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Schloßplatz

Der Schloßplatz erhielt seinen Namen von dem ihn dominierenden Schloss Johannisburg. Vor dem Bau des Schlosses ist die Bezeichnung als „Platz vor der Burg“ bereits für das Jahr 1328 urkundlich überliefert. Während im Stadtplan von 1809 noch unterschieden wird zwischen kleinem und großem Schloßplatz, werden heute sowohl die freie Fläche am Ende von Schloß- und Webergasse, als auch der Raum zwischen dem Schloß und dem Finanzamt (Schloßplatz 7) und die Fläche zwischen Jesuitenkirche und den Gebäuden Nr. 3 und 5 Schloßplatz genannt.

Schloßplatz 3/5

Am nördlichen Ende der Pfaffengasse stand bis zum Ende des 19. Jh. das alte Marstallgebäude. Auf diesem Gelände wurden 1881 zwei Neubauten errichtet, die die Pfaffengasse verlängern und den Schloßplatz begrenzen. Wegen der gleichen Geschosshöhe und der stilistisch gleichen Fassadengestaltung erscheinen sie wie ein Doppelhaus. Zunächst wurde Haus Nr. 5 als Neubau für Baurat Michael Sager, Teilhaber des in Aschaffenburg vielfältig tätigen Bauunternehmens Sager & Woerner, nach Plänen des Mainzer Architekten Wilhelm Koehl errichtet. Das dreigeschossige Eckgebäude mit drei zu vier Achsen zeigt eine repräsentative Fassade mit Gliederungen aus rotem Mainsandstein im Stil eines französischen Palais des 18. Jh. Die Fassade wird vertikal durch leicht vorspringende äußere Achsen mit gekuppelten Fenstern gegliedert. In horizontaler Richtung steigert sich die Gestaltung der Fenster: Im Erdgeschoss mit einer Rahmung aus rotem Sandstein mit Brüstungsfeldern und einer von Konsolen getragenen Sohlbank versehen, sind sie im 1. Obergeschoss zusätzlich mit von geschwungenen Konsolen getragenen Verdachungen betont, während im 2. Obergeschoss das Dekor fehlt und die Fenster auf dem Sohlbankgesims sitzen. Zwischen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss verläuft ein Gurtgesims. Auf der zum Schloss gerichteten Seite ist die linke Fensterachse im 1. Obergeschoss zu einem Erker ausgebildet, der im 2. Obergeschoss als Balkon dient. Der aus Rotsandstein gefertigte Erker wird von kräftigen, profilierten Konsolen getragen und von vier schmalen Fenstern belichtet. Unter der deutlich hervortretenden Traufe verläuft ein Zahnfries. Das Dach ist nur einseitig mit einem Walm versehen, denn auf der linken Seite schließt Haus Nr. 3 an; beide Häuser sind durch eine über das Dach tretende Brandwand voneinander getrennt.

Das Haus Nr. 3 wurde im gleichen Jahr, jedoch nach Fertigstellung von Nr. 5, 1881 als Wohnhaus für Dr. Bittinger von Architekt Ignaz Henfling errichtet. Das fünf Achsen breite Wohnhaus wurde der Nr. 5 in Größe und Stil angepasst; Geschosshöhen und Fensterformate sind gleich. Die Fassade ist ebenfalls wohlproportioniert und reich gegliedert. Eine Rhythmisierung wird erreicht, indem der mittlere Teil mit den drei zu einer Gruppe zusammengefassten Fensterachsen leicht in der Flucht zurückgesetzt ist und sich die beiden äußeren in ihrer Gestaltung unterscheiden. Die Fenster im Erd- und 1. Obergeschoss sind mit Brüstungsfeldern versehen, die Sohlbänke werden von geschwungenen Konsolen getragen. Im 1. Obergeschoss sind die Fenster mit einer plastischen Rahmung aus Brüstung, profiliertem Sohlbankgesims, Gewände und von Konsolen getragener Giebelverdachung gestaltet, wobei die Fenster der beiden äußeren Achsen mit einer Segementbogenverdachung versehen sind. Im 2. Obergeschoss ist die Gestaltung der Fenster deutlich schlichter gehalten. Sie sind mit einem geohrten Sandsteingewände versehen und mittels eines durchlaufenden Sohlbankgesimses miteinander verbunden. Zwischen Erd- und 1. Obergeschoss verläuft ein Gurtgesims. Beim Bombenangriff am 21. November 1944 erlitten beide Gebäude im Bereich des Daches durch Luftdruck starke Schäden, wobei u. a. Wände, Fenster und Türen zerstört wurden. Die als Doppelhaus errichteten beiden Gebäude sind ein Blickfang am Ende der Luitpoldstraße und bilden am Schloßplatz im Bereich des ehem. Marktplatzes einen wichtigen städtebaulichen Abschluss.

Schloßplatz 7

Der viergeschossige Eckbau auf winkligem Grundriss wurde 1904/05 nach Plänen des Oberbaurates Freiherr von Schacky im Stil der Neurenaissance an der Stelle des sich aus drei älteren Einzelgebäuden zusammensetzenden ehem. Rentamtes errichtet. Bis auf das Sockelmauerwerk und die Portale, die aus Muschelkalk gefertigt wurden, sind die übrigen Fassadenflächen aus gelbem Sandsteinmauerwerk erbaut. Der mächtige, aus zwei im rechten Winkel zueinandergestellten Gebäudeflügeln bestehende Bau war ursprünglich von großen Volutengiebeln geprägt, für die möglicherweise die Renaissancegiebel der nahe gelegenen Häuser Schloßgasse 8 („Deutsches Haus“) und Webergasse 3 Pate standen, gleichzeitig waren sie eine Reminiszenz an den gegenüberliegenden Schlossbau. Diese Giebel wurden 1967, nachdem das Gebäude 1944/45 schwere Schäden am Dach und im Bereich des Flügels zur Fürstengasse erlitten hatte, abgetragen. Der zum Schloss gerichtete Flügel ist sieben Achsen lang. An der Fassade zum ehem. Markt befindet sich ein im 1. Obergeschoss ansetzender Eckerker. Über den ersten drei Achsen befand sich der Giebel, welcher nur noch in der Höhe einer von ursprünglich drei Fensterreihen erhalten ist. Das ehemals steile Satteldach ist zu einem niedrigen Mansarddach verkürzt worden. Der Haupteingang befindet sich in der Mitte des ehemals übergiebelten Risalits und ist mit einer aufwendigen Architekturrahmung versehen. Über dem rundbogigen Eingang sitzt ein gekuppeltes Fenster. Der Flügel entlang der Schloßgasse ist in ähnlicher Form gestaltet. Auch hier war der linke Gebäudeteil mit einem Giebel versehen. In der Mittelachse ist im 3. Obergeschoss ein rechteckiger Erker mit vier schmalen Fenstern angefügt. Das gesamte Gebäude erhebt sich auf einem hohen rustizierten Erdgeschoss. Die regelmäßig auf der Fassade angeordneten Fenster haben profilierte Gewände, die des 3. Obergeschosses zusätzlich gerade Verdachungen. Auf weiteren plastischen Fassadenschmuck wurde zugunsten der homogenen Wirkung des bemerkenswerten Baus verzichtet. An der westlichen Gebäudeecke ist zwischen 1. und 2. Obergeschoss eine steinerne Madonnenfigur auf einer Konsole unter einem Baldachin angebracht. Sie stammt noch von dem Vorgängerbau aus dem 16. Jh., auf den ein darunter angebrachter Eckquader mit einem diesen Bau darstellenden Relief und der Inschrift „Altes Stadtrentamt / Erbaut 1593, abgebrochen 1903“ hinweist.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 134-141.

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