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Würzburger Straße

Die an der Sandkirche beginnende Würzburger Straße ist eine Ausfallstraße in Verlängerung der Sandgasse. Nachdem die Straße in Höhe der Hofgartenstraße leicht abknickt, verläuft sie in südöstlicher Richtung jenseits der Bahnlinie nach Miltenberg an der ehem. Kaserne vorbei aus der Stadt heraus und erreicht nach ca. 70 km ihr namensgebendes Ziel Würzburg. Außerhalb der Stadtbefestigung liegend, befanden sich bis zur Mitte des 19. Jh. nur vereinzelte Anwesen auf der Südseite am Beginn der Straße, gegenüber dem Hofgarten lagen einige Gartengrundstücke. In der 2. Hälfte des 19. Jh. setzte die Entwicklung der Bebauung mit dem Ausbau der zunächst nur mäßig befestigten Straße mit seitlichem Fußpfad und Graben ein. Die Errichtung von mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern entlang einer einheitlichen Baulinie erfolgte in mehreren Etappen. Zur ersten Etappe von um 1870 gehören die maximal zweigeschossigen, unverputzten Bruchsteinbauten aus rotem Sandstein mit schlichter Fassade und flachem Satteldach wie die Nrn. 44, 60 und 35. Am Ende des 19. Jh. wurden drei- und viergeschossige traufständige Wohn- und Geschäftshäuser mit Backsteinfassaden und Sandsteingliederungen in historisierenden Neostilen errichtet, meist mit Geschäft oder Gastwirtschaft im Erdgeschoss sowie dazugehörigen Rückgebäuden und einem eingefriedeten Vorgarten, der heute infolge der Verbreiterung der Straße nur noch bei einzelnen Grundstücken wie bei den Nrn. 48, 54 und 60 erhalten ist.

Eine wichtige Rolle beim Ausbau der Würzburger Straße am Ende des 19. Jh. spielte das Baugeschäft Woerner, welches die Brüder Franz (1859–1937) und Roman (1857–1932) Woerner im Jahr 1884 gegründet hatten. An der Stelle ihres alten Werkplatzes (Würzburger Straße 50) planten sie fünf Wohnhäuser, von denen eines den Familien selbst diente, die übrigen großzügigen Wohnungen wurden vermietet und ermöglichten so die Finanzierung des Projekts. Als erster Neubau entstand 1887 das Haus Würzburger Straße 50. Weitere, heute noch erhaltene Bauten der Bauunternehmer F. & R. Woerner sind die Nrn. 48, 54 und 58. Außerdem erhielten F. & R. Woerner den Auftrag zur Erbauung einer Kaserne mit Exerzierplatz und Bezirkskommando für das Jägerbataillon. Franz Woerner besorgte den Bauplatz und nahm das Grundstück der alten Kaserne an der Goldbacher Straße als Teilzahlung in den Vertrag. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Anwesen in der Würzburger Straße schwer getroffen. Nach dem Krieg siedelten sich zahlreiche Gewerbebetriebe auf den zuvor als Gärten genutzten Flächen zwischen den gründerzeitlichen Wohnbauten an. Entlang der links und rechts der Würzburger Straße abgehenden Nebenstraßen entwickelten sich dicht bebaute Wohngebiete.

Würzburger Straße 12

Von dem dreigeschossigen Walmdachbau mit Mezzanin haben sich keine Bauakten erhalten, sodass Bauherr und Baumeister unbekannt sind. Das Mietshaus erhebt sich über rechteckigem Grundriss auf einem hohen Kellergeschoss, das aus reliefierten Quadern mit tiefen Fugen gemauert ist. Das Erdgeschoss darüber aus regelmäßigen Sandsteinquadern wird durch ein umlaufendes Gesims abgeschlossen. Die Brüstungszone des 1. Obergeschosses ist ebenfalls aus rotem Sandstein gefertigt. Das übrige aufgehende Mauerwerk ist aus gelben Ziegeln gemauert. Die Gebäudekanten sind durch Eckquader hervorgehoben. Das niedrige Mezzanin springt in der Flucht leicht zurück und wird von einem stark profilierten Traufgesims abgeschlossen. Die Formen der Fenster der siebenachsigen Hauptfassade entsprechen dem Typ eines italienischen Palazzo des 16. Jh. Im Erdgeschoss sitzen die Fenster ohne Rahmung in den regelmäßigen Sandsteinquadern, im 1. Obergeschoss haben sie Verdachungen im Wechsel von Dreiecks- und Segmentgiebeln, im 2. Obergeschoss gerade Verdachungen und im Mezzanin querrechteckige Formate. An den äußeren Fensterachsen des 1. Obergeschosses befindet sich ein Balkon mit Sandsteinbalustern auf einfach geschwungenen Konsolen. Die Rückseite des Gebäudes ist schlicht gehalten und wurde im Bereich des Ober- und Dachgeschosses 1996 mit Balkonen versehen.

Würzburger Straße 24/26/28 – Mietshausgruppe

Die Bauakten von Haus Nr. 24 wurden durch Brand 1945 vernichtet und der Akt 1947 neu angelegt. Außer einem Plan zur Entwässerung des Gebäudes von 1961 gibt es keine Belege, die Aufschluss über die Baugeschichte geben könnten. Allerdings wird das Gebäude noch 1961 als Anwesen der Firma Sager & Woerner bezeichnet. Der dreigeschossige Satteldachbau mit relativ steilem Satteldach steht traufständig zur Würzburger Straße. An der Seite zu Haus Nr. 22 befindet sich ein Stufengiebel und an der linken Fassadenseite ein leicht risalitartig vorspringendes Zwerchhaus, ebenfalls mit Stufengiebel. Die im Stil der deutschen Gotik und Renaissance gestaltete Fassade ist durch unterschiedliche Fensterformate rhythmisiert. Der Zugang auf der rechten Seite erfolgt durch einen rundbogigen Durchgang in einer Art Loggia. In der Mitte des 1. Obergeschosses ist ein schmaler Balkon mit Maßwerk aus Sandstein angefügt. Das gesamte Gebäude ist verputzt und mit Sandsteingliederungen gestaltet. 1889 wurde auf dem Anwesen von W. Steyding, Haus Nr. 26, wo sich bereits ein Wohnhaus und ein Gemüsegarten befanden, ein Zimmer im Hintergebäude eingerichtet. Dieses musste einem Wohnhausneubau weichen, den 1903 Baumeister Adam Schneider aufführen ließ. 1912 kam es im Rückgebäude zum Einbau eines Zimmers für A. Herlein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Adam Schneider den wohl als Spekulationsobjekt errichteten Bau bereits verkauft. 1936 wurde die Rückseite des Hauses verändert, indem ein Wintergarten mit darüberliegenden Balkonen angebaut wurde. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden durch Luftdruck starke Schäden am Dach, an Zwischenwänden sowie Fenstern und Türen. Das Wohnhaus wurde 1964 umgebaut und 1994 das Dach ausgebaut. Im Jahr 2009 wurden die bestehenden Balkone erweitert, sodass der rückwärtige Bereich des Gebäudes sich heute stark überformt darstellt.

Der viergeschossige Satteldachbau im historistischen Stil hat eine asymmetrische Fassade mit leicht nach rechts verrücktem, über drei Geschosse reichendem Erker. Dieser besteht aus rotem Mainsandstein und schließt mit einem überdachten Balkon ab, darüber ein geschwungener Zwerchgiebel mit mittigem Rundbogenfenster. In dem aus werkgerechten Sandsteinquadern aufgeführten Erdgeschoss befinden sich rechts eine Tordurchfahrt und links der Eingang zu den Wohnungen. Die Fenster der Obergeschosse sind mit Rahmungen aus rotem Sandstein, mit Ankersteinen und Vorhangbogenprofilen versehen. Im 1. Obergeschoss ist ein Balkon mit Maßwerkgeländer ebenfalls aus rotem Sandstein angebracht. Im Dach sitzen achsgerechte Schleppgauben. Das ebenfalls 1903 von Baumeister Adam Schneider für den Bäckermeister Joseph F. Grau errichtete Haus Nr. 28 entspricht in Geschosshöhe und Dachform dem benachbarten Haus Nr. 26. Der viergeschossige Satteldachbau ist im Unterschied zum Nachbargebäude nicht verputzt. Die dreiachsige Backsteinfassade mit Gliederungen aus rotem Sandstein ist durch einen Mittelrisalit mit gekuppelten Fenstern, einem Balkon mit gusseisernem gebauchtem Geländer auf Volutenkonsolen im 2. Obergeschoss und einem Giebel mit Vasenaufsätzen und halbrundem Abschluss betont. Die hochrechteckigen Fenster sind mit Sandsteinrahmungen mit gestelzten Profilen versehen. Die horizontale Gliederung wird mittels durchlaufender Sandsteinlagen in Höhe der Sohlbänke und der Stürze der Fenster erreicht. Unter der Traufe verläuft ein Konsolfries. Nachdem im Zweiten Weltkrieg Luftdruck und Artillerie das Dach, die Mansarde und den Bäckerladen des Gebäudes beschädigten, ließ Nikolaus Grau bei den Instandsetzungsarbeiten 1951 Erd- und 1. Obergeschoss zu einem Café ausbauen. 1968 wurde in dem Bäckerladen eine Apotheke für Apotheker Dr. Hans Rudolf Fromm eingerichtet; dafür hat man die Schaufenster geringfügig vergrößert.

Würzburger Straße 27/29

Im August 1906 plante das Baugeschäft Georg Ott für den Kaufmann August Bachmann ein Doppelwohn- und Geschäftshaus an der Würzburger Straße/Ecke Schwindstraße. Die Fassade des dreigeschossigen Satteldachbaus ist mit weißen Ziegelsteinen verkleidet und mit roten Sandsteingliederungen gestaltet. Auf der Seite zur Schwindstraße sind fünf Fensterachsen, von denen die zweite und dritte zu einem Risalit ausgebildet sind, der im Dachbereich mit einem Giebel mit Volutenanläufen abschließt. Die Gebäudekante ist mit einem rechteckigen Eckerturm aus rotem Sandstein versehen. Er ruht über dem Erdgeschoss auf Steinkonsolen und ist mit einem steilen Zeltdach abgeschlossen. Die Fenster sind jeweils paarweise angeordnet, an den Seiten befinden sich schmale Fenster. Zur Würzburger Straße verfügt die Fassade über drei Fensterachsen, von denen die mittlere von seitlichen Pilastern aus rotem Sandstein gerahmt wird und in einer Gaube mit Walm endet. Auf der Seite zu Haus Nr. 29 befindet sich eine Durchfahrt zum Hof, von wo aus auch der Zugang zu den Wohnungen erfolgt. Das südöstlich anschließende Wohnhaus Nr. 29 wurde im gleichen Jahr ebenfalls für Bachmann entworfen und von dem Baugeschäft Georg Ott errichtet. Die Fassade des dreiachsigen Gebäudes ist wie die des Nachbarhauses mit weißen Ziegelsteinen und Gliederungselementen aus rotem Mainsandstein gestaltet. Die mittlere von drei Achsen ist zu einem dreiseitigen Erkerturm ausgebildet, der mit einer Haube abgeschlossen ist. Der Eingang befindet sich auf der Seite zu Haus Nr. 27. Im Zweiten Weltkrieg wurde Haus Nr. 27 durch Luftdruck am Dach beschädigt, drei Granaten zerstörten das Dachwerk sowie die Fassade zur Würzburger Straße. Die Schäden an den Fenstern und der Außenwand wurden 1946 behoben. Beide Gebäude sind gut erhaltene, anschauliche Beispiele des historistischen Wohnungsbaus der Jahrhundertwende.

Würzburger Straße 33

Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus wurde 1907 von Johann Scheuermann für den Tünchermeister Michael Helfrich geplant. Im Erdgeschoss wurde ein Farbenladen eingerichtet. Das Anwesen hatte zur Straße einen Vorgarten mit Einfriedung. In der Straßenansicht wird das traufständige Gebäude von einem zweiachsigen Mittelrisalit mit gekuppelten Fenstern dominiert, der mit einem großen Mansardgiebel abschließt. Das hohe Mansarddach ist zweigeschossig. Bei der letzten Sanierung wurde die Fassade mit roter Farbe gestrichen, sodass die weiß gestrichenen Fensterrahmungen mit ihren Profilen und Ankersteinen stark hervortreten. Das Gebäude überragt die Nachbargebäude in der Höhe und hebt sich durch seine verputzte Fassade von den ansonsten überwiegend in unverputzter Ziegelbauweise errichteten Objekten ab.

Würzburger Straße 34

An der Stelle, wo die Würzburger Straße in südlicher Richtung abbiegt und die Hofgartenstraße sowie die Grünewaldstraße auf diese treffen, ließ der Baumeister Adam Schneider 1897 das dreigeschossige Wohnhaus als Spekulationsobjekt errichten. Später ging das Anwesen in den Besitz der Firma H. J. Geiger, Kohlenhandlung über und wurde im rückwärtigen Bereich um etliche Lagergebäude und Schuppen erweitert. Das Wohnhaus erfuhr kaum bauliche Veränderungen. Über einem Sockelgeschoss aus roten Sandsteinquadern erhebt sich der dreigeschossige Backsteinbau mit einseitig abgewalmtem hohem Satteldach. Die rechte Seite des Gebäudes besteht aus einer Brandmauer, da sich auf dem heute freien Nachbargrundstück ein Gebäude befand. Der Zugang zum Gebäude erfolgt vom Hof aus über die linke Schmalseite, was eine Fassadenfront mit regelmäßig angeordneten Fenstern ermöglichte. Diese sind in sechs Achsen auf der Fassade verteilt und verleihen ihr eine klare vertikale Gliederung. Eine Betonung erfährt die Fassade durch einen Mittelrisalit, der durch seitliche Pilaster, einen zwei Fensterachsen umfassenden Balkon im Obergeschoss und einen reich verzierten Giebel besonders hervorgehoben ist. Die horizontale Fassadengliederung erfolgt über ein profiliertes Gesims über dem Erdgeschoss, Sohlbankgesimse sowie unterschiedliche Fensterrahmungen. Die Fenster im Erdgeschoss sind von einem Rundbogen abgeschlossen, der durch Radialsteine geformt wird, die des 1. Obergeschosses sind zusätzlich mit einer gesprengten Segmentbogenverdachung versehen, die von Konsolen getragen wird. Die Brüstungsfelder unter den Fenstern sind leer. Die Fenster des 2. Obergeschosses haben einen geraden Sturz. Im Dach befinden sich achsgerechte Gauben. Die auf der linken Seite gelegene Einfahrt zum Hof war mit einem Torbogen überfangen, der nach einem Unfall 1996 beschädigt und in der Folge abgetragen wurde.

Würzburger Straße 38

1871 wurde mit der Bebauung des bis dahin unbebauten Grundstücks durch die Errichtung eines Hintergebäudes begonnen. Im Bauplan ist deutlich zu erkennen, dass die Würzburger Straße zu dieser Zeit noch ein einfacher Fahrweg mit Fußpfad und Graben bzw. Kanal war. Der Baumeister Adam Schneider erwarb das Grundstück und plante 1894 den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit Ladengeschäft, den er traufständig an der neuen Baulinie errichtete. Der dreigeschossige Mansarddachbau steht in einer geschlossenen Bebauung und wird an beiden Giebelseiten von mehrgeschossigen Wohnhäusern gerahmt. Der unveränderte Erdgeschossbereich ist besonders hervorzuheben, da in Aschaffenburg bei der überwiegenden Zahl der Wohn- und Geschäftshäuser die Ladenzonen im Laufe der Zeit mehrfach modernisiert und dabei erheblich verändert wurden. Rechts und links befindet sich je eine Eingangstür. Die rechte von beiden ist der Eingang zu Haus Nr. 36, die linke führt zu dem in der Mitte des Gebäudes gelegenen Treppenaufgang. Dazwischen liegt der Laden mit einer Tür und einem Schaufenster. Die Fenster der dreiachsigen Backsteinfassade sind mit Gewänden aus rotem Sandstein abgesetzt, die des 1. Obergeschosses sind mit einem profilierten Sturzgesims, die des 2. Obergeschosses mit Entlastungsbögen mit Keilsteinen überfangen. Darüber verläuft eine mehrfach profilierte Traufe. Im Dach sitzt über der Mittelachse eine Gaube, die im Bauplan mit einem gekuppelten Fenster gezeichnet ist und wohl bei den Instandsetzungsarbeiten nach dem Krieg mit drei Fenstern ausgeführt wurde.

Würzburger Straße 40/42

1904 ließ sich der Gastwirt Johann Kress einen repräsentativen Neubau für seine Gastwirtschaft erbauen. Auf dem Anwesen bestand bereits Mitte des 19. Jh. ein Wirtshaus mit einem Saal, Gästezimmern und einer Kegelbahn. Der Techniker A. Loy zeichnete einen Plan zu einem Wohn- und Geschäftshaus im reduziert historistischen Stil und wurde damit dem Anspruch der übrigen durchaus repräsentativen Bebauung an der Würzburger Straße gerecht. Der Plan zeigt einen traufständigen viergeschossigen Satteldachbau mit Risaliten. Das Gebäude wurde als Doppelhaus über den Grundstücken Nr. 42 und 40 errichtet. Zwischen beiden verläuft eine Brandmauer. Gemeinsam bilden sie aber eine symmetrische Fassadenfront mit je einem Risalit an den äußeren Achsen und drei dazwischenliegenden Fensterachsen. In der Mitte befindet sich ein Erker, der von einem Balkon mit eisernem Geländer abgeschlossen wird. Das Gebäude ist verputzt, die Fenster sind durch eine Rahmung aus rotem Sandstein materiell und farblich abgesetzt. Die großen Öffnungen des Erdgeschosses schließen rundbogig ab, die des 1. und 2. Obergeschosses sind mit Blendvorhangbögen akzentuiert. Die Verzierung der Fensterrahmungen nimmt mit zunehmender Höhe ab. So haben die Fenster des 3. Obergeschosses nur noch flache Segmentbögen. Die Zwerchgiebel der Risalite sind geschweift und schließen halbrund ab. In den Giebeln sitzen gekuppelte Fenster, die in der Höhe abgestuft sind. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude durch Luftdruck und Granaten schwer beschädigt. Die Fassade ist erhalten geblieben.

Würzburger Straße 45

Seit 1807 bestand an der Goldbacher Straße eine Kaserne, in der das königlich bayerische Jägerregiment stationiert war. Dieses zog 1896 in die neue Kaserne an der Würzburger Straße, in der dann das ganze Bataillon mit Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften Platz fand. Die noch jungen Bauunternehmer Franz und Roman Woerner bemühten sich um den Auftrag zur Errichtung einer neuen Kaserne an der Würzburger Straße. Indem sie der Stadt den Bauplatz für die neue Kaserne besorgten, erhielten sie 1894 den Auftrag und nahmen die alte Kaserne an der Goldbacher Straße mit Höfen und Baugrund als Teilzahlung in den Vertrag mit auf. Die ersten Gebäude wurden 1895/96 an der Würzburger Straße errichtet. Im Oktober 1896 bezog das 2. Bayerische Jägerbataillon die neuen Gebäude, die nun den Namen „Jägerkaserne“ erhielten. Diesen behielt die Kaserne auch noch, nachdem das Jägerbataillon 1920 aufgelöst wurde und eine Abteilung der „Reichswehr“ die Kaserne besetzte. Die einzelnen Gebäude wurden hufeisenförmig um einen Exerzierplatz herum errichtet. Das Hauptgebäude steht entlang der Würzburger Straße. Der Kasernenhof wurde durch später hinzugefügte Gebäude im Osten geschlossen. Im Laufe der Jahre änderte sich der Gebäudebestand und dehnt sich heute über das gesamte umbaute Gelände zwischen Kochstraße, Bessenbacher Weg und Flachstraße aus. Die ältesten Gebäude wurden in der damals typischen Bauweise als Massivbauten aus rotem Sandstein und hellen Verblendsteinen errichtet und sind weitgehend ursprünglich erhalten. An der Würzburger Straße stehen zwei baugleiche viergeschossige Mannschaftsgebäude mit Mittelrisalit, ursprünglich mit Ziergiebel, und zwei Seitenflügeln, die an der Fassade risalitartig vorspringen. Zwischen diesen beiden Mannschaftsgebäuden befindet sich das Verwaltungsgebäude, ein dreigeschossiger Walmdachbau mit zweigeschossigen Anbauten. Entlang der Flachstraße stehen zwei dreigeschossige kleinere Mannschaftsbauten und dazwischen ein langgestreckter Satteldachbau mit gegliederter Fassade. Auf der gegenüberliegenden Kochstraße steht quasi spiegelsymmetrisch ein baugleiches Mannschaftsgebäude und wenige Meter weiter das Kasino. Bemerkenswert sind hier die 1898 von Adalbert Hock geschaffenen Malereien im Speisesaal. Außerdem gab es Kantinen für Mannschaftsgrade und Unteroffiziere sowie eine Krankenstation mit 20 Betten, in der Ärzte und Krankenpflegerinnen arbeiteten. 1915 errichtete man auf dem Gelände ein weiteres großes Kasernengebäude in den Formen des Jugendstils. Der sehr breit gelagerte, dreigeschossige Satteldachbau hat je einen Eckpavillon und einen sechs Achsen umfassenden Mittelrisalit. Die Kasernengebäude erfuhren im Laufe der Zeit unterschiedliche Nutzungen und dienten Polizeischülern, der Deutschen Wehrmacht, UNRRA und US-Streitkräften. Heute sind hier die Unterrichts- und Seminarräume der Fachhochschule der Stadt eingerichtet.

Würzburger Straße 48

Das dreigeschossige Mehrfamilienwohnhaus entstand im Zusammenhang mit der Bebauung der Südseite der Würzburger Straße, die die Bauunternehmer Franz und Roman Woerner 1894 für den Bereich der Grundstücke von Nr. 46 bis 60 planten. Von dieser Planung sind heute noch erhalten: Nr. 48 (linke Fassadehälfte instand gesetzt), Nr. 50 und 52 wurden beim Angriff am 21. Januar 1945 durch Sprengbomben zerstört und nicht wieder aufgebaut, Nr. 54 wurde beschädigt, besteht aber noch in den bauzeitlichen Formen. Hier ist auch der Vorgarten noch erhalten. Nr. 56 wurde durch einen Volltreffer zur Hälfte zerstört und im übrigen Bereich schwer beschädigt. Die baugleiche Nr. 58 ist erhalten. Das Doppelwohnhaus wurde als traufständiger Satteldachbau mit Backsteinfassade und Sandsteinelementen an der neuen Baulinie errichtet. Es wurde zur Würzburger Straße hin durch eine Einfriedung aus Sandsteinpfeilern und eisernen Zaunfeldern abgegrenzt. Diese ist z.T. erhalten. Ursprünglich war die Fassade auf der rechten Seite mit einem aus Sandsteinquadern gemauerten Risalit mit schlichtem Spitzhelm und auf der linken Seite einem Turmerker mit Welscher Haube versehen. Der Erker sowie die gesamte linke Haushälfte wurden durch Sprengbomben am 21. Januar 1945 zerstört und die Fassade in diesem Bereich in vereinfachter Form rekonstruiert. Das Erdgeschoss ist aus werkgerechten Sandsteinquadern, die Obergeschosse sind aus roten Backsteinen errichtet. Dadurch hebt sich der Bau von den übrigen, um 1900 entstandenen Gebäuden in der Würzburger Straße ab, denn diese sind zumeist aus gelben Backsteinen mit Gliederungen aus ortstypischem rotem Sandstein aufgeführt. Die Fenster im Erdgeschoss sind rundbogig, die der Obergeschosse haben einen geraden Abschluss, wobei das Motiv des Rundbogens bei den Fenstern der Gauben wiederkehrt. Während die Fassade relativ schlicht gehalten ist, verfügt der aus Sandstein gefertigte Risalit auf der rechten Seite über zwei bemerkenswerte Balkone: der des 1. Obergeschosses hat eine Sandsteinbrüstung, der des 2. Obergeschosses wirkt durch sein zierliches Eisengitter wesentlich leichter.

Würzburger Straße 54

Das dreigeschossige Mietwohnhaus mit roter Backsteinfassade und hellen Sandsteingliederungen ist das letzte in der 1895 von den Brüdern Franz und Roman Woerner geplanten Gebäudezeile an der Würzburger Straße zwischen Nr. 48 und 54 und weiter bis zur Nr. 62. Die Fassade zur Würzburger Straße verfügt über vier Achsen, wobei die zweite zu einem dreiseitigen Standerker ausgebildet ist. Dieser besteht aus Sandsteinquadern und schließt mit einer Haube ab. Das ebenfalls ganz in Sandstein gehaltene Erdgeschoss ist mit rundbogigen Fenstern versehen, die der Obergeschosse sind rechteckig und mit Sandsteingewänden gerahmt. Die Seiten- und Rückfassade sind verputzt. Der Zugang zum Gebäude erfolgt über den seitlichen Eingang. Vor dem Wohnhaus ist die ursprüngliche Einfriedung mit Sandsteinpfeilern und gusseisernen Zaunfeldern erhalten, die einen kleinen Vorgarten einfasst.

Würzburger Straße 58

An der Einmündung der Herrleinstraße in die Würzburger Straße sahen Franz und Roman Woerner in ihrem Projekt je eine zweigeschossige Villa mit einem turmartigen Eckrisalit vor. Von den beiden wie Wächterhäuschen wirkenden Gebäuden ist eines im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden. An dem zweiten wurden durch Luftdruck und Artillerie das Dach, Decken, Zwischenwände sowie Fenster und Türen beschädigt, es konnte jedoch erhalten werden. Bis 1985 hat auch die Einfriedung mit Grünstreifen noch bestanden, diese wurde von den damaligen Eigentümern des Anwesens an die Stadt abgetreten und zugunsten von PKW-Stellplätzen befestigt. Der villenartige Walmdachbau mit drei zu vier Achsen steht mit seiner Schmalseite zur Würzburger Straße. Diese ist zugleich die Hauptfassade und gestalterisch hervorgehoben. Durch den Eckrisalit mit Balkon, einem von Säulen getragenen verkröpften Gesims, Rundbogen und Mansardwalmdach erhält der Bau Ähnlichkeit mit einem bürgerlichen französischen Palais. Die hellen Sandsteingliederungen heben sich von der Backsteinfassade dekorativ ab. Das Sockelgeschoss ist aus Sandstein, die Eckquaderung, ein umlaufendes, profiliertes Geschossgesims, die Fensterrahmungen und das Traufgesims sind aus Sandstein gefertigt.

Würzburger Straße 165 – (jetzt Gentilstraße 2)

„Gentilburg“. Nachdem der Fabrikant Anton Kilian Gentil (1867–1951) bereits in der Lindenallee (1909/10) und in der Grünewaldstraße (1922) nach eigenen Plänen ein Haus errichtet hatte, beantragte er 1932 den Bau eines dritten Hauses für seine Tochter Lies Hacke sowie zur Unterbringung von Kunstobjekten seiner umfangreichen Sammlung. Gentil entwarf ein an eine mittelalterliche Burg erinnerndes vielgliedriges Gebäude, welches er auf dem von ihm erworbenen Grundstück der bis zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle noch nicht bebauten Würzburger Straße errichten wollte. Der Bauplan ist von dem Architekten Benno Baumann unterzeichnet. Das Stadtbauamt verweigerte Anton Gentil zunächst die Genehmigung des Bauantrags mit der Begründung, dass die Pläne nicht korrekt wären und überdies „die äußere Gestaltung und Formensprache des Bauwerks […] nicht dem Kunstempfinden der heutigen Zeit“ entsprächen, weshalb der „vorgelegte Plan aus […] ästhetischen Gründen […] nicht befürwortet werden“ könne (Bauakten, Schreiben vom 27.10.1932). Gentil reagierte auf diese Ablehnung mit der Erklärung, dass sein „bodenständiger, fränkischer Baustil […] immer noch besser in die Landschaft passe, als ein moderner Kastenbau“ und er von weiteren Bauabsichten in der Stadt Abstand nähme, sollte sein Bauplan nicht anerkannt werden (Bauakten, Schreiben vom 10.11.1932). Daraufhin übertrug das Bauamt die Entscheidung dem baupolizeilichen Senat, der den Antrag mit Beschluss vom 25. November 1932 unter Befreiung von §1 Abs. III der Bauordnung (Schaffung einer Baulinie) und der Bitte um Vorlage neuer Baupläne annahm. Dieser Forderung kam Anton Gentil im Januar 1933 nach, ohne jedoch wesentliche Änderungen vorzunehmen. Die Genehmigung zur Errichtung eines Neubaus an der Würzburger Straße erfolgte im Juli 1933. Zwischen 1933 und 1936 wurde schließlich die Privatvilla Anton Gentils in den Formen einer romantischen Burg mit Tor, Burgmauer und Bergfried als Aussichtsturm in einem parkartig angelegten Garten errichtet. Das Hauptgebäude ist im Wesentlichen aus zwei Baukörpern zusammengesetzt: einem turmartigen hohen Teil mit steilem Walmdach und einem etwas niedrigeren zweigeschossigen Anbau mit sehr hohem Satteldach. Dieser ähnelt einem englischen Cottage. Das gesamte Gebäude ist aus massivem Mauerwerk errichtet und verputzt. An den Gebäudekanten des Turms sind steinsichtige Eckquader als bewusstes Gestaltungselement eingefügt. Das Obergeschoss des Satteldachbaus ist in Fachwerk mit geraden, eng stehenden Ständern ausgeführt. Ähnlich wie bei dem sog. Gentilhaus in der Grünewaldstraße 20 gibt es im Innern des Gebäudes eine über zwei Geschosse reichende Halle. Außer dem Wohnhaus sind in dem Gebäude noch die ehem. Holzlege mit Waschküche und Garage sowie ein als Gärtnerwohnhaus errichtetes Nebengebäude untergebracht. Die Einfriedung ist im originalen Zustand erhalten. Das auch als „Gentilburg“ bezeichnete Gebäude kann als Spätwerk des noch im späten Historismus und Jugendstil verhafteten Bauherrn angesehen werden. Er hatte das Gebäude bis hin zur Ausstattung geplant und sowohl künstlerisch als auch kunsthandwerklich gestaltet. Anteil an der Ausgestaltung hatten zudem Künstler, denen sich Gentil verbunden fühlte. So kann die Gentilburg als Künstlerhaus bezeichnet werden, welches ein sozial- und kulturgeschichtliches Zeugnis privaten Sammelns darstellt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 196-203.

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