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Bodendenkmäler – Schloss Johannisburg

Das heutige Schloss Johannisburg entstand zwischen 1605 und 1615 auf Betreiben des Erzbischofs Johann Schweikard von Kronberg, der den Neubau in seiner Wahlkapitulation versprochen hatte. Das Schloss wurde anstelle der Johannisburg errichtet, von der sich untertägige Bauteile des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Boden befinden. Die Burg war am 10. August 1552 im Markgräflerkrieg in Brand gesetzt, stark beschädigt und nur eingeschränkt wieder hergestellt worden. Beim Neubau wurde die große Burg bis auf den Bergfried abgetragen, sodass Geschichte und Aussehen der Vorgängerbauten vor Beginn der unten angeführten archäologischen Untersuchungen kaum bekannt waren. Eine um 1540 entstandene Zeichnung von Veit Hirsvogel d. J. zeigt die spätmittelalterliche Burg als stark gegliederte, mit vielen Türmen versehene, um einen Hof gruppierte Anlage. Eindeutige urkundliche Quellenzeugnisse über die Errichtung der ersten Burg an dieser Stelle liegen nicht vor, sodass viel Raum für Spekulationen bleibt. Möglicherweise wurde in der 1. Hälfte des 13. Jh., als Siegfried II. Erzbischof von Mainz war, die erste Burg auf dem späteren Schlossberg erbaut. Siegfried kam nachweislich häufiger nach Aschaffenburg und kommt somit als Bauherr sehr wahrscheinlich in Betracht. Der früheste Schriftbeleg zum Vorgängerbau von Schloss Johannisburg datiert in das Jahr 1284, als die neue Burgkapelle geweiht wurde, deren Patron Johannes d. T. der gesamten Burg seinen Namen gab. 1337 soll der Bergfried erbaut worden sein. Er wurde gegen Ende des 14. Jh. erhöht. Als Residenzort der Mainzer Erzbischöfe wurde die Anlage am Ausgang des Mittelalters repräsentativ ausgebaut. In zeitgenössischen Berichten, wie dem des Nürnberger Arztes Hieronymus Münzer von 1495, wird das prächtige Schloss gerühmt. Neben den im Innern des Schlosses durchgeführten Ersatzmaßnahmen erbrachten auch die Bodeneingriffe im näheren Umfeld Erkenntnisse, die Auskunft über die Gestalt und Einrichtung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Johannisburg, die angegliederte Bebauung und vorgelagerte Befestigungsanlagen geben. Bislang wurden zwei Maßnahmen im Schloss selbst durchgeführt, bei denen umfängliche Teile der mittelalterlichen Burg zutage traten.

Schloßplatz 4, Innenhof

Im Sommer 1982 wurden im Hof des Schlosses neue Wasser- und Abwasserleitungen verlegt. Entgegen den damaligen Erwartungen traten schon nach kurzer Zeit große Pflasterflächen und ausgedehnte Mauerzüge hervor, die als Überreste der mittelalterlichen Burg anzusprechen waren. Noch 1982 konnten durch das Landbauamt Aschaffenburg mit Unterstützung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Sicherungsgrabungen durchgeführt werden. Diese ersten Untersuchungen fanden parallel zu den laufenden Bauarbeiten statt. Bei der Anlage der neuen Versorgungsleitungen wurde nach Möglichkeit auf die archäologischen Befunde Rücksicht genommen. Wegen der vorgesehenen Neugestaltung des Schlosshofes wurden die Rettungsgrabungen von April bis Juli 1983 fortgesetzt und auf einen Großteil des Innenhofs ausgedehnt. Durch die Grabungsmaßnahmen konnte ein vollständiger Bautrakt der mittelalterlichen Burg erfasst werden, der den südöstlichen Teil des Schlosshofes auf ganzer Länge durchzog. Er verlief in einem Abstand von 10 bis 14 m ungefähr parallel zum Eingangsflügel des Ridinger-Baus. Der jüngere Schlossbau berücksichtigte anscheinend Fluchten und Strukturen seines Vorgängers, da auch der alte Eingang nahezu exakt in der Achse des späteren Schlosseingangs lag. Erhalten waren die Pflasterung in der Gebäudedurchfahrt, Sockelsteine des Eingangstors sowie die dazwischen gespannten, stark ausgefahrenen Sandsteinschwellen. Nach Osten war eine Sandsteinmauer vorgelagert, die zusammen mit drei Konsolen an der Außenwand des ergrabenen Bautraktes als Auflage für eine Holzbrücke diente. Diese bildete den Zugang zur Burg über einen 5 m tiefen Graben. Die Breite des Burggrabens konnte nicht festgestellt werden, da er sich vermutlich bis unter den Kellerbereich des Schlosses erstreckte. Das alte Hofpflaster befand sich etwa 0,8 bis 1,3 m unter dem modernen Hofniveau. Dennoch war es durch jüngere Bodeneingriffe zumeist stark gestört. Es ließ sich aber beobachten, dass die Einfahrt mit unregelmäßigen, großen Sandstein- und Gneisplatte gepflastert war, die Pflasterung des Innenhofes hingegen aus unregelmäßigen Sand- und Quarzsteinen bestand.

Umfangreiche Aufplanierungen und Bodenangleichungen für den Neubau des Schlosses sorgten dafür, dass sich das aufgehende Mauerwerk des Erdgeschosses der südlich an die Einfahrt anschließenden Raumgruppe bis zu einer Höhe von 1,7 m erhalten hatte. Diese Räume waren verputzt, insbesondere Türgewände, Wand- und Fensternischen z.T. farbig gestaltet. Die besonders repräsentativen Farbfassungen der Räume D und F sprechen für eine Nutzung als Aufenthaltsräume. Dazu passt ein aus Sandstein gehauenes Ausgussbecken in Raum D, das über einen Rinnstein durch eine erkerähnliche Auskragung entwässerte. In beiden Räumen wurden die Überreste zweier Kachelöfen freigelegt. Über ein Wappen von Daniel Brendel von Homburg, 1555–1582 Erzbischof von Mainz, und zwei Wappenkacheln des Wolfgang von Dalberg, 1582–1601 Erzbischof, lassen sie sich recht exakt datieren. Sie belegen eine zumindest in Teilen erfolgte Weiternutzung der 1552 zerstörten Burg. Weitere freigelegte Räume dienten eher wirtschaftlichen Zwecken. Hervorzuheben ist Raum E, der zwei zwar verstürzte, aber gut erhaltene, kuppelförmig gemauerte Backöfen enthielt. Sie besaßen Durchmesser von ca. 1,7 bzw. 3,0 m und waren somit der Versorgung der Burg angemessen. Unklar blieb der Zweck einer etwa 3 m breiten Treppe, die vom Hofniveau abwärts in Richtung Mainflügel führte. Sie erschloss offenbar Keller auf der Mainseite der alten Burg. Zwar wurden 1987 bei Ausgrabungen unter der Kellersohle des Schlosses noch Reste der alten Burg angetroffen, doch erwiesen sich diese als stark gestört. Von dem nördlich der Einfahrt gelegenen, nur partiell unterkellerten Gebäudetrakt konnten lediglich Fundamente freigelegt werden. Aufgehendes Mauerwerk hatte sich hier nicht erhalten. Eine Ausnahme in diesem Bereich bildet ein oktogonaler Treppenturm, der von der Einfahrt und über den Hof zugänglich war. Beachtenswert ist die Lage von drei Kellerräumen, die keinen Bezug zur Grundrissstruktur des Erdgeschosses aufweisen. Die Keller unter den Räumen C/D und K sind lediglich über einen schachtartigen Einstieg von oben her zugänglich, allein der Keller unter Raum B wird durch einen gewölbten Zugang von der Hoffläche aus erschlossen. Vermutlich gehören diese Räume zu einer älteren Burgphase vor dem spätmittelalterlichen Ausbau zu einer repräsentativen Residenz. Da alle Räume mit Bauschutt angefüllt waren und von den Baumaßnahmen nicht erreicht wurden, wurden sie nicht näher untersucht.

Weitere Aufschlüsse im Hofbereich erbrachten aufgrund umfänglicher Störungen nur wenige weiterführende Erkenntnisse über die Ausdehnung der mittelalterlichen Burg. Lediglich im Bereich des Bergfriedes wurden weitere Mauerreste und die Sohle eines Brunnens aufgedeckt. Während die Mauerfragmente zeitlich und funktionell nicht eingeordnet werden konnten, war ein Brunnen der alten Burg zuzuordnen. Dokumentiert wurden die sauber zugerichteten Sandsteinplatten eines oktogonalen Brunnentroges, der in die Zeit um 1500 datiert werden kann. Somit sind die ergrabenen baulichen Reste insgesamt zumeist dem spätmittelalterlichen Ausbau der Burg zu einer repräsentativen bischöflichen Residenz und ihrer Nachnutzung nach 1552 zuzuordnen. Eventuell handelte es sich bereits um eine vierflügelige Anlage, deren Struktur für den Neubau nach 1605 übernommen wurde. Ihre Ausdehnung entsprach wohl ungefähr der Größe des heutigen Schlosshofes. Nach Grundrissstruktur und Mauerfugen entstand der freigelegte Burgflügel in mehreren Bauperioden. Ältere Baureste wie der Bergfried und kleine Kelleranlagen wurden archäologisch nicht näher unterst, sodass keine neuen Anhaltspunkte für die Entstehungszeit der Burganlage gewonnen werden konnten. Der Großteil des Fundgutes stammt aus dem 16. Jh. Eine technische Anlage, die zum Ridinger-Bau des Schlosses gehörte, wurde in der Nähe des Brunnens freigelegt. Dabei handelte es sich um eine sog. Arthauke, durch die Wasser von der etwa 4,6 km langen Hofwasserleitung vom Heid- und Büchelberg auf verschiedene Stränge verteilt wurde. Das Wasser kam hier durch ein 7 cm durchmessendes Bleirohr an, wurde in einen ummauerten Sandsteintrog geleitet und auf drei Ablauföffnungen von 5,5 bis 7 cm Durchmesser verteilt.

Schloßplatz 4, Westflügel

1986 und 1987 fanden im Kellerbereich des mainseitigen Flügels des Ridinger-Schlosses Ausgrabungen statt, nachdem hier im Jahr zuvor bei Sanierungsmaßnahmen erstmals Baubefunde der Burg zutage getreten waren. In dem etwa 7 m unter dem modernen Hofniveau liegenden Keller wurden noch verschiedene Mauerreste der alten Burg entdeckt, die durch die Fundamentierungen des Schlosses allerdings stark gestört waren. Unklar bleibt die Deutung der Mauern. Eine Verbindung mit dem im Innenhof untersuchten Gebäudetrakt ist anzunehmen, doch könnte es sich sowohl um Teile eines alten Südwestflügels als auch um Burgmauerabschnitte im Zwingerbereich handeln. Die Grabungsschnitte und Tiefgrabungen an verschiedenen Stellen des Mainflügels zeigten, dass die Fundamente der Außenmauern des Ridinger-Baus durchschnittlich 2 m tiefer als auf der Hofseite geführt sind. Das Erdreich unter dem starken Sandsteinplattenbelag des Kellerbodens besteht aus einer 0,3 bis 0,4 m starken Auffüllung, die z.T. mit Schutt durchsetzt ist. Darunter steht das gewachsene Erdreich aus verschieden starken Schichten von Kies, Sanden und Lehm an. Nach M. B. Kittel mussten die Fundamente gegen den Abhang an der Mainseite am stärksten gesichert werden, um Rutschungen durch die Baulast zu vermeiden. Zur Ostseite oder gegen den Landinggraben war die Fundamentierung weit geringer, sodass hier noch weitere Befunde der mittelalterlichen Burg erhalten geblieben sein könnten. Insgesamt waren für den Schlossbau gewaltige Erd- und Fundamentierungsarbeiten notwendig, welche die Topographie des Burgberges entscheidend veränderten. Insbesondere wurde durch die Einfüllung des Röderbaches der zuvor etwa 16 m steil abfallende Taleinschnitt auf nur mehr 6 m Höhenunterschied zum Schloss reduziert. Für den Neubau des Schlosses wurden Baumaterialien aus dem Abbruch der alten Burg in großer Menge wieder verwendet. So sind die Mauern überwiegend inhomogen aus Gneis- und Sandsteinen zusammengesetzt. In den mächtigen Auffüllungen des südlichen Schlosshofbereiches fand sich kein einziger Quader oder rechteckig zugerichteter Stein (Vgl. Baudenkmäler, Schloßplatz 4).

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 209-211.

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