Skip to content

Schloßplatz – Das Schloss Johannisburg

Schloßplatz 4 – Schloss Johannisburg

Das Schloss Johannisburg wurde zwischen 1605 und 1614 nach Plänen des Baumeisters Georg Ridinger im Auftrag von Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg errichtet. Es erhebt sich oberhalb des Mains am rechten Ufer auf einer Terrasse am nord – westlichen Ende der Oberstadt. An der Stelle des heutigen Renaissanceschlosses stand eine mittelalterliche Burg mit einer Johannes d. T. geweihten Kapelle, die namensgebend für Burg und Schloss war. Auch die heutige Schlosskapelle hat dieses Patrozinium beibehalten. Wegen seiner exponierten Lage ist das Schloss von allen Seiten gut sichtbar und prägt insbesondere vom Main her das Stadtbild auf beeindruckende Weise.

Baubeschreibung:

Georg Ridinger entwarf das Schloss als monumentale Vierflügelanlage mit Ecktürmen um einen fast quadratischen Innenhof. Der unverputzte Bau wurde aus örtlichem rotem Mainsandstein errichtet, die Dächer sind mit Schiefer gedeckt. Alle vier Flügel sind dreigeschossig und haben fast gleichwertig gegliederte Fassaden und einen Ziergiebel, einzig am Nordwestflügel ließ sich die nahezu perfekte Symmetrie des Baus wegen der Beibehaltung des mittelalterlichen Bergfrieds nicht einhalten. Die Ecktürme springen aus der Fassade leicht vor. Der Bergfried nimmt den Nordflügel zur Hälfte ein und steht außerhalb der Mittelachse, er bildet den fünften Turm der Schlosssilhouette. Die Haupteinfahrt zum Schlosshof befindet sich im Südflügel, eine weitere im Nordflügel, die Durchfahrt im Ostflügel wurde erst im späten 18. Jh. geschaffen. Im Innenhof sind in den Ecken Treppentürme angefügt. Vor der zum Main gerichteten Westfassade befindet sich eine durch eine hohe Quadermauer abgestützte Terrasse. Sie ist von einer Sandsteinbalustrade umgeben. Etwa in der Mitte der Mauer ist ein von zwei Genien gehaltenes Wappen von Schweikard eingearbeitet. Darüber befand sich ursprünglich die Sandsteinfigur des hl. Johannes d.T., die 1805 ins Schöntal gebracht wurde, aber nicht mehr erhalten ist. Auffällig ist die gleichmäßige und klare Gliederung der Fassaden, die nur in untergeordneten Details abweicht, welche die einheitliche Gesamtwirkung nicht beeinflussen. Die Flügel verfügen über elf, einschließlich der Ecktürme über 15 Achsen. Die ausschließlich horizontale Gliederung erfolgt durch geschosstrennende Gurtgesimse, unter denen ein einfacher Fries verläuft, der im Bereich der Fenster mit Beschlagwerkornament versehen ist. Die Geschosse sind gleich hoch und haben jeweils die gleichen Fensterformate. Allerdings sind diese mit einer flach aus der Fassade hervortretenden Rahmung versehen, die in den drei Geschossen variiert. Eine leicht angedeutete Hierarchie ist in der aufwendigeren Ausgestaltung der fürstlichen Wohnetagen zu erkennen. Im Erdgeschoss weist die profilierte Rahmung eine Bekrönung aus Beschlagwerkformen auf; im 1. Obergeschoss folgt eine gebrochene Segmentverdachung, bei der zwischen den Giebelschenkeln das Mainzer Rad auf einer Konsole dargestellt ist, zwischen Fensterrahmung und Giebel verläuft ein Fries mit den Eisenhüten des Kronberger Wappens; im 2. Obergeschoss sind die Fenster mit einem offenen Dreiecksgiebel bekrönt, dessen Giebelfeld mit Beschlagwerk gefüllt ist, auch hier findet sich zwischen Fensterrahmung und Giebel ein Fries, der mit Triglyphen und Beschlagwerk verziert ist. Während sich im Kellergeschoss nur in jeder zweiten Achse ein Doppelfenster befindet, sitzen im Dach in jeder Achse zwei Gauben übereinander.

Außer am Nordflügel wird die Mitte der Fassaden durch einen reich gegliederten Zwerchgiebel akzentuiert, der durch Gesimse in drei Ebenen unterteilt ist. Die unteren beiden verfügen über ein mittiges Doppelfenster, welches in der untersten Ebene von kannelierten Pilastern und leeren Muschelnischen flankiert wird, in der mittleren Ebene sind es Hermenpilaster. Beide Ebenen sind jeweils seitlich mit Volutenstücken und Rollwerk verziert. Den äußeren Abschluss bilden Obelisken. Die oberste Ebene ist mit einem Rundfenster mit Rollwerkrahmung, flankiert von Obelisken, versehen. Bekrönt ist der Zwerchgiebel mit einem Muschelgiebel mit drei Obelisken. Die vier Ecktürme haben in den unteren drei Geschossen die gleiche Gliederung wie die Fassaden. Darüber folgen ab der Traufe der Flügel drei etwas gedrungene Geschosse mit je zwei fast quadratischen Doppelfenstern, deren Rahmung Rollwerk aufweist. Das 7. Geschoss tritt leicht zurück und ist mit einem Umlauf auf geschwungenen Maskenkonsolen mit Sandsteinbrüstung umgeben. Das Motiv der Masken wiederholt sich auf den Pfeilern der Balusterbrüstung. Dieses Geschoss hat nur ein einziges Fenster. Darüber folgt ein niedriges achteckiges Geschoss, welches den Übergang zur oktogonalen Haube mit Laterne bildet. In der Mitte des Südflügels befindet sich das in den Schlosshof führende Hauptportal. Es ist in kräftiger Rustika ausgeführt. Die Türöffnung ist rundbogig und trägt im Schlussstein eine Maske. Je ein Säulenpaar flankiert das Portal. Sockel und Schäfte der Säulen sind kreuzweise mit Steinbändern umfasst, deren Schnittpunkte mir runden Buckeln besetzt sind. Die Säulen tragen je ein Gebälkstück, auf dem heute die Platte des Balkons ruht, der erst unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal angebracht wurde. Zuvor befand sich anstelle der auf den Balkon führenden Tür eine große Kartusche mit dem Wappen von Schweikard, welches in die Ruine im Schöntal verbracht wurde, wo es verloren ging. Die die Balkontür flankierenden Hermenpilaster mit Kronberger Helmzier sind allerdings ursprünglich. Bemerkenswert sind die hölzernen Torflügel mit Schnitzwerk in architektonischen Formen der deutschen Renaissance, die von Hofschreiner Jörg Kayser gefertigt wurden.

Zum Portal führt über den Graben eine gemauerte Brücke mit Balusterbrüstung. Auch diese wurde in der Zeit Friedrich Carl Joseph von Erthals errichtet. Die ursprüngliche Brücke des 17. Jh. war etwas schmaler, was daran zu erkennen ist, dass die beiden Atlanten, welche die Doppelsäulen des Hauptportals tragen, halb verdeckt sind. Gegenüber dem Portal stand am anderen Ende der Brücke ein Vortor, dessen Fundamente noch erhalten und im Graben sichtbar sind. Dem Hauptportal gegenüber gibt es ein weiteres Portal im Nordflügel. Es ist ebenfalls rundbogig, jedoch deutlich schlichter gestaltet. Beide Durchfahrten im Süd- und Nordflügel sind mit Kreuzgewölben versehen, die mit geometrischen Feldern mit Beschlagwerk stuckiert sind. Dieser Stuck ähnelt den Arbeiten des Eberhard Fischer in der nahen Jesuitenkirche. Eine dritte Durchfahrt zum Schlosshof wurde während der einschneidenden Umbauten zur Zeit Friedrich Carl Joseph von Erthals durch seinen Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen im Ostflügel geschaffen. Um einen Zugang zu einem neu eingebauten Treppenhaus zu ermöglichen, wurde in der Mitte des Flügels das dritte Portal eingeschlagen und dafür der Graben an dieser Seite verfüllt. Der spätere Einbau ist kaum wahrnehmbar, da das Portal stilistisch dem Renaissancebau angeglichen wurde. Im Innenhof sind die Fassaden wie die des Außenbaus gegliedert. Ost-, Süd- und Westseite haben Zwerchgiebel gleich den Giebeln der Außenfassade. An der Nordseite befindet sich der Bergfried. In den Ecken des Innenhofes stehen vier polygonale Treppentürme, die mit drei Achteckseiten in den Schlosshof ragen, bis in den Dachraum reichen und mit einer Haube abgeschlossen sind. Die Gestaltung der Fenster in den Ecktürmen entspricht der der Fassaden, im 3. Obergeschoss haben sie Rollwerkrahmungen. Die Portale der Türme sind in Rustika ausgeführt und mit Pilastern flankiert, deren Sockel und Schäfte mit gekreuzten Steinbändern umfasst sind, ein Motiv, das vom Hauptportal übernommen wurde. Die Pilaster tragen einen Architrav, der mit Beschlagwerk verziert ist, darüber befindet sich in der Mitte ein mit radialen Keilsteinen gerahmtes Rundfensterchen, umgeben von Rollwerk.

In den Treppentürmen führt eine Wendeltreppe aus Sandstein zu den Geschossen. Sie ruht auf je drei Diensten, die im Obergeschoss zu einem kunstvollen Knoten aus Sandstein verwunden sind. Die Treppentürme schließen im Innern mit einem Kuppelgewölbe mit sternförmiger Rippenfiguration. Eine Besonderheit findet sich am Fuß des südwestlichen Treppenturms, hier steht ein steinerner Löwe mit dem Wappen des Erbauers. Die Türblätter sind mit ähnlich aufwendigem Schnitzwerk versehen wie die des Hauptportals. Vor dem Westflügel befand sich ursprünglich ein Arkadengang, der in der Erthal-Zeit entfernt wurde. Heute sind hier noch zwei Säulen dieses Arkadenganges zu sehen. Ähnliche Arkaden befanden sich auch vor dem nordöstlichen Treppenturm. Der von der mittelalterlichen Burg übernommene, in den Westflügel integrierte Bergfried ist innen und außen stark verändert. Er ist verputzt und mit Eckquadern aus Sandstein versehen. Die Fenster sind im 17. Jh. denen der Fassade angeglichen worden. Das steile Walmdach des Bergfrieds wurde 1826 neu hergestellt. Es entspricht den überlieferten Abbildungen aus dem 16. Jh. Ob die kuppelähnliche Haube, wie auf dem Stich von Georg Ridinger zu sehen, in Angleichung an die vier Ecktürme je ausgeführt worden war, ist nicht geklärt. Ebenfalls 1826 wurde auf der Hofseite eine große Dachgaube angebracht, die wie auch der Dachreiter nach dem Zweiten Weltkrieg nicht rekonstruiert worden ist.

Die durch die Stiche von Georg Ridinger gut dokumentierte ursprüngliche Aufteilung der Schlossräume ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Zum einen wurden die Räume unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal und unter seinem Nachfolger Carl von Dalberg umgebaut und verändert, zum anderen wurde das Schloss während des Zweiten Weltkrieges so stark beschädigt, dass im Frühjahr 1945 nur die Außenmauern der ausgebrannten Ruine stehen blieben. Beim Wiederaufbau wurde vor allem die Rekonstruktion des Außenbaus verfolgt. Die Raumaufteilung des 18. Jh. wurde nicht wieder hergestellt, sondern dem musealen Nutzen des Schlosses angepasst. Heute befinden sich im Schloss Johannisburg die Sammlungen von drei Museumsinstitutionen: die Galerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung mit etwa 260 Gemälden, die Schauräume der Bayerischen Schlösserverwaltung mit erhaltenen Ausstattungsstücken und der Sammlung der Korkmodelle antiker Bauten sowie das städtische Schlossmuseum mit Objekten aus dem weltlichen Bereich die Stadtgeschichte betreffend wie das Dämmer Porzellan der Dämmer Steingutfabrik des 19. Jh. Die zwischen Westturm und Bergfried eingegliederte Schlosskapelle ist heute der einzige Raum, der sein Erscheinungsbild seit Errichtung des Schlosses im 17. Jh. bewahrt hat. Der rechteckige Raum zu fünf Jochen umfasst das Erd- und das Obergeschoss. Er ist mit einem nachgotischen Netzgewölbe, welches auf Renaissancekonsolen ruht, geschlossen. Dieses war beim Brand des Schlosses im Krieg eingestürzt und wurde 1963 durch die Steinmetzschule rekonstruiert. Die Kapelle hat auf beiden Schmalseiten Emporen, die im Stich von Ridinger als „Porkirchen“ bezeichnet sind. Die westliche diente als Oratorium für Angehörige des Hofes und ist von den Schlossräumen aus zugänglich. Die östliche Empore war für Sänger und Musiker bestimmt. Die hohen Fenster der Kapelle haben einen geraden Sturz und Mittelpfosten mit doppeltem Kreuz aus Sandstein.

Das Portal zur Kapelle befindet sich im Schlosshof rechts neben dem westlichen Treppenturm. Es ist ganz im Stil der Renaissance ausgeführt und wohl unter Mitwirkung des Bildhauers Hans Junker entstanden. Die rundbogige Türöffnung wird von zwei Säulenpaaren flankiert, die Gebälkstücke tragen, über denen segmentbogige Giebelstücke angebracht sind. Die Säulen sind im unteren Drittel mit Beschlagwerk versehen, der übrige Schaft ist kanneliert. Das Beschlagwerkmotiv wiederholt sich im Fries über dem Gebälk und in den Segmentgiebelstücken. Zwischen den Säulen sind Muschelnischen mit zwei Figuren ausgebildet, links Johannes d.T., rechts Johannes Evang. Über der Tür, quasi als Supraporte, befindet sich ein bemerkenswertes Relief mit der Darstellung der Taufe Christi. Den Auszug bildet ein Segmentgiebel, der von einer Marienfigur bekrönt ist. Während die Kanzel der Kapelle beim Einsturz des Gewölbes stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, hatte man den Altar durch eine Mauer geschützt, weswegen er weitgehend unbeschädigt blieb. Beide Werke werden dem Bildhauer Hans Juncker zugeschrieben. Der mehrteilige Altar wurde aus unterschiedlich farbigem Marmor zwischen 1609 und 1614 gefertigt. Es handelt sich dabei um einen architektonischen Aufbau mit einer Fülle von Reliefs und Figuren. Den Mittelpunkt bildet eine fast vollplastische Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Magdalena in einer rundbogigen Nische. Über dieser Gruppe halten zwei Engel eine Kartusche mit dem Monogramm Christi. Rechts und links der zentralen Szene sind je vier quadratische Relieftafeln mit Darstellungen der Passion Christi angebracht. Zwei weitere Tafeln befinden sich in der Predella. Über dem Mittelteil folgt ein reicher Aufsatz, der bis unter das Gewölbe reicht. Hier findet sich ein Relief mit der Auferstehung Christi. Es wird flankiert von zwei Pilastern, vor denen die zwei Engelsfiguren mit Kreuz bzw. Geißelsäule stehen. Abgeschlossen wird der Aufsatz mit einem gebrochenen Giebel, auf dessen Schenkeln Engel sitzen, dazwischen das Wappen von Erzbischof Johann Schweikard. Korinthische Säulen trennen das Mittelfeld von den Seitenteilen. In Muschelnischen stehen der hl. Martin und der Auftraggeber des Renaissanceschlosses Johann Schweikard im bischöflichen Ornat mit dem Modell des Schlosses auf der rechten Hand. Die Seitenteile sind mit Giebelstücken bekrönt, auf denen Engel, Festons haltend, sitzen. Über den korinthischen Säulen stehen kleine Figuren der beiden Johannes. Die 1618/19 fertiggestellte, ebenfalls reich dekorierte Kanzel ist aus grauem Tuff gemeißelt, die Figuren sind aus Alabaster, Friese und weitere Details bestehen aus rotem Marmor. Der halbrunde Korpus steht auf einem Pfeiler mit Nischen, vor denen drei Figuren gelehnt stehen. Auf der Kanzelbrüstung sind als Hochreliefs die vier lateinischen Kirchenlehrer und Christus als Weltenlehrer dargestellt. Dazwischen stehen als Vollplastiken die vier Evangelisten sowie Petrus und Paulus. Die Treppenbrüstung der Kanzel ist mit einem Putto, der eine Akanthusranke hält, dekoriert. Der obere Teil zeigt einen Engelskopf mit Rankwerk.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 136-141.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.