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Stiftsgasse – Stiftsmuseum

Stiftsgasse 1a – Stiftsmuseum

Das vom Stiftsplatz aus als dreigeschossiger Satteldachbau mit zwei Treppengiebeln in Erscheinung tretende ehem. Stiftsgebäude, jetzt Stiftsmuseum der Stadt, erstreckt sich als dreiflügelige und zweigeschossige Anlage an der Nordseite der Stiftskirche um einen Kreuzgang. Der entlang der Stiftsgasse traufständige Westflügel setzt sich aus ursprünglich zwei Gebäudeteilen zusammen: der südliche, erkennbar an den etwas enger stehenden Fensterachsen, besteht im Kern wohl seit Gründung des Stifts; für ihn wird ein romanischer Vorgängerbau angenommen. Balken über dem Kellergeschoss datieren ins 13. Jh. Im 14. Jh. bestand der Bau aus einem zum Stiftsplatz ebenerdigen Untergeschoss und einem Obergeschoss mit vier gekuppelten, spitzbogigen Fenstern und einem über eine Außentreppe erreichbaren, rundbogigen Portal. Die Fenster des 2. Obergeschosses waren rechteckig mit Sandsteinfensterkreuz. 1480/83 wurde der Bau mit dem nördlichen Gebäude vereinigt. Dieser Teil, das ehem. sog. Haus „Zum Sonnenberg“, war bis zum 14. Jh. wahrscheinlich giebelständig. Über dem vom Stiftsplatz her ebenerdigen Keller befand sich ein Wohngeschoss. Der Zugang zum Gebäude erfolgte über die Nordseite in dem Zwischenraum zum Stiftsglöcknerhaus (Stiftsgasse 1). Beide Gebäudeteile wurden bis zur heutigen Traufhöhe aufgestockt und davor die Terrasse mit Pilgerkanzel errichtet. Wohl im 17. oder 18. Jh. wurden die Fenster barockisiert, indem man die steinernen Fensterkreuze entfernte sowie im Erdgeschoss neue Fenster einrichtete. Während dieser Bauphase wurden auch die innere Stockwerksteilung angeglichen und die Fenster der Fassade zum Stiftsplatz aneinander angepasst. Der Nordflügel wird heute durch eine bis ins Dach reichende Zwischenmauer in zwei Teile geschieden (Grimm I 1985, S. 323). Während der westliche Teil Bestandteil des Hauses „Zum Sonnenberg“ war, bildete der östliche Teil lange Zeit ein eigenes Gebäude (Balken um 1340 datiert), bis beide Teile 1480/83 vereinigt wurden und eine Spindeltreppe, bez. 1481, erhielten.

Im 16. Jh. und 1621–24 wurde der Flügel im Innern umgestaltet. Der Neue Kapitelsaal erhielt damals Beschlag- und Rollwerkstuck mit Reliefs der Kirchenväter und Stiftspatrone von Eberhard Fischer aus Babenhausen. Gegen Osten ist der Bau mit einem Fachwerkgiebel abgeschlossen. Zum Kreuzgang ist ein Anbau gerichtet, der im unteren Bereich Teil desselben ist, im Obergeschoss drei gotische Fenster mit Sandsteinkreuzen aufweist und darüber einen Fachwerkgiebel mit gebogenen Fußstreben und Schopfwalm trägt. Der Ostflügel entsprach zur Gründungszeit des Stifts in etwa der Ausdehnung der „Michaeliskapelle“, deren Apsis im „Stiftshöfchen“ ergraben worden ist. Dieser zunächst eingeschossige Bau des 12. Jh. wurde Mitte bis 2. Hälfte des 13. Jh. abgebrochen und auf den Resten des Mauerwerks ein Neubau errichtet; er war ursprünglich über eine Freitreppe an der südlichen Stirnseite erschlossen. Seine Fassade zum Kreuzgang ruht auf dessen Arkaden auf. Der vormalige Kapellenraum wurde damals zum Kapitelsaal, dessen breites rundbogiges Portal am Kreuzgang von Biforien mit Kleeblattbögen flankiert ist. Ende des 16. Jh. wurden die Fenster der östlichen Traufwand der ehem. Michaeliskapelle verändert. Im Obergeschoss befindet sich der „Gotische Saal“, wohl das ehem. Dormitorium, mit spätgotischen gekuppelten Spitzbogenfenstern und einer Mittelstütze um 1480 sowie einer dem ursprünglichen Bestand 1954 nachempfundenen Bohlenbalkendecke. Um 1720 wurden nördlich für die Archivalien des Stiftes Gewölbe eingebaut. Eine Sanierung der Stiftsgebäude mit Veränderung der Erschließungen erfolgte 1985–94. Der Kreuzgang entstand im Anschluss an den nördlichen Querhausflügel in mehreren Abschnitten etwa zwischen 1220 und 1250. Archivalische Belege zu seiner Baugeschichte fehlen, doch war offenbar von Beginn an keine Wölbung geplant. Er diente Prozessionen, als Grablege und als Verbindungsgang zu den Bauten der Stiftskapitels.

Sein nicht rechtwinkliger Grundriss ist der Stellung der ihn umgebenden älteren Gebäude geschuldet. Während der Ostflügel des Kreuzgangs in das Stiftsgebäude einbezogen und demnach mit diesem gleichzeitig entstanden ist, sind die übrigen Flügel an die umgebenden Gebäude angelehnt. Der Kreuzgang ist ein für die Kunstgeschichte bedeutendes Zeugnis des Übergangsstils von der Romanik zur Gotik. Die frühesten Formen begegnen im Südflügel, danach folgen Ost-, Nord- und Westflügel. 64 Kapitelle weisen variierende Schmuckformen von romanischen Blockkapitellen bis hin zu frühen gotischen Blattkapitellen auf. Im Süden wechseln runde und kannelierte Säulenschäfte. Im Osten sind die Zwischenpfeiler breiter, die Strukturen massiger und die dekorativen Formen kräftiger. Die Kapitelle im Norden sind zum Teil figürlich. Im Westflügel erscheinen mittig überhöhte Dreierarkaden und frühe gotische Blattkapitelle, die von Mainzer Formen in der Nachfolge des Naumburger Meisters beeinflusst sind. Die spätgotische Holzdecke wurde 1866/67 ergänzt. In der Nordostecke befindet sich ein Rippengewölbe mit Schlussstein, das vor 1448 von Theoderich Ebbracht gestiftet wurde. Die Gewölbekappen sind um 1470/80 mit den „Vier Wesen“ bemalt worden. Reste einer Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige an der Südwand aus der 1. Hälfte des 14. Jh. lassen auf eine weitergehende Ausmalung des Kreuzgangs schließen. Im Kreuzhof befindet sich das 1637 von D. Clemens zum Gedächtnis an seine verstorbene Frau Anna Maria Clemens gestiftete Kruzifix. Wie in der Kirche sind auch im Kreuzgang zahlreiche Epitaphien aufgestellt, die den hohen Anspruch des Stifts und die künstlerische Vielfalt vom 15. bis 18. Jh. spiegeln und die von großem historischen und kunstgeschichtlichen Interesse sind: Das Meister Wendel zugeschriebene Epitaph für Kanonikus Albert Geippel (†1524) im Südflügel zeigt den Verstorbenen kniend vor dem Schmerzensmann.

Das 1606 datierte Epitaph für den Vikar Ludwig Reinhelt (†1460) stand ehemals im Südflügel und ist heute im Schlossmuseum. Es wurde vom Kapitel als Ersatz für das ursprüngliche Grabmal des bedeutenden Stifters retrospektiv bei Johannes (Hans) Juncker in Auftrag gegeben, der dafür 20 Gulden erhielt. Der Verstorbene kniet vor Maria mit dem Jesusknaben. Das aus grünem Sandstein gefertigte Bildwerk weist Reste von Vergoldung auf und befand sich bis 1880 im Querschiff der Kirche. Im Südflügel begegnet das Epitaph für den Kustos und Kanoniker Wiederold von Lauerbach (†1477). Es zeigt ein Vesperbild mit dem davor knienden Verstorbenen. Ebenfalls im Südflügel befindet sich das Epitaph für Ortwin Lupold, Kanoniker und Kustos (†1483). Es zeigt den Verstorbenen und dessen Mutter Dyna Platen (†1478) in Verehrung des hl. Martin zu Pferde bei der Mantelteilung. Nach Schneider (1999) ist das Epitaph für den Kanoniker und Scholaster Theoderich Kuchenmaister (†1493) dem Meister des Adalbert-Grabmals im Mainzer Dom zuzuweisen. Es zeigt den Verstorbenen und dessen Mutter Elisabeth Derinck (†1488) in Ganzfigur. Im Ostflügel befindet sich das Epitaph für den in der Zeit des Basler Konzils als kaiserlicher Protonotar einflussreichen Kanonikus Theoderich Ebbracht (†1462). Der Verstorbene erscheint mit seiner Mutter Elisabeth (†1446) zu Füßen des Gekreuzigten mit Maria und Johannes Evangelist. Im Ostflügel ist das Epitaph für den Kanoniker Peter Schenk von Weibstadt (†1437) aufgerichtet. Der Verstorbene verehrt kniend die Regina Coeli mit dem Jesusknaben. Im Nordflügel befindet sich das Epitaph für den Kanoniker und Scholaster Johannes von Kronenberg (†1439). Es zeigt den hl. Christophorus mit dem Jesusknaben. Dem Backoffen-Umfeld zugewiesen wird das Epitaph für Heinrich Sachs (†1545) und Johannes Scharlach (?), das den Verstorbenen Sachs in Form eines Portraitreliefs im Messgewand mit Kelch in Händen wiedergibt. Das Epitaph für Gertrud von Breitenbach (†1421), Witwe Berthold Echters d. Ä., befindet sich im Westflügel. Es zeigt die Madonna auf der Mondsichel mit dem Kind und die kniende Verstorbene. Für Meister Wendel archivalisch belegt ist das Epitaph für Kanonikus Michael Kemmerlin (†1529) im Westflügel. Es zeigt den Verstorbenen gegenüber einer Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Von den Epitaphien des 18. Jh. ist das des Stiftsvikars Jakob Scheurig (†1764) in spätbarocken Formen hervorzuheben, dessen im Umriss asymmetrisch bewegte Inschriftkartusche von Rocaillen mit Schädeln und Cherubim eingefasst wird und eine farbige Fassung zeigt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 148-152.

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