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Obernauer Straße

Die Obernauer Straße ist die Fortsetzung der aus dem Fischerviertel hervorgehenden Fischergasse. Sie führt in südlicher Richtung aus der Stadt heraus am Main entlang bis nach Obernau, das seit seiner Eingemeindung 1978 ein Ortsteil von Aschaffenburg ist. Die Straße steigt zwischen Dunzerstraße und Westring an und verläuft dann oberhalb des Mains. Von den Grundstücken an der Nordwestseite der Straße bietet sich durch die erhöhte Lage ein weiter Blick in die Landschaft. Durch die Topographie begünstigt, wurden hier vor allem Wohnhäuser mit Villencharakter errichtet. So sind auf einer Grafik von um 1850, die den Mainbogen in einer Panoramaansicht zeigt, zwei Villen auf großzügigen Grundstücken zu erkennen. Die Bebauung ist heute wesentlich dichter, von den ersten Gebäuden sind zwei noch erhalten.

Obernauer Straße 5

Das Bildhäuschen vor dem Anwesen Nr. 6 ist dem an der Ecke Obernauer Straße/Lamprechtstraße in der äußeren Gestalt sehr ähnlich. Es ist massiv gemauert, verputzt und hat ein biberschwanzgedecktes Satteldach. Der gemauerte Schaft ist in der Mitte durch eine überkragende Platte geteilt. Die mit einer Gittertür verschlossene Nische im Aufsatz birgt eine Figur der Maria mit Kind, begleitet von den Worten MATER ADMIRABILIS. Im unteren Teil ist eine zweite tiefe, halbrunde, leere Nische. Das 1986 wieder errichtete Bildhäuschen war wohl ursprünglich ein Marien-Bildstock, der im 17./18. Jh. entstanden sein könnte. Zeitweilig beinhaltete er ein Tafelbild von Adalbert Hock mit der Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, welches im Zweiten Weltkrieg verloren ging.

Stadtauswärts Richtung Obernau, am Abzweig Fischerhohle steht ein Kruzifix, dessen ursprünglicher Standort nicht exakt bekannt ist. Es könnte sich um eines von sechs Torkreuzen in Aschaffenburg handeln. Es ist mit der Jahreszahl 1724 bezeichnet. Auf einem gemauerten altarähnlichen Sockel mit Inschriftenplatte und profilierter Deckplatte steht das etwa 2 m hohe Kreuz aus rotem Sandstein. Der Korpus ist mit dem Kreuz aus einem Stück gearbeitet. Die Figur steht auf einem Vorsatz. Das Kreuz wurde 1943 erneuert und erlitt dann 1945 viele Beschädigungen, die z.T. sichtbar gelassen wurden. Die Inschriftenplatte konnte 1986 durch Steinmetzbetrieb Helmut Hirte erneuert werden. Da der obere Teil bereits unleserlich war, übertrug man nur einen Teil auf die neue Platte. Demnach wurde das Kreuz von einem gewissen Kramer gestiftet. Dieser Name taucht in den Matrikeln von St. Agatha verschiedentlich auf. Heute dient es als Flur- und Stationskreuz bei Wallfahrten und Prozessionen und wird regelmäßig mit Blumen geschmückt.

Obernauer Straße 26

Das genaue Entstehungsdatum des Gartenhauses ist nicht bekannt. Ein Bauplan von 1872, auf dem die Vergrößerung des Gartenhauses dargestellt ist, welches als „außerhalb des Fischertores an der Obernauer Straße“ bezeichnet wurde, zeigt auch den Zustand des Gebäudes vor seiner Vergrößerung und Umgestaltung zu einem zweieinhalbgeschossigen klassizistischen Bau mit Turm. Der wohl um 1845 entstandene Ursprungsbau war ein kleiner, fast quadratischer, über zwei Geschosse reichender Baukörper, der von Loggien flankiert wurde und dem ein von zwei Stützen getragener Balkon vorgestellt war. An dieses kleine Gartenhaus wurde ein zweigeschossiger Satteldachbau auf längsrechteckigem Grundriss mit Gewölbekeller errichtet. In der Mitte befand sich das Treppenhaus und rechts und links je ein Zimmer. Die Westseite des Gebäudes ist turmartig mit einem weiteren Geschoss und flachem Walmdach ausgebildet. 1988 wurde das Gebäude auf der Südseite um einen Treppenhausanbau und eine vorgestellte zweiläufige Freitreppe erweitert. Heute zeigt sich das im Kern in die Mitte des 19. Jh. zu datierende und als Gartenhaus errichtete Gebäude in der Form einer klassizistischen Villa inmitten eines großzügigen Gartengrundstücks auf dem Uferhang des Mains am südlichen Stadtrand.

Obernauer Straße 34

Wie das Gartenhaus Obernauer Straße 26 wurde auch dieses Haus in der Mitte des 19. Jh. zunächst als Gartenhaus errichtet und in der 2. Hälfte des 19. Jh. zu einem Wohnhaus mit Villencharakter erweitert. Da zu dem Gebäude keine Bauakten vorliegen, sind sein Aussehen und das genaue Erbauungsdatum ungewiss. Im Keller des im Urkataster von 1845 noch nicht eingetragenen Gebäudes findet sich die Jahreszahl „1847“ in Stein gekratzt, womit das Entstehungsjahr angesprochen sein dürfte. 1851 wurde der Garten bereits mit Gartenhaus verkauft, welches 1868 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Der zweigeschossige Massivbau hat drei zu vier Achsen und ein flach geneigtes Walmdach. Die Fassaden sind alle mit Pilastern und Gurt- bzw. Traufgesimsen gegliedert. Die hochformatigen französischen Fenster in Erd- und Obergeschoss unterstreichen den vertikalen Charakter des Wohnhauses. An den Flanken befindet sich zur Eingangsseite hin noch eine zusätzliche sehr schmale blinde Achse, die ursprünglich Nebenräumen im Innern gedient hat. Das Gebäude verfügt über drei Kellerräume, von denen einer mit 1847 bezeichnet ist und noch zu dem 1851 erwähnten Gartenhaus gehören müsste. Das Haus wurde nach 1984 im Innern z.T. auch mit Veränderungen im Grundriss umgestaltet. Die mittlere talseitige Fensterachse ist dabei zu einer Tür erweitert worden. Das als Solitär in gärtnerischem Umfeld stehende Gebäude präsentiert sich mit seiner großformatigen Durchfensterung und der Pilastergliederung als in seiner Erscheinung sehr gut überliefertes, wohlproportioniertes, pavillonartiges Sommerhaus des späten Klassizismus, wie sie vermehrt im 19. Jh. in der Umgebung von Städten entstanden sind.

Obernauer Straße 44

Die 1874 errichtete spätklassizistische Villa wurde von Josef Zwisler als Wohnhaus für Theodor Hagen errichtet und zweimal umgebaut. Das zunächst als eingeschossiger Satteldachbau mit zweigeschossigem Giebelanbau errichtete Gebäude wurde 1911 durch Heinrich Morhard für Ida Fischbach an der südöstlichen Gebäudeecke um eine eingeschossige Veranda erweitert. 1932 ließ der Rechtsanwalt Dr. Fritz Koch den eingeschossigen Gebäudeteil von Architekt Bruno Baumann um ein Geschoss erhöhen. Dadurch standen dem Eigentümer zwei weitere Zimmer zur Verfügung, von denen eines als Fremdenzimmer vermietet wurde. Nachdem das Gebäude den Zweiten Weltkrieg ohne Schaden überdauert hat, wurde 1957 der aufgestockte Teil erneut umgebaut und dabei die zur Straßenseite gerichtete Traufe etwas erhöht. Trotz der verändernden Baumaßnahmen hat die Villa ihren spätklassizistischen Charakter stets beibehalten. Der Ursprungsbau ist deutlich erkennbar. Die Hauptansicht ist gekennzeichnet von dem schmalen Giebelbau. Ihm ist eine leicht geschwungene einläufige Treppe vorgestellt, die zum Eingang im Hochparterre führt. Dieser besteht aus zwei segmentbogigen großen Fensteröffnungen, die durch eine Säule voneinander getrennt sind und von denen eine zu einer Tür ausgebildet ist. Die Eingangstür ist überfangen von einem von gusseisernen Stützen gehaltenen Glasdach. Ein profiliertes Geschossgesims trennt Ober- und Erdgeschoss optisch voneinander. Im Obergeschoss sitzt ein gestaffeltes Dreifachfenster mit Brüstungsfeld. Auch das Fenster im Erdgeschoss des traufständigen Gebäudeteils ist gekuppelt. Bei der Aufstockung wurde das darüberliegende Fenster optisch angepasst. Die Fensterrahmungen aus rotem Mainsandstein heben sich farblich von der hell verputzten Fassade ab.

Obernauer Straße 52

Die repräsentative Villa ließen die Architekten und Bauunternehmer Reichard und Schwarz 1875 als Spekulationsobjekt in reizvoller Lage oberhalb des Mains errichten. Sie entwarfen die Villa als vielgliedrigen, zweigeschossigen Mansardwalmdachbau mit einem asymmetrisch angefügten Eckturm mit hohem Pyramidendach. 1894 wurde das Gebäude an der südwestlichen Gebäudekante mit einem zweiten, niedrigeren Turm versehen. Die Pläne für Baron von Aise zeichnete Hermann Reichard. Einen weiteren Umbau erfuhr die Villa 1966, als bauliche Änderungen im Innern des Erdgeschosses vorgenommen wurden und ein Wintergarten angefügt wurde. Die Villa wird in der Hauptansicht von der Obernauer Straße durch den dreigeschossigen Eckturm mit steilem Pyramidendach dominiert. Die Fassade ist durch Ecklisenen, Gurtgesimse, Fensterrahmungen und -verdachungen sowie Brüstungsfelder gegliedert und dem spätklassizistischen Stil zuzuordnen. Durch ihren glatten Verputz und einheitlich hellen Anstrich hat sie eine erhabene Wirkung. Eine Treppe führt zu dem unter einem Söller gelegenen Eingang. Die linke Gebäudeseite springt deutlich vor, die dadurch entstehende Ecke wird von dem von Säulen getragenen Söller ausgefüllt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 100-102.

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