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Vom Löhergraben zur Löherstraße

Von Matthias Klotz

Jeder Aschaffenburger kennt den Löhergraben, der von der Willigisbrücke hinauf in die Stadt führt. Woher kommt dieser Name? „Löher“ ist eine andere Bezeichnung für den Berufsstand der Gerber – also Personen, die aus Tierfellen Leder herstellten. Da die Ausübung des Gewerbes stets mit Gestank verbunden war, hatte man sie nicht direkt in der Stadtmitte, sondern etwas außerhalb angesiedelt.

Wieso heißt es im Volksmund eigentlich „Löhergraben“ und nicht, wie heute, „Löherstraße“? – Ganz einfach: Weil es bis 1849 wirklich ein „Graben“ war. Dieser Stadtgraben war und ist das natürliche Bett der unterirdisch dort fließenden Bäche: Welzbach und Wermbach, sie fließen etwa vor dem Parkhaus Löherstraße unterirdisch zusammen.

Noch im Stadtplan von 1809 gab es einen „unteren Löhergraben“ und einen „oberen Löhergraben“. Der untere Löhergraben war so gut wie überhaupt nicht bebaut, weil der Welzbach fast die ganze Breite des Grabens einnahm. Der Graben war so tief, dass auf beiden Seiten Fußsteige in Höhe von 1 Meter errichtet wurden. Der obere Löhergraben wurde Ende des 18. Jahrhunderts bebaut.

Bis 1865 befand sich eine schmale Häuserzeile im oberen Bereich des Löhergrabens. Oberhalb dieser Häuserzeile (Seite zum „Heißen Stein“) hatte die Straße das Niveau der heutigen Löherstraße. Unterhalb der Häuserzeile (Seite zum Badberg) lag das Straßenniveau deutlich tiefer. Dort floß auch der Welzbach, der spätestens Ende des 18. Jahrhunderts überwölbt wurde.

Die Überwölbung des Löhergrabens erfolgte 1849 unter der Leitung von Professor Karl Ludwig Louis. 1865 erfolgte der Abriss der letzten Häuser der mittigen Häuserzeile. 1866 wurde der Löhergraben „chaussiert“. Das letzte Stück des Welzbachs von Hausnummer 51 (etwa hinteres Ende des Hotels „Wilder Mann“) bis zur Mündung in den Main wurde 1870 kanalisiert.

So war aus dem Löhergraben eine ansehnliche und vor allem befahrbare (!) Straße geworden. 1871 erhielt sie die Bezeichnung „Löherstraße“.

 

Quellen:

Alois Grimm, Aschaffenburger Häuserbuch II, Aschaffenburg 1991, S. 579-581 u. 588-590.

Carsten Pollnick, Aschaffenburger Straßennamen, Aschaffenburg 1990, S. 146.

 

Bildnachweis:

Isometrie von Alois Grimm, in: Häuserbuch II, S. 672.

Plan der Löherstraße um 1850, in: Häuserbuch II, S. 681.

Foto der Löherstraße vor 1906: Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Sammlung Stadelmann.

Foto der Löherstraße 2021: Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Matthias Klotz, fotografiert am 9.9.2021.

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