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Schweinheimer Straße

Die Schweinheimer Straße beginnt an der Kreuzung, an der Wermbach-, Alexandra- und Lamprechtstraße aufeinandertreffen. Sie führt als Ausfallstraße in südlicher Richtung aus der Stadt heraus, überquert die Bahnstrecke nach Miltenberg und führt in das ehem. Pfarrdorf Schweinheim, das 1939 zur Stadt Aschaffenburg eingemeindet wurde. Die Straße erhielt wohl nach 1880 diesen Namen. Einen aus der Stadt herausführenden Fahrweg hat es zuvor schon gegeben, jedoch wurde er in keinem der früheren Pläne speziell bezeichnet.

Schweinheimer Straße 11

Der Pavillon an der Straßengabelung Schweinheimer Straße/Brentanostraße wurde 1953 von der Stadt errichtet. Das eingeschossige Gebäude vereinigt mehrere Funktionen in sich: es ist Trafostation, Buswartehalle, Kiosk und Bedürfnisanstalt (1981 eingerichtet). Auffällig ist das an allen Seiten weit überstehende, schlanke Flachdach, welches mit einem flachen Dachaufbau versehen ist. Mit seinem gekrümmten Grundriss reagiert der Bau auf den Platz und die radial auf diesen zuführenden Straßen. Er hat daher städtebaulich nicht nur eine raumabschließende Wirkung zwischen den sich gabelnden Straßen, sondern auch eine gewisse platzbildende Funktion. Zum Platz hin ist er mit einer großzügigen Durchfensterung geöffnet. Die originelle Architektur von 1953 ist ein zeittypischer und eleganter Infrastrukturbau aus Beton, der trotz der inzwischen vorgenommenen kleineren Veränderungen seinen Charakter bewahrt hat.

Schweinheimer Straße 34

Die ersten Gebäude der 1904 in München von Hugo Güldner und Carl von Linde gegründeten „Güldner-Motoren-Gesellschaft“ entstanden 1907 in Aschaffenburg an der Schweinheimer Straße. Dorthin hatten die Unternehmer das Werk wegen der besseren Verkehrslage im Rhein-Main-Gebiet verlegt. Aus der Anfangszeit des Werkes stammen auch die Maschinenhalle I und die Gießerei, zwei große Fabrikationsgebäude, die 1907 auf dem neuen Werksgelände errichtet wurden. Beide Hallen stehen in Nord-Süd-Ausrichtung parallel nebeneinander. Die Maschinenhalle I an der Dessauer Straße, mit 110 m Länge die größte von drei Maschinenhallen, wurde aus gelben Backsteinen errichtet. Sie verfügt über 28 Fensterachsen an den Längsseiten. Die stichbogigen Fenster sind in zwei Reihen übereinander angeordnet und durch ein fassadenbündiges Band aus Rotsandstein optisch voneinander getrennt. Die Sohlbänke sind ebenfalls aus rotem Mainsandstein gearbeitet und wie ein durchlaufendes Band miteinander verbunden. In vertikaler Richtung ist die Fassade durch gemauerte, deutlich hervortretende Lisenen gegliedert. Die Halle hat einen basilikalen Querschnitt, d. h. der Mittelteil ist etwas erhöht. Die ursprüngliche Giebelseite hatte daher einen gegliederten Aufbau mit fast repräsentativem Charakter. Die äußeren, niedrigeren Bereiche umfassten drei Achsen, dann folgte je eine türmchenartig ausgearbeitete Achse und der vierachsige Mittelteil war mit einem weiten Rundbogen abgeschlossen. Die nur 72 m lange Halle der Gießerei umfasst zwölf Fensterachsen und ist vom Typ her der großen Maschinenhalle I ganz ähnlich. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werksgelände der Güldner-Motorenwerke stark beschädigt. An der Maschinenhalle I wurden der Giebel und die ersten Felder der Längsmauer an der Dessauer Straße und der Hofseite eingedrückt und zerstört. Nachdem unmittelbar nach Kriegsende der Betrieb in notdürftig hergerichteten Hallen wieder aufgenommen wurde, konnte 1948 die Maschinenhalle I von Architekt Karl Jung wieder aufgebaut werden. Dabei wurden an der Konstruktion keine wesentlichen Änderungen vorgenommen. Formal erfuhr der Giebel hingegen eine deutliche Umgestaltung, die mit Materialeinsparungen begründet wurde. Der rekonstruierte Giebel verfügt weiterhin über die bisherige Anzahl von Fensterachsen, die Fenster sind allerdings nicht mehr über zwei Ebenen verteilt, sondern nehmen die gesamte Fassadenhöhe ein. Er entspricht somit nicht mehr der Formensprache der Wende vom 19. zum 20. Jh., trägt aber sichtbar die Spuren der Geschichte.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 142-143.

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