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Der St. Johannis-Zweigverein

Die Vorgeschichte

Im Jahr 1853 gründete der bayerische König Maximilian II. einen „Centralverein des Königreichs für wohltätige Zwecke“ mit dem Namen St. Johannisverein. Der organisatorische Ausbau erfolgte mit regionalen Zweigvereinen. Damit wurde ein neues Instrument zur Bekämpfung von Not und Armut geschaffen.
Der Verein lebte aus der privaten Initiative, der freiwilligen Arbeit seiner Mitglieder und praktizierter Hilfe zur Selbsthilfe. Der Staat unterstützte die Johanniszweigvereine nur ideell. Die Vereine waren aber eng in die staatstragenden christlich-katholischen Kreise eingebunden. Ihre Aufgabe war insbesondere: die Errichtung von Kindergärten, Waisenhäusern, die Erteilung von Hauswirtschaftsunterricht sowie die ambulante Krankenpflege.

Der Schweinheimer Zweigverein

Die Gründung des St. Johannis-Zweigvereins der damals noch selbständigen Gemeinde Schweinheim erfolgte erst am 28.12.1928 durch Pfarrer Karl Umenhof, die Eintragung ins Vereinsregister war am 8.2.1929. Er übernahm die Aufgaben des 1898 gegründeten Vereins für Krankenpflege in Schweinheim, weil dieser Verein in der Kriegs- und Nachkriegszeit in Schwierigkeiten gekommen war. Den Krankenpflegedienst leisteten weiterhin die Schwestern des Ordens der Schwestern des Erlösers aus Würzburg. Der neue Verein übernahm auch das Schwesternwohnhaus in der Freundstraße 2 mit einer Ambulanz im Kellergeschoss. Das Haus hatte 1901 der katholische Ortspfarrer Georg Schweinfest als privates Gebäude für den Nutzungszweck als Schwesternhaus errichtet. Er schenkte es 1917 dem Krankenpflegeverein, gleichzeitig übernahm die politische Gemeinde die Baulast. (Bild 1 und 2)

Der Dienst der Kinderbetreuung war dem Orden der „Armen Schulschwestern“ übertragen worden. Sie wohnten mit den Krankenschwestern im Mädchenschulhaus der politischen Gemeinde.
Zusätzlich zur Krankenpflege übertrug bereits im April 1929 die politische Gemeinde Schweinheim den neuen Verein den Betrieb des seit 1892 von ihr betriebenen Kindergartens und Handarbeitssaals. Beide Einrichtungen waren bis zur Verlagerung des Kindergartens in der Aschaffenburger Straße 19 (heute Schweinheimer Straße) gemeinsam im Schulhaus in der Aschaffenburger Straße 15 untergebracht.

Die Vereinstätigkeit bis zum Ende des 2. Weltkriegs (Bild 3)

Zum Jahresende 1929 übernahm der St. Johannis-Zweigverein Schweinheim die organisatorische Arbeit der von der Pfarrei eingeführten Schulspeisung. 1938 mussten alle Ordensschwestern auf Grund der politischen Verhältnisse ihre Wohnung im Mädchenschulgebäude verlassen. Die Pfarrei brachte sie im Gebäude in der Bergstraße 24 unter. Dieses Gebäude hatte Pfarrer Umenhof vorausschauend als Priesteralterswohnung erworben und später der Kirchenstiftung Maria Geburt überlassen.
Der von den Schwestern geleitete Kindergarten des Vereins musste im Oktober 1942 wegen eines fehlenden Schutzraums geschlossen werden. Die bauliche Anpassung an die Kriegsbedingungen waren unterblieben, da sich die vom NS-Regime beherrschte Stadt Aschaffenburg nicht mehr an die bis zur Eingemeindung 1939 von der Gemeinde Schweinheim geleistete Baulast für das Kindergartengebäude gebunden fühlte. Ein Bombenangriff im November 1944 und der Artilleriebeschuss 1945 führten am Kindergartengebäude zu schweren Schäden. Sie wurden nach Kriegsende nicht durch die Stadt Aschaffenburg, sondern von der Pfarrei Maria Geburt rasch notdürftig behoben. Bereits kurz vor Weihnachten 1945 konnte daher der Kindergartenbetrieb mit 140 Kindern wieder beginnen.

Die Arbeit des Vereins nach 1945

Kinderbetreuung

Die schnelle Notlösung der Kinderbetreuung hatte ein langes Provisorium zur Folge. Die Stadt Aschaffenburg lehnte es nämlich ab, in das beschädigte Gebäude an der Aschaffenburger Straße zu investieren. Man bat daher Pfarrer Umenhof als 1. Vorsitzenden ein geeignetes Baugrundstück für einen Neubau zu suchen. Nach langer Vorbereitungszeit mit vielen Beteiligten, konnte schließlich an der Gutwerkstraße auf einem 1932 von der Kirchenstiftung Maria Geburt erworbenen Grundstück ein neuer Kindergarten errichtet werden. Am 14.12.1952 konnte der damals „schönste Kindergarten der Stadt“, wie das „Main-Echo“ schrieb, dem St. Johannis-Zweigverein übergeben werden. 230 Kinder wurden damals dort betreut. Der neue Kindergarten war auch gleichzeitig die Ordensniederlassung der „Armen Schulschwestern“, die jetzt dort auch wohnten.
In dem zweigeschossigen Gebäude war im Erdgeschoss der Kindergarten und die Hauskapelle für den aus 12 Schwestern bestehenden Konvent. Die Schwestern wohnten im Obergeschoss. Dort befand sich auch eine privat betriebene Nähschule. Nach einer umfangreichen Erneuerung des Gebäudes im Jahr 1988, unterstützt von der Stadt Aschaffenburg und dem Freistaat Bayern, erhielt der Kindergarten an der Gutwerkstraße den Namen Theresienkindergarten, benannt nach der Ordensgründerin der dort tätigen Schwester Theresia Gerhardinger. Bereits wenige Jahre später war eine Generalsanierung des Theresienkindergartens erforderlich. Sie dauerte bis Oktober 1996 und kostete ca. 1 600 000,- DM. Der Verein brachte davon ca.15% selbst auf, musste dazu allerdings ein Darlehen aufnehmen. Nach der Sanierung verfügte der Kindergarten über vier Gruppen und eine Tagesstätte. Im Laufe des Jahres 2007 wurde aus dem Theresienkindergarten das „Haus für Kinder Maria Geburt“. Es bestand aus einem 4-gruppigen Kindergarten, einer privat betriebenen Kinderkrippe und einem Hort für Schülerinnen und Schüler der nahegelegenen Pestalozzi-Grundschule. (Bild 4)

Anfang der 1970er-Jahre befasste sich die Pfarrei Maria Geburt mit dem Neubau eines Pfarrzentrums. Es wurde schnell klar, dass trotz reduziertem Bauvolumen und einem Zuschuss von Diözese und Staat, die Pfarrei den Neubau eines Gemeindezentrums nicht finanzieren konnte. Erich Auerbach, damals Vorsitzender des Bauausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Gemeinderats, hatte daher die Idee im „Dorf“ einen neuen Kindergarten zu errichten um damit weitere Zuschüsse der Kommune erhalten zu können. Dies war die Geburtsstunde des damaligen Marienkindergartens, heute „Haus für Kinder Sankt Franziskus“. Der Kindergarten eröffnete im September 1973 mit zwei Gruppen, erste Leiterin wurde Hiltrud Elsässer. Der St. Johannis-Zweigverein übernahm von Anfang an die Trägerschaft des neu eingerichteten Kindergartens.

Ab Anfang der 1980er Jahre häuften sich die Klagen über fehlende Kindergartenplätze in Schweinheim. Zunächst wurde im Kindergarten im Gemeindezentrum eine weitere Gruppe eingerichtet. Im Frühjahr 1988 erhielt auch der Kindergarten Gutwerkstraße eine vierte Gruppe.

Den an den Verein herangetragenen Wunsch, die Trägerschaft für einen weiteren, dritten Kindergarten in Schweinheim zu übernehmen, lehnte der Verein 1991 endgültig ab. (Bild 5)

Handarbeitsschule

Gleichzeitig mit dem Kindergarten konnte 1945 in verkleinerter Form auch der Handarbeitsunterricht wieder aufgenommen werden. Wegen der Gebäudeschäden mussten für seine Ausweitung 1948 bis zum Bezug des neuen Kindergartens 1952 zwei Handarbeitsräume im Pfarrhaus eingerichtet werden. 1988 wurde der Handarbeitsunterricht endgültig eingestellt und die freiwerdenden Räumlichkeiten dem Kindergarten zugeschlagen.

Krankenpflege

Auch nach 1945 blieb der St. Johannis-Zweigverein für die Krankenpflege im Stadtteil Schweinheim zuständig. Die Krankenstation in der Freundstraße war ab Juli 1948 wieder funktionsfähig. Die Vereinbarung mit den Schwestern des Erlösers, die noch aus der Gründungsphase der Krankenpflege stammte, wurde 1958 vollständig überarbeitet. Der Verein übernahm jetzt alle Kosten der Schwesternwohnung und des Krankenpflegebetriebs. Außerdem bezahlte er die Schwestern für ihre Dienste und übernahm auch Beiträge zu deren Altersversorgung. Er konnte den Schwestern aber keine Anweisungen erteilen. Der Finanzbedarf für die Krankenschwestern wurde mit den Mitgliedsbeiträgen des St. Johannis Zweig-Vereins finanziert. Jeden Monat besuchten Sammler des Vereins die Mitglieder und sammelten das sogenannte „Krankenschwesterngeld“ ein.
Die Schwesternstation wurde im November 1972 mit der Gründung der Sozialstation aufgegeben. Standort der neuen Sozialstation wurde die Marienstraße 10. Damit endete auch die selbständige Arbeit des St. Johannis-Zweigvereins als Träger der ambulanten Krankenpflege. Sie wurde Bestandteil der 1978 gegründeten und vom Verein mitgetragenen Caritas-Sozialstation als Dachorganisation der gesamten ambulanten Krankenpflege.

Seniorenarbeit

Mit dem Erlös des Verkaufs des Schwesternhauses in der Freundstraße erwarb der Verein ein Grundstück an der Hensbachstraße, um dort eine Altenwohnstätte mit Pflege zu errichten. Dieses weitreichende Projekt scheiterte jedoch an der Finanzierung.

Unmittelbare Seniorenarbeit leistet der Verein seit 2007 mit der Trägerschaft für das „Schweinheimer Mittagessen“ in den Gemeindezentren Maria Geburt und St. Gertrud.

Die kontinuierliche Anpassung der Vereinsstrukturen

Erforderlich war nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine neue Satzung, da bis dahin der 2. Vorsitzende des Vereins der Bürgermeister von Schweinheim sein musste. 1. Vorsitzender war immer der Pfarrer von Maria Geburt. Die neue Satzung wurde im Oktober 1954 eingeführt. 2. Vorsitzender wurde Friedel Elbert. Er und alle anderen Vorstandsmitglieder behielten ihre Ämter bis Dezember 1963. Nach dessen Tod übernahm Karl Büttner das Amt des 2. Vorsitzenden. Ihm folgte in diesem Amt Karl Eser bis 1985. 1976, nach Einführung der Caritas-Sozialstation, erfolgte eine weitere Satzungsänderung zur Anpassung an die aktuelle Rechtslage. Seit 1978 ist der Verein mit all seinen Aktivitäten in den Diözesancaritasverband eingebunden. Auf Karl Eser folgten Franz Schneider und ab 1988 Willi Staudt. 1991 übernahm Herrmann Helfmann das Amt des 2. Vorsitzenden und blieb es bis 1994. Nach einer erneuten Satzungsänderung wurde er 1994 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt 545 Mitglieder. Auf Ihn folgten Markus Krauth und Thomas Regula. Zum derzeitigen Vorstand gehören: Bernd Keßler als 1. Vorsitzender, Thorsten Gerhus als Stellvertreter, Heiko Schulz als Kassierer, Klaus Gast als Schriftführer und die Beisitzer Holger Staab, Rainer Deuerling und Harald Wientgens.

In der Mitgliederversammlung 2009 wurde die Vereinssatzung erneut den veränderten Vereinsaufgaben angepasst. Neben den caritativen Aufgaben und dem Bildungsauftrag, ist nun auch ausdrücklich die Seniorenarbeit als Aufgabe des Vereins genannt. Außerdem wurde zur Unterstützung des Vorstands ein Beirat eingeführt, um die verschiedenen Tätigkeitsfelder des Vereins besser miteinander zu vernetzen.

Die Orden ziehen sich aus der Arbeit des Vereins zurück

Zu Beginn der 1970er Jahre begannen sich die beiden für den Verein tätigen Orden wegen Personalmangels allmählich aus der Arbeit zurückzuziehen. Der erste Schritt war 1978 die Gründung der Sozialstation und die Zusammenlegung der ambulanten Krankenpflege mit der Krankenpflegestation in Aschaffenburg und damit der Auflösung der Schwesternwohnungen in der Freundstraße. Eine kleine Ambulanz blieb jedoch dort bis etwa 1980 bestehen.

Das Gebäude in der Freundstraße 2 wurde zunächst ab Dezember 1980 bis Dezember 1993 an die Lebenshilfe Schmerlenbach als Wohnheim für Behinderte vermietet. 1993 wurde das Gebäude schließlich an die Lebenshilfe verkauft.

Im Juli 1999 gab auch der Orden der „Armen Schulschwestern“ die Leitung des Theresienkindergartens ab. 2003 erfolgte die Auflösung des Konvents in der Gutwerkstraße. Damit endete die fast 70 Jahre währende Zusammenarbeit des Vereins mit dem Frauenorden.

Der Verein im 21. Jahrhundert

Bereits im Jahr 2002 entstand mit Unterstützung des St. Johannis-Zweigvereins die „Gemeinschafts-Initiative Schweinheim (GIS)“ als neue Form der caritativen Arbeit im Stadtteil Schweinheim. Aufgabe der Initiative sind soziale Dienste verschiedenster Art, die von Ehrenamtlichen im Sinne aktiver „Nachbarschaftshilfe“ erbracht werden.

Seit Oktober 2007 ist der Verein Träger des „Schweinheimer Mittagessens“, das von Ehrenamtlichen organisiert im 14-tägigen Wechsel angeboten wird und allen Generationen und sozialen Schichten offensteht. Das Projekt startete im Gemeindezentrum Maria Geburt, wurde nach dessen Abbruch und Neubau aber ins Gemeindezentrum St. Gertrud verlegt. Die Initiatorin Frau Christa Schneider erhielt für ihre Idee und Initiative 2008 den Schweinheimer Innovativpreis.

Die Aufgabe der Krankenpflege als Vereinsaktivität in den 1970er Jahren, führte bald zu Überlegungen die Seniorenarbeit des Vereins auszubauen. Hierzu wurde bereits im Jahr 1994 die Liegenschaft in der Hensbachstraße 4 teilweise erworben, um an diesem Standort langfristig auch die Schweinheimer Sozialstation anzusiedeln. Mit dem Einzug der Sozialstation in das Ärztehaus an der Molkenbornstraße, mussten diese Vorstellungen aber aufgegeben werden und es galt ein neues Konzept zur sinnvollen Nutzung des Grundstücks an der Hensbachstraße zu entwickeln. Sie führten zu einer Kooperation mit der Stadtbau Aschaffenburg.
Im Laufe des Jahres 2009 entstand daher an der Hensbachstraße ein weitgehend behindertengerechtes und für damalige Verhältnisse sehr energiesparendes neues Wohngebäude. Bauherrin ist die Stadtbau Aschaffenburg, die vom St. Johannis-Zweigverein den Grund und Boden in Erbpacht erhalten hat. Ein besonderes Belegungsrecht ermöglicht dem Verein seinen Mitgliedern im neuen Gebäude Wohnungen zu günstigen Mieten anbieten zu können. Ein Angebot, das in besonderem Maße für die Senioren unter den Vereinsmitgliedern gedacht ist und somit diesen Zweig der Vereinsarbeit ausweitet. Die ersten Wohnungen wurden im Frühjahr 2010 bezogen. (Bild 6)

Der Verein stellte sich den demographischen Veränderungen aber nicht nur im Wohnungsbau, sondern sah es auch als seine Aufgabe an, das Betreuungs- und Pflegeangebot im Stadtteil zu verbessern. In einem ersten Schritt wurden in Kooperation mit Ärzten Informationstage zum Thema Demenz angeboten. Dann ergab sich die Möglichkeit mit dem Projekt „Lichtblicke“ konkret in die ambulante Pflege einzusteigen. Seit Juli 2016 wurde, bis zum Ausbruch der Coronapandemie, einmal pro Woche ein mit den Krankenkassen abrechnungsfähiger Betreuungsnachmittag für Menschen mit Demenz oder andere Pflegebedürftige zur Entlastung der Angehörigen angeboten. Die Gesamtleitung hatte die Seniorenbeauftragte des Vereins Christa Scheider. Ihr zur Seite standen professionelle Kräfte aus Pflege- und Betreuungsberufen. Bis zur Unterbrechung nahmen regelmäßig etwa 15 Personen an den Nachmittagen teil.

Eine besondere Verantwortung fiel dem St. Johannis – Zweigverein Schweinheim mit dem Auszug der letzten Schwestern aus dem Haus Gutwerkstraße 61 zu. Die Hauskapelle der Nonnen war nun funktionslos geworden. Im Jahre 2006 beschloss daher der Vorstand die leerstehende Hauskapelle durch den Künstler Leo Zogmeyer zu einer Kinderkapelle umgestalten zu lassen. Im Februar 2009 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden und die „Theresienkapelle“, wie sie in Erinnerung an die Ordensgründerin der „Armen Schulschwestern“ genannt wird, ihrer Bestimmung übergeben werden. Ein heller, freundlicher und warmer Raum steht nun den Kinderbetreuungseinrichtungen des Vereins für ihre Arbeit zur Verfügung. Er wird regelmäßig und intensiv mit den Kindern genutzt, um ihnen religiöse und spirituelle Erfahrungen zu vermitteln. Die Kinderkapelle ist ein Angebot, das es in dieser Form in weitem Umkreis von Aschaffenburg sonst nicht gibt. (Bild 7)

Bei allem Bemühen um zeitgemäße Strukturen und Aufgabenschwerpunkte, versteht sich der Verein mit seiner über 90-jährigen Geschichte auch als Wahrer der Erinnerung. Aus diesem Grund wurde daher am letzten Konventgebäude der „Armen Schulschwestern“ in Schweinheim an der Gutwerkstraße im Jahr 2010 ein Gedenkstein errichtet. Der Entwurf entstand im Rahmen eines Wettbewerbs unter den Meisterschülern der Aschaffenburger Steinmetzschule im Jahr 2009. 15 angehende Steinmetzmeister hatten sich beteiligt. Die Jury empfahl einstimmig den Entwurf von Marco Prilla-Rehain zu realisieren. Seit Oktober 2009 erinnert nun eine zwei Meter hohe, schlanke Stehle aus grauem Naturstein an das segensreiche Wirken der Schwestern. Eine Glasintarsie mit einem Spruch von Theresia Eberhardinger setzt für den sorgfältigen Betrachter einen besonderen, je nach Tageslicht sehr unterschiedlichen Akzent. Das Erinnerungszeichen steht in der Tradition der Feld- oder Wegekreuze und Bildstöcke. Auch sie haben den Anspruch, Ereignisse und Begebenheiten im kollektiven Bewusstsein zu bewahren. (Bild 8)

Im Jahr 2012 entschloss sich der Vorstand ein neues professionell gestaltetes Vereinslogo einzuführen, denn die öffentliche Wahrnehmung des Vereins mit seinen damals knapp 300 Mitgliedern als eigenständige Institution war vergleichsweise gering. Viele Schweinheimerinnen und Schweinheimer, die meistens in jungen Jahren selbst die Kindergärten des Vereins besucht haben, würden erst merken, was in Schweinheim fehlt, wenn es den Verein nicht mehr gäbe. Die Einrichtungen des Vereins sind über die Jahrzehnte einfach selbstverständlich geworden, ohne dass man fragt, wer dafür Verantwortung trägt. (Bild 9)

Der Entwurf stammte von der Aschaffenburger Grafikerin Christiane Holtzwart. In dem Logo soll die generationenübergreifende Arbeit des Vereins zum Ausdruck kommen: Kinder und Erwachsene, Jung und Alt – Hand in Hand. Ein Anspruch, der gerade in Zeiten eines demographischen Wandels von höchster Aktualität ist.

Im Jahr 2011 kam der neue Leiter des Kirchenchors Maria Geburt mit dem Vorschlag auf den Verein zu, in Schweinheim eine „Singschule“ für Kinder zur Förderung der musischen Bildung aufzubauen. Der Vorstand und die Leitung des Hauses für Kinder Maria Geburt griffen die Idee gerne auf, und man schloss im Dezember 2011 eine entsprechende Vereinbarung. Das Projekt wurde aber, trotz verschiedener konzeptioneller Anpassungen, kein Erfolg und wurde 2019 endgültig aufgegeben.

Bereits im Jahr 1972 bezog das heutige Haus für Kinder St. Franziskus das Erdgeschoss des Neubaus des damaligen Pfarrzentrums der Gemeinde Maria Geburt. Für die Einrichtung bürgerte sich der Name Marienkindergarten ein. Als sich nach etlichen Jahren die Diskussion abzeichnete, dass dieses Gebäude nicht zu sanieren war, entschlossen sich die Verantwortlichen des Vereins, sich erneut an einem Neubau des Gemeindezentrums zu beteiligen und aus dem Marienkindergarten ein Haus für Kinder mit Krippe, Kindergarten und Hort zu machen. Dafür brachte der Verein über 200 000 € aus Eigenmitteln auf. In Verbindung mit den staatlichen Zuschüssen für Kinderbetreuungseinrichtungen finanzierte er damit nahezu 50% der Baukosten des heutigen Gemeindehauses Maria Geburt. Die neuen Räume für Kindergarten und Krippe entstanden im Erdgeschoß, barrierefrei von der Marienstraße zu erreichen. Die Horträume mussten im 1.Obergeschoss untergebracht werden. Sie wurden von der Stadt Aschaffenburg bei der Kirchenstiftung angemietet und dem Verein 10 Jahre kostenfrei zur Nutzung überlassen. Nach dem Abbruch des Pfarrzentrums im Frühjahr 2012, war der Kindergarten für etwa zwei Jahre in einem Containerprovisorium auf dem Gelände des TV Schweinheim am Sportweg untergebracht. Die Inbetriebnahme der Räume erfolgte im Frühjahr 2014, das Freigelände war im Spätsommer 2014 verfügbar und wurde seit damals mehrfach weiter ausgebaut.
Zur Finanzierung seines Kostenanteils initiierte der Verein eine Reihe von Sponsoringaktivitäten. Dazu gehörte ein Benefizkonzert in der „Alten Turnhalle“ mit der Schweinheimer Traditionsgruppe „Honeyground“, ein „Schweinheimer Kunstkalender“ als Jahreskalender mit Werken von 13 Schweinheimer Künstlerinnen und Künstlern und die Versteigerung von Zeichnungen von Walther Diehm, die den Entstehungsprozess des neuen Gemeindehauses dokumentieren. (Bild 10)

Mit dem Einzug in den Neubau vertiefte das neue Haus für Kinder auch seinen pädagogischen Arbeitsansatz nach der Reggio-Pädagogik, denn die neuen Räume boten nun hierfür die entsprechenden Voraussetzungen. Außerdem erhielt die Einrichtung den Namen Haus für Kinder St. Franziskus, denn es sollten mit dieser Namensgebung Irritationen verhindert werden zwischen dem bestehenden und eingeführten Namen Haus für Kinder Maria Geburt (an der Gutwerkstraße), dem neuen Namen Gemeindehaus Maria Geburt und dem dort integrierten Haus für Kinder St. Franziskus.

Nach der endgültigen Fertigstellung des Hauses für Kinder St. Franziskus widmete man sich wieder der Entwicklung des Stammhauses aller Einrichtungen, dem Haus für Kinder Maria Geburt. Als erstes wurde die Entwicklung und konzeptionelle Erweiterung zu einem Familienstützpunkt angegangen. Die Gespräche darüber mit der Stadtverwaltung begannen im April 2014. Die Vereinbarung mit der Stadt kam aber erst Mitte 2016 zustande. Danach begannen die konzeptionellen Vorarbeiten. Die Eröffnung war schließlich im März 2018, denn man wollte seitens des Vereins abwarten, bis die Auslagerung und Erweiterung der Kinderkrippe „Rasselbande“ in einen Neubau auf dem Gelände des Haus für Kinder planerisch so abgesichert war, dass im Altbau auf Dauer genügend Raumkapazität zur Verfügung stehen konnte.

Etwa gleichzeitig mit der Entwicklung des Hauses für Kinder zum Familienstützpunkt, begannen die Gespräche zur Übernahme des Kindergarten Schwalbennestes des St. Johannis-Zweigvereins Aschaffenburg. Dieser Verein wollte den Kindergarten zum 31.12. 2014 abgeben. Zur Vorbereitung des Trägerwechsels mussten jedoch drei Komplexe geklärt werden: Personalübernahme, Mittelbereitstellung für eine Anschubfinanzierung und Zustimmung der Mitgliederversammlung des St. Johannis-Zweigvereins Aschaffenburg-Schweinheim. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Johannis Zweigvereins Schweinheim erklärte am 25. 6. 2015 die Bereitschaft zur Übernahme. Voraussetzung dafür war die Sicherstellung der Liquidität für die Personalkosten in Höhe von drei Monatsgehältern (ca. 120 000,- €) für das Personal. Weiterhin fand unter der Leitung des ehemaligen Jugendamtsleiters der Stadt Aschaffenburg, Michael „Maigk“ Sommer, am 24.4.2015 eine Betriebsversammlung im Schwalbennest statt, an der alter Träger, neuer Träger und das gesamte Personal teilnahmen. In der Versammlung stellte der neue Träger seine Rahmenbedingungen für einen Betriebsübergang für die Elternarbeit, seine Vereinsarbeit und die Ansprüche für die Wertorientierung der pädagogischen Arbeit dar: maximal 25 Schließtage und Dienstleistungsorientierung, Unterstützung der Vereinsstruktur durch das Personal, Mitbetreuung von Kindern aus anderen Einrichtungen des Johannis-Zweigvereins Schweinheim bei nicht überlappenden Schließzeiten, Kooperation mit den anderen Einrichtungen des Vereins, Fortbildungsbereitschaft des Personals, ständige Kooperation der Leitung mit der Vereinsleitung und Vertretung einer christlichen Grundhaltung bei der Arbeit, einheitliche Handhabung der Wartelisten. Auch dem Elternbeirat des Schwalbennestes wurde ein Gespräch angeboten, das jedoch mangels Rückmeldung seitens der Elternvertreter nicht zustande kam. Der Übergang der Betriebsträgerschaft konnte schließlich, nachdem der Stadtrat der Übertragung des Mietvertrags für die Liegenschaft des Schwalbennests auf den Johannis-Zweigverein Schweinheim zugestimmt hat, zum 1.9.2015 erfolgen. (Bild 11)

Der Kindergarten Schwalbennest hatte zum Zeitpunkt des Trägerwechsels eine Krippengruppe und vier Kindergartengruppen. Diese Kombination entsprach nicht mehr dem Bedarf der Eltern. Daher verfolgten Vorstand und Hausleitung das Ziel, möglichst bald die Zahl der Krippenplätze zu erhöhen. Dazu wäre eine Vergrößerung des Gebäudes erforderlich gewesen. Dafür gab es jedoch bei der Stadt keinen finanziellen Spielraum. Als sich im Jahr 2017 für das Kindergartenjahr 2018/19 eine große Lücke im Betreuungsangebot für Krippenplätze abzeichnete, kam die Stadt auf den Verein zu, ob er bereit wäre, auf dem Gelände des TV Schweinheim, dort wo einige Jahre zuvor das Haus für Kinder St. Franziskus ausgelagert gewesen war, eine provisorische Krippe als Träger zu betreiben. Mit der Perspektive, diese zwei Krippengruppen nach Ablauf der Provisoriumszeit auf das Gelände des Schwalbennestes umzusetzen, stimmte die Mitgliederversammlung im Mai 2018 dieser Lösung zu. Das Provisorium ging im November 2018 in Betrieb. Ein finanzieller Kraftakt für den Verein und ein organisatorischer Kraftakt für die Hausleitung des Schwalbennestes.

Der Ausbau des Hauses für Kinder Maria Geburt an der Gutwerkstraße zum Familienstützpunkt machte es notwendig, die Raumaufteilung und Raumzuordnung in dem Gebäude aus den 1950er-Jahren zu überdenken. Außerdem benötigte der Familienstützpunkt ein spezifisches Raumangebot, das auch unabhängig vom Haus für Kinder genutzt werden kann. Diese Anforderungen ließen sich problemlos erfüllen, wenn der Betrieb der Kinderkrippe ausgelagert werden würde. Eine eingruppige Kinderkrippe war auch für die Größe des Kindergartens nicht mehr angemessen. Der Verein entschloss sich daher, die Kinderkrippe, die seit Anfang 2003 im 1. Obergeschoss bestand und von einem eigenständigen Trägerverein betrieben wurde, um eine Gruppe zu erweitern und auszulagern. Die bestehenden großen Freiflächen der Einrichtung boten hierfür genügend Spielraum. Träger der erweiterten Krippe sollte auch weiterhin der Verein Pusteblume e.V. sein. Die Mitgliederversammlung 2017 fasste im Mai den dafür erforderlichen Grundsatzbeschluss. Ebenfalls 2017 wurde der Bauantrag eingereicht und parallel dazu bei der Diözese, der Stadt Aschaffenburg und dem Freistaat Bayern die Förderung des Neubaus beantragt. Mit einem Investitionsvolumen von ca. 1,1 Millionen € wurde in den Jahren 2019/2020 ein freistehendes, eingeschossiges Pavillongebäude errichtet. Der Verlust an Freifläche auf dem Kindergartengelände wurde durch eine Ausweitung des Spielbereichs auf die vorgelagerte öffentliche Grünfläche ausgeglichen. Dieses neue Krippengebäude ist nach etwa einjähriger Bauzeit seit April 2020 in Betrieb. (Bild 12)

Schlussbemerkung: Diese Darstellung der Geschichte des St. Johannis Zweigvereins Aschaffenburg-Schweinheim beruht für die Zeit vor 1990 auf verschiedenen Artikeln im Main Echo, Recherchen von Josef Syndikus zur Geschichte der „Armen Schulschwestern“ in Schweinheim sowie dem leider nur sehr spärlichen Vereinsarchiv. Bedauerlicherweise wurden nämlich in den 1980er Jahren Vereinsakten nicht weitergegeben und sind verschollen.

Kommentare

  1. Zur Vorgeschichte des Vereins gehört möglicherweise auch, dass Emil Stein, Pfarrer von Schweinheim, 1858 dem Bezirksausschuss des St. Johannis-Zweigvereins zur Obsorge für entlassene Sträflinge angehörte (Aschaffenburger Zeitung Nro. 168 vom 16. Juli 1858) und dass es 1859 in Schweinheim eine Rettungsanstalt zur Vorsorge gegen Verwahrlosung der Jugend gab, die im sechsten Haupt-Jahresbericht des St. Johannis-Vereins für freiwillige Armenpflege in Bayern vom Jahre 1859/60, München 1861 auf Seite IX erwähnt wird.

    1. Zu dem Bericht über den St. Johannis-Zweigverein Schweinheim möchte ich hinweisen
      auf meinen Beitrag für „Aschaffenburg 2.0“ – zu „149 Jahre Arme Schulschwestern in
      Schweinheim“.
      Darin ist ausführlich über die Tätigkeit der Schwestern von 1854 bis 2003 berichtet,
      über deren Schultätigkeit, Kindergarten und handarbeitliche Nähschule in dieser Zeit.
      Die in dem Bericht zum St. Johannis-Zweigverein erwähnten Gebäude für die Schulen,
      Kindergarten und Nähschule vor 1928 wurden nicht von Pfr. Schweinfest gebaut, sondern von der Gemeinde Schweinheim zur Verfügung gestellt.
      Das Schwesternwohnheim in der Freundstraße für die Krankenschwestern (Erlöser-
      schwestern) sowie das 1952 erbaute Schwesternhaus für Kindergarten und Nähschule für die Armen Schulschwestern wurde von der Pfarrei bzw. dem
      St. Johannis-Zweigverein erbaut und grösstenteils finanziert.
      23.04.2021 RS.

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