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Dr. Wilhelm Matt (1904-1933)

Nach dem Tod von Bürgermeister Friedrich Ritter von Medicus wurde Dr. Wilhelm Matt am 20. Mai 1904 zum rechtskundigen ersten Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg gewählt.

Wilhelm Matt wurde am 16. Juli 1872 in Speyer geboren. Seine Eltern, der Kreisschulrat Wendelin Matt und dessen Ehefrau Magdalena, geborene Starck, ließen dem begabten Jungen eine entsprechende Schul- und Studienausbildung zukommen, die für seinen späteren Aufstieg ausschlaggebend werden sollte. Nach Ausbildungsjahren an der Seminarschule (Übungsschule der katholischen Lehrerbildungsanstalt) von 1878 bis 1882, an der Lateinschule bis 1887 und am Gymnasium bis 1891, jeweils in Speyer, legte er am 14. Juli des gleichen Jahres sein Abitur ab. Er entschloss sich danach zum Studium der Rechtswissenschaften und immatrikulierte sich von 1891 bis 1895 an den Universitäten München, Berlin und Heidelberg, um schließlich in München sein Examen abzulegen. Als Doktor der Rechtswissenschaft nahm er seine praktische Arbeit am Amtsgericht Speyer, anschließend am Landgericht Frankenthal auf. Den „Bayerischen juristischen Staatskonkurs“ absolvierte er mit Erfolg im Jahre 1898. Zwischen Offizierslehrgängen in den Jahren 1899 und 1900 belegte er ein Semester an der landwirtschaftlichen Hochschule Weihenstephan, ging danach als Regierungsakzessist nach Lindau und Bergzabern, um schließlich im Aschaffenburger Raum sesshaft zu werden.
1902 wurde er Bezirksamtsassessor in Obernburg, wo er noch bis zum 8. Februar 1906 heimatberechtigt war; das Bürgerrecht der Stadt Aschaffenburg erhielt er am 9. Februar des gleichen Jahres. Am 20. Mai 1904 wurde er zum rechtskundigen ersten Bürgermeister gewählt. Die feierliche Installation des neuen Stadtoberhauptes fand am 19. November 1904 im Deutschhaussaal unter Beteiligung der gesamten Aschaffenburger Prominenz statt.1
Am 2. Dezember 1911 wurde Dr. Wilhelm Matt der Titel und der Rang eines „Königlichen Hofrates“ verliehen. Schon im nächsten Jahr, am 31. März 1912, empfing er Prinzregent Luitpold, der mit einem Sonderzug nach Aschaffenburg kam. Weitere hohe Besucher zog es in der Folgezeit nach Aschaffenburg und Dr. Wilhelm Matt repräsentierte seine Stadt: Am 18. November 1913 kam König Ludwig III.2, am 18. August 1915 Königin Marie Therese. Die Monarchin war vom Empfang durch die Bevölkerung und von der persönlichen Anteilnahme des Bürgermeisters so begeistert, dass sie kurz nach ihrer Rückkehr dem Aschaffenburger Magistrat eine Anweisung von eintausend Mark übersandte (zur Unterstützung der Kriegerfamilien), deren Empfang am 1. September 1915 von Dr. Matt bestätigt wurde.3 Zwischenzeitlich wurde Dr. Matt am 7. Januar 1917 von König Ludwig III. zum Oberbürgermeister ernannt. Ludwig III. besuchte Aschaffenburg noch einmal, am 2. Mai 1917. Nach dem 1. Weltkrieg baute er die Stadt wirtschaftlich und sozial wieder auf.
Ab 1920 war er auch Präsident des Kreistages von Unterfranken. Am 18. Juni 1927 wurde von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Matt der Fest-Platz eröffnet. Im Jahre 1928 wurde er für dieses Amt einstimmig wiedergewählt. Am 16. November 1929 feierte Dr. Matt sein 25-jähriges Dienstjubiläum.
Als Aschaffenburgs Oberbürgermeister, Geheimer Rat und praktizierender Katholik hatte Matt stets Distanz zum Nationalsozialismus gehalten und wollte sich von ihm nicht vereinnahmen lassen. Am 23. März 1933 teilte er seinen Rücktritt mit.

Dr. Wilhelm Matt verstarb am 23. Januar 1936 im Alter von 64 Jahren.5 Er wurde auf dem Aschaffenburger Altstadtfriedhof beigesetzt. Der Würzburger Bischof Dr. Matthias Ehrenfried gab ihm zusammen mit anderen Trauernden das letzte Geleit. Ein Abguss seines Bronzereliefs, welches er als Geschenk von seinen Mitarbeitern für das 25-jährige Amtsjubiläum bekommen hatte, sollte einstmals den Sitzungssaal des Stadtrates schmücken. Heute steht es an der Kopfseite seines Grabes.
1949 wurde eine Straße nach ihm benannt. Die Mattstraße befindet sich in Schweinheim zwischen Reigersbergstraße und Schoberstraße.

Seine Leistungen für die Stadt:

  • Straßen wurden angelegt oder reguliert
  • Ausbau des Hafens
  • Errichtung des Elektrizitätswerks in Leider
  • Oberreal- und Meisterschule wurden gebaut
  • Erbauung der Herz-Jesu-Kirche (Innenstadt), der Sankt-Josefs-Kirche (Damm) und der Sankt-Laurentius-Kirche (Leider)
  • neue Industriebetriebe wurden angesiedelt (Kleider- und Meßwerkzeugfabriken, Güldner-Motorenwerke, Heckmann’sches Kupferwerk)
  • Wohnungen wurden gebaut oder saniert
  • Stadtbeleuchtung wurde erweitert und die gärtnerische Pflege der Grünanlagen wurde gefördert
  • Jugendfürsorge, schulärztliche Pflichtuntersuchungen und die Kinderspeisung der ärmeren Bevölkerungsgruppen wurden eingeführt


Quellen:

Carsten Pollnick/Susanne von Mach: Stadtoberhäupter. Bürgermeister und Oberbürgermeister in Aschaffenburg, Aschaffenburg 2020, S. 50-55.

Anmerkungen:

1 Einladung zur Feier des Dienstantrittes des rechtskundigen Bürgermeisters Herrn Dr. Wilhelm Matt, Stadt- und Stiftsarchiv, PGS 2.

2 Eckhard Schramm, Die Wittelsbacher in Aschaffenburg (1848-1918), Würzburg 1975, S. 158.

3 Eckhard Schramm, Die Wittelsbacher in Aschaffenburg (1848-1918), Würzburg 1975, S. 163.

4 Aschaffenburger Zeitung, Nr. 70 vom 24.03.1933, S. 3.

5 Beobachter am Main, Nr. 19 vom 23.01.1936, S. 4.

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