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Goldbacher Straße

Die Goldbacher Straße ist eine der längsten Straßenzüge im Stadtgebiet. Sie ist eine alte Ausfallstraße in die östlich der Stadt gelegenen Spessartdörfer und weiter nach Lohr am Main. Sie führt vom Stadtinneren bis in den Vorort Goldbach. Die Straße beginnt am nördlichen Ende der Herstallstraße, am ehem. Herstalltor, verläuft in nordöstlicher Richtung bis zur Bahnlinie Frankfurt–Würzburg, dort weiter fast bis zum Österreicher-Denkmal, unter der Bahnstrecke hindurch, bis sie auf die Schönbornstraße trifft, welche weiter nach Goldbach führt, dem Ort, der ihr den Namen gab.

Goldbacher Straße 1/Weißenburger Straße 2/4/6/8

Die Brüder Franz (1859–1937) und Roman (1857– 1932) Woerner, beide Steinmetze in Aschaffenburg, gründeten 1884 das Baugeschäft F. & R. Woerner. 1894/95 kauften sie das Gelände der ehem., im Auftrag von Carl Theodor von Dalberg zwischen 1805 und 1807 erbauten Infanteriekaserne. Diese stand mit der Hauptfassade entlang der Goldbacher Straße und hatte zwei Seitenflügel, einen längs der späteren Weißenburger Straße und einen entlang der Heinsestraße. Mit dem Bau der Jägerkaserne an der Würzburger Straße 1895 verlor die alte Kaserne ihre Daseinsberechtigung. Nachdem zunächst eine Umwandlung der Kaserne zu Wohnungsbauten geplant war, erfolgte dann der Abriss des Gebäudes und die Bebauung des Baugrundes zwischen dem Beginn der Goldbacher Straße und dem Beginn der Frohsinnstraße mit fünf jeweils viergeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern durch das Bauunternehmen F. & R. Woerner. Im Erdgeschoss befanden sich die Läden, in denen die Waren verkauft wurden, die vor Ort, nämlich in den Rückgebäuden im Hinterhof der jeweiligen Anwesen produziert wurden. Alle Häuser waren mit übergiebelten Risaliten und reich gegliederten Fassaden versehen. Die stilistisch einheitlichen historistischen Fassaden wurden in unterschiedlichen Materialien ausgeführt. Einige sind verputzt, andere in gelbem Backstein gefertigt und mit Gliederungen aus rotem Sandstein akzentuiert. Belebend wirken die in verschiedenen Geschossen angebrachten Balkone mit Sandsteinbrüstung. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schaufenster der Ladenzonen im Erdgeschoss durch Luftdruck zerstört und die Dächer, Balkone sowie Fenster und Türen beschädigt. In allen Gebäuden befinden sich heute im Erdgeschoss modernisierte Geschäftsräume. Die Wohnräume in den Obergeschossen werden wegen ihrer Großzügigkeit und Lage heute überwiegend als Büros oder Praxen genutzt.

Goldbacher Straße 1

Das mit der Jahreszahl 1898 bezeichnete viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Weißenburger/Goldbacher Straße wurde von den Brüdern Franz und Roman Woerner entworfen. Der Plan zeigt ein großes Gebäude mit einem seine Ecklage betonenden Ecktürmchen und Eckerker mit hohem Dach. Das Gebäude wurde als Geschäftshaus mit großen Schaufenstern im Erd- und 1. Obergeschoss geplant. Schon wenige Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudes 1898 wurde 1906 die Anbringung von Auslagekästen an den Pfeilern der Erdgeschossfenster von der städtischen Bauaufsicht genehmigt. 1907 wurde die im rückwärtigen Bereich des Gebäudes befindliche Halle mit einem Glasdach versehen und von Alois Scheuermann ein Souterrain für Johann Zapf gebaut. 1911 wurde die Eingangssituation verändert und ein neuer Eingang in der Mitte der Fassade zur Weißenburger Straße geschaffen. 1922 richtete man eine Dachwohnung im Gebäude ein. 1925 kamen erneut Schaukästen an die Erdgeschosspfeiler. Bei den Luftangriffen am 3. Oktober und 21. November 1944 auf die Stadt wurden durch Luftdruck und Artillerie das Dachwerk, der Eckerker sowie Fenster und Türen des Gebäudes zerstört. Geschossdecken wurden durchbrochen und an der Straßenfront große Mauerstücke durch Granaten eingebrochen. Die Wiederinstandsetzung des Gebäudes plante der Architekt Franz Schmitt 1946 für Franz Hahmann. Es erfolgte ein vereinfachter Wiederaufbau des Wohn- und Geschäftshauses. Man verzichtete auf das Ecktürmchen und die ursprüngliche Haube des Eckerkers. 1955 ließ Franz Hahmann von Architekt Werner Schlauersbach das Dach ausbauen und drei Dachgauben errichten. 1957 wurde die Schaufensterfront ausgebaut. 1994 kam es zur Nutzungsänderung und zum Umbau der Verkaufsräume im Erd- und 1. Obergeschoss. Das repräsentative Eckgebäude bildet eine bauliche Einheit mit den Häusern Weißenburger Straße 2, 4, 6 und 8. Es ist viergeschossig und mit einem einseitig abgewalmten Satteldach abgeschlossen. Seine historistische Fassade ist im Stil der Neurenaissance gestaltet. Die abgeschrägte Eckachse sowie die ersten beiden Achsen der Fassaden sind in unverputzten roten Sandsteinquadern ausgeführt, während die übrigen Fassaden nur verputzt sind. An der Eckachse befindet sich im Erdgeschoss ein Ladeneingang, im 2. Obergeschoss ein leicht hervortretender Schmuckbalkon mit gusseisernem Geländer. Darüber tritt der ursprünglich zweigeschossige Eckerker hervor. Dieser umfasst seit der Instandsetzung des Gebäudes nach 1946 nur noch ein Geschoss und wird von einem flachen Zeltdach abgeschlossen. Das einst äußerst repräsentative Wohn- und Geschäftshaus bildet einen Blickpunkt am Ende der Herstallstraße.

Weißenburger Straße 2

Der Juwelier Heinrich Josef Schwind hatte 1892 ein Juweliergeschäft eröffnet und erwarb das von den Bauunternehmern Woerner 1898 errichtete Wohn- und Geschäftshaus. 1899 wurde das Anwesen um eine Holzhalle und ein Jahr später um einen Lagerraum erweitert. 1914 erfolgte die Umgestaltung des mittleren Schaufensters von einer stichbogigen zu einer rechteckigen Öffnung. Beim Wiederaufbau des Gebäudes 1948 wurde die Schaufensteranlage neu gestaltet. Das Gebäude wurde im Dachbereich nicht exakt in der Gestalt ausgeführt, wie es die erhaltenen Baupläne zeigen. Der Zwerchgiebel über der mittleren der drei Fensterachsen kam nicht zur Ausführung. Dafür wurden die Balkone des rechten Risalits breiter ausgeführt. Der Zierrat aus Kugel- und Obeliskenaufsätzen auf dem geschwungenen Giebel wurde bei den Instandsetzungsarbeiten 1948 nicht wieder rekonstruiert. Ebenso wurde der Balkon im 2. Obergeschoss nur in verkürzter Form wieder hergestellt. Auch die Giebelüberdachung des mittleren Fensters im 2. Obergeschoss fehlt.

Weißenburger Straße 4

Das Wohn- und Geschäftshaus planten F. & R. Woerner 1897 für Adam Spiegel. Dieser Bau ist mit drei Achsen der schmalste der fünf Neubauten. Die Fenster der Obergeschosse sind alle zu Paaren zusammengefasst. In der Mitte wird das Gebäude von einem breiten geschwungenen Zwerchgiebel bekrönt. Wie bei dem Nachbargebäude war dieser mit Kugel- und Obeliskenaufsätzen dekoriert, die bei der Instandsetzung nach dem Krieg nicht wieder aufgesetzt worden sind.

Weißenburger Straße 6

Der erste Entwurf für das Wohn- und Geschäftshaus für Bäckermeister Anton Rüth vom April 1898 kam nicht zur Ausführung. Der neue Entwurf vom Juni des gleichen Jahres zeigt einen viergeschossigen Satteldachbau mit linksseitigem Risalit. Drei unterschiedliche Balkone akzentuieren die Fassade. Zwei davon sitzen auf doppelt geschwungenen Konsolen mit Sandsteinbrüstung, der oberste hat ein gusseisernes Geländer. Die Fassade des Gebäudes ist verputzt, der Risalit steinsichtig aus Sandsteinquadern. Der Giebel über dem Risalit ist im Stil der deutschen Renaissance gestaltet und nur einfach geschwungen. Im Erdgeschoss befand sich die „Restauration“ mit einem Haupt- und zwei Nebenlokalen sowie der Küche. Auf der Seite zu Nr. 6 befindet sich eine Durchfahrt zum Hof. In den Obergeschossen lagen Wohnungen. 1913 ließen Georg und Karl Ebert das Lokal in Richtung des Hofes nach Plänen des Architekten Heinrich Morhard vergrößern. Im Zuge dieser Umbaumaßnahme wurde auch der Restauranteingang von der Durchfahrt an die Weißenburger Straße verlegt, wo er sich auch heute noch befindet. Bei der Instandsetzung der im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden verzichtete man auf die Wiederherstellung der Fachwerkkonstruktion im Giebel. Haupt- und Filialgiebel sind heute mit Holz verkleidet. Der Erker im 1. Obergeschoss konnte 1949 wieder hergestellt werden, wobei man auch hier eine Rekonstruktion in alten Formen vermied.

Goldbacher Straße 5

Die Brüder Franz und Roman Woerner errichteten 1897 im Bereich der alten Kaserne für Drechslermeister Josef Schropp den Neubau eines Wohnhauses und 1898 zwei Rückgebäude. Der dreigeschossige massive Satteldachbau steht traufständig zur Goldbacher Straße. Die Fassade ist im neubarocken Stil gestaltet. Die gliedernden Bauteile wie Fenster- und Türgewände, Gesimse und Konsolen sind aus rotem Sandstein gefertigt. Von den vier Achsen sind die mittleren beiden von einem geschwungenen, mit Sandsteinvasen versehenen Zwerchgiebel bekrönt. In den äußeren Achsen sind die Fenster zu Paaren zusammengefasst. Auffälligstes dekoratives Element an der Fassade sind drei Balkone mit reich verzierten gusseisernen Geländern. Im Erdgeschoss liegen eine korbbogige Tordurchfahrt und ein Hauseingang. Dazwischen befinden sich zwei rundbogige Schaufenster für das Ladengeschäft. Diese sind noch im bauzeitlichen Zustand erhalten und nicht modernisiert. Im Bereich des 2. Obergeschosses der reich gegliederten Fassade gibt es eine halbrunde leere Nische. Beim Angriff auf die Stadt am 3. Oktober und am 21. November 1944 stürzten durch Luftdruck der Brandgiebel und das Dachwerk des Vorderhauses zu einem Drittel ein, wodurch Kamin, Wände, Decken, Fenster und Türen beschädigt wurden. Ähnliche Schäden entstanden an den beiden Rückgebäuden. Joseph Schropp, der Enkel des einstigen Bauherrn, reichte 1947 einen Antrag auf Genehmigung zur Wiedererrichtung des Brandgiebels und Instandsetzung beim städtischen Bauordnungsamt ein. Die beiden Rückgebäude wurden 1996 abgebrochen und das Wohnhaus im rückwärtigen Bereich modernisiert. Ein weiterer Umbau des Wohn- und Geschäftshauses erfolgte 1999, bei dem im Gebäudeinnern leichte Veränderungen vorgenommen wurden.

Goldbacher Straße 14

1852 ließ sich der Wachsfabrikant Joseph Bertha den Neubau eines Wohnhauses mit Nebengebäuden planen. Das Wohnhaus wurde traufständig, etwas zurückgesetzt an der Goldbacher Straße errichtet. Auf dem großzügigen, in südöstlicher Richtung anschließenden Grundstück wurden außerdem ein Siedhaus und ein Schuppen aufgeführt. Die Nebengebäude wurden in der Folgezeit erweitert und ergänzt. So ließ sich Joseph Bertha 1874 von Maurermeister S. Hauck noch eine Lagerhalle auf seinem Anwesen erbauen. Im Zweiten Weltkrieg erfuhr das Gebäude durch Granatbomben schwere Schäden an Mauern und am Dachgebälk sowie an Fenstern und Türen. 1947 wurde das Dachwerk wieder hergestellt. Das Wohnhaus aus unregelmäßigen roten Sandsteinquadern erhebt sich zweigeschossig über rechteckigem Grundriss und wird von einem Satteldach abgeschlossen. Die Gebäudekanten sind durch Ortquader betont. Die Hauptfassade wird durch einen dreiachsigen übergiebelten Mittelrisalit akzentuiert, dessen Fenster mit Stichbögen überfangen sind. Im Giebelfeld befindet sich ein kleiner Vierpass. Vor dem mittleren Fenster des Obergeschosses ist ein Balkon mit eisernem Geländer angebracht. Erd- und Obergeschoss sind durch zwei Geschossgesimse optisch voneinander getrennt. Der Zugang zum Gebäude und das etwas hervortretende Treppenhaus liegen auf der rückwärtigen Seite. Der Natursteinbau gehört zu den frühesten Bauten des 19. Jh. an der Goldbacher Straße. Trotz der Kriegsschäden zeigt sich der Bau heute noch in seinen schlichten spätklassizistischen Formen und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele Aschaffenburger Baukultur aus der Mitte des 19. Jh.

Goldbacher Straße 73

Am nördlichen Ende der Goldbacher Straße, nach der Unterführung der Bahnlinie, steht stadtauswärts links ein gemauertes, verputztes Bildhäuschen mit einem biberschwanzgedeckten Satteldächlein. Über dem Sockel mit seitlichem Überstand erhebt sich ein vierkantiger Schaft, der am Übergang zum Aufsatz an den Seiten mit einem Gesims versehen ist. Im Aufsatz ist eine tiefe Nische eingefügt, in der seit 1994 eine Madonnenfigur steht. An der Rückwand der Nische ist seit der Renovierung des Bildhäuschens 1973 eine Darstellung des hl. Martin flankiert von zwei Türmen aus farbigem, glasiertem Ton eingelassen. Über die ursprüngliche Ausstattung der ehemals zwei Nischen gibt es keine Überlieferung. Da es sich um einen weit verbreiteten Typus im gesamten Untermaingebiet handelt, erweist sich die Datierung des Bildhäuschens als schwierig. Möglicherweise wurde dieser Typ von Tiroler Maurern erst im 17. Jh. eingeführt. Der Grund der Aufstellung des Bildhäuschens hingegen ist überliefert: Es markiert die Stelle, an der ein Bauer vom Blitz erschlagen wurde. Am Fuße des Bildstocks steht ein lateinisches Kreuz aus Sandstein mit gefasten Kreuzarmen. Es stand ursprünglich an anderer Stelle und wurde bei der Neuanlage der Goldbacher Straße an diese Stelle versetzt. Es handelt sich um ein sog. Sühnekreuz, wie solche auch im Zusammenhang mit Totschlagsdelikten errichtet wurden.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 54-57.

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