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Die Stadtmauer

Die Stadtbefestigung wurde in mehreren Etappen errichtet. Die erste Befestigung entstand um die frühe Stadt, die sich auf dem durch einen Sattel verbundenen Höhenzug Badberg und Stiftsberg entwickelte. Diese wahrscheinlich bis ins frühe 9. Jh. zurückgehende Siedlung wird auch als „alte Burg“, möglicherweise im Sinne einer Kirchenburg, bezeichnet. Auf der südlichen Seite zum Löhergraben steil abfallend, war der Höhenzug natürlich geschützt. Eine heute noch erhaltene Treppe zwischen Stiftsgasse 11 und Sackgasse 1 führt hinunter zum Löhergraben, wo sich die dem südlichen Teil des Höhenzuges namengebenden Badstuben befanden. Die Nord- bzw. Nordostseite verläuft in Form eines Schlepphangs weniger schroff. Stifts- und Badberg waren wohl von einem Bering umschlossen, an den die Stadtmauer später angeschlossen wurde. Ausgehend von der frühen Stadt dehnte sich die Siedlung in nördlicher Richtung entlang der heutigen Schloß- und Pfaffengasse, die zu den ältesten Straßenzügen der Stadt zählen und im Grundriss der sog. Oberstadt noch heute bestimmend hervortreten, aus und bildete auf dem Plateau oberhalb des Mains, in Form eines Dreiecks zwischen Stiftskirche und Schloss (ehem. Burg), die Oberstadt. Den Abschluss dieser Entwicklung stellt der Bau der Burg um 1220 dar. Die Befestigung der Oberstadt verlief vom heutigen Schloss in östlicher Richtung oberhalb des Landinggrabens bis zum Döngestor (auch Dönchesturm oder Dingesturm), wo sie an die nördliche Mauer der frühen Stadt anschloss. Auf der Nordseite von Bad- und Stiftsberg ist der genaue Verlauf der Befestigung nicht bekannt. Vom Windfang aus, dem südlichen Ende der heutigen Dalbergstraße, verlief die Mauer parallel zum Main bis wieder zum Schloss. Parallel zur oberen Stadt entwickelte sich östlich davon die Unterstadt. Die zunächst nur mit Wallgräben und Holzwerk geschützten Ansiedlungen wurden Mitte des 14. Jh. mit einer Mauer befestigt. Die Befestigung begann am Schloss (ehem. Burg), verlief zum Strickertor und zum Zehntturm (heute Ecke Friedrichstraße/Erthalstraße), führte dann den Seilergang entlang (Friedrichstraße) bis zum Herstalltor, von wo sie in Form der heutigen Schöntalmauer mit Schenkenturm bis zum Sandtor (Unterbau des Glockenturms der Sandkirche) verlief. Weiter führte die Mauer entlang der Betgasse zum Wermbacher Tor und von dort aus hinter der Brennofengasse hinunter zum Löhertor, wo sie am Stiftsberg auf die Ummauerung der frühen Stadt stieß. Die am Main gelegene Fischervorstadt, unterhalb des Güterbergs, hatte eine eigene Befestigung. Sie wurde 1374 in die Stadt einbezogen und bis 1380 mit Toren und Türmen befestigt. Auf dem Stadtplan von Merian aus dem Jahr 1646 sind die Fischerpforte, der Fischerturm und der Brückenturm festgehalten.

Das Dingstallviertel nördlich des Schlosses hingegen wurde erst zwischen 1439 und 1459 in die Stadt integriert. Die Befestigung begann an der Burg, verlief parallel des Mains bis zum Schutzturm, weiter zum Dingstalltor (heute Einmündung Karlstraße), von da entlang der Friedrichstraße bis zur Ecke Erthalstraße und dann zum Strickertor. Teil dieses Berings waren das Theoderichstor und der Schutzturm am Main sowie die Dingstallpforte im Norden. Im 16. Jh. schließlich ließ Kardinal-Erzbischof Albrecht von Brandenburg den ehem. Tiergarten – das Schöntal – ummauern, bevor er unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal Ende des 18. Jh. zu einem Stadtpark im englischen Stil umgestaltet und die erhaltenen Reste der Stadtbefestigung als Parkstaffage genutzt wurden. Während nur ein Turm, der sog. Schenkenturm erhalten ist, befanden sich an den Ecken der Ummauerung des Schöntals im Norden und im Osten je ein Turm. Im Südosten (Ecke Würzburger/Hofgartenstraße) befand sich der Bastionsturm. Dieser war weniger hoch, dafür kräftig. Von hier führte die Mauer bis zum Sandtor. Die zwischen 2,5 und 4 m hohe, aus Gneissteinen gebaute Stadtbefestigung wurde etappenweise zum Schutz der Stadt und ihrer Bewohner errichtet. Eine Bebauung direkt an der Mauer war nicht gestattet, ein Mindestabstand war einzuhalten. Erst später wurden die Gelände hinter der Mauer verpachtet, Gärten angelegt und Schuppen oder Werkstätten aufgestellt. Der stückweise Rückbau der Befestigungsanlage begann unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal und wurde im 19. Jh. fortgesetzt. Ausschlaggebend war die Schaffung der Bahnlinie Würzburg–Frankfurt, die zu einer deutlichen Veränderung des Stadtbildes führte. So entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jh. die Herstallstraße zur Hauptverkehrsader und wurde ferner dafür ausgebaut. Große Teile der Stadtmauer im Bereich zwischen Dingstall- und Herstalltor wurden abgebrochen, um die Stadt zum neu angelegten Bahnhof hin zu öffnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der erhaltenen Stadtmauer wegen zu starker Beschädigung oder aus stadtplanerischen Gründen abgetragen. So sind von der ursprünglichen Stadtbefestigung mit den jeweiligen Erweiterungen nur noch einzelne Partien erhalten. Von der frühesten Stadtbefestigung, dem Bering um Stifts- und Badberg, sind Teile östlich der Stiftskirche erhalten und ein bzw. zwei ehem. Ecktürme noch zu erkennen. Nördlich des Schlosses befand sich an der Stelle des heutigen Frühstückspavillons im Schlossgarten der Schutzturm. Von hier aus verlief am Rande des ehem. Stadtgrabens eine Mauer, die heute identisch mit der des Kapuzinerklosters ist. Sie endet wenige Meter vor der Karlstraße. Ein großes Stück Stadtmauer ist im Stadtpark Schöntal erhalten. Vom ehem. Herstalltor (Ecke Roßmarkt/Herstallstraße), von dem ein Rundtürmchen der ehem. Barbakane aus dem 16. Jh. erhalten ist, führt die Mauer mit dem erhaltenen Schenkenturm zum ehem. Sandtor, welches im unteren Teil des Glockenturmes noch vorhanden ist. Ein kleinerer Teil hat sich entlang der Brennofengasse erhalten. Des Weiteren sind noch historische Mauerteile rings um das Schloss vorhanden. Außerdem ist die Mauer oberhalb des Mains hinter der Webergasse bis zum Schloss ein erhaltener Teil der Stadtmauer mit Resten von Türmchen.

Herstalltor mit Turm

Das Herstalltor war mit einem viereckigen kräftigen Turm überbaut, dessen oberstes Stockwerk aus Holz konstruiert und an den Längsseiten leicht auskragend war. Ein steiles Halbwalmdach bildete den Abschluss. Von den beiden nördlichen Kanten des Turmes gingen zwei Mauern aus, die rechts und links den Zwinger abschlossen. An ihren Eckpunkten standen zwei kleine Rundtürme, welche durch ein zweites Tor miteinander verbunden waren. Ein solcher als Barbakane bezeichneter zusätzlicher Verteidigungsbau wurde erst im 14. Jh. gebräuchlich. Da das Herstalltor in einer im Stiftsarchiv verwahrten Urkunde vom 12. Januar 1344 erstmals erwähnt wurde und möglicherweise noch früher errichtet worden ist, ist anzunehmen, dass die Rundtürmchen eine spätere Ergänzung zum ersten Tor waren. Aus verkehrstechnischen Gründen beschloss die Stadt 1869 den Abbruch des Herstalltores einschließlich des von außen gesehen rechten Torturms, den der Maurermeister Joseph Schnugg besorgte. Das linke Rundtürmchen blieb erhalten. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das erhaltene Türmchen Beschädigungen am Mauerwerk, die ausgebessert wurden. Ein steinernes Wappen allerdings ging verloren. Es war mit der Jahreszahl „1545“ bezeichnet. 1951 mit einem neuen Putz versehen, wurde um das Türmchen eine Verkehrsinsel angelegt.

Sandtor

Das heute den unteren Teil des Turms der Sandkirche bildende ehem. Sandtor bestand, ähnlich wie das Herstalltor, aus einem viereckigen Turm mit Vortor und runden Türmchen. Am Bogen des Turmes sind ein Wappen mit zwei Rädern und die Inschrift „1380“ erhalten.

Theoderichstor

Das spitzbogige Theoderichstor unterbricht die Wehrmauer am Main, wo der Schlossberg zum Ufer des Flusses führt. Am Scheitel des Bogens befand sich das Wappen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Dietrich (Theoderich) Schenk von Erbach (1390–1459), der das Tor erbauen ließ. Auf der Mainseite befinden sich elf Kragsteine. An der Seite des Tores sind die Hochwasserstände des Mains markiert. Der Wehrgang wurde unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal als Promenadenweg zum Schlossgarten ausgebaut.

Schenkenturm im Schöntal

Der Schenkenturm als Teil der Schöntalmauer erhebt sich dreigeschossig auf quadratischem Grundriss, wobei das 3. Geschoss auf Kragsteinen, welche durch Bogensteine verbunden sind, hervorspringt. Im Mauerwerk aus Bruchsteinen befinden sich schmale Scharten. In dem vorkragenden Obergeschoss, welches wohl als Türmerwohnung diente, sind Öffnungen mit nachgotischen gekehlten Gewänden erhalten. Außer den erhaltenen Toren und Türmen sind Reste von kleineren Türmchen der Stadtbefestigung noch zu sehen. So ist innerhalb der erhaltenen Stadtmauer entlang der Webergasse noch ein Schalenturm erkennbar. Er war ursprünglich mit einem spitzen Kegeldach abgeschlossen und hatte kleine Öffnungen. Ähnlich war der heute in das Anwesen Webergasse 1, Marienstift (s. dort), integrierte Turm gestaltet. Er ist auf dem 1646 von Merian gezeichneten Stadtplan als einzelner runder Stadtturm mit Kegeldach und Scharten dargestellt. Die Gebäude des Anwesens Webergasse 1 wurden um 1647 (Flügel an der Webergasse) und um 1667 (mainseitige Flügel) errichtet und der ehem. Stadtturm darin eingegliedert. Ein weiteres Türmchen hat sich an dem ehem. Wehrgang, der als Übergang zwischen dem südlichen und dem nördlichen Schlossgarten diente und unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal um 1778 umgebaut worden war, erhalten. Der Gang war überdacht und an den Enden mit Türen abgeschlossen. Zum Main hatte er Scharten oder kleine Fenster, an der Stadtseite befanden sich verglaste Fenster mit Läden. Der polygonal gemauerte Unterbau des erhaltenen Türmchens an der Ecke des ehem. Wehrgangs dient heute als Aussichtsplattform. Ursprünglich war das Türmchen mit einem schiefergedeckten Dach abgeschlossen und hatte zur Stadtseite eine Tür und Fenster mit Läden.

Quelle: Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 8-9.

 

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