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Bodendenkmäler – Gräberfeld im Strietwald

Im „Striet Stiftswald“ befindet sich in der Abteilung „Pickacker“ ein kleines Grabhügelfeld vorgeschichtlicher Zeitstellung auf einer flachen Anhöhe. Eine erste Kartenskizze durch Elmar Freiherr von Haxthausen verzeichnet 1897 fünf Hügel. Durch Georg Hock, den zuständigen Konservator in Würzburg, wurden später zwei weitere sichere Objekte und ein vermeintlicher Hügel entdeckt. Entsprechend verzeichnet auch Peter Endrich 1961 in einer Lageskizze sieben eng zusammenliegende Grabhügel und einen etwas entfernteren fraglichen Hügel. Björn-Uwe Abels führt 1979 hingegen nur die sieben, damals gesicherten Hügel an. Die dicht beieinanderliegenden, sieben gesicherten Objekte besitzen nach der Überprüfung durch ein digitales Geländemodell und nachfolgender Ortsbegehung Durchmesser von 10 bis 20 m. Ihre Höhen liegen zwischen 1 und 2,5 m. Darunter befindet sich auch der bei Endrich noch fragliche Hügel, der aus heutiger Sicht sicher als Grabhügel anzusprechen ist. Ein schon 1961 vom sog. „oberen breiten Weg“ auf der Gemarkungsgrenze zu Kleinostheim angeschnittener Hügel ist heute hingegen eingeebnet. Die Grabhügel befinden sich in einem stark gestörten Zustand. Neben älteren Ausgrabungen und Trichterungen sind zwei der aus Sand aufgebauten Hügel offenbar Ende 2001/Anfang 2002 von einem Raubgräber angegraben worden. Weitere Substanzverluste jüngeren Datums sind durch die Anlage eines Forstweges bedingt. Bereits 1880 wurden durch Johann Baptist Broili im Auftrag des Aschaffenburger Magistrates an einem der Grabhügel Ausgrabungen durchgeführt. Er berichtet von möglichen Plünderungen, die noch 25 Jahre weiter zurückreichen, über deren Resultat aber nichts bekannt geworden ist. Weitere Grabungen wurden an vier Hügeln durch Elmar von Haxthausen 1897 unternommen.

Die Grabhügel wurden nach Ausweis der überlieferten Informationen wohl in schnurkeramischer Zeit (ca. 2800–2100 v. Chr.) angelegt und in der Hallstattzeit (8.–5. Jh. v. Chr.) für Nachbestattungen genutzt. Dadurch, vor allem aber durch die alten Untersuchungen und Beraubungen, kam es zu vielen Störungen der ursprünglichen Zusammenhänge. Zu den ältesten Fundstücken zählen das Fragment eines gebrochenen Steinbeils sowie der Splitter eines Feuersteinmessers. An hallstattzeitlichem Material konnten schon durch Broili ein bronzener Armreif und Reste einer eisernern Fibel geborgen werden. Von Haxthausen fand weitere Beigaben von Brandgräbern. In dem größten Hügel befand sich eine Brandschüttung mit dem Stück eines bronzenen Armreifs und Keramikscherben der Hallstattzeit. In einem anderen, zuvor bereits getrichterten Hügel konnte er einen kleinen Eisenring sowie zwei Spiralarmbänder aus Bronze aufdecken. Eventuell handelte es sich wegen der geringen Größe der Spiralen um ein Kindergrab.

Innerhalb des „Striet Stiftswalds“ in der Abteilung „Salzhügel“ liegt ein altbekannter Grabhügel. Diese Geländeerhebung ist durch ein digitales Geländemodell und eine nachfolgende Ortseinsicht nochmals nachgewiesen worden. Das Objekt besitzt einen Durchmesser von etwa 15 m und eine Höhe von noch knapp 2 m. Im digitalen Geländemodell wurden etwa 40 bis 50 m südlich des genannten Grabhügels zwei weitere, jedoch deutlich weniger ausgeprägte Geländeformationen entdeckt. Bei ihnen handelt es sich ebenfalls um Grabhügel, die vermutlich zusammen mit dem altbekannten Hügel den Rest einer kleinen Nekropole darstellen. Das kleine Grabhügelfeld vorgeschichtlicher Zeitstellung befindet sich oberhalb einer quellführenden Mulde auf einem sanft nach Südwesten abfallenden Hang. Eine nähere Datierung innerhalb der Vorgeschichte ist nicht möglich.

Am Ende eines sich nach Südwesten erstreckenden Geländesporns im „Striet Stiftswald“ sind im digitalen Geländemodell zwei benachbarte, etwa 10 m voneinander entfernte Erhebungen zu erkennen, bei denen es sich um weitgehend verflachte Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung handelt. Beide Objekte besitzen einen Durchmesser von etwa 15 bis 20 m. Bodeneingriffe im Bereich der Hügel sind nicht bekannt. Eine nähere Datierung innerhalb der Vorgeschichte ist nicht möglich.

2012 wurde im digitalen Geländemodell etwa 250 m östlich der Nordost-Gruppe des Grabhügelfeldes „Molkenbrunn“ ein kleines Grabhügelfeld auf einer Geländekuppe entdeckt. Die Ortseinsicht bestätigte vier eng beieinanderliegende Grabhügel von ca. 15 m Durchmesser und noch 1 m Höhe. Drei der Hügel wurden offensichtlich bereits alt angetrichtert. Das Grabhügelfeld vorgeschichtlicher Zeitstellung ist in der Literatur nicht bekannt. Eventuell entspricht es einem von Peter Endrich in der Waldabteilung „Pfaffengrund“ verortetem Grabhügel.

Im „Strietwald“ in der Abteilung „Molkenbrunn“ befindet sich beiderseits des sog. „Molkenbrunnenweges“ auf einer flachen Anhöhe ein kleines Grabhügelfeld vorgeschichtlicher Zeitstellung. Es bildet zusammen mit dem nahe gelegenen Grabhügelfeld den nordöstlichen Teil einer größeren Nekropole. Peter Endrich (1961) und Björn-Uwe Abels (1979) waren noch sechs Grabhügel bekannt, die aber bereits damals nicht mehr alle deutlich im Gelände hervortraten. Zudem waren zwei Hügel sichtbar angegraben. In moderner Zeit haben offensichtlich Veränderungen in der Führung der Forstwege zu Substanzverlusten geführt. So wurden durch ein digitales Geländemodell und die anschließende Ortseinsicht nur noch vier Objekte aufgefunden. Die Hügel sind aus Erde und wenigen Steinen aufgebaut und besitzen Durchmesser zwischen 8 und 12 m, ihre Höhen liegen bei 0,6 bis 1,5 m. Ausgrabungen fanden in dieser Grabhügelgruppe vermutlich vor allem 1885 durch Johann Baptist Broili statt. Da aber die ältesten Aufzeichnungen nur sehr unzureichend geführt wurden, lassen sich die damals bekannten acht Grabhügel nicht mit den seit Beginn des 20. Jh. unterschiedenen 17 Hügeln in zwei Gruppen in Übereinstimmung bringen.

Im „Strietwald“ in der Abteilung „Molkenbrunn“ befinden sich nordwestlich des sog. „Essigpfades“ auf einer Anhöhe elf Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung, die heute im Gelände nicht mehr alle deutlich erkennbar sind. Die Hügelgruppe bildet zusammen mit dem nahe gelegenen Grabhügelfeld den südwestlichen Teil einer größeren Nekropole. Die Hügel sind aus Erde und wenigen Steinen aufgebaut, ihre Durchmesser betragen zwischen 6 und 13 m, die Höhen liegen zwischen 0,5 und 1,5 m.

Bis zum Beginn des 20. Jh. wurden lediglich acht Grabhügel unterschieden. Erst Georg Hock beschrieb zwei Gruppen mit zusammen 17 Hügeln. Zudem bemühte er sich um die Sicherung und Klassifizierung des Fundmaterials. Dennoch lassen sich die bei den älteren Grabungen gemachten Beobachtungen und Funde nicht mehr zweifelsfrei einer der beiden Gruppen zuordnen. Durch ein digitales Geländemodell konnten elf Grabhügel erkannt und präzise eingemessen werden. Ihre Lage stimmt jedoch nicht exakt mit den von Peter Endrich oder in älteren Lageskizzen überlieferten Hügeln überein. Somit ist unklar, ob bestimmte Hügel heute eingeebnet sind. Erste Grabungen fanden vermutlich bereits 1856 durch den Aschaffenburger Museumsleiter Valentin Hofmann statt. Zwei Hügel wurden 1881 durch Johann Baptist Broili untersucht, ein dritter 1885. Elmar von Haxthausen öffnete 1897 drei weitere Hügel. Zudem unternahm von Haxthausen Nachuntersuchungen im Bereich der vorangegangenen Grabungen. Das älteste Fundmaterial gehört der Schnurkeramik an (ca. 2800–2100 v. Chr.). Darunter befinden sich zwei typische Becher mit Tannenzweigmuster bzw. schrägen Strichreihen in Schnitttechnik sowie weitere Keramikscherben. Unter den Steingeräten ist besonders eine sorgfältig facettierte Axt aus grünlichgrauem Hornblendeschiefer bemerkenswert. Außerdem wurden zwei kleine trapezförmige Beile und ein flächig retuschiertes Messer aus Feuerstein entdeckt. In der späten Hallstattzeit (Ha D) bzw. der frühen Latènezeit (Lt A) wurden in den Hügeln Nachbestattungen von Brandgräbern vorgenommen (6. und 5. Jh. v. Chr.). Von den im 19. Jh. getätigten Funden sind nur wenige bekannt geworden. Bereits 1856 gelangten wohl von hier zwei Bronzearmringe in das Aschaffenburger Museum, die aber schon früh wieder verloren gingen. Bei den Ausgrabungen durch Broili wurden ein Steigbügelarmring sowie stark korrodierte Eisenringe gefunden. Weitere Eisen- und Bronzegegenstände sowie Keramikscherben sollen durch von Haxthausen geborgen worden sein.

1951 wurden bei Planierungsarbeiten für einen Sportplatz im Bereich der „Hasenhäge“ mehrere Keramikstücke eines oder mehrerer rauwandiger Gefäße vorgeschichtlicher Zeitstellung entdeckt. Das Wandstück eines Topfes war mit einer Fingertupfenleiste am Hals verziert, die eine Datierung in die Hallstattzeit (8.–5. Jh. v. Chr.) nahelegt. Die heute verschollenen Funde belegen eine Siedlung vorgeschichtlicher Zeitstellung, vermutlich der Hallstattzeit in einem Gelände, das heute weitgehend überbaut ist.

Das in der Literatur unter der Bezeichnung Aschaffenburg-Strietwald geführte Brandgräberfeld der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit und der frühen Hallstattzeit gewinnt seine hohe Bedeutung für die archäologische Forschung daraus, dass an dieser Stelle erstmals im Untermaingebiet ein metallzeitliches Gräberfeld großflächig und systematisch ausgegraben und dokumentiert werden konnte. Auf der Flur „Ober dem Betzenbühl“ wurde 1953 in einem ansonsten landwirtschaftlich genutzten Gelände Sand abgebaut, was zur Entdeckung des ersten Grabes durch spielende Kinder führte. Im Anschluss sicherten Ernst Schneider von den Museen der Stadt Aschaffenburg und Alois Nowotny vom Museum in Dieburg die ersten Grabinventare. Die anschließende Notgrabung führte zur Auffindung von insgesamt 24 Gräbern, die bereits durch Peter Endrich nachgewiesen wurden. Da das Gräberfeld in den 1960er Jahren durch eine geplante Erweiterung der Strietwald-Siedlung akut gefährdet war, entschloss man sich 1967 die Ausgrabungen wieder aufzunehmen. So erhöhte sich durch die Grabungen der Stadt Aschaffenburg und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege unter der Leitung von Hermann Günter Rau die Gesamtzahl der Bestattungen bis 1969 auf 50. Diese verteilten sich auf eine Fläche von etwa 60 m in Ost-West-Richtung und auf 110 m in Nord-Süd-Richtung. Bereits kurze Zeit nach Abschluss der Feldarbeiten konnte das Ergebnis der Ausgrabungen durch den Ausgrabungsleiter veröffentlicht werden.

Von der Topographie her lag das Gräberfeld an einem sanft nach Süden geneigten Hang in Nähe zur fruchtbaren Bachaue der Aschaff. Alle Gräber wurden in eine über 1 m mächtige Feinsandschicht eingetieft, die als schmale postglaziale Flugsanddüne anzusprechen ist. Keines der Gräber wurde in den sehr festen Untergrundslehm eingegraben. Wahrscheinlich wurde der Bestattungsplatz zu großen Teilen erfasst. Nach Norden hat die Verlängerung der Grabungsfläche in den 1960er Jahren keine weiteren Gräber mehr erbracht. Zudem steht der steinige Untergrund hier sehr viel höher an. Auch im Süden verflachte sich die Sandtiefe zunehmend. Im Westen befand sich eine kleine sumpfige Wiesenstelle, südlich davon war das Gelände durch unregelmäßige Sandgruben und Schuttauffüllungen vor 1953 deutlich verändert worden, sodass hier mit massiven Störungen zu rechnen ist. Unbeobachtet bleibt die Ausdehnung nach Osten. Eventuell würden sich auch in der alten Grabungsfläche mit einer moderneren Methodik noch weitere Urnengräber, Brandschüttungsgräber und Leichenbrandnester ohne Steinsetzung nachweisen lassen.

Als Bestattungsform wurden ausschließlich Leichenverbrennungen festgestellt. Es überwogen Brandschüttungen, einige von ihnen mit Urnen. Echte Urnengräber bildeten die Ausnahme. Charakteristisch ist, dass die erkannten Gräber von Steinsetzungen umgeben sind, zu denen häufig Bodenpflaster und überdeckende Steinpackungen gehören. Besonders reichhaltig ist das keramische Inventar, während Bronzegegenstände nur mäßig vertreten sind. Etwa ein Drittel der Gräber gehört der späten Bronzezeit bzw. der Übergangsphase zur Urnenfelderzeit an. Die hauptsächliche Belegung fällt in die Hauptphase der Urnenfelderzeit. Am Übergang zur Hallstattzeit (Ha C) stehen lediglich zwei Grabfunde. Die ältesten Gräber konzentrierten sich im südlichen Teil des Gräberfeldes, die jüngeren im nördlichen. Die allerjüngsten Gräber liegen wiederum im ältesten Teil des Bestattungsplatzes. Hervorzuheben ist die periodenübergreifende, kontinuierliche Belegung des Bestattungsplatzes.

Unmittelbar nördlich des Gräberfeldes, in nur ca. 30 m Entfernung, wurde bei der Grabung im Jahre 1968 eine Siedlungsstelle angeschnitten, die in die Hauptbelegungsphase des Bestattungsplatzes datiert. Leider konnte keine eingehende Untersuchung stattfinden. Es wurden vier unspezifische Siedlungsgruben gefunden, die Fragmente von Grob- und Feinkeramik, Geräte aus Silex und Felsgestein sowie einige Quarzitbruchstücke lieferten. Vereinzelte Streufunde könnten auch auf eine neolithische Besiedlung hindeuten.

Im digitalen Geländemodell lässt sich ein isolierter, stark verflachter Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung erkennen, der durch verschiedene Bodeneingriffe und Materialablagerungen im Umfeld keine regelmäßige Grundfläche mehr aufweist. Das Objekt ist mittig nicht getrichtert und somit im 19. oder frühen 20. Jh. wohl nicht untersucht worden. Eine nähere Datierung innerhalb der Vorgeschichte ist nicht möglich.

Im Bereich der ehem., im 17. Jh. neu errichteten Michaeliskapelle befinden sich Befunde von Vorgängerbauten der frühen Neuzeit im Boden. (Vgl. Baudenkmäler, Dorfstraße 5)

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 205-253.

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