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Landingstraße

Die Landingstraße beginnt am sog. „Scharfeck“ und führt bis zum ehem. Marktplatz der Stadt, dem heutigen Schloßplatz. Sie durchzieht den Ort, an dem früher das „Landesthing“, also die Landesversammlung und das Landesgericht, auch der Landmarkt abgehalten wurden. Diese ursprüngliche Funktion manifestiert sich in ihrer Namensgebung. Der einstige Landinggraben war Bestandteil der Stadtbefestigung um die Oberstadt. Der Graben wurde vom Ohmbach durchflossen, der von der Badergasse kam, über die Herstallstraße in die Steingasse floss und dort zwischen den Häusern Nr. 1 und 3 ins Landing mündete. Im 19. Jh. wurde der Landinggraben – wie auch der Löhergraben – zu einer Verkehrs-, Wohn- und Geschäftsstraße ausgebaut. Mit dem Ausbau erreichte man die Verbindung der Altstadt mit den Vorstadtbezirken um die Herstallstraße und bei St. Agatha. In den Jahren 1976/77 erfolgte der Bau des Landingtunnels, der den Schloßplatz bis zur Ridingerstraße unterläuft. So wird ein Teil des Personenverkehrs unter dem Schloßplatz hindurch zur Erthalstraße geleitet, während über seitliche Rampen die Zufahrt der Luitpoldstraße ermöglicht wird.

Landingstraße 3

1876 ließ sich A. Wailand den Neubau eines Wohnhauses von dem Architekten Henfling planen. Der Wohnhausneubau gehört zu den ersten Gebäuden, die mit der Auffüllung und Neugestaltung des ehem. Stadtgrabens entstanden. Der viergeschossige Satteldachbau wurde als Teil der neuen Straßenrandbebauung traufständig mit seitlich angrenzender Bebauung konzipiert. Die spätklassizistische Fassade ist klar gegliedert. Von den fünf Fensterachsen ist die mittlere durch eine aufwendigere Gestaltung hervorgehoben. Alle Fenster sind mit einer profilierten Rahmung versehen, die des 1. und 2. Obergeschosses haben zusätzlich eine gerade, von Konsolen getragene Verdachung. Die Hervorhebung der Mittelachse geschieht mittels einer besonders reichen Fenstergestaltung mit typisch klassizistischen Stilelementen wie Balusterbrüstung, mehrfach profilierter Verdachung, einem mit Maske und floralen Elementen gestalteten Brüstungsfeld sowie einer von Konsolen getragenen Giebelverdachung. Lisenen an den Gebäudekanten sowie rechts und links der Mittelachse gliedern die Fassade in vertikaler Richtung. Eine horizontale Gliederung wird durch das Brüstungsband im 1. Obergeschoss sowie das verkröpfte Gesims über dem 2. Obergeschoss erzielt. Unter der Traufe verläuft ein Konsolfries. Der Erdgeschossbereich ist mit genuteten Pfeilern und davorgestellten Lisenen gestaltet. Das mittige Eingangsportal ist mit einem profilierten Rundbogen hervorgehoben und wird rechts und links von einem Laden flankiert. Die Rückfassade ist völlig ungestaltet. Bei den Angriffen auf die Stadt im November und Dezember 1944 beschädigten Luftdruck und Artillerie das Dach und den rückwärtigen Bereich des Gebäudes. Fenster, Türen, Decken und Wände sowie die Schaufenster der beiden Läden im Erdgeschoss wurden zerstört. Die Ladenbereiche wurden in den 90er Jahren des 20. Jh. wegen Nutzungsänderungen mehrfach modernisiert. Dieser Umstand beeinträchtigt die Fassade zwar, sie hat jedoch ihren repräsentativen Charakter mit der bauzeitlichen Fassadendekoration beibehalten.

Landingstraße 16

Das Gebäude wurde 1872 als Brauereigasthaus der Hertling’schen Brauerei errichtet. Schon wenige Jahre später, 1878, zog die „Telegraphen-Station“ in das 1. Obergeschoss ein. Zwischen 1880 und 1893 war es das Domizil des Postamtes, weshalb 1881 im Erdgeschoss ein Ladenfenstereinbau für den Postbetrieb vorgenommen wurde. 1916 passte man das Gebäude im Innern baulich an, da es vom Institut der Englischen Fräulein zu Unterrichtszwecken genutzt wurde. So entstanden im 1. Obergeschoss drei Klassenzimmer. Außerdem wurden die Lichtverhältnisse durch den Einbau zusätzlicher Fenster zwischen den bestehenden verbessert. Im Erdgeschoss wurden Räume für den Fröbel’schen Kindergarten eingerichtet und die Fenster in gleicher Weise wie im Obergeschoss vergrößert. 1918 erfolgten dieselben Maßnahmen im 2. Obergeschoss. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus am 21. November 1944 durch einen Bombenvolltreffer und in der Karwoche 1945 durch Artillerie schwer beschädigt. Nach Wiederaufbauarbeiten zog 1954 die Krauß’sche Handelsschule in das Gebäude ein. 1961 wurden die Fenstergewände der linken Haushälfte durch Kunststein ersetzt und in der Breite angeglichen. Während das Gebäude zwischen 1979 und 1998 als städtisches Jugendhaus diente, nutzt seit 1998 der Neue Kunstverein Aschaffenburg e.V. die hohen hellen Räume für Veranstaltungen und Ausstellungen zeitgenössischer Künstler.

Der dreigeschossige Satteldachbau wurde traufständig auf rechteckigem Grundriss über älteren Kellern von zwei Vorgängerbauten errichtet. Der eine von beiden war ein Brauereigebäude entlang der Landingstraße mit einer Durchfahrt auf der Seite von Haus Nr. 14, der zweite stand als Flügelbau auf der Seite von Haus Nr. 18. Die Hauptfassade des aus Bruchsteinen errichteten Massivbaus ist verputzt. Sie war ursprünglich in sieben Fensterachsen unterteilt, die wegen des Umbaus zu Schulzimmern 1916 und 1961 nicht in bauzeitlicher Form erhalten sind. Drei der Erdgeschossfenster zeigen noch die bauzeitliche Rahmung. Sie waren zusätzlich noch mit Keilsteinen und Brüstungskonsolen versehen. Die Tordurchfahrt zum Hof auf der rechten Seite entspricht dem bauzeitlichen Zustand. Das 1. Obergeschoss ist mit einer Dreierfenstergruppe mit Giebelverdachung hervorgehoben. Einst reichten die Fenster bis zum Geschossgesims und waren mit Brüstungsgittern versehen. Die Fenster des 2. Obergeschosses haben eine einfache profilierte Rahmung. Unter der Traufe verläuft ein für die Zeit der Erbauung des Gebäudes charakteristischer Zahnfries. Der Eingang befand sich ursprünglich in der Mitte der Hauptfassade, was an dem etwas breiteren Fenster noch zu erkennen ist. Man betritt das Gebäude heute über einen seitlichen Eingang in der Durchfahrt. Die ursprüngliche Funktion als Gasthaus ist den Räumen heute noch anzusehen: im Erd- und im 1. Obergeschoss sind die hohen Räume mit gusseisernen Stützen abgefangen und die Böden mit schmalen Holzdielen belegt. Das 2. Obergeschoss ist niedriger. Im Erdgeschoss ist der Steinfußboden mit Kunststoffbelag abgedeckt. Zur bauzeitlichen Ausstattung gehört die breite Holztreppe mit hölzernem Handlauf. Auf der Hoffassade sind noch hohe zweiflügelige Sprossenfenster aus dem 19. Jh. erhalten. Der spätklassizistische Charakter des Gebäudes ist durch die Umgestaltung der Fenster auf der Hauptfassade zwar stark eingeschränkt, die klare Strenge ist der Fassade jedoch erhalten geblieben. Beachtenswert ist die trotz der unterschiedlichen Nutzungen erhaltene Innenausstattung.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S 83-84.

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