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Steingasse

Die Steingasse beginnt an der Herstallstraße, verläuft in westlicher Richtung parallel zur Landingstraße und endet an der Luitpoldstraße. Der Name der Gasse wird damit erklärt, dass sie schon früher als andere Straßen einen befestigten, gepflasterten Untergrund hatte. Die Gasse gilt als eine frühe wichtige Verbindung aus der Stadt heraus auf der rechtsmainischen Straße über Damm und Kleinostheim nach Hanau und weiter nach Frankfurt am Main und Mainz. Im Mittelalter waren in der Steingasse wie in der Pfaffen- und der Stiftsgasse viele Stiftshöfe angesiedelt. Die südliche Straßenseite war von einer geschlossenen Bebauung geprägt. Zum Landing hin lagen die Gärten der Anwesen mit den dazugehörigen Scheunen. Seit der 2. Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich die Steingasse zu einer ausgesprochenen Geschäftsstraße. Fast in jedem der Häuser war ein Geschäft zu finden. 1973 wurde die bis dahin vom Autoverkehr stark frequentierte Steingasse zur Fußgängerzone erklärt und an der Mauer zum Garten des Grundstücks Treibgasse 7, dem ehem. Ingelheimischen Stadthof, der heute als Kindergarten dient, wurde ein Brunnen von Bildhauer Hermann Kröckel angebracht.

Steingasse 1

Der aus Italien stammende Handels- und Stadthauptmann Domenicus Frank ließ Anfang des 19. Jh. einen Neubau auf dem aus ursprünglich vier Grundstücken bestehenden Anwesen an der Ecke Herstallstraße/ Steingasse errichten. Die Pläne für das Wohn- und Geschäftshaus ließ er von dem kurfürstlichen Baumeister Emanuel Joseph von Herigoyen zeichnen. Dieser sah einen Walmdachbau mit breiter Fassade und einem Mittelgiebel im klassizistischen Stil vor. Der Wunsch des Bauherrn, das Gebäude mit einem massiven Erdgeschoss und Fachwerkobergeschossen auszuführen, entsprach zunächst nicht den Vorgaben des Landbaumeisters Wolfgang Streiter. Da aber die Symmetrie und der repräsentative Charakter der Fassade großen Gefallen fanden, wurde die Erlaubnis doch erteilt und Domenicus Frank konnte im Frühjahr des Jahres 1804 mit dem Bau seines Hauses beginnen. Schon wenige Jahrzehnte nach der Errichtung des Hauses wurde das Erdgeschoss zum ersten Mal für Läden verändert. 1868 ließ der Lederhändler Zadok Adler sich einen Laden einrichten und die Fenster rechts des Hauseingangs zu Schaufenstern vergrößern. Die gleiche Änderung wurde 1880 mit zwei Fenstern auf der linken Seite vorgenommen. 1883 wurde das gesamte Erdgeschoss für Ladengeschäfte umgestaltet. 1901 erfolgte die Modernisierung des Ladens links des Hauseingangs, 1937 rechts davon. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vergleichsweise wenig zerstört. Durch Luftdruck wurden Schaufenster sowie Wände, Fenster und Türen beschädigt.

Bei der Behebung der Kriegsschäden wurde 1954 die gesamte Erdgeschosszone bis auf das Portal erneuert. 1966 wurde der Laden rechts des Eingangs nochmals umgestaltet, dabei hat man die genuteten Zwischenpfeiler und die abgerundete Gebäudekante an der Herstallstraße durch große Glasflächenfenster ersetzt. Bei der letzten Fassadensanierung 2003 wurde der Erdgeschossbereich wieder annähernd in den Zustand des 19. Jh. versetzt und die Fenster nach dem Vorbild des ursprünglichen Baus ausgetauscht. Das Wohn- und Geschäftshaus steht mit neun Fensterachsen zur Steingasse und mit drei Fensterachsen zur Herstallstraße. Über einem (mehrfach erneuerten) massiven Erdgeschoss folgen zwei verputzte Fachwerkobergeschosse. Den Abschluss bilden ein weit überkragendes Traufgesims mit Zahnschnitt und ein flach geneigtes Walmdach. Die jeweils äußeren zwei Achsen der Hauptfassade zur Steingasse springen leicht risalitartig vor, die mittleren fünf sind durch einen Mittelgiebel betont. Im Giebelfeld befindet sich ein kleines Fenster. Die übrigen Fenster sind gleichmäßig auf der Fassade verteilt; die des 1. Obergeschosses sitzen auf einem umlaufenden Sohlbankgesims auf und sind etwas größer als die im 2. Obergeschoss. Das Portal in der Mittelachse weist einen profilierten Sturz und eine zweiflügelige Tür aus Eichenholz mit Schnitzereien auf. Das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus steht in der Blickachse der Herstallstraße in Richtung Landing. Es ist aus künstlerischer und städtebaulicher Sicht ein bemerkenswertes Gebäude.

Steingasse 2

Bevor Ende des 19. Jh. das Wohn- und Geschäftshaus errichtet wurde, befand sich an der Ecke Herstallstraße/Steingasse die Herberge und Gasthalterei „Zum Affen“. Das Anwesen erstreckte sich über die späteren Grundstücke Steingasse 2 sowie Herstallstraße 9 und 11. Das 1547 erwähnte Gasthaus umfasste Stallungen für 40 Pferde und drei Stuben mit neun Betten für Gäste. Die Herberge besaß damit die zweitgrößte Stallung in der Stadt. Sie bestand bis 1766. Danach wurde das Anwesen aufgeteilt. 1894 wurde der Vorgängerbau, ein zur Herstallstraße giebelständiger dreigeschossiger Fachwerkbau, abgebrochen und die Kaufleute Ludwig Geiger und Abraham Hamburger von der Bayerischen Aktienbierbrauerei ließen von den Bauunternehmern Franz und Roman Woerner einen Neubau errichten. Der viergeschossige Eckbau mit fünf Fensterachsen entlang der Steingasse sowie einer abgeschrägten Gebäudekante und nur einer Achse an der Herstallstraße wurde an einer neuen Baulinie errichtet. Die Fassade aus rotem Backstein wird durch helle Sandsteinelemente gegliedert. Die abgeschrägte Ecke besteht, als Blickfang vom Scharfeck her kommend, ganz aus grauen Sandsteinquadern. Erd- und 1. Obergeschoss wurden optisch miteinander verbunden, indem das Portal über beide Geschosse reichte; es wurde mit einem Segmentbogen versehen. Über dem Portal im 2. Obergeschoss war ein von verzierten Konsolen getragener Balkon mit gotisierenden Elementen in der Sandsteinbrüstung angebracht. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind zu einer Dreiergruppe zusammengefasst. Darüber folgt wiederum eine Gruppe aus drei Fenstern mit Blendvorhangbögen. Das Brüstungsfeld ist mit gotisierendem Blendmaßwerk dekoriert. Den Abschluss bildete ein hohes Walmdach mit einer reich verzierten Zwerchgaube mit runder Fensteröffnung, es wurde nach dem Krieg nicht wieder hergestellt. Die Fenster der Geschäftsräume in Erd- und 1. Obergeschoss bilden eine Einheit und schließen mit Segementbögen mit großen Scheitelsteinen ab. Die Fenster der ersten Achse nach der abgeschrägten Kante heben sich gestalterisch von den übrigen Fenstern ab. Profilierte Sohlbankgesimse und ein umlaufendes Sandsteinband in Höhe der Kämpfer der großen Schaufenster des 1. Obergeschosses gliedern die Fassade horizontal. Schmiedeeiserne Anker sind zusätzliche dekorative Konstruktionselemente. Ein stark profiliertes und vortretendes Traufgesims schließt die Fassade ab. Der Eingang zu den Wohnungen in den Obergeschossen befindet sich in der letzten Achse an der Steingasse. Das spitzbogige Gewände trägt im Scheitelstein die Jahreszahl „1543“, die als Erbauungsjahr des Vorgängerbaus angenommen wird.

In dem Wohn- und Geschäftshaus befand sich eine Metzgerei und im Obergeschoss das „Café Central“. 1905 wurden im Erdgeschoss Umbauten unter Leitung von Architekt Heinrich Morhard vorgenommen. Im Keller befanden sich die Wurstküche, ein Bier-, ein Wein- und ein Gemüsekeller. Laden und Restaurant waren im Erdgeschoss untergebracht. Das „Central“ war ein stadtbekanntes Café, welches bis 1939 an dieser Stelle bestand und danach in das Gebäude gegenüber verlegt wurde. 1939 wurde das Dachgeschoss „wiedererrichtet“ und der Dachstock ausgebaut. Dabei verzichtete man auf das steile Walmdach über der Hausecke, was die äußere Wirkung des Anwesens einschneidend veränderte. Luftdruck zerstörte im Zweiten Weltkrieg die Schaufenster im Erdgeschoss und 1. Stock. Dach, Wände, Decken, Fenster und Türen wurden beschädigt. 1953 wurden die Schaufenster modernisiert, eine Passage hergestellt und 1960 der Verkaufsraum erweitert. 1968 entstanden im Erd- und 1. Obergeschoss neue Räume für die Buchhandlung Paul Pattloch. 1979 wurden die Passage wieder beseitigt und die Schaufenster erneut verändert. 1980 erfolgten Umbauten im Innern der Obergeschosse. Die letzte Fassadensanierung fand 1998 statt.

Steingasse 4

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Steingasse/Nebensteingasse entstand wohl nach 1766 nach der Aufteilung der Grundstücke Steingasse 2 und 4 sowie Herstallstraße 9 und 11, die zuvor gemeinsam die Gastwirtschaft „Zum Affen“ umfassten. Der im Erdgeschossbereich veränderte Walmdachbau ist dreigeschossig und zählt mit zur Steingasse sieben und zur Nebensteingasse sechs Fensterachsen zu den größeren Anwesen der Straße. Das Erdgeschoss ist massiv, die Obergeschosse sind in verputztem konstruktivem Fachwerk errichtet. Über dem Erdgeschoss verläuft ein profiliertes Gurtgesims, darüber ein Sohlbankgesims, auf dem die Fenster des 1. Obergeschosses aufsitzen. Sie sind mit einer einfachen Holzrahmung und gerader Verdachung versehen. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind etwas kleiner, haben keine Verdachung und eine von Konsolen getragene profilierte Sohlbank. 1806 wurde das als „Mainzer Hof“ bezeichnete Gebäude zum Verkauf angeboten und in einer Akte des Landgerichts des Mainzer Regierungsarchivs wie folgt beschrieben: „15 heizbare und sechs unheizbare Zimmer, ein Saal, zwei Küchen, zwei große Keller, ein Heu- und Fruchtspeicher, sodann Stallungen für 50 Pferde und ein Laufbrunnen.“ Das Gasthaus wurde 1808 von dem Wirt Jakob Grundlach erworben, der 1811 in der Nebensteingasse einen Tanzsaal im Obergeschoss eines Nebengebäudes einrichtete. Dieser umfasst vier Fensterachsen. 1885 fand der Einbau eines Schaufensters links des Eingangs in der Steingasse statt, aber schon ein Jahr später wurde der Vorzustand wieder hergestellt und rechts des Eingangs ein Laden mit Schaufenstern eingerichtet. Ab 1886 war die Bayerische Aktien-bierbrauerei Aschaffenburg Eigentümerin des Hauses und ließ die bisherige Einfahrt in der Nebensteingasse zu einem Schankzimmer herrichten. 1896 reichte der Baumeister Adam Schneider einen Plan über die Vergrößerung der Schaufenster sowie Tieferlegung des Ladens von Jean Morhard ein. 1898 hat man auf dem Gebäudeteil entlang der Steingasse ein neues Dach errichtet und die Kamine erneuert. 1914 wurde der Saal nach Plänen des Architekten Otto Leitolf zu Werkstätten für Textilienbearbeitung umgebaut. Nachdem 1931 die Gaststätte modernisiert worden war, nahm sie ihren Betrieb wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Luftdruck und Artillerie das Dach sowie alle Wohnungen und die Wirtschaftsräume. Nach dem Krieg wurde aus der ehem. Gaststätte das Hotel „Stadt Mainz“. In den Räumen der vormaligen Gaststube wurde eine Reinigung und Wäscherei eingerichtet. 1974 stellte das Hotel den Betrieb ein und das Gebäude wurde 1980 zu einem Büro- und Geschäftshaus umgebaut.

Steingasse 8

Das seit dem 16. Jh. nachweisbare Anwesen, auch „Centgrafenhof“ genannt, ging 1846 in den Besitz von Ignaz Freiherr von Hertling über. Er erhielt das Braurecht und die Konzession zum Brennen von Branntwein. Zu dieser Zeit befanden sich auf dem Grundstück ein Brauhaus, eine überwölbte Brunnenstube, ein Gärkeller, ein Kühlschiff, eine Küferei und eine Brennerei. 1852 wurde das Gebäude als Sitz der „Freiherr von Hertling’schen Verwaltung“ genannt. 1871 wurde die Küferei aufgegeben und 1872 eine Schankhalle im Hof errichtet. Zwischen 1881 und 1890 befand sich das Wirtschaftslokal des Anwesens in der Steingasse und in der Treibgasse die Brauerei. 1889 wurde die Holzkonstruktion der Schankhalle abgebrochen und ein eingeschossiges Gebäude mit Pultdach als Schanklokal sowie ein Malzkeller auf dem Grundstück erbaut. Tünchermeister Franz Josef Kullmann ließ sich 1900 von der Firma Sager & Woerner einen Laden einrichten. 1918 baute dessen Sohn, Tünchermeister Ludwig Kullmann, das Treppenhaus in seinem Anwesen um und schuf damit eine Vergrößerung der Wohnung. Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach, Wände, Decken, Fenster und Türen des Anwesens durch Artillerie und Bordwaffen beschädigt. Die Instandsetzung erfolgte 1948. Das 1889 errichtete Nebengebäude wurde 1983 abgebrochen und 1987 als Verbindung zur Treibgasse die sog. „Mälzerei-Passage“ geschaffen. Die Freilegung des Fachwerks im Obergeschoss erfolgte 1996. Das heute 22 m breite, traufständige Gebäude bestand wohl bis zu einem nicht bekannten Zeitpunkt aus zwei Häusern: einem traufständigen, welches von Haus Nr. 6 bis zur ursprünglich nicht überbauten Toreinfahrt reichte, und einem giebelständigen, tiefen Gebäude auf der linken Seite der Toreinfahrt bis zu Haus Nr. 10. Diese Trennung ist heute kaum noch ablesbar. Über einem massiven Erdgeschoss mit zwei Läden und einer Tordurchfahrt folgt ein vorkragendes Fachwerkobergeschoss mit Zierfachwerk, welches in die Zeit um 1600 zu datieren ist. Im Obergeschoss befinden sich insgesamt neun unregelmäßig auf der Fassade angeordnete Fenster. Über einer stark überkragenden, profilierten Traufe befinden sich zwei Zwerchhäuser und daneben jeweils kleinere Giebelgauben. Der Laden rechts der Durchfahrt entspricht noch dem Aussehen der Zeit um 1900, der der linken Seite wurde modernisiert.

Steingasse 9

Das wahrscheinlich 1565 errichtete zweigeschossige Wohn- und Geschäftshaus, ein Fachwerkgiebelbau, war ehemals in die beiden Anwesen Steingasse 7 und 9 unterteilt. Seit 1909 sind rechte und linke Haushälfte unter der Nr. 9 vereint. Erste bauliche Änderungen an dem Anwesen sind seit Ende des 19. Jh. dokumentiert. 1888 wurde das Erdgeschoss auf der rechten Haushälfte zu einem Laden mit Schaufenster geändert und 1893 der Laden auf der linken Seite umgebaut. 1932 erfolgte die Freilegung des Fachwerks im Obergeschoss und im Giebel, welches gebogene Streben und Kopfbänder zeigt. Die Fußbänder sind alle gebogen, die Konstruktion ist verblattet. Bei der Freilegung wurden die Jahreszahl „1565“ am linken Kragstein über dem Erdgeschoss sowie ein gotisches Türgewände entdeckt. 1938 ließ Anna Kolb, Witwe des Schuhhändlers Franz Kolb, ein neues Büro und einen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss einrichten. Am 21. November 1944 wurden durch Luftdruck und Artillerie Schaufenster, Dach, Wände, Decken, Türen und Fenster beschädigt. Nach dem Krieg wurde die Schaufensterfront noch mehrmals umgebaut.

Steingasse 11

Bis 1862 war das Wohn- und Geschäftshaus ein giebelständiger Satteldachbau mit massivem Erdgeschoss und vorkragendem verputztem Fachwerkobergeschoss und Giebel. Der Eingang lag auf der rechten Seite, in der Mitte befand sich ein rundbogiger Kellerabgang, links zwei Fenster. Im Obergeschoss saßen vier Fenster, im Giebelfeld zweimal ein gekuppeltes Fenster. Dieses Fachwerkgiebelhaus ließ Spenglermeister Johann Friedrich 1862 unter Beibehaltung der Grundmauern in ein klassizistisches Wohn- und Geschäftshaus umbauen. Dazu wurde der First gedreht und das Haus erhielt eine neue Fassade aus Sandsteinquadern. 1869 ergänzte man das Anwesen durch ein unterkellertes Werkstattgebäude mit Waschküche. 1903 ließ der Spenglermeister den Laden im Erdgeschoss des Wohnhauses umbauen und 1925 das Dach des zunächst zweigeschossigen Gebäudes anheben, um ein Zimmer für Dienstboten und einen Lagerraum darin unterzubringen. 1933 wurde dann das Dach des Wohnhauses auf der Seite zur Steingasse angehoben und ebenfalls um ein Stockwerk erhöht. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftdruck die Fenster des Hauses beschädigt und die Hausseite zum Anwesen Nr. 13 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Fassade des nunmehr viergeschossigen traufständigen Satteldachbaus wurde in Sichtmauerwerk aus rotem Mainsandstein errichtet. Das Erdgeschoss ist heute zu einer modernen Ladeneinheit ausgebaut. In den Obergeschossen gibt es je drei hochrechteckige Fenster mit segmentbogenförmigem Sturz, darüber ein Brüstungsgesims und im 3., 1933 ergänzten Obergeschoss vier quadratische Fenster. Unter dem Gebäude befindet sich ein Keller des Vorgängerbaus mit einem Tonnengewölbe quer zur heutigen Firstrichtung. Unter dem Rückgebäude liegt ein zweiter Keller.

Steingasse 14

Laut Alois Grimm war das Anwesen früher Bestandteil des Hauses Steingasse 12, wurde aber zu Beginn des 19. Jh. von diesem abgetrennt. 1852 wurde ein Stockwerksaufbau auf dem Hintergebäude des Wohnhauses von Schneider Josef Oberle genehmigt, der jedoch wahrscheinlich nie ausgeführt wurde. 1875 erhielt das Wohn- und Geschäftshaus eine neue, klassizistische Fassade. Die auf den Plänen mit zwei Obergeschossen dargestellte Variante wurde aber nur mit einem Obergeschoss ausgeführt und zeigt sich heute noch, bis auf den modernisierten Laden im Erdgeschoss, in dieser Form. Der Hauseingang befindet sich auf der linken Seite, leicht zurückversetzt, über drei Stufen erreichbar. Rechts daneben liegt der 1938 modernisierte Laden mit separatem Eingang. Im Obergeschoss sitzen zwei gekuppelte, steingerahmte Fenster mit einer geraden Verdachung auf einem einfachen Sohlbankgesims. Das Traufgesims kragt weit vor und ist mehrfach profiliert. Das Gebäude schließt mit einem Satteldach ab. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude nur leichte Schäden an Dach und Fenstern.

Steingasse 15

Bis zum Ende des 18. Jh. war das heutige Anwesen in zwei Besitzungen geteilt. Zwischen 1871 und 1891 erfolgte die Überbauung der bisherigen Einfahrt zum rechten Hausteil. Das Hinterhaus wurde während des Zweiten Weltkrieges durch einen Volltreffer zerstört, auch das Vorderhaus und die Waschküche wurden dabei beschädigt. 1946 leitete der Architekt Georg Henfling die Wiederaufbauarbeiten des Wohn- und Geschäftshauses. Er sah für die linke Hälfte des Anwesens einen Anbau vor, der dem rechten ähnlich war. Dabei sollte auch der Zwerchgiebel wiederholt werden, was jedoch nicht genehmigungsfähig war. Der Laden im Erdgeschoss wurde mehrfach modernisiert. Der aus dem 19. Jh. erhaltene rechte Hausteil ist traufständig und zweigeschossig, mit Satteldach. Das Erdgeschoss ist massiv gemauert, das Obergeschoss aus verputztem Fachwerk. Zur Seite des nach dem Krieg erneuerten Anbaus ist ein Zwerchgiebel mit Krüppelwalm und zwei gekuppelten Fenstern ausgebildet. Der Eingang mit der Inschrift „Zur guten Hoffnung“ im Türsturz ist leicht nach links gerückt. Links befindet sich ein weiteres Fenster, rechts vom Eingang der modernisierte Laden mit zwei Schaufenstern und Eingangstür dazwischen. Das Obergeschoss hat insgesamt fünf Fenster.

Steingasse 19

1864 legte der Kaufmann Anton Köhler einen von Bernhard Hoffmann gezeichneten Plan zum Einbau von Schaufenstern in seinem Wohn- und Geschäftshaus zur Genehmigung vor. Der Plan zeigt ein zweigeschossiges traufständiges Gebäude mit vier Fenstern im Obergeschoss und zwei Eingängen mit dazwischenliegenden Schaufenstern im Erdgeschoss. Vor dem Anwesen befand sich ein eigener Gehsteig mit je einem rechten und linken Abweisstein. 1944/45 wurde das gesamte Anwesen durch Luftdruck verschiedener Bombenangriffe beschädigt. Der Dachausbau erfolgte wohl im Zuge der Instandsetzungsarbeiten der Fassade nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Aufteilung des Erdgeschosses blieb trotz der Modernisierung des Geschäftes erhalten. Der Hauseingang liegt auf der linken Seite, rechts befinden sich zwei Schaufenster mit Ladeneingang dazwischen. Im Fachwerkobergeschoss gibt es vier Fenster mit profilierter Holzrahmung und kräftig profilierten Sohlbänken auf Konsolen. Auf dem steilen Satteldach sitzt ein im Verhältnis zur Fassade großes Zwerchhaus mit Walmdach, es wird von zwei kleinen Gauben flankiert. Das traufständige, zweigeschossige Gebäude mit Satteldach und einem Zwerchhaus gehört zu einem in der Steingasse noch mehrmals anzutreffenden Bautypus, der Ende des 17. Jh. bis weit in das 18. Jh. gebräuchlich war.

Steingasse 20

Der Handelsmann und Papierfabrikant Alois Dessauer ließ sich 1804 ein Wohn- und Geschäftshaus von dem kurfürstlichen Baumeister Emanuel Josep von Herigoyen planen, der mit diesem Neubau seine Bautätigkeit in Aschaffenburg beendete. Er zeichnete einen traufständigen, sieben Achsen breiten Satteldachbau mit repräsentativer Fassade. Bis 1855 befand sich in dem Gebäude das Büro der Aschaffenburger Buntpapierfabrik. 1894 wurden im Hof des von der Volksbank genutzten Gebäudes eine kleine Waschküche und drei schmale Holzlegen errichtet. 1937 wurde links der Durchfahrt ein Laden eingerichtet und ein russischer Kamin an der Seite zu Haus Nr. 18 eingebaut. Der zweigeschossige, massive Bau hat eine symmetrisch gestaltete verputzte Fassade mit Gliederungen aus Rotsandstein. Die Gebäudekanten sind im Erdgeschoss mit genuteten Lisenen versehen. In der Mitte liegt eine rundbogige Durchfahrt, die ebenfalls von genuteten Sandsteinquadern gerahmt ist. Das Portal und die darüber folgenden drei Achsen springen leicht risalitartig vor. Das Erdgeschoss schließt mit einem Gurtgesims ab. Die Fenster des 1. Obergeschosses sitzen auf einem Sohlbankgesims auf, die mittleren drei sind mit profilierter, gerader Verdachung versehen. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind quadratisch. Das Traufgesims hat Volutenkonsolen. Der Mittelrisalit war von einer Attika bekrönt, auf der vier allegorische Sandsteinfiguren standen, deren Verbleib ungeklärt ist. Ursprünglich war die Binnengliederung so organisiert, dass sich im Erdgeschoss die Räume um die in der Mittelachse befindliche Durchfahrt gruppierten. Die Treppe zu den Obergeschossen liegt auf der Hofseite. Zur Straße hin waren die Wohnzimmer und zum Hof die weniger repräsentativen Räume wie Küche und WC ausgerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das gesamte Haus schwer getroffen. Nach der Instandsetzung wurden 1947 auf der rechten Seite Schaufenster eingebaut und 1950 die Ladeneingänge geändert. 1966 bestanden kurzzeitig Bestrebungen, das Anwesen abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, was jedoch verhindert werden konnte. 1977/78 erfolgten Umbauten im Innern des Gebäudes, wobei die Grundrisse dahingehend geändert wurden, dass in jeder Etage zwei Wohnungen entstanden. Die Läden im Erdgeschoss blieben erhalten.

Steingasse 21

Der Messerschmied Peter Hüfner errichtete 1840 in dem Anwesen des ehem. „Schallbruchisch-Erbischen Hauses“ einen zweigeschossigen Werkstatt-Neubau mit Pultdach an der Grundstücksgrenze zu Haus Nr. 19. 1876 ließ der Kürschner Anton Eduard Weber die Fassade des Wohn- und Geschäftshauses verändern und im rückwärtigen Bereich weitere Nebengebäude errichten. 1924 erfolgte durch Heinrich Lamotte die Anhebung des Daches des 1840 erbauten zweigeschossigen Rückgebäudes für einen Trockenraum. Glasschaufenster wurden 1927 für den Laden im Erdgeschoss eingebaut. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden die Dächer des Vorder- und Hinterhauses beschädigt. Das Gebäude zeigt sich heute im Wesentlichen so, wie es in der 1. Hälfte des 19. Jh. errichtet worden war: als zweigeschossiger Satteldachbau mit einem verputzten Fachwerkobergeschoss mit vier Fenstern über einem modernisierten Ladenerdgeschoss. Im Dach gibt es zwei Gauben und ein mittiges Zwerchhaus mit Krüppelwalm.

Steingasse 27

Das dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus mit breit gelagerter Fassade über fünf Achsen wurde wohl laut einer Bezeichnung über dem Sturz des in der Mittelachse der Fassade gelegenen Eingangsportals 1782 errichtet. Bauliche Veränderungen sind seit der 2. Hälfte des 19. Jh. dokumentiert. 1873 hat man das Dach des Rückgebäudes angehoben und den gewonnenen Raum für Wohnzwecke genutzt. 1875 wurde im Hof eine Dunggrube angelegt und 1889 im Rückgebäude eine Bäckerei für Bäckermeister Jakob Sturm eingerichtet sowie der Einbau eines Ladens im Vorderhaus genehmigt. Dafür wurden auf der linken Hausseite eine Tür und Schaufenster eingebrochen. 1898 wurde auf der rechten Seite ein weiterer Laden mit zwei Schaufenstern und Gusseisensäulen geschaffen. Der linke Laden wurde 1936 ein weiteres Mal umgebaut und erhielt dann ein großes Schaufenster. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftdruck das Dach des Gebäudes abgedeckt und die Fenster eingedrückt. Das Gebäude erlitt vergleichsweise leichte Schäden, die 1948 instand gesetzt werden konnten. Ein neuer Kamin wurde errichtet und 1952 im Erdgeschoss links ein Schaufenster erneuert. Ein profiliertes Geschossgesims trennt das Erdgeschoss von den Obergeschossen. In den verputzten Fachwerkobergeschossen ist die bauzeitliche Konstruktion erhalten. Die Fenster sind mit geohrten Gewänden mit Schlusssteinen gerahmt. Die Sohlbänke werden im 1. Obergeschoss von Volutenkonsolen und im 2. Obergeschoss von einfachen Konsolen getragen. Das Traufgesims ist stark profiliert und steht weit über. Im Erdgeschoss ist die spätbarocke Eingangstür mit profilierter und geohrter Rahmung erhalten. Im Schlussstein findet sich die genannte Jahreszahl. Die Türblätter aus Eichenholz sind eine Veränderung der Biedermeierzeit. Trotz der mehrfachen Modernisierung der beiden Ladeneinheiten im Erdgeschoss hat das Gebäude den Charakter eines spätbarocken Palais beibehalten und ist ein wichtiges architektonisches Zeugnis aus dem Ende des 18. Jh. in der Steingasse.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 143-148.

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