstlicher Baumeister nachfolgende Matthäus Erbinius (Matthias Erb, um 1560–nach 1625) in der Kirche tätig. Sein Plan zur Wölbung der Schiffe unterblieb wohl aus Kostengründen. Für den Anbau der Sakristei 1612/13 nutzte man für die Südostecke die Stadtmauer als Substruktion. Die Bildhauerarbeiten lieferte, wie für das Schloss Johannisburg, seit 1602 vornehmlich die Werkstatt des bedeutenden Bildhauers Hans Juncker (1582–nach 1624). Das Chorgestühl und andere Schreinerarbeiten fertigte bis 1608 der in Speyer ansässige Georg Kayser von Eydenheim. 1660 beschrieben die reisenden Jesuiten-Patres Gottfried Henschen (1601–1682) und Daniel Papebroch (1628–1714) das Gestühl, das die Querhausarme vom Sanctuarium schied und sich an den Chorwänden entlang erstreckt. Von dieser Renaissanceausstattung aus Holz zeugen heute nur noch die mit dem Wappen des Kanonikus Christoph Weber versehenen Sakristeischränke von 1614.

Aus wirtschaftlichen, aber auch aus historisch-dokumentarischen Gründen wurden ältere Ausstattungsstücke übernommen. Der spätgotische Hochaltar sollte nach dem mit Henneberger geschlossenen Kontrakt modernisiert werden, die alten Figuren sollten aber von Hans Juncker restauriert, mit neuen Skulpturen ergänzt und mit neuen Tafelbildern kombiniert werden. Das „Fundatoris Epitaphium“ von 1524 wurde neu gefasst und „beede Särch Fundatoris et Fundatricis“ des 13. Jh. wurden marmoriert und vergoldet sowie das Bronzeepitaph Kardinal Albrechts von Brandenburg renoviert. Zudem war es der Wunsch des Kapitels, die Fenster hinter und neben dem Altar mit blauer „Wasserfarbe“ zu tönen und die Chorwände mit gemalter „Damaßcierte[r] Tapetzerey“ zu verschönern. Einen Eindruck von Hennebergers Überfassungsarbeiten, die „…uff Marmel Vnndt Allabaster Mannier gemacht …“ wurden, vermittelt heute noch im Stiftsmuseum der „Wimperg“ des ehem. Heiligen Grabes der Stiftskirche. Die Neuordnung des Chorbereichs von 1606 bis 1611 führte zum Abbruch bzw. zur Verlegung mehrerer Oratorien und Grabanlagen. Der Eingabe des Kapitels beim Erzbischof von 1607 zufolge wurden das Oratorium („Stand“) Kardinal Albrechts sowie die Tumba eines seiner Vorgänger, Theoderichs Schenk von Erbach (reg. 1434–1459), entfernt, wobei für letzteren ein neues Wandepitaph von Hans Juncker an der südlichen Chorwand geschaffen wurde. Das Oratorium Kardinal Albrechts erhob sich als Erker an der Südwand des Chores, wo sich noch heute ein ehem. Durchgang im Mauerwerk abzeichnet. Es wurde als schadhaft und seines Bildschmucks beraubt beschrieben. Seine Entfernung ermöglichte die vom Kapitel erwünschte Erhöhung des Gestühls. Als Ausgleich wurde dem Erzbischof das damals noch auf der Sängertribüne des Lettners neben dem „Martinsaltar“ vorhandene Oratorium Theoderichs von Erbach angeboten. Auch in der Barockzeit wurden Veränderungen an der Kirche vorgenommen und ihr Inneres weiter ausgestattet. 1719–22 ersetzte Stuckator Franz Laub aus Heidelberg die Flachdecke des Langhauses durch ein Muldengewölbe mit umlaufendem Gesims, das aber ohne Gliederung und Ausmalung geblieben ist. Damals wurden im westlichen Langhaus die Ochsenaugenfenster eingesetzt. Große Wirkung für den Außenbau entfaltete das moderne barocke Mansarddach über der gesamten Kirche und die damit verbundene Vereinheitlichung der Mauerkronen auf gleicher Höhe mit umlaufendem Gesims. Hierfür fielen die älteren in den Erb’schen Plänen dokumentierten Dreiecksgiebel am Querhaus, an der Maria-Schnee-Kapelle und an der Westfassade. Zu den barocken Veränderungen am Außenbau gehört auch die 1723 vom Bildhauer Johann Schuller anstelle einer alten breiten Treppenrampe neu errichtete große barocke Treppenanlage, mit der die erhöht stehende Kirche städtebaulich sehr wirkungsvoll an den Stiftsplatz angebunden wurde.

Die reiche Ausstattung der Kirche in der Barockzeit belegt ein Verzeichnis von 1730, das insgesamt 17 Altäre aufzählt. Bei der nächsten großen Erneuerung 1771/72 wurde besonders der Altarraum im Chor den Bedürfnissen der Zeit angepasst, wobei man auch jetzt der Idee politischer und geistlicher Kontinuität folgte. Erneut gerieten die „Stiftergrabmäler“ in den Fokus der Planer: Das ältere Grabmal von Königin Liutgard wurde räumlich und formal mit dem „Stiftergrab“ Herzog Ottos verbunden, wobei man sich an den vorhandenen älteren Formen der Spätgotik und der Renaissance orientierte. Die nun stark erhöhte Altaranlage kombiniert raumillusionistische Stuckaturen mit geschickter Lichtregie und inszeniert den gotischen Chor nach barockem Raumempfinden. Mit der Auflösung des Stifts 1802 und mit dem Übergang des Territoriums an Bayern 1814 wurden Besitz und Einkünfte in den „Allgemeinen Schul- und Studienfonds“ überführt. Die Liegenschaften verwaltete seither das „Stiftungsamt“. Seit der Eingliederung Aschaffenburgs in die Diözese Würzburg 1821 wird die Stiftskirche als Pfarrkirche genutzt. Die barocke Ausstattung wurde bald wieder reduziert. Noch unter der Regentschaft Carl Theodor von Dalbergs (1744–1817) wurden zahlreiche Veränderungen in der Kirche vorgenommen und 1811 u. a. sechs Altäre aus der Kirche entfernt und in die Schlossgalerie zur Erbauung der Hofes und zur Repräsentation des Primatialstaates verbracht.

Unter der Ägide des seit 1860 tätigen Vorstands des Stiftungsamtes, Michael Kaspar Martin, setzten nach Einrichtung eines Fonds zur Umgestaltung des Innenraums der Stiftskirche historisierende Maßnahmen ein, die sich auf mehrere Fachgutachten stützten. Dabei gelang es dem aus Aschaffenburg stammenden Generalkonservator Dr. Jakob von Hefner-Alteneck (1811–1903) vor allem mit weiteren Gutachten 1875–78 tiefere Eingriffe zu verhindern. Dennoch erfuhr die Ausstattung weit reichende Veränderungen: 1855 wurde der um 1700 anstelle des 1691 entfernten Lettners errichtete „Muttergottes-Altar“ abgebaut und nach Haibach abgegeben. Nach Laufach kam sein Pendant, der „Heilig-Kreuz-Altar“, dessen Kruzifix aus dem Umfeld Tilman Riemenschneiders sich heute in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen in Berlin befindet. Am Triumphbogen errichtete man nun schräg gestellte, neugotische Retabel des Würzburger Bildhauers Andreas Halbig mit in Schreinen eingestellten Figuren und hoch aufragendem Gesprenge, wobei die alten Bildprogramme aufgegriffen wurden: Im Norden die „Heiligen Drei Könige in Anbetung des Kindes“, seitlich mit den hll. Johannes der Täufer und Josef, im Gesprenge die gekrönte Gottesmutter und zwei weitere Heilige; im Süden eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena, im Gesprenge der Auferstandene, die hl. Helena und eine weitere Heilige. Zwei vergoldete Kredenztische nach Entwurf von Bauinspektor Sodi waren schon 1851 von Bildhauer Simon geliefert worden. Auch am Kirchengebäude selbst wurden Veränderungen vorgenommen. So wurde 1874 das Dach des südlichen Seitenschiffs abgeflacht, um die Belichtung des Obergadens zu verbessern. Die umfangreichste Kampagne des Jahrhunderts fand 1881/82 nach Plänen des Frankfurter Dombaumeisters Josef Denzinger und des Architekten Theodor Schlieben statt. Die Seitenschiffe wurden zum Querhaus geöffnet, die Bögen hingegen, welche die Querhausarme mit den Chorkapellen (Nikolauskapelle, Andreaskapelle) verbunden hatten, geschlossen, um Wandflächen für die genannten Altäre von Andreas Halbig von 1855 zu gewinnen, die dann aber doch nicht dorthin versetzt worden sind. Stattdessen wurden neue Altäre nach Entwürfen von Schlieben im gotischen Stil errichtet: für den nördlichen Querhausarm („Martinskapelle“) ein Martinsaltar, in dem der hl. Martin von Engeln flankiert unter einem Baldachin erscheint, an den Altarseiten Szenen aus seinem Leben. Ein auf die Wand gemalter, von Engeln getragener Vorhang bildete den Fond für den Altar, dessen Retabel etwa 7 m hoch war. Im südlichen Querhausarm („Valentinskapelle“) wurde ein Valentinsaltar errichtet, der den Heiligen von Szenen seiner Vita umgeben zeigte. Beide Altäre führte Bildhauer Richard Möst aus Köln (1881) aus. Die Kommunionbank fertigten nach Entwurf Schliebens der Frankfurter Bildhauer Kaspar Weiß und der Schreinermeister Josef Fries aus Aschaffenburg. Das Renaissance-Chorgestühl von 1608 wurde an den Nordwänden des Querhauses aufgestellt, wo es am 1944 den Bomben zum Opfer fiel. Die Altäre gingen 1945 zugrunde. Stipes und Mensa der beiden genannten Altäre von 1881 in den Querhausarmen sind erhalten und wurden 1956/57 leicht verändert.

Von den technischen Ergänzungen sind etwa das bis 1888 in allen Schiffen installierte Gaslicht zu erwähnen, das 1909 durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt wurde, sowie der Einbau eines Tresors für den Stiftsschatz in der Sakristei durch die Frankfurter Firma Valentin Hammeran. Einen großen Eingriff bedeutete 1910 der Einbau der Warmluftheizung, der u. a. den veränderten Zuschnitt der Gruftanlagen zur Folge hatte. Trotz schwerer Kriegszerstörungen vor allem im Bereich des Querhauses und des südlichen Seitenschiffs, blieb das Gesamtgefüge der Kirche weitgehend verschont. Der Wiederaufbau begann zum Teil schon im Sommer 1945. Die Kirche und die angrenzenden Stiftsgebäude, die seit 1861 das kommunale Stiftsmuseum beherbergten, gingen 1952 durch Schenkung an die Katholische Kirchenstiftung St. Peter und Alexander über. Wiederherstellungen und Veränderungen erfolgten verstärkt seit Mitte der 1950er Jahre im Hinblick auf die 1000-Jahr-Feier des Stiftes 1957. Die vom Architekten Franz Schmitt aus Aschaffenburg geleiteten Arbeiten standen unter Aufsicht des Bischöflichen Ordinariats Würzburg und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Am 7. Juni 1958 verlieh Papst Pius XII. der Pfarrkirche den Ehrentitel einer „Basilica minor“. 1952 waren als Ersatz für die verloren gegangenen Altäre des Historismus am Triumphbogen zwei einfache Altäre mit textilen Wandbehängen von Grete Badenheuer aus Essen-Werden angebracht worden, auf denen links die Muttergottes, rechts das Kruzifix dargestellt waren. Bei der liturgischen Neuordnung in den Jahren 1978–81 wurde diese Ausstattung wieder entfernt. Die Weihe des neuen Volksaltars mit den Reliquien der hll. Burkard von Würzburg und Alexander sowie des sel. Liborius Wagner erfolgte am 8. November 1981. Altar, Ambo, Sedilien, der Osterleuchter aus Bronze und das Sakramentshaus wurden 1979 nach Entwürfen von Max Walter aus Vasbühl bei Werneck in Anlehnung an die Beschlüsse des II. Vatikanums gefertigt. In gleicher Formensprache entstand damals auch der Sockel der wertvollen, allerdings verunklärend überfassten gotischen Madonna aus der Zeit um 1450/60.

Baubeschreibung:

Auf dem östlichen Sporn des Stiftsberges wurden 1949 von Martin Klewitz durch Grabung die Reste der karolingischen Grabkapelle der Königin Liutgard aus der Mitte des 9. Jh., eines rechteckigen Steinbaus in den Maßen von ca. 14,70×9,80 m, ebenso nachgewiesen wie der ottonische Nachfolgebau. Die mächtigen, zweischaligen Mauern der Kapelle mit Stärken zwischen 2,40 bis 2,45 m reduzierten deren Innenraum auf eine Breite von etwa 4,90 m. Die Chöre der ottonischen wie der heutigen Kirche ruhen absichtsvoll auf dem Fundament der damit als Gründungsbau interpretierten Grabkapelle. Der durch Grabung festgestellte, dreischiffige Baukörper der ottonischen Kirche aus der Mitte des 10. Jh. mit einem durchgehendem Querhaus prägte als Vorbild die Gesamtdisposition der in größeren Dimensionen in der frühen Gotik neu aufgeführten heutigen Kirche. Das Langhaus der ottonischen Kirche maß 17,80 m in der lichten Breite, wobei das Mittelschiff bereits die heutige Abmessung einnahm. Auch das heutige Querhaus steht im Wesentlichen auf den Fundamenten des alten Querbaus, der ohne ausgeschiedene Vierung aufgeführt wurde. Die ehem. Westfassade mit einem Portal in der Mitte lag etwa an der Stelle, wo in der heutigen Kirche das achte Pfeilerpaar von Osten steht. Klewitz schloss am ottonischen Westbau auf zwei seitliche Türme und ein vorgelagertes Atrium. Quellen berichten von der Flucht eines Stiftslehrers vor 976 „in turribus ecclesie“. Die Grabung an der Südwestecke der ottonischen Fassade im Bereich der Seitenkapellen der heutigen Kirche ergab aber keinen eindeutigen Befund für ein Turmfundament. „In turribus“ könnte, wie Oswald annahm, den massiven Westbau der Kirche gemeint haben, in dem sich eine Empore mit Altar befand („in occidentali altare sursum posito“). Reste vorgelagerter Bauteile reichen bis unter die heutige Vorhalle. Dieses „Atrium“ könnte nach Klewitz zunächst auf einen unmittelbar vor dem Portal quer liegenden Baukörper von ca. 16 m Länge beschränkt gewesen sein.

Beschädigungen der ottonischen Kirche – ob durch Feuer oder Vernachlässigung des Gebäudes aufgrund politischdynastischer Veränderungen im Reich – gaben in staufischer Zeit abermals Anlass zum Neubau einer dreischiffigen Basilika mit Ostquerhaus und einschiffigem Chor sowie mit einem Kreuzgang, der wegen der topographischen Bedingungen im Norden anschließt. Urkundliche Belege fehlen, doch Baubefunden zufolge begann man den Neubau in der 2. Hälfte des 12. Jh. im Bereich des westlichen Langhauses. Im Nordwesten ist ein „Turmgeschoss“ durch Grabung und aufgehendes Mauerwerk nachgewiesen. Ob dieser Turm ausgeführt worden war, zerstört oder aufgrund von Baumängeln abgetragen wurde, ist strittig. Das hier steil abfallende und für den Bau aufgeschüttete Terrain bot für einen Turmbau überhaupt nur eingeschränkte Möglichkeiten. Das bei der Grabung 1949 freigelegte Mauerwerk war für eine Mehrgeschossigkeit recht schwach dimensioniert und diente als Westbau vielleicht nur als Widerlager für die Hochschiffarkaden und als Unterbau für eine neue Westempore. Möglicherweise glich die Westfassade des damaligen Neubaus dem verbreiteten Typus turmloser ottonischer Stifts- oder Grabeskirchen nach burgundischem Vorbild, etwa in der Art der Stiftskirche Beromünster: mit einem basilikalen Aufriss mit Satteldach, Pultdächern über den Seitenschiffen, einem zentralen Portal und davor einer schmalen, queroblongen Vorhalle, die ebenfalls mit Pultach auf halber Höhe an die Fassade anschließt; darüber eine Fenstergruppe, die in Aschaffenburg als Dreiergruppe aus der Bauzeit des 12. Jh. erhalten geblieben ist. Diesem Typus, dem etwa in der Nachfolge von Cluny II auch schon die Stiftskirche Zyfflich am Niederrhein folgt, entsprechen in Aschaffenburg auch das wenig über die Flucht der Seitenschiffe vortretende Querhaus, der flache Chorschluss sowie die zwischen Querhaus und Chor gesetzten (doppelgeschossigen) Kapellen.

Im Bauverlauf folgen im 2. Viertel des 13. Jh. die ein Joch tiefe Westempore, das Querhaus und der Chor und gegen Ende des Jahrhunderts die Vorhallen. Die ältesten Steinmetzzeichen am Vierungspfeiler werden der 2. Hälfte des 13. Jh. zugewiesen. Das Langhaus mit zehn Achsen, das nach Entfernung des Lettners vor 1691 erst 1880/81 auf elf Achsen erweitert werden sollte, wurde im Verhältnis zum Vorgänger etwa doppelt so lang. Ebenso wurden die Seitenschiffe verbreitert. Das notwendige Heranrücken des Chors an Hang und Stadtmauer im Südosten führte zur Abweichung der Chorachse nach Norden. Geschuldet war auch dies dem Wunsch, den Grabbau der Königin Liutgard im Sinne der geistlich-politischen Sukzession der Bauherren als Fundament des Chores zu integrieren. Über den Langhausarkaden sitzen im Obergaden Rundbogenfenster, von denen drei über dem ehem. Orgelerker im Westen der Südwand verkürzt werden mussten. Charakteristisch für die Aschaffenburger Kirche ist der wohl auf den karolingischen Vorgängerbau zurückgehende flache Schluss des einschiffigen Chores, der in zwei Jochen mit stark überhöhten Kreuzrippengewölben ausgeführt wurde. Während seine Gurte und Bögen ungegliedert sind, zeigen die spitzbogigen Rippen ein Birnstabprofil. Die Wandpfeiler entwickeln runde, sich ins Quadrat wendende Eckdienste mit Knospenkapitellen. Im Querhaus und im Vierungsgewölbe erscheinen Schlusssteine bzw. ein Steinring. Der Chorbogen ruht auf maskierten und reich mit Akanthus ornamentierten Konsolen aus der Bauzeit. Die Gewölberippen der Vierung sind im Querschnitt kleeblattförmig. Sie ruhen auf Dreivierteldiensten mit attischen Basen, Blattkapitellen und Schaftringen (Reste der Vergoldung des 19. Jh.).

Aus dem westlichen Joch des Chores führen Pforten in die angrenzenden Räume. Im östlichen Chorjoch sind an den Seiten zur Belichtung des Altarraums je zwei romanische Rundbogenfenster erhalten. Die großen dreibahnigen spitzbogigen Fenster an den Stirnwänden des Querhauses sind nachgotische Zutaten der Erneuerung nach 1618. Zur effektvolleren Inszenierung des Chorraums wurde dessen großes Ostfenster 1771/72 zugesetzt und der Chorschluss im Zuge des barocken Altarneubaus als flache Nische mit illusionistischem Architekturstuck gestaltet. Die seitlich in den Chorwänden vorhandenen barocken Wandnischen wurden 1880/82 mit Kämpferprofilen teilweise neuromanisch überformt. Neben der raumkünstlerischen Absicht bedingte auch der Einbau einer Gruftkammer die Erhöhung des östlichen Chorjochs um sieben Stufen, wofür auch die „Stiftergräber“ versetzt werden mussten. Der ehemals das Sanctuarium abgrenzende Lettner wurde 1691 durch ein Chorgitter des Schlossers Hans Georg Ulrich ersetzt, das man 1772 im Zuge der Hochaltargestaltung wieder beseitigte. Der Lettner schloss zuvor das letzte Joch des Langhauses mit Vierung und Chor zusammen. Eine Abtrennung gegen die Querhauskapellen unterblieb, da die Seitenschiffe im Osten ursprünglich geschlossen waren. Fundamentreste des Lettners wurden von Klewitz ergraben; von der Bauplastik sind Kapitelle erhalten (Historisches Museum Frankfurt). Ein Plan des zwischen 1618 und 1625 im kurmainzischen Dienst tätigen Hofbaumeisters Matthias Erb zeigt einen Lettner mit dreischiffigem und zwei Joche tiefem Gewölbe, zur Vierung weist er Strebepfeiler und zwei den Vierungspfeilern vorgesetzte Spindeltreppen zur Lettnerempore auf. Zum Langhaus tragen vier frei stehende Säulen verzogene Gewölbe mit spätgotischen Stutzrippen. Drei Arkaden öffneten sich zum Langhaus und je eine weit gespannte Arkade zu den beiden Seitenschiffen. Fath geht dafür vom Vorbild des vor 1239 vollendeten Lettners des Naumburger Meisters und der Werkstätten am Mainzer Dom aus. Der Erb’schen Zeichnung zufolge erscheint der Lettner im Kern der polygonal vorspringenden Chorschranke der Marienkirche in Gelnhausen verwandt. Da der Erb’sche Grundriss jedoch eher als Mischung von Bestandserfassung und Planung anzusehen ist, könnten die komplizierten Gewölbeformen auf eine erst geplante Überarbeitung oder Erweiterung des Lettnergewölbes hindeuten. 1568 wird jedenfalls ein Kreuzaltar am Lettner, der im Erb’schen Plan am südlichen Pfeiler eingetragen ist, als Frühmessaltar erwähnt. Die nach dem Abbruch des Lettners fehlenden Langhauspfeiler vor dem Chorbogen wurden erst 1880/81 in „alter“ Form ergänzt.

Nach dem Erb’schen Plan waren die Querhausarme an den östlichen Stirnseiten der Seitenschiffe ursprünglich geschlossen. Hier führten nur kleine Pforten in die als eigenständige Kapellen genutzten Querhausarme. In der nördlichen Thomaskapelle ist eine Altarstiftung schon 1259 nachgewiesen. Mit dem Abbruch der Martinskapelle am Badberg 1771/72 wurde deren Patrozinium 1776 auf die hiesige Kapelle übertragen. Für den Thomasaltar hatte Konrad Bechtold (1698–1786) ein Altarblatt gemalt. Dieser Altar wurde 1816 abgebrochen und an seiner Stelle Heinrich Philipp Sommers (1778–1827) Erthal-Monument aufgestellt, wo es bis 1879 verblieb. Im südlichen Querhausarm, der „Valentinskapelle“, stand der von Kardinal Albrecht beauftragte und aus Halle nach Aschaffenburg transferierte Valentinsaltar mit den Tafeln der Malerwerkstatt Lucas Cranachs. Die zweigeschossigen Chorkapellen zwischen Chor und Querhausarmen sind anstelle von Vorgängerbauten bereits in der 2. Hälfte des 13. Jh. entstanden. Sie waren ursprünglich zum Querhaus mit Arkaden geöffnet, die man 1880/81 für die Altareinbauten im Querhaus geschlossen hat. Die Andreaskapelle im Süden zeigt Kreuzgratgewölbe über Konsolen. Sie dient heute als Vorraum zur Sakristei. Noch zu Beginn des 19. Jh. ist in der Nordostecke ein Altar dokumentiert. Über eine Wendeltreppe der Renaissance gelangt man in das Obergeschoss, das 1554 als „Neue Ornatkammer“ bezeichnet wird. Hier befand sich der später zugesetzte Zugang zum Oratorium („Stand“) Albrechts von Brandenburg. Nach Westen sind zwei zugesetzte, spitzbogige Fenster erhalten. Im Zuge des Sakristeianbaus wurde 1612/13 die Wendeltreppe erweitert. Der obere Raum wurde damals als „Silberkammer“ bezeichnet.

Die nördliche Chorkapelle, die Nikolauskapelle, dient heute als Lagerraum. Auch sie zeigt Kreuzgratgewölbe über Konsolen. Die ursprünglich apsidiale Altarnische in der ehem. Ostwand wurde von Klewitz nachgewiesen. Die heute hier ansetzende Raumflucht ist eine Erweiterung von 1914 und diente als Paramentenkammer. Das Obergeschoss der Kapelle war vom Kreuzgang her zugänglich. Der Raum ist mit einem Tonnengewölbe versehen und ehemals gewährte ein kleines Fenster Einblick in den Chorraum. Auf der Nordseite befindet sich ein zweibahniges, nachgotisches Fenster. Der Raum, dessen ursprüngliche Funktion unbekannt ist, dient heute dem Stiftsmuseum zu Ausstellungszwecken. Im späten 13. Jh. wurde am südlichen Seitenschiff, beginnend im Osten, mit dem Anbau von Kapellen begonnen. Diese Bautätigkeit währte bis gegen Ende des 14. Jh. Die Dreifaltigkeitskapelle umfasst zwei Joche und ist mit dem Seitenschiff über zwei Kleeblattarkaden unterschiedlicher Weite und mit variierter Bogenlinie verbunden. An ihrer Ostwand befindet sich das Epitaph des Kanonikers Heinrich Reitzmann (†1528), darunter seit den 1950er Jahren die „Beweinung Christi“ von Matthias Grünewald. Die folgenden vier Kapellen mit Kreuzgratgewölben springen leicht über die Flucht des Querhauses vor. Sie wurden 1811 durch Öffnung der Trennwände räumlich aneinander gekoppelt. Die Magdalenenkapelle vom Anfang des 14. Jh. hat drei getreppte Spitzbogenfenster mit je zwei Bahnen. Hier befindet sich seit seiner Entstehung der Magdalenenaltar von Hans Juncker von 1617/20. Die Jakobuskapelle hat drei gleich hohe Spitzbogenfenster, während die Laurentiuskapelle ein Kreuzrippengewölbe ohne Konsolen und erneut getreppte Spitzbogenfenster zeigt. Die Leonhardskapelle stammt aus dem frühen 15. Jh. Ihr Gewölbescheitel liegt höher als bei den vorher genannten Kapellen. Sie hat ein Kreuzrippengewölbe mit Birnstabprofil und ein sechsteiliges Spitzbogenfenster. Die Kapellen im Norden entstanden erst Ende des 15. Jh. Sie weisen, bedingt durch ihre Lage am nördlichen, zum Kreuzgang führenden Umgang, eine nur geringe Tiefe auf. Die östliche Nothelferkapelle (bis 1803 Hieronymuskapelle) besitzt ein Kreuzrippengewölbe. An ihrem Bogen befindet sich das Wappen des Erzbischofs Berthold von Henneberg (reg. 1484–1504), an der Westwand steht das Epitaph des Stifters, des Kanonikers und Kustos Johannes Will († 1517), dessen Wappen auch im Gewölbe erscheint. 1811 wurde der 1682 gestiftete Nothelferaltar aus der benachbarten Annakapelle in diese Kapelle übertragen.

Die Annakapelle zeigt ein Kreuzrippengewölbe und Fenstermaßwerk mit Fischblasenmotiven. Hier wird 1568 ein Annenaltar erwähnt. In der Kapelle befindet sich die um 1645/45 entstandene Kalvarienberggruppe mit hl. Katharina und „Anna selbdritt“ von Zacharias Juncker d. Ä. (1578–1665); sie ist der Rest des sog. „Taufaltars“, der sich von 1767 bis 1879 in der südlichen, danach bis 1981 in der nördlichen Turmkapelle befand. Die Maria-Schnee-Kapelle wurde von den Kanonikern Georg und Kaspar Schanz gestiftet. Kardinal Albrecht von Brandenburg weihte sie am 21. Oktober 1516. Der Bau erstreckt sich über zwei Geschosse und überwölbt die Nordvorhalle. Dabei schneidet die Fassadengliederung in die Arkadenstellung des 13. Jh. ein. Der Kapellenraum mit zwei in westöstlicher Richtung angelegten Jochen wird von Sterngewölben mit Schlingrippen über figürlichen Konsolsteinen charakterisiert. An der Nordwand trägt der Gewölbeanfänger das Wappen Kardinal Albrechts mit Widmungsinschrift. Als Schlussstein erscheint im Gewölbe das bürgerliche Wappen der Brüder Schanz. Die Gewölbe im nördlichen Seitenschiff wurden an der durch zwei Spitzbogenarkaden gegliederten Lichtöffnung zum Kircheninneren erhöht; im Dachgeschoss zugesetzte Sängerempore. An der Ostwand der Kapelle befindet sich das bedeutende Renaissance-Retabel für Matthias Grünewalds „Maria-Schnee-Altar“. 1871/73 erfolgte im Innern eine Rekonstruktion der Gewölbemalerei nach Befund. Die Wandschale wurde daraufhin mit einem „Teppichmuster“ gefasst. Die Schmiedearbeiten aus dieser Zeit wurden nach Entwürfen des Architekten Schlieben ausgeführt.

Die spätromanische Westempore wird in Quellen des 17. Jh. „hinterer Lettner“ genannt und war von Anfang an mit einem Altar ausgestattet. Ihre Vergrößerung zu einer dreischiffigen Sänger-, später Orgelempore erfolgte in nachgotischen Formen ab 1618 unter Leitung von Matthias Erb. Das Gewölbe wurde in der Tiefe zweijochig mit breiten Gurten und Kreuzgratgewölben unter Verwendung aufwendiger älterer Blattkapitelle aus der Zeit um 1220/30 ausgeführt. Diese stammen wahrscheinlich aus dem Abbruchmaterial der alten, 1552 zerstörten Aschaffenburger Burg. Die vegetabilen Formen weisen nach Fath u. a. nach Mainz (Dom, Leichhofportal) und Gelnhausen (St. Peter). Zum Langhaus hin schließt die Empore mit gekuppelten Säulenpaaren. Von den Vorhallen, die als Umgang der äußeren Erschließung des Kreuzgangs dienten, führen zwei Portale ins Kircheninnere: das um 1220/40 entstandene Hauptportal im Westen und das wohl noch etwas ältere Nordwestportal. Über diesem wurde ein 1483 datiertes Lichthäuschen angebracht. Als drittes verbindet das Nordostportal, das wohl aus der Bauzeit des Chores stammt, den Kreuzgang mit dem nördlichen Seitenschiff. Das dreifach gestufte Westportal wird durch eine durchlaufende Archivolte mit Rankenfries charakterisiert. Die nahezu vollplastischen Figuren der Stiftspatrone im Tympanon überschneiden dessen Bogenlinie und steigern dadurch den räumlichen Eindruck der Skulpturengruppe. Wie am etwa zeitgleichen Hochaltargemälde (Stiftsmuseum) erscheint der thronende Heiland am Ende der Zeit flankiert von Petrus mit dem Schlüssel in antikisierender Tracht und dem hl. Alexander in päpstlichem Ornat mit Märtyrerpalme. Wirth konnte Vorbilder für die Bildhauerarbeit u. a. am Dom zu Worms und an St. Peter in Gelnhausen wahrscheinlich machen. Eine Restaurierung des Portals erfolgte 1881/82. Die westliche Vorhalle wurde wie auch das Langhaus zwischen 1719–21 durch Heinrich Wilhelm Warth aus Heidelberg mit einer Tonnendecke über Lattengerüst versehen. Unter dem Boden der Vorhalle und bis in den nordwestlichen „Turmstumpf“ reichend, hat sich ein bis in das 18. Jh. als Karner genutztes Gewölbe erhalten. Es wurde im Zuge der Kirchenerneuerung in den Jahren 1875/79 verfüllt. Nach Fath zeugt die Stiftskirche in der heute noch vorherrschend sichtbaren Gestalt des 13. Jh. vom Einfluss der niederrheinischen Baukunst. Über den Westchor des Mainzer Doms, die Marienkirche in Gelnhausen sowie über Motive am Chor der Abteikirche in Seligenstadt und der Klosterkirche Bronnbach sei dieser verwandte Formbestand mit der Ornamentik der Aschaffenburger Stiftskirche verbunden. Fath verwies zudem auf westfälische Vorläufer, insbesondere die verwandte Chorgestalt des Doms zu Paderborn, und, wie Wirth, auf Ähnlichkeit der Tympanonplastik am ehem. Portal des Wormser Doms. Klewitz sah dagegen für die frühen Bauteile und für das Aschaffenburger Langhaus das Vorbild in den Reformbauten der Hirsauer Schule und verwies für die späteren Teile auf die zisterziensische Bautradition (Maulbronn, Ebrach, Michaelskapelle). Die zeitliche Abfolge beschrieb er als mit den Bauten in Mainz beginnend, worauf die Bauten von Aschaffenburg folgten, die er um 1250 als weitgehend vollendet erachtete, und dann, wiederum hiervon beeinflusst, als mit Babenhausen (Pfalzsaal) und Gelnhausen abschließend.

Der Neubau der Kirche im späten 12. und 13. Jh. stellte eine ambitionierte Erweiterung nach Westen dar, in der man die Kirche bis hart an den Rand der bebaubaren Fläche führte. Jedoch erst der Architekt der späten Gotik errichtete südlich der Fassade einen Turm auf dem dort geeignet erscheinenden Baugrund. Das mächtige Bauwerk dient bis heute als weithin sichtbare Landmarke. Der Südturm wurde vielleicht schon vor 1418, als Stiftungen für den Kirchenbau belegt sind, begonnen. Für einen Plan, dem Südturm ein Pendant im Norden an die Seite zu stellen, gibt es keine Anhaltspunkte, auch wenn man aus einem vermuteten misslungenen früheren Versuch einer Zweiturmfront am abschüssigen Stiftsberg entsprechende Schlüsse gezogen hat. Der Turm erhebt sich über zweigeschossigem, quadratischem Unterbau mit Strebepfeilern. Das Erdgeschoss wurde als Turmkapelle mit Kreuzrippengewölbe und ringförmigem Schlussstein angelegt und besitzt vierbahnige gotische Maßwerkfenster. Das zweite hohe Turmgeschoss weist nur kleine gekuppelte Spitzbogenfenster auf. Darüber folgt die hohe, ungleichmäßig oktogonale Glockenstube über einer kräftig dimensionierten Sockelzone. Der Rücksprung am Abschluss des Turmquadrats zum Oktogon wird durch eine umlaufende Maßwerkbalustrade und Fialen über kleinen Strebepfeilern akzentuiert. Die hohen, zwei- bzw. dreibahnigen Schallfenster laufen in Dreipässen und bekrönendem Vierpass aus und werden von Strebepfeilern mit Fialen begleitet. Die Fensterverdachung bilden reich verzierte Wimperge mit bekrönenden Kreuzblumen. Der Turm wurde in den oberen Partien erst gegen Ende des 15. Jh. fertiggestellt. Technologische Untersuchungen der erhaltenen Bauhölzer im Dachwerk lieferten Fälldaten zwischen 1342/43 und 1420/21. Der bekrönende Engel wurde 1539 aufgesetzt. Der steil aufragende Turmhelm ist heute schiefergedeckt (1970/71) und weitgehend schmucklos. Eine umfassende Außenrenovierung mit Sanierung des Glockenturms erfolgte in den Jahren 2003/06. Die Turmkapelle im nordwestlichen „Turmstumpf“ diente ehemals als Paramentenkammer mit Zugang von der Vorhalle. Von 1879 bis 1981 war sie als „Taufkapelle“ in Gebrauch, seitdem als „Marienkapelle“. Ein 1881/82 neu eingezogener Rundbogen öffnet sie zum Emporengewölbe. Die Wand- und Deckenausmalung von 1875/79 wurde 1981 wieder freigelegt. Sie besteht aus gequaderten Wandflächen mit oben und unten durchlaufenden Zierfriesen und einem blauen, goldgestirnten Himmel .

In der Karwoche 1945 erfolgten an der Südseite der Kirche starke Beschädigungen durch Artilleriebeschuss. 1946/48 wurden erste Ergänzungen der Dachkonstruktion und des Umgangs sowie der Schiefereindeckung durchgeführt. Die Erneuerung der Maßwerkfenster erfolgte in veränderten Formen durch die Meisterschule für Steinmetze, Aschaffenburg. Das Geläute der Stiftskirche umfasst heute 10 Glocken, darunter die um 1250 gegossene Gloriosa (f’) als einzige in situ verbliebene Glocke des historischen Bestands. Alle übrigen Glocken wurden zwischen 1955 und 2005 hergestellt. Das vergoldete Zifferblatt der Turmuhr trägt die Datierung 1714. Uhr und Läutwerk wurden 1872 von der Firma J. Mannhardt, München, installiert. 1958 wurde ein Werk der Firma Neher Söhne, München, eingebaut. Die Außenfassade der Maria-Schnee-Kapelle war bis zur barocken Dacherneuerung mit einem Treppengiebel abgeschlossen und von drei Strebepfeilern mit Figurenbaldachinen gegliedert. Die Kapelle erreichte am Außenbau die Höhe und Ausdehnung eines zweiten „Querhausarms“ im Westen. Durch ihren Bau wurde eine bewusste städtebauliche Maßnahme getroffen und die „Hauptfassade“ der Kirche von der eng bebauten Westseite dem offenen Platz zugekehrt. In die Fassade wurde die um 1440 entstandene Figurengruppe des hl. Martin mit dem Bettler, des Stadt- und Bistumspatrons, deren Original sich heute im Stiftsmuseum befindet, eingesetzt. Sie wurde ebenso wie die um 1500 anzusetzende Drei-Königs-Gruppe an den Strebepfeilern 1981 kopiert; letztere gelangte ins Kircheninnere.

Den starken Höhenanstieg zwischen dem Niveau des Stiftsplatzes und der Vorhalle der Kirche mit ihrer neuen durch die Maria-Schnee-Kapelle bewirkten Hauptfassade erschloss ursprünglich eine schlichte Treppenrampe. Die Umorientierung der Hauptfassade wurde 1723 durch die repräsentative, vom Platz her überleitende barocke Treppenanlage des Steinmetzen Johann Schuller aus Pflaumheim städtebaulich hochwirksam gesteigert. Mit wenigen breiten Stufen anhebend, führt sie, einen heute begrünten Hof einfassend, mit zwei je zweiläufigen Armen auf die der nördlichen Vorhalle vorgelagerte Terrasse. Dabei wird ihre räumliche Qualität durch die schweren Balustraden unterstrichen. Der Treppenhof wird als hypäthraler Andachtsraum am Eingang von den monumentalen Figuren der Stiftspatrone St. Peter und Alexander flankiert. Über seiner Stirnseite steht oben über der Brüstung auf der Terrasse eine große Kreuzigungsgruppe. Sie ist eine Stiftung des Kustos Johann Heinrich Rücklin und wurde 1699 von Anton Wermerskirch (1654–1728) aus Aschaffenburg geschaffen. Die Originalfiguren der Stiftspatrone von 1723 vom Speyrer Bildhauer Vinzenz Möhring (1718–1777) befinden sich heute im Museum, statt ihrer wurden 1931 die Sandsteinkopien des Aschaffenburger Bildhauers Otto Gentil (1892–1969) aufgestellt, die wiederum nach Kriegszerstörung durch die Steinmetzschule ersetzt werden mussten. 1870 wurde die neue Hauptfassade nach Plänen von Professor Georg Eberlein aus Nürnberg mit einem reichen neugotischen Fassadengiebel nachgestaltet. Der neue Treppengiebel, der weit unter der Höhe des barocken Traufgesims mit einem gestuften, von einem Maßwerkfries begleiteten Kaffgesims ansetzt, wird von Fialen und Maßwerkornamenten gegliedert, die, nach oben hin vollplastisch werdend, dem Giebel eine gesprengeartige Erscheinung verleihen. In der Giebelmitte erscheint unter einem krabbenbesetzten Kielbogen eine Maßwerkrosette (Maßwerk 1978/81 z.T. erneuert). Darunter befindet sich auf einer im Kaffgesims verkröpften Konsole und von einem gotischen Baldachin überfangen die o. gen. Figurengruppe des hl. Martin mit dem Bettler. Der Platz, die 1995 mit der Rekonstruktion der „Löwenapotheke“ vervollständigte Randbebauung und die Kirche bilden gemeinsam ein markantes stadträumliches Ensemble, zu dem der qualitätsvolle Rathausneubau (1958) in einen reizvollen Dialog tritt.

Ausstattung:

In ihrer bis heute reichen Ausstattung tritt die über 1000-jährige Kunst- und Frömmigkeitsgeschichte der Kirche zum Teil in Werken von höchstem Rang in Erscheinung. Gleichwohl sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Werke verloren gegangen, andere sind in öffentliche Sammlungen gelangt, darunter die Museen der Stadt Aschaffenburg (Stiftsmuseum und Schlossmuseum) und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Diese historisch bedingte Abwanderung betrifft insbesondere den einst großen Bestand an Werken Matthias Grünewalds. Unter den zahlreichen Tafelbildern, die das Stiftungsamt 1829 an die Bayerische Zentralgemäldegalerie verkaufte, befand sich auch die Erasmus-Mauritius-Tafel (vor 1525), die 1836 Teil der glanzvollen Eröffnung der Alten Pinakothek in München war. Schon 1613 hatte man als Geschenk für Herzog Wilhelm V. Grünewalds „Verspottung Christi“ (um 1503/05) an den Münchner Hof gegeben, eine Tafel, die ursprünglich wohl Teil eines Epitaphs für den Vizedominus Johannes von Cronberg (†1506) gewesen war. Nach 1809 gelangte, ebenfalls nach Verkauf, Grünewalds „Stuppacher Madonna“ in die Pfarrkirche des gleichnamigen Ortes nahe Wertheim. Das heute an der nördlichen Langhauswand der Kirche angebrachte überlebensgroße ottonische Kruzifix kann nach einer 1988/90 durchgeführten Untersuchung in die Zeit kurz nach 980 datiert werden (Kreuz dendrochronologisch auf „978“, Korpus mit C-14-Methode „um 980“ datiert). Es zählt damit zu den ältesten großplastischen Werken des Mittelalters in Deutschland. Die eindringliche Darstellung hing sehr wahrscheinlich im Triumphbogen der ottonischen Kirche. Dass es sich noch in der staufischen Kirche an solcher Stelle befand, belegt nach Horn das zweite, aufgemalte und erst bei der Restaurierung 1952 in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege auf der Rückseite unter einer Überfassung wieder entdeckte Kruzifix des frühen 15. Jh.. Das Kreuz besteht aus Eichenholz, der Korpus ist aus Linde gearbeitet; beide Teile zeigen weitgehend Originalfassung. Der Typus folgt dem mit vier Nägeln gemarterten Christus mit Suppedaneum. Das nach links gewendete Haupt wird von einem gemalten Kreuznimbus hinterfangen. Der an den Rändern des Kreuzes umlaufende Edelstein- und Perlenfries erinnert nicht nur formal an das als crux gemmata gestaltete „Mathildenkreuz“ im Essener Stiftsschatz, auf dem rückseitig die Äbtissin Mathilde (†1011) und ihr Bruder Herzog Otto von Schwaben gemeinsam als Stifter erscheinen. Möglicherweise handelt es sich bei dem repräsentativen Aschaffenburger Bildwerk um eine Gedächtnisstiftung Mathildes für ihren 982 verstorbenen Bruder. Beide waren Erben aller mit dem Stift verbundenen Rechte, die nach dem Tod des Herzogs als Schenkung an den Mainzer Stuhl gelangten. Das ottonische Kruzifix befand sich lange Zeit am Treppenaufgang zur Maria-Schnee-Kapelle. 1952 tauschte es den Platz mit dem im „byzantinischen“ Stil von Ludwig Foltz 1862 geschaffenen Kruzifix im Langhaus, wobei man dessen neuromanische Konsole übernahm.

Zu den ältesten Ausstattungsstücken der Kirche zählt das 1986 im Fehlboden des Stiftskapitelhauses aufgefundene Aschaffenburger Tafelbild aus der Zeit um 1240/50. Es stammt vermutlich vom ehem. Hochaltar der Stiftskirche und befindet sich im Stiftsmuseum. Auf über Eichenholz gespanntes Pergament gemalt, zeigt es die Deesis, Christus flankiert von Maria und Johannes dem Täufer, und die Stiftspatrone, die hll. Petrus und Alexander. Das Bild unbekannter Herkunft gehört zu den ältesten Tafelgemälden Deutschlands. Elemente des „Zackenstils“ verbinden es mit der mittelrheinischen Kunst wie auch mit Werken des Würzburger Raums. Das „Stiftergrabmal“ Herzog Ottos in der südlichen Chorwand, der heute auf dem Niveau der barocken Altaranlage von 1772 in eine Nische eingelassene Sarkophag des 13. Jh., bildete mit dem Otto-Epitaph von 1524, dem historisierend gestalteten Erbach’schen Epitaph von 1606 und der Hallenser Grabplatte Kardinal Albrechts ein im Laufe der Zeit zusammengewachsenes Ensemble. Die so nach und nach entstandene, der Memoria zentraler Protagonisten der Stiftsgeschichte dienende Grabanlage im Chor („in loco epitaphii“) stand im Dienste des Sukzessionsgedankens der Mainzer Erzbischöfe. Diese Auffassung wurde noch im Barock durch eine formale, gotisierende Vereinheitlichung unterstrichen, seit dem 19. Jh. im Zuge der Nutzung als Pfarrkirche jedoch überformt und in jüngster Zeit durch Abtrennung einzelner Teile ganz in musealisierender Weise verändert und dadurch in ihrer ursprünglichen Intention verunklärt.

Wie die bei Öffnung der Sarkophage von Herzog Otto und Königin Liutgard 1956 festgestellten geringen Innenmaße der Behälter (1,74×0,56×0,42 m und 1,48×0,26×0,23 m) nahelegen, scheint schon im 13. Jh. die räumliche Inszenierung der „Stiftergrabmäler“ mehr im Vordergrund gestanden zu haben als die eigentliche Umbettung der Leichname, wofür auch die Zusammenlegung der Gebeine Königin Liutgards mit jenen ihrer Tochter Hildegard († 895) spricht. 1772 wurde der Sarkophag Ottos in eine höhere und weiter östlich liegende Position versetzt und erst beim Einbau des Chorpodestes mit dem Wandepitaph für Herzog Otto von 1524 vereinigt. Wahrscheinlich stand der um 1260 entstandene, allansichtig gearbeitete Sarkophag Herzog Ottos einst frei im Chorraum. Doch schon seit dem 15. Jh. befand er sich, dem Liutgard-Monument entsprechend, in einer ausgemalten Nische in der Südwand und war von oben und an drei Seiten zugänglich. Das vertiefte Feld des Tumbendeckels war ursprünglich mit einer gemalten oder stuckierten Darstellung des Herzogs versehen, deren Umrisse beim Ausbau noch erkennbar waren. Als Ersatz hierfür schuf 1606/08 Hans Juncker die den Herzog historisierend darstellende Bildnisplatte, die sich heute im Stiftsmuseum befindet. 1772 wurde dieses Relief entfernt und der Sarkophag unter dem Otto-Epitaph von 1524 wandbündig eingemauert. Dieses von Kanonikus und Kustos Heinrich Reitzmann in Auftrag gegebene Epitaph ist mit einem Korbbogen abgeschlossen und wird von einem Eselsrücken bekrönt. Im Bogenfeld erscheint die mit „OTTO DVX“ bezeichnete Halbfigur des „Stifters“. Die Steinarbeiten werden dem im Stift etwa zwischen 1520 und 1530 tätigen Meister Wendel zugeschrieben. Otto ist mit Herzogshut und Schwert in einem mit Hermelin verbrämten Umhang wiedergegeben. Geflügelte Genien präsentieren die Wappen von Schwaben, Bayern und Sachsen. Die bronzene Inschriftenplatte ist mit seitlichen Balustersäulen und geflügelten Genien besetzt. Letztere tragen Trauerfackeln und halten jeweils einen Reichsapfel als Zeichen von Ottos Abkunft aus kaiserlicher Familie in der Hand. Die Tafel wurde von Mader und Arens der Nürnberger Vischer-Hütte zugewiesen. Reitzmann lieferte wohl den Text der Inschrift. Sie bezeichnet Königin Liutgard und Herzog Otto, einem damals verbreiteten Gründungsmythos folgend, fälschlich als Eheleute und nimmt Hildegard, einst Nonne im Konvent von Kloster Chiemsee, als deren gemeinsame Tochter in Anspruch. Das untere, in Stein ausgeführte Distichon ist Teil der Wandnische. Sein appellativ vorgetragener Vanitas-Topos wird seitlich von den Allegorien „Jugend (Leben)“ und „Tod“ in Gestalt eines Mädchens und eines gekrönten Totenschädels illustriert.

Das „Stiftergrabmal“ der Königin Liutgard und ihrer Tochter Hildegard († 895) an der Nordwand des Chores entstand um die Mitte des 13. Jh. zusammen mit dem Chorneubau. Farbabnahmen einer Überfassung von 1881/82 und eine anschließende Restaurierung erfolgten durch Hans Schubert, Karlstein, nach der Öffnung von 1956. Nach Arens wurde damals eine flache Wandnische (T. 0,29 m) mit Segmentbogen sowie Resten einer später übertünchten Wandmalerei des 15. Jh. freigelegt, auf der Liutgard und Hildegard ein Kirchenmodell mit Doppeltürmen auf den Händen tragen. Mit der Wandmalerei am Turmaufgang, einer „Kreuzigung“ des 15. Jh., und einigen Fragmenten im Kreuzgang sind dies die geringen Reste einer einst wohl umfangreicheren Ausmalung der Kirche. Beim Ausbau des Sarkophags zeigte sich zudem, dass die Tumba der Königin Liutgard jeweils seitlich etwa bis zur Hälfte sauber und teilweise durchbrochen gearbeitet ist und somit ursprünglich in der Nische des 13. Jh. nur teilweise frei stand. Wie beim Otto-Grabmal gegenüber wurde der Sarkophag 1772 beim Einzug des Chorpodestes erhöht und nach Osten versetzt eingemauert. Johann Wirsching, Konrad Schüller und Franz Wilhelm Köhler fertigten im Auftrag des Kapitels dazu in gotischen Formen nach Vorbild des Otto-Grabmals den architektonischen Wandschmuck aus Stuck und bemaltem Sandstein. Auf diese Weise wurde das formal heterogene Ensemble zusammen mit dem neuen Hochaltar zu einer repräsentativen Grabanlage im Chor vereinheitlicht. Im Bogenfeld des Liutgard-Grabmals präsentieren zwei Putten das Wappen Sachsens. Die beim Umbau angebrachte Inschrift greift wie am Otto-Epitaph den Gründermythos des „Stifterehepaares“ auf. Die untere in Stein ausgeführte Inschrift mit Chronogramm (1772) bildet mit „Mädchen“ und „Totenschädel“ die Vanitas-Thematik des Otto-Grabmals nach. Die Nischenarchitektur wurde 1956 nach Wasserschäden durch kriegsbedingte Beschädigung weitgehend erneuert. Der heutige 1771/74 errichtete Baldachinaltar folgt einem Entwurf des kurtrierischen Hofarchitekten Johannes Seitz. Ausführende der Marmorarbeiten waren Johann Hoyer aus Mainz und Hieronymus Schwind aus Nassau-Diez. Johann Michael Henle aus Mainz führte die Schreiner- und Bildhauerarbeiten aus und Christoph Erbes übernahm 1774 die Fassmalereien. Die Konkurrenzentwürfe des kurpfälzischen Hofbaumeisters Francesco Rabaliatti (um 1716–1782) und Johann Konrad Bechtolds aus Aschaffenburg sind erhalten.

Die Altaranlage mit den Patrozinien Gottvater, Maria Himmelfahrt, Petrus und Alexander, Jakobus sowie Martin von Tours wurde auf die optische Weitung der durch die Topographie eingeschränkten Chorarchitektur angelegt. Sie nutzt das Motiv des seitlichen Lichteinfalls sowie der räumlichen Trennung von Altartisch und Tabernakel für einen räumlich-illusionistischen Effekt. An der Bekrönung erscheint das Stifterwappen des Kanonikers Jakob Merkel († 1769), der ein Legat für diesen Altar hinterlassen hatte. Die Weihe erfolgte im September 1775. Der Baldachin wurde 1881/82 graugrün gefasst, eine Farbabnahme und angleichende Restaurierung erfolgte 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Hinter dem um drei Stufen erhöht stehenden Altar erscheint der zugehörige, rückwärtig an der Chorwand errichtete Tabernakel in Form eines von Engeln flankierten spätbarocken Altaraufbaus. Der Altar wird überfangen von einem den Chorraum einnehmenden Ziborium in Form eines offenen Baldachins aus vier, auf hohen Postamenten stehenden Säulen, die über Gebälkfragmenten ein geschwungenes Gesims tragen. Über den Säulen entwickeln sich in zwei gegenläufigen C-Schwüngen schlanke Volutenspangen, die einen weiteren verkröpften Gesimsring emporheben. Der Nahtstelle zwischen den Voluten entwachsen im Schwung nach oben strebende Bänder, die in eine Palmpflanze übergehen, die den Gesimsring nach oben durchsteigt und diesen bekrönt. Während das vordere Baldachingesims sich öffnend nach oben gebogen ist, erscheint am rückwärtigen Gesims eine transparente Gloriole, von der Lichtbündel aus Wolken auf Tabernakel und Altar fallen. Der Hochaltar geht letztlich wie viele Altäre des 18. Jh. in seiner Gestalt auf Berninis Baldachin in St. Peter in Rom von 1624/33 zurück und transponiert die klassische Idee in eine lichte und leichte Variante des Rokokos, zu der auch die als Hintergrund wirkende Gloriole über dem Tabernakel wirkungsvoll in Einklang gesetzt ist.

Der Hochaltar der Stiftskirche fand noch im 18. Jh. Nachahmungen in der Muttergottespfarrkirche (Schloßstraße 13) und in der Pfarrkirche St. Justinus von Alzenau. Die am nördlichen Übergang zum Chorraum aufgestellte Madonna ist eine spätgotische Figur aus der Zeit um 1450/60 von hervorragender Qualität, die wegen der stark verunklärenden Überfassung des letzten Jahrhunderts kunsthistorisch wenig beachtet wird. Nach E. Schneider soll sie sich einst in der nördlichen Turmkapelle befunden haben. Im südlichen Querhausarm befindet sich seit 1956/57 der archivalisch für Steinmetz und Baumeister Konrad von Mosbach belegte und 1484 datierte Taufstein in Form eines Kelchs mit Blendmaßwerk. Die Maßwerkfelder zeigen farbige Reliefs mit dem Wappen des mehrfach in der Stiftskirche dokumentierten Erzbischofs Berthold von Henneberg († 1504) und fünf Engel mit Musikinstrumenten, einem Buch bzw. einem Schriftband. Die Reste originaler Fassung gehen auf einen urkundlich belegten Fassmaler „Mathis“ zurück, was in der älteren Forschung im Hinblick auf Matthias Grünewald für Spekulationen gesorgt hat. Der Taufstein stand seit 1767 im Zusammenhang mit dem „Taufaltar“ im südwestlichen Turmuntergeschoss. Davor war sein Platz am nördlichen Langhauspfeiler gegenüber der Kanzel gewesen, wo zuvor eine Frühmesskanzel gestanden hatte. Ab 1879 befand er sich in der damals eingerichteten „Taufkapelle“ im nordwestlichen Turmuntergeschoss. Sein neugotischer, nach Entwurf Theodor Schliebens von den Schreinermeistern Sebastian Brehm und Josef Fries, Aschaffenburg, ausgeführter Deckel ging im Zweiten Weltkrieg verloren und wurde 1956/57 durch einen Kupferaufsatz der Kunstwerkstatt Josef Amberg in Würzburg ersetzt. Farbabnahmen und eine Restaurierung nach Befund erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein.

Das Maria-Schnee-Retabel in der gleichnamigen Kapelle wurde im Testament des Kanonikers und Kustos Heinrich Reitzmann (†1528) von 1514 und 1517 als vorbereitet bezeichnet. Die Tafeln dafür sollte „magister Matheus in Selgenstat“ liefern. Gemeint war der seit Joachim Sandrarts „Teutscher Academie“ unter dem Pseudonym Matthias Grünewald (um 1475/80–1528) berühmte Künstler, der in den Quellen auch als „Mathis Neithart Maler von Würtzburgk“ erscheint. 1511 war Grünewald im Dienst des Erzbischofs Uriel von Gemmingen (reg. 1508–1514) leitender Werkmeister am Aschaffenburger Schloss geworden und ab 1515/16 als kurmainzischer Hofmaler für Albrecht von Brandenburg tätig. Die Altarstiftung durch Reitzmann, der 1506 das Fest Maria-Schnee in Aschaffenburg eingeführt hatte, und den Kanoniker Kaspar Schanz ist in der Inschrift des 1517/19 entstandenen Retabels dokumentiert und erfolgte 1519 zu Ehren des Heiligen Kreuzes, Maria-Schnee, der Heiligen Drei Könige und der hll. Georg und Martin. Das an der Ostwand am ursprünglichen Ort befindliche Retabel enthielt als Mitteltafel des „Schneewunderaltars“ Grünewalds sog. „Stuppacher Madonna“, die nach 1809 in die Pfarrkirche von Stuppach bei Bad Mergentheim gelangte. Das Retabel trägt rechts auf der Predella in Ligatur die Signatur „MNG“, für Mathis Nithart, gen. Gothart und ist 1519 datiert. Nach Hubach geht die Ergänzung der Ädikula durch seitliche Standflügel auf eine Planänderung noch zu Lebzeiten Grünewalds zurück. Der rechte Flügel mit dem „Schnee-Wunder“ ist erhalten (Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau). Die Tafeln der hll. Martin und Georg, die sich heute in der nördlichen Turmkapelle befinden, gelten als weitere, später entfernte, schwächere Teile des Retabels von anderer Hand. Das Retabel selbst stellt einen bedeutenden Entwurf in Formen und Proportionen der italienischen Renaissance dar. Anstelle des Grünewald-Bildes wurde zunächst die im Format größere „Anbetung der Könige“ Isaac Kienings von 1577 eingefügt, wofür die ursprüngliche Gliederung an den Seiten abgearbeitet werden musste. Der heutige Zustand des Retabels geht auf eine Restaurierung des Jahres 1956 von Hans Schubert, Karlstein, zurück. Die Kopie des Madonnenbildes schuf Christian Schad (1894–1982) im Auftrag der Stadt Aschaffenburg 1943/47. Es wurde 1948 aufgestellt.

Matthias Grünewalds „Beweinung Christi“, ein gestreckt querformatiges, um 1524/25 entstandenes Gemälde, befindet sich seit den frühen 1950er Jahren in einem Glaseinbau in der Dreifaltigkeitskapelle. Der vom Kreuz abgenommene Leichnam Christi und die hinter ihm kniende, eigentümlich vom Bildausschnitt abgetrennte Gottesmutter sowie weitere, zum Teil ungedeutete Gestalten werden seitlich gerahmt von Wappenhaltern mit den Wappen des Auftraggebers Kardinal Albrecht von Brandenburg zur Linken und seines Amtsvorgängers Theoderich von Erbach (reg. 1434–1459). Letzterer etablierte die Heiliggrabverehrung in Aschaffenburg und ist in der Stiftskirche begraben. Mit guten Gründen stellt die Tafel nach Hubach ursprünglich die Schreinfront des einst in der südlichen Turmkapelle aufgestellten „Heiligen Grabes“ dar, einer Stiftung Theoderichs von Erbach. Die „Beweinung“ diente bis 1880 am Valentinsaltar im südlichen Querhausarm als „Predella“, neben den Tafeln des „Magdalenenaltars“ der Cranach-Werkstatt. 1881/82 wurde sie durch den Hofmaler A. Hauser in München restauriert. In der südlichen Turmkapelle befand sich an der Südwand bis 1879 die Nische, die wohl einst den genannten Heilig-Grab-Schrein enthielt. In die Nische wurde 1767 die Kreuzigungsgruppe von Zacharias Juncker (1578–1665) mit den Figuren der hll. Katharina und Anna eingestellt, die sich heute in der Annakapelle befindet. Farbabnahmen und eine ergänzende Restaurierung der Gruppe erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Bei der Demontage 1879 zerbrachen die Architekturteile der Nische bis auf den sie bekrönenden „Wimperg“ aus der 2. Hälfte des 15. Jh., der 1880 vom Stiftungsamt an die städtischen Sammlungen überwiesen wurde.

Im nördlichen Querhausarm steht heute das Bronzegrabmal Kardinal Albrechts von Brandenburg, das dieser für seine geplante Grablege in der Neuen Stiftskirche in Halle an der Saale hatte anfertigen lassen und das er 1540/41 nach Aschaffenburg mitbrachte. Die für das Gebiet nördlich der Alpen hochbedeutende Anlage in frühen Renaissanceformen besteht aus zwei Bronzereliefs und einem Baldachin, auf dem der „Margarethenschrein“ ruht. Ihre heutige Zusammenstellung ist nicht ursprünglich, sondern erfolgte auf Vorschlag von Prof. Fritz Arens, Mainz, 1956/57 im Sinne einer „Gedächtnisanlage“. Das Epitaph hat hochrechteckige Form und wird oben eingezogen segmentbogig geschlossen. Die Grabplatte aus Bronze wird auf drei Seiten von einem Groteskenfries gesäumt. Sie zeigt als Hochrelief die „Liegefigur“ des Bischofs in frontal aufgefasster, „stehender“ Haltung mit Hirtenstab in der Linken und Kreuzpedum in der Rechten. Sein Haupt mit Mitra ist auf ein Brokatkissen gebettet. Die „textilen“ Partien sind mit einem gestochenen Granatapfelmuster belegt. In der Lünette darüber befindet sich die erzbischöfliche Wappenzier. Der umlaufende Groteskenrahmen ist mit neun Wappen besetzt (im Uhrzeigersinn, beginnend rechts oben): Halberstadt, Wolgast, Cassuben, Zollern, Neues Stift zu Halle, Burggraf von Nürnberg, Pommern, Brandenburg und Mainz. Im segementbogigen Auszug das Kapitelswappen des Erzstifts Magdeburg, bekrönt durch den Kardinalshut mit Pedum und Schwert. Hergestellt wurde der 1525 datierte Guss in der Werkstatt Peter Vischers d. Ä. (um 1450–1529) in Nürnberg. In der unteren Bildhälfte wurde als Folge der schon in Halle nach 1527 erfolgten Umwidmung vom Tumbendeckel zum Wandepitaph eine Inschriftentafel montiert. Das Todesdatum wurde nachträglich aus der Bosse gearbeitet, der Text für Aschaffenburg aktualisiert und dafür Buchstaben teilweise getilgt und verändert neu aufgenietet. Die von Johannes Vischer (1490–1549) aus Nürnberg signierte und 1530 datierte Reliefplatte der Muttergottes mit dem Jesusknaben ist in ihrer Gestaltung am Epitaph orientiert. Maria erscheint im Strahlenkranz auf der Mondsichel stehend und von musizierenden Engeln in den oberen Zwickeln umgeben. Das Bild offenbart Anleihen graphischer Vorlagen Albrecht Dürers und Lucas Cranachs d. Ä. Die Gottesmutter ist, angelehnt an die zeitgenössische Tracht, in Hemd und Mieder in einen langen Mantel gehüllt und nach rechts gewendet und trägt das ihr zugewandte Kind im linken Arm. Da diese Platte von Anfang an für eine wandfeste Montierung gedacht war, erhielt sie eine ausgeprägte Sockelzone, die Reliefs von Delfinen, Reben und Ranken zeigt. Die umlaufenden Schilde sind teilweise mit Motiven der Arma Christi und mit Wappen versehen (im Uhrzeigersinn, beginnend rechts oben): Hand mit Wundmahl, Fuß mit Wundmahl, Kreuz, Geißel, Stäubbündel, Neues Stift zu Halle, Kardinal Albrecht von Brandenburg, Neues Stift zu Halle, Geißelsäule mit zwei Stricken, Fuß mit Wundmahl, Hand mit Wundmahl; in der Lünette zwei Putten und drei Wappen: Herzwunde, Vera Ikon sowie drei Nägel, Isopstab und Lanze.

Der von der Vischer-Hütte 1536 geschaffene Baldachin überfing noch in Halle die steinerne, heute verlorene Tumba aus der Werkstatt des Bildhauers Loy Hering. Er besteht aus vier auf Piedestalen stehenden Pfeilern, die eine kastenartige Deckplatte mit Zargen im Gebälkprofil tragen. Die eingetieften Spiegel der Postamente und Pfeiler zeigen gestochene Grotesken nach italienischen Vorbildern, die Kapitelle aus dem Beschlagwerk entwickelte Hermenweibchen. Der Architrav trägt eine umlaufende lateinische Inschrift. Auf den Baldachinecken präsentieren kniende Engel Standleuchter, zwei weitere Engel flankieren auf der Stirnseite das große Brandenburger Wappen im Lorbeerkranz; zusätzlich kragen Leuchterarme aus dem Gebälk. Die Unterseite des Baldachindachs ist aus sechs Bronzeplatten gebildet, die in gestochenen Arbeiten die Herzwunde Christi verbunden mit den von Putten getragenen Arma Christi darstellen. Dazwischen sind zwei gestochene „Tafeln“ mit der Datierung „15/36“ zu erkennen. Die beiden bronzenen Reliefplatten waren seit ihrem Eintreffen aus Halle 1541 bis 1957 an den Chorwänden installiert: Kardinal Albrecht im Süden, gegenüber das Marienrelief. Der Baldachin stand bis 1772 östlich der Kanzel mitten im Hauptschiff, bis 1881/82 in der Magdalenenkapelle und ab 1882 in der Annakapelle. Beschädigungen durch Kriegseinwirkung 1945 wurden bis 1957 behoben. Die Lage des Margarethenschreins auf dem Baldachin ist nicht ursprünglich und ohne thematischen Zusammenhang, entspricht allerdings einer ins 17. Jh. zurückreichenden Gepflogenheit. Der Margarethenschrein, vor 1520 entstanden, bildet den bedeutendsten Rest des sog. „Halleschen Heiltums“, der Reliquiensammlung Kardinal Albrechts von Brandenburg. Der verglaste und vergoldete Schrein mit einer kleeblattförmigen Verdachung präsentiert ein geschnitztes Skelett als Reliquienbehälter und ist eine frömmigkeitsgeschichtliche Besonderheit. Er ist im Heiltumsbuch von 1520 und im sog. Aschaffenburger Heiltumsbuch um 1526/27 beschrieben und barg demnach Reliquien der hll. Margarete, Juliane, Adelgunde und Anastasie sowie einer weiteren Jungfrau aus der Gesellschaft der hl. Ursula und wurde an hohen Festen vor dem Chor aufgestellt. Das Gehäuse trägt das Wappen des Kardinals. Der Reisebericht der Jesuitenpatres Henschen und Papebroch von 1660 erwähnt den Schrein auf dem Bronzebaldachin vor dem Lettner. Der Schrein wurde 1945 beschädigt und 1955/57 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege vereinfachend rekonstruiert und restauriert, wobei die ergänzenden Schnitzarbeiten Ernst Kreidel aus Karlstadt, die Vergoldung die Firma Wimmer aus München besorgte. Bei der letzten Restaurierung 2006/07 durch Sabine Denecke, Haibach, wurden die fehlenden Gläser wieder ersetzt, zahlreiche Reliquien dokumentiert und wieder in den Schrein verbracht.

Künstlerische Höhepunkte der Kirchenausstattung sind die Werke des als „frühreifes Wunderkind“ (Leo Bruhns) bezeichneten bedeutenden Renaissancebildhauers Hans Juncker. Dazu gehört als ein ihm zugeschriebenes Frühwerk die 1602 aus gefasstem Tuffstein und Alabaster geschaffene Kanzel. Ihre reiche Gestaltung zeigt am pfeilerartigen Fuß die Standfiguren der hll. Petrus und Alexander sowie des Apostels Andreas, des Namenspatrons des Stiftskantors Andreas Weber († 1599), zu dessen Gedächtnis die Kanzel errichtet wurde. Darüber erhebt sich auf einer Konsole mit Cherubim und Girlanden der runde Kanzelkorb, umstanden von den vier Evangelisten und Christus Salvator. Zwischen ihnen befinden sich Reliefs mit typologischen Szenen: „Samson mit den Toren Gazas“, „Christus am Höllentor“ nach Dürers Großer Passion, „Jonas und der Walfisch“ sowie die „Auferstehung Christi“. Über den Reliefs sind auf einem erhöhten Fries mit Bögen die vier lateinischen Kirchenlehrer als Halbfiguren dargestellt. Auffallend sind die ikonographischen Übereinstimmungen der Szenen mit dem Magdalenenaltar der Cranach-Werkstatt. Der barocke Schalldeckel von Johann Michael Henle (1765), ein 1603 datiertes Tafelbild mit der Predigt Johannes des Täufers, gestiftet durch den Kanoniker Christoph Weber, sowie dessen aufwendiges von Hans Juncker geschaffenes Epitaph am Kanzelpfeiler wurden 1945 zerstört (letzteres 2012/13 restauriert, heute im Schlossmuseum). Die ebenfalls zerbrochene Kanzel wurde zwischen 1947 und 1954 wieder hergestellt und dann vom fünften an den dritten Langhauspfeiler versetzt. In der Magdalenenkapelle im südlichen Seitenschiff befindet sich heute noch in situ der von Hans Juncker in Alabaster und schwarz-grauem Marmor ausgeführte Magdalenenaltar. Er ist zwischen 1617/20 als Stiftung des Kanonikers Johannes Grimmel († 1616), Propst an St. Salvator zu Passau und Kanoniker der Stiftskirche, entstanden und wurde 1621 geweiht. In der relativ schlichten Architektur erscheint in einem Relief die hl. Magdalena kniend als Büßerin in einer Felsenlandschaft. Das räumlich sehr wirksame Relief wird flankiert und kommentiert von den hll. Johannes dem Täufer und Margaretha von Antiochien, die als Figuren vor Nischen treten. Eine Entwurfszeichnung Junckers für den Altar ist erhalten. Auf ihr sind als Bekrönung eine vollplastische Kreuzigungsgruppe und das Stifterwappen zu erkennen. Die Figurennischen, die Konsolen und die Inschrift im Auszug wurden später verändert (Originalplatte mit Inschrift im Schlossmuseum). Der Altar wurde 1835 und 1881 restauriert, 1945 beschädigt und 1950 durch August End, Aschaffenburg, wieder hergestellt. Letzte Restaurierung Elke Umminger, Lauda, 2014.

Den kulturellen Wandel am Ende des alten Reichs verdeutlicht das monumentale Kenotaph für den in der Gruft unter der Vierung beigesetzten vorletzten Kurfürsten von Mainz Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal (†1802) in der südlichen Turmkapelle von Heinrich Philipp Sommer. Begonnen wurde das klassizistische Werk 1805 vom Bildhauer Andreas Clemens Eckardt aus Würzburg (Entwurfsmodell im Schlossmuseum). Den Auftrag vergab Kurfürst Carl Theodor von Dalberg, das allegorische Programm entwarf der Historiker und kurfürstliche Bibliothekar Niklas Vogt (1756–1836): In Gestalt von drei antikischen Gewandfiguren lüftet die Religion für den Sterbenden den Schleier der Geschichte, die als Genius mit der Flamme der Erkenntnis über der Stirn die Taten und Verdienste des Erzbischofs niederschreibt und ihm ein Diadem reicht. Zu Füßen der Gruppe sind zerbrochene Embleme des Mainzer Kurstaats zu erkennen. Nach dem Tod Eckarts 1808 legte der Professor der technisch-chemischen Schule Aschaffenburg Heinrich Philipp Sommer 1809 einen neuen Entwurf vor und begann im Folgejahr mit der Ausführung. Das Monument aus schwarzem Limburger Marmor und Aarauer Alabaster sollte ursprünglich im Langhaus gegenüber der Kanzel aufgestellt werden. Zu diesem Zweck brach der Maurermeister Gabriel Hospes 1811 den entsprechenden Arkadenpfeiler aus und wölbte den Bogen neu. Nach Änderung dieses Planes wurde der Pfeiler erst 1862 wieder errichtet. Das Grabmal ging an das Eigentum des Königreichs Bayern über. Das Finanzministerium legte 1816 die Martinskapelle, also den nördlichen Querhausarm, als Standort fest. Dort wurde das Denkmal Ende 1818 aufgestellt. 1879 ließ man das Monument durch die Bildhauer Heinrich Petry aus Frankfurt und Basilius Hofmann aus Aschaffenburg in mehrere Teile zersägen und versetzte es an seinen heutigen Standort. Die Schmiedearbeiten fertigte nach Entwurf Schliebens Schlossermeister Sauerwein aus Frankfurt. 1945 beschädigt, wurde die Bildhauerarbeit zwischen 1947 und 1954 von Georg Schneider, Würzburg, restauriert.

Das Grab des letzten Erzbischofs von Mainz, ab 1804 auch Bischof von Regensburg, Carl Theodor von Dalberg (1744–1817), der seit 1806 Fürstprimas und Großherzog von Frankfurt war, befindet sich an dessen Sterbeort im Dom von Regensburg. In der Aschaffenburger Stiftskirche steht seine Herzurne in einer vergitterten neugotischen Nische vor gestirntem Fond im nordwestlichen Vierungspfeiler. Die mit Rosetten und Palmetten im Stil des Empire verzierte Regensburger Silberschmiedearbeit Christian Daniel Hänselmanns greift mit der Herzform des Gefäßes den sakralen Typus eines „redenden Reliquiars“ auf. Das seit 1952 abseits am Aufgang zur Maria-Schnee-Kapelle befindliche Kruzifix schuf 1862 Professor Ludwig Foltz (1809–1867). Es sollte im „byzantinischen“ Stil den in diesem Jahr wieder gesetzten Pfeiler gegenüber der Kanzel zieren und steht exemplarisch für die unter Stiftungsvorstand M. K. Martin und Stiftspfarrer Franz Anton Faust verfolgte, jedoch nur teilweise im historisierenden Stilideal umgesetzte Überformung des Kirchenraums. Das Retabel des neugotischen Nothelferaltars in der gleichnamigen Kapelle wurde von Kaspar Weiß aus Frankfurt nach Entwurf des Architekten Schlieben 1882/83 ausgeführt. Der 1682 gestiftete Nothelferaltar war 1811 aus der benachbarten Annakapelle in die Nothelferkapelle übertragen worden. Das neugotische Retabel integriert die annähernd vollplastisch geschnitzten Reliefs der „Kreuztragung“, „Kreuzigung“ und „Beweinung“ eines um 1480/90 entstandenen Brüssler Passionsaltars, der der Werkstatt Jan Borreman d. Ä. (tätig 1479–1520) nahesteht. Die darüber erscheinende Figur der „Anna selbdritt“ (um 1480) stammt wohl aus dem aufgelösten Sippenaltar der Annakapelle, dessen erhaltene Tafeln sich heute in der nördlichen Turmkapelle befinden. Die 14 Nothelfer mit Ausnahme der spätgotischen Figuren der hll. Barbara und Margaretha sind Neuschöpfungen der Werkstatt Kaspar Weiß. Restaurierung und Neuvergoldung des Retabels erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein.

Aufgrund ihrer Bedeutung für die Stiftskirche sei hier auf herausragende Ausstattungselemente hingewiesen, die sich heute in Museen befinden: Vom spätgotischen Marienretabel am Hochaltar der Kirche, 1489/96 von Hans Bilger aus Worms geschaffen, sind geschnitzte Büsten der „Vier Kirchenväter“ aus der Predella im Frankfurter Liebieghaus erhalten. 1606 wurden sie durch Hans Juncker und den Würzburger Maler Georg Rudolf Henneberger restauriert. Zur bedeutendsten Ausstattung der Stiftskirche gehörte der Magdalenenaltar, der um 1525/30 für die Grablege des Kardinals Albrecht von Brandenburg im Neuen Stift in Halle entstanden war und dort den Abschluss eines 18-teiligen Heiligen- und Passionszyklus aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. bildete. 1541 nach Aschaffenburg gebracht, wurden die Tafeln im frühen 17. Jh. in den Valentinsaltar im südlichen Querhausarm eingebaut, in den man auch Grünewalds „Beweinung Christi“ als „Predella“ integrierte. Die Tafel mit dem hl. Valentin und das Hauptbild mit der Auferstehung blieben in der Stiftskirche, während die übrigen Tafeln bereits unter Carl Theodor von Dalberg gespalten in die Schlossgalerie gelangt waren (eine Tafel ging verloren). Seit 2009 sind alle erhaltenen Gemälde im Stiftsmuseum zusammengeführt. Der Altar ist ein Hauptwerk der Cranach-Werkstatt. In Händen Cranachs d. Ä. lag dabei nach Tacke Entwurf und Umsetzung des Programms sowie die Ausführung der qualitätsvollsten Partien wie etwa der hl. Maria Magdalena. Die übrige Ausführung wird Simon Franck (um 1500–1546) aus dessen Werkstatt zugewiesen, dem Nachfolger Grünewalds als Aschaffenburger Hofmaler. Eine Orgel befand sich ursprünglich erkerartig an der Westseite des südlichen Obergadens. Das „Orgelhaus“ überragte hier das Seitenschiffsdach direkt am Turm. 1685 transferierte Johann Wilhelm Müssig, Aschaffenburg, die Orgel auf die Westempore. 1781/82 wurde von Josef Bendel, Marktheidenfeld, ein neuer Prospekt eingebaut, der mit einem Neubau 1850/56 durch Balthasar Schlimbach, Würzburg, beseitigt wurde. 1920 erfolgte ein Neubau durch die Firma Steinmeyer, Oettingen, der nach Kriegsschäden 1947/48 instand gesetzt wurde. Mit der abermaligen Vergrößerung der Empore 1956/57 wurde die Orgel durch die Firma Michael Weise, Plattling, erneuert. Die heutige Orgel der Stiftskirche wurde 1984 von der Bonner Firma Johannes Klais errichtet, ihren Prospekt gestaltete Max Walter, Vasbühl. Sie wurde 2012/13 restauriert und erweitert.

Die große Anzahl erhaltener Epitaphien im Inneren wie im Außenbereich der Kirche belegt deren Bedeutung als Begräbnisort bis in das 18. Jh. Die heutige Steinsichtigkeit vieler Bildwerke sowie die teilweise Neufassung und partielle Vergoldung rühren meist von der großen Restaurierungsmaßnahme 1879/82 her. Starke Beschädigungen verursachte das Bombardement von 1945. Bei der Erneuerung des Holzbodens unter dem Kirchengestühl deckte man 1957 vorübergehend 15 weitere Grabplatten des 15. bis 18. Jh. auf. Die Wiederherstellung der wertvollen Epitaphien im Langhaus erfolgte durch den Bildhauer August End aus Aschaffenburg 1946/48. Dabei wurden die ursprünglich das Kämpfergesims überragenden Kartuschen, Wappen und Bekrönungen sowie Verzierungen der unteren Abschlüsse teilweise nicht wieder hergestellt. Im Folgenden können die Epitaphien nur in Auswahl vorgestellt werden.

Im Langhaus:

Das aus rotem Sandstein im Auftrag der Geschwister errichtete Epitaph für den kurfürstlichen Rat und Doktor beider Rechte Thomas Eisenberger († 1575) wird dem Würzburger Bildhauer Albert Fried zugeschrieben. Der Verstorbene ist in bürgerlicher Tracht mit Pelzmantel, Haube und Buch dargestellt. Ebenfalls Fried zugeschrieben wird das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph für den kurfürstlichen Kanzler und Lizenziat beider Rechte Mathias von Albersweiler († 1567). Laut Inschrift erteilte den Auftrag Kurfürst Daniel Brendel von Homburg (1523–1582). Es zeigt den Verstorbenen in bürgerlicher Tracht, Béret und Buch. Der Aufsatz trägt Inschrift und Wappen. Das aus grünem Sandstein gefertigte Epitaph für den Vizedominus und Bruder des Mainzer Erzbischofs Philipp Brendel von Homburg († 1573) wird Endres Wolff aus Heilbronn zugeschrieben. Die gerüstete Standfigur eines Ritters wird von einem Rundgiebel mit Familienwappen überfangen. Dem Bildhauer Moritz Lechler aus Heidelberg wird das Epitaph für Georg von Liebenstein († 1533) zugeschrieben. Dieser war Kämmerer Kardinal Albrechts von Brandenburg, in dessen Auftrag das aus grünem Sandstein gearbeitete Epitaph errichtet wurde. Die Figur des Ritters ist kniend vor dem Kreuz wiedergegeben, darüber erscheint Gottvater in Wolken. Das von Hieronymus Hack in Bronze ausgeführte Epitaph für den aus rheinländischem Geschlecht stammenden Vizedom Melchior von Gränroth († 1578) ist vom Künstler signiert und 1584 datiert. Der Verstorbene kniet im Harnisch rechts unter dem Gekreuzigten. Ihm gegenüber erscheinen Maria und Johannes, im Hintergrund die Stadt Jerusalem mit der Szene der „Himmelfahrt Christi“. Sandsteinmodelle einzelner Partien sind in der Berliner Skulpturensammlung und den Museen Aschaffenburg erhalten. Albert Fried zugeschrieben wird das Epitaph für den kurfürstlichen Stall- und Jägermeister Stefan von Fechenbach († 1577). Die Inschrift ist in deutscher Fraktur ausgeführt. Der Verstorbene erscheint ganzfigurig in Rüstung. Das aus rotem Sandstein gearbeitete Epitaph zerbrach 1945 in mehrere Teile und wurde ohne Rekonstruktion verlorener Partien wieder aufgebaut. Für Fried in Anspruch genommen wird auch das Epitaph für den kurfürstlichen Rat Dr. Balthasar Sachs († 1570). Das in rotem Sandstein im Auftrag des Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg errichtete Werk zeigt den Verstorbenen in bürgerlicher Tracht mit Béret und Buch. Aufsatz, Unterbau und Inschrift sind verloren. Dem für das Stift tätigen Meister Wendel wird das aus rotem Sandstein im Stil der Backoffen-Nachfolge geschaffene Epitaph für den im Harnisch dargestellten Caspar von der Schulenburg († 1527), des Erziehers Kardinal Albrechts von Brandenburg, zugeschrieben. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es ohne die verlorenen Partien wieder aufgebaut. An seinem ursprünglichen Standort am 3. Langhauspfeiler wurde es in diesem Zuge mit der Kanzel getauscht. Das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph für Wolf Behaim († 1539) zeigt den kurmainzischen Rat und Hofmarschall in Rüstung auf einem Löwen stehend. Hieronymus Hack aus Aschaffenburg wird das Bronzeepitaph für den aus Seligenstadt stammenden Stiftsdekan und erzbischöflichen Kommissar Jodokus Cammerer († 1595) zugeschrieben. Dieser war der letzte, durch das Kapitel in selbstständiger Wahl erkorene Propst des Stiftes und resignierte 1588. Der Verstorbene kniet vor dem Kruzifixus. Im Hintergrund ist eine Ansicht der Stiftskirche zu erkennen.

Im Chor:

Von Hans Juncker stammt das Epitaph für Erzbischof Theoderich Schenk von Erbach († 1459). Als Ersatz der spätmittelalterlichen Tumba im Chor schuf er das Werk 1606/08 für die südliche Chorwand. Es zeigt den Bischof im Ornat mit Pedum und Kreuzstab im Hochrelief. Den Rahmen bilden 16 Ahnenwappen. 1956 wurde durch Hans Schubert die Fassung von 1881/82 abgenommen und die Originalfassung nach Befund restauriert. Von dem in Frankfurt tätigen Johann Wolfgang Fröhlicher (1652–1700) stammt das aus weißem und schwarzem Marmor hergestellte Epitaph für Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim († 1695) an der nördlichen Chorwand. Es zeigt den im Ornat aufrecht stehenden und dem Altar zugewandten Erzbischof. Eine Restaurierung erfolgte 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Die Ingelheim’sche Gruft liegt unmittelbar vor den Stufen des Altaraufgangs.

Im nördlichen Seitenschiff:

Das von Hans Juncker geschaffene Epitaph für den Bronzegießer Hieronymus Hack († 1599) und seine Frau Margarethe Rossin († 1607) befand sich ehemals am südlichen Turmpfeiler und ist heute neben dem Ausgang zum Kreuzgang angebracht. Die Verstorbenen sind mit ihren heiligen Patronen unterhalb einer „Marienkrönung“ wiedergegeben und einander in betender Haltung zugekehrt. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es von August End, Aschaffenburg, instand gesetzt, partiell jedoch abgearbeitet.

In den Seitenkapellen:

Neben dem Ausgang zum Kreuzgang ist das Bronzeepitaph für Heinrich Reitzmann († 1528) erhalten. Das zugehörige, wohl von Meister Wendel gearbeitete Steinepitaph des Kanonikers befindet sich in der Dreifaltigkeitskapelle. Dieses als Renaissance-Ädikula gebildete Monument befand sich ursprünglich zusammen mit der Bronzetafel an der Nordwand des nördlichen Querhausarms, später im nördlichen Seitenschiff. Der Kanonikus erscheint hier kniend mit Weihrauchfass in szenisch aufgefasster Verehrung der Pietà. Als trompe l’œuille wurde die Inschrift in Form eines aufgespannten Pergamentblattes am Sockel der Figurengruppe befestigt. Unterhalb erscheint das bürgerliche Wappen mit den Initialen Reitzmanns. In der Hieronymuskapelle befindet sich das Epitaph ihres Stifters, des Kanonikers und Kustos Johannes Will (†1517). Der Verstorbene erscheint in Chorkleidung mit Rauchfass. Die Darstellung wird umrahmt von Astwerk, in dem zwei Tartschen mit dessen Monogramm in Ligatur sowie seinem Familienwappen, einem sechsstrahligen Stern, aufgehängt sind. 1945 beschädigt, wurde es partiell ergänzt von August End, Aschaffenburg. Die Abnahme der historisierenden Fassung von 1881/82 und Restaurierung nach älterem Farbbefund übernahm 1956 Hans Schubert, Karlstein.

In der Vorhalle:

Im Westflügel befindet sich das Epitaph für Marget Hartlieb (†1527), Frau von Hermann von der Leyen, das dem Backoffen-Umfeld zugewiesen wird. Es zeigt die Frau mit Gebende und Schleier auf einem Löwen stehend, die Gebetsschnur in Händen sowie zwei Tartschen. Der Bruder der Verstorbenen, Johannes (1491–1537), war Kanoniker am Stift. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es von August End, Aschaffenburg, wieder instand gesetzt. Im Nordflügel befindet sich der Gedenkstein einer Stiftung des Aschaffenburger Bürgers Petrus Scheckemecher. Er zeigt das Motiv „Maria Tempelgang“. Für die Stiftung wird das Datum „1443“ überliefert. Die entsprechende Passage der Inschrift ist aber hinter einer Gewölberippe verborgen. Weitere Epitaphien des 15. bis 18. Jh. befinden sich im Kreuzgang. Von hoher kunsthistorischer Bedeutung für Stift und Kirche ist der Kirchenschatz, dessen wesentliche Stücke sich seit 2009 im Stiftsmuseum befinden; Teile desselben sind nach wie vor in der Liturgie des Kirchenjahres im Gebrauch. Schatzverzeichnisse informieren über Notverkäufe nach dem „Markgräflerkrieg“ 1552, wonach der überwiegende Teil der wertvollen Donationen Kardinal Albrechts bis 1554 allerdings schon verkauft war. 1794 wurde der Schatz anlässlich von Kriegslasten des Kurfürstentums erfasst, entging aber seiner Auflösung. Über die Kostbarkeit der Reliquiare aus dem Halleschen Heiltum geben Inventare und das „Hallesche Heilthumsbuch“ Auskunft. Zur Jahrtausendfeier des Stifts 1957 wurde der Kirchenschatz von der Kunstwerkstätte Josef Amberg in Würzburg restauriert. Das wohl in Italien vor 1300 entstandene Brettspiel (Wurfzabelspiel) gehört zu den ältesten in seiner Art in Deutschland. Es ist wohl identisch mit der in den Inventaren von 1543 und 1554 verzeichneten „Tafel mit Reliquien wie ein Brettspiel“. Das reich geschmückte Spiel aus mit emailliertem Silber beschlagenem Holz ist aufgrund seiner Zweitverwendung als Reliquiar im Sepulcrum des „Valentinsaltars“ erhalten geblieben und wurde 1854 entdeckt. Unter Bergkristallplättchen erscheinen im Wechsel mit Jaspisfeldern bemalte und vergoldete Figürchen (Mischwesen).

Die Reliquienbüste des hl. Papstes Alexander ist um 1410/20 am Mittelrhein entstanden. Mit der zwischen 974 und 982 von Herzog Otto gestifteten Reliquie des hl. Papstes gelangte der kostbarste Schatz an die Kirche. Die auf kleinen Löwenfiguren stehende, aus Silber getriebene Büste zeigt den Heiligen im reichen Papstornat. Die emaillierte Pluvialschließe ziert ein Engel, der ehemals einen Edelstein, heute einen facettierten Glasstein vorweist. Die kegelförmige Tiara kann für die Betrachtung der Reliquie nach rückwärts geklappt werden. Als Pendant zu dieser Büste entstand für die Präsentation der beiden Patrone auf dem Altar 1473 die ebenfalls mit Pluviale, emailliertem Monile („Maria mit dem Kinde“), Pallium, Amikt und Tiara versehene, bedeutende Silberbüste des hl. Petrus, die im Auftrag von Dekan Johannes Reiff der Frankfurter Silberschmied Hans Dirmstein (vor 1435–1494) schuf. Die prachtvolle, um 1430/40 am Mittelrhein entstandene Hostienmonstranz mit hohem Gesprenge brachte Mader in Zusammenhang mit einer von Kustos Heinrich Laurin (1417–1433) beschafften. Den hohen Wert des Werks aus Silber spiegelt auch das Schaugefäß, ein zweitverwendeter Deckelbecher aus Bergkristall wider. Kleine Figürchen von musizierenden Engeln sowie die Gottesmutter, die Kirchenpatrone und die Apostel Petrus und Paulus bilden das Figurenprogramm. Das spätgotische Vortragekreuz aus Bergkristall ist um 1450/60 am Mittelrhein entstanden und diente früher dem feierlichen Einzug des Propstes. Das spätgotische Reliquienkreuz aus der Zeit vor 1519 ist laut Inschrift eine Stiftung des Stiftsdekans Ulrich Kemmerlin und barg früher die Reliquie eines Kreuzpartikels. Möglicherweise ist es eine Aschaffenburger Arbeit. Zu den bedeutenden Schätzen im Stiftsmuseum zählen auch Werke der Buchkunst, wie das großformatige Festmissale, das 1533 im Auftrag Kardinal Albrechts auf Pergament geschrieben und mit Deckfarbenmalerei und Vergoldung geschmückt wurde. Die Rankenmalerei stammt von dem um 1530/40 tätigen Georg Stierlein. Die Darstellung des Gnadenstuhls schuf Nikolaus Glockendon († 1534) aus Nürnberg. In den vorderen Einband wurde Dürers Stich des „Großen Kardinals“ von 1523 eingeklebt. Ebenso großformatig ist das Passionslektionar, wie das Festmissale auf Pergament mit Deckfarbenmalerei und Vergoldung ausgeführt. Unter den vier ganzseitigen Miniaturen trägt die Szene „Christus vor Pilatus“ die Datierung „1534“. Der Maler wird dem Umfeld der Cranach-Werkstatt zugewiesen.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 153-176.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.