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Schloßgasse

Die Schloßgasse verläuft parallel zur Pfaffengasse zwischen Schloßplatz und Dalbergstraße und ist eine Hauptader auf der die Altstadt aufnehmenden Erhebung, der Oberstadt. Gemeinsam mit der Pfaffengasse gehört sie zu den Straßen, die wohl im Zusammenhang mit einer ersten bürgerlichen Ansiedlung im Umfeld der Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau, die die älteste in Aschaffenburg ist, angelegt wurden. Ihr Name wird im Allgemeinen mit der Lage an dem unter Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg erbauten Schloss erklärt. Vor dessen Errichtung im 16. Jh. wurde sie „Große“ oder „Neue Webergasse“ genannt, da sie gemeinsam mit der Webergasse ein ehem. Quartier von Textilhandwerkern um schließt.

Schloßgasse – Nepomukfigur

Die Sandsteinfigur des hl. Johann Nepomuk ist eine Stiftung der Aschaffenburger Fischerzunft und war 1751 auf der Brüstung des „Fischerbrückchens“ in der Nähe des Welzbachs nahe der stadtseitigen Auffahrt zur Mainbrücke aufgestellt worden. Mit dem Ausbau der Löherstraße wurde die Figur an die Mauer des Fecher’schen Anwesens versetzt und später beim Abbruch der alten Mainbrücke 1889 an den Pfarrer der Muttergottespfarrkirche verkauft und von diesem zunächst im Pfarrgarten, Webergasse aufgestellt, bis sie 1964 ihren Platz an der Nordseite des Glockenturms der Kirche erhielt. Die Figur steht auf einem gebauchten Sockel mit Inschrift.

Schloßgasse 10

Durch eine öffentliche Versteigerung wurde das Anwesen im Mai 1810 aus dem Areal des ehem. „Deutschen Hauses“ (Schloßgasse 8), welches als Sitz der Kommende des Deutschordens diente, herausgelöst. Nach Abbruch des unterkellerten Vorgängerbaus wurde ein Neubau für Haushofmeister Georg Sodi errichtet, der noch im Oktober desselben Jahres fertiggestellt war. Nach einem Entwurf von Konrad Bürger entstand ein massiver zweigeschossiger traufständiger Satteldachbau zu vier Achsen. 1875 wurde das Wohnhaus für den Advokaten Dr. Ferdinand Heigl um ein Stockwerk erhöht. Das ehem. Traufgesims ist heute als Gurtgesims über den Fenstern des 1. Obergeschosses noch vorhanden. Die gleichmäßige, vierachsige Fassade erfährt durch die beiden äußeren, leicht zurückgesetzten Achsen eine Rhythmisierung. Der über fünf Stufen einer Freitreppe erreichbare Eingang befindet sich auf der linken Seite. Die regelmäßig in der Fassade angeordneten hochrechteckigen Fenster heben sich von dieser durch eine schlichte Rahmung aus rotem Mainsandstein ab. Eine profilierte Traufe mit Zahnfries ist Ausdruck des späten Klassizismus des einstigen Bürgerhauses. Unter dem Gebäude befinden sich zwei Kellerräume, von denen der vordere in Firstrichtung und der hintere, etwas kleinere quer dazu steht. Von baulichen Veränderungen weitgehend verschont geblieben, entspricht das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes heute noch weitgehend dem des 19. Jh. Einzig die 1921 im Erdgeschoss für Schneidermeister Josef Heimbach eingebauten Schaufenster, die in den 1990er Jahren durch drei kleine Fenster mit Sandsteinrahmung ersetzt wurden, haben den Fassadenrhythmus verändert.

Schloßgasse 14

Ehem. Wasserloser Hof. Der im 14. Jh. errichtete zweigeschossige traufständige Satteldachbau mit deutlich auskragendem Fachwerkobergeschoss ist nachweislich eines der ältesten erhaltenen Gebäude innerhalb der historischen Bebauung der Schloßgasse. Als das Anwesen 1984 den Besitzer wechselte, war es in stark vernachlässigtem baulichen Zustand, sodass es einer durchgreifenden Sanierung unterzogen werden musste. Ein in Vorbereitung der Sanierung angefertigtes verformungsgerechtes Aufmaß und dendrochronologisches Gutachten ergaben ein Baudatum um 1365. Das als Geschossbau errichtete Fachwerkgebäude aus einem Firstständergefüge erhielt im 18. Jh. auf der Seite zur Schloßgasse ein massives Erdgeschoss aus Bruchsteinen. Die barockisierte Fassade verfügt heute über sieben eng stehende Fenster mit profilierter Sohlbank und geohrten roten Sandsteingewänden jeweils mit Schlussstein. Etwa in der Mitte des Erdgeschosses befindet sich der ebenfalls sandsteingerahmte Eingang. Rechts daneben liegt unterhalb des Fensters der Abgang zum Keller. Das auskragende Fachwerkobergeschoss ist verputzt und hat sieben hochrechteckige Fenster. Auf der hofseitigen Fassade ist vom bauzeitlichen Wandgefüge wegen zahlreicher Umbaumaßnahmen nur ein Wandständer erhalten. Unter dem heute als Gasthaus genutzten Gebäude befindet sich ein Gewölbekeller mit einer Scheitelhöhe von ca. 3 m, dessen Gewölbe sich in Firstrichtung bis unter das Nachbargrundstück Schloßgasse 16 erstreckt und nicht dem Grundriss des Hauses entspricht. Neben dem Zugang von der Schloßgasse liegt auf halber Tiefe ein kleiner Vorkeller. Der Zugang vom Haus aus wird als späterer Einbau angenommen. Im Zusammenhang mit der Räumung des Hauses in Vorbereitung der Sanierung kam es am 21. Juli 1985 zum Einsturz der Dachkonstruktion, woraufhin das gesamte Bauwerk neu errichtet werden musste.

Schloßgasse 15/17

Die 1901 durch innere Umbauten zu einem Bürgerhaus vereinigten Satteldachbauten, die seither nur durch das Treppenhaus von Nr. 15 erschlossen sind, haben eine unterschiedliche Baugeschichte. Erwähnungen des im Zinsregister von 1805/10 als Haus „Zum roten Hahnen an der Pfarrkirche“ bezeichneten Anwesens Schloßgasse 15 reichen bis ins Jahr 1482 zurück. So kann die Bezeichnung „I.P.F. 1735“ über der Tür als eine Phase von Umbauten, nicht aber als Baudatum gedeutet werden. 1929 ließ Josef Schellenberger, der kurz zuvor das Anwesen erworben hatte, eine Schreinerwerkstatt einbauen. In den Jahren 1933/34 erfolgten innere Umbauten in beiden Gebäuden. Im Zweiten Weltkrieg wurden am Vorderhaus Dach, Zwischenwände, Decken, Fenster und Türen sowie die Werkstatt durch Luftdruck beschädigt. Der dreigeschossige, traufständige Satteldachbau ist zwei Fensterachsen breit. In dem massiven Erdgeschoss liegt rechts der Eingang (gleichzeitig zu Haus Nr. 17) und links daneben ein gekuppeltes Fenster mit einfachem Steingewände. Die Obergeschosse sind aus heute verputztem, konstruktivem Fachwerk errichtet. Am Übergang vom Erd- zum 1. Obergeschoss ist ein leichter Überstand zu erkennen, jedoch ist die Fassade in ihrer heutigen Gestalt Ergebnis eines Umbaus, bei dem die vorkragenden Obergeschosse angeglichen wurden. Eine ursprüngliche Giebelständigkeit wird von Alois Grimm vermutet, ist jedoch nicht nachgewiesen. Der unter dem Gebäude befindliche Gewölbekeller, dessen Scheitel senkrecht zum First steht, könnte ein Indiz dafür sein. Der Bau des Hauses Nr. 17 wird vor 1403 angenommen, da das Haus als Nachlass von Heinrich Dubbel 1415 an das Stift übergeben wurde, der jedoch bereits 1403 verstorben war. Neuer Besitzer 1415 war der Schneider Heinrich Zuddel von Hösbach. Ein weiterer Anhaltspunkt zur Klärung der Hausgeschichte sind die Wappen an den beiden Konsolsteinen über dem Erdgeschoss. Das erste von links ist zwar nicht eindeutig zu identifizieren, hat aber große Ähnlichkeit mit einem Steinmetzzeichen auf dem Epitaph für Albert Kirchner (gest. 1541) in der Stiftskirche und dem für Bartholomäus Bleicher (gest. 1523) in St. Agatha. Da die beiden Epitaphe in der 2. Hälfte des 16. Jh. entstanden sind, schließt Grimm auf einen Hinweis von Bautätigkeit am Anwesen. Die zweite Hausmarke zeigt das Wappen derer von Hartlieb genannt Wallsporn.

1882 erfolgten Umbauarbeiten und die Überbauung des Hofes. Nach der Vereinigung mit Haus Nr. 15 1901 wurde der links befindliche Hauseingang verschlossen und ein gekuppeltes Fenster nach dem Beispiel des rechten Fensters eingebaut. Gleichzeitig wurde die Geschosstreppe ausgebaut und an das Treppenhaus von Nr. 15 angebunden. Es fanden weitere innere Umbauten statt. Wie Nr. 15 ist das Haus Nr. 17 dreigeschossig, traufständig und schließt mit einem Satteldach ab. Über einem massiven Erdgeschoss folgen auf Steinkonsolen aufsitzende, vorkragende Fachwerkobergeschosse, die verputzt sind. Im Erdgeschoss befinden sich zwei gekuppelte Fenster mit gestelzten Profilen und schneckenförmigem Anlauf. In den Obergeschossen wird die Fassade dreiachsig fortgeführt. Die Fenster sind mit einer klassizistischen Holzrahmung versehen. Im 1. Obergeschoss haben sie zusätzlich profilierte gerade Verdachungen. Die Sohlbänke werden von Triglyphenkonsolen getragen. Die Traufe ist mehrfach profiliert. Unter dem Gebäude befindet sich ein Gewölbekeller, dessen Scheitel wie beim Nachbaranwesen quer zum First gerichtet ist, wodurch auf eine ursprüngliche Giebelständigkeit hingewiesen wird.

Schloßgasse 16

Der Hofschneider Christian Schrodt bemühte sich Anfang des 17. Jh. um Überlassung des stiftseigenen Grundstücks in der Schloßgasse und errichtete, den Formen des Fachwerks nach, einen zweigeschossigen traufständigen Satteldachbau. Bei einer Umgestaltung im 18. Jh. wurde die Außenwand zur Schloßgasse im Obergeschoss ausgewechselt und mit regelmäßig angeordneten Fenstern versehen sowie das gesamte Gebäude verputzt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Fachwerk des Wohnhauses wieder freigelegt. Heute zeigt sich das Gebäude mit massivem Erdgeschoss, vorkragendem Fachwerkobergeschoss und einem recht großen Zwerchhaus. Im Erdgeschoss fällt an der linken Gebäudekante eine achteckige Sandsteinstütze mit einem ausladenden Kopfstück auf. Sie diente wohl ehemals als Unterbau eines nicht mehr vorhandenen Eckerkers. Der Eingang zum Gebäude liegt an der rechten Seite auf der zur Schloßgasse gerichteten Fassade, daneben befindet sich unter zwei hochrechteckigen Fenstern ein rundbogiger Kellerabgang. Die Giebelseite verfügt über ein etwas tiefer sitzendes gekuppeltes Fenster mit Profilrahmung. Das Fachwerk des Obergeschosses ist vor allem auf dieser Seite mit Bundpfosten mit Streben und Winkelhölzern relativ ungestört, das der Traufseite entspricht der Umbauphase der Barockzeit und zeigt keine Schmuckformen, da die Fassade zu dieser Zeit verputzt war. Die Brüstungsfelder des Zwerchhauses hingegen sind mit einem netzartigen Muster aus Andreaskreuzen und Rauten verziert. Unter dem Gebäude liegen z.T. der Keller von Nr. 14 und ein kleiner Keller mit senkrecht zum First stehendem Gewölbe. Das Anwesen ist eines der ältesten in der Oberstadt. Seit 1985 wird im Erdgeschoss des ursprünglich als privates Wohnhaus errichteten Gebäudes eine Gastwirtschaft betrieben.

Schloßgasse 19

Das wegen der vor dem Haus befindlichen Sandsteinpoller, die ehemals durch Eisenketten miteinander verbunden waren, unter dem Namen „Kettenhaus“ bekannte Anwesen wurde vermutlich nach 1780 unter Oberst von Roda zu Stoda errichtet. Der zweigeschossige Satteldachbau steht mit sechs Achsen traufständig in der Schloßgasse. Die Fenster des massiven Erdgeschosses sind mit profilierten Steingewänden gerahmt, die des verputzten Fachwerkobergeschosses haben eine geohrte Rahmung aus Holz. Unter der Traufe verläuft ein kräftiger Zahnfries. Da die mittleren drei Fensterachsen etwas näher zueinander gerückt sind, erfährt die ansonsten schlichte Fassade in diesem Bereich eine gewisse Betonung ähnlich einem Risalit. Hinter der Dreierfenstergruppe im Obergeschoss hat sich ehemals ein die Breite der drei Fenster einnehmender kleiner Saal bzw. Salon befunden. Die Aufteilung der Räume wurde jedoch während eines Umbaus 1902 verändert. Der Eingang zum Gebäude befindet sich auf der rechten Giebelseite, er ist über ein barockes Portal, welches zwischen den Häusern Nr. 19 und 21 steht, erreichbar. Auf der linken Seite liegt eine Toreinfahrt, die 1954 zu einer Garage umgebaut worden ist. Das Wohnhaus hat einen Gewölbekeller, der mit Errichtung des Gebäudes Ende des 18. Jh. entstanden ist. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden Schäden an Dach, Zwischenwänden, Fenstern und Türen des Anwesens. Diese konnten bis 1960 repariert werden. Die Größe und die anspruchsvolle Ausstattung (Treppenhaus, Türen und Reste von Stuckleisten im Obergeschoss aus der Erbauungszeit) geben Hinweise auf den repräsentativen Anspruch des Gebäudes.

Schloßgasse 21

Das bei Martin Kittel ohne nähere Quellenangaben als „Ulner Hof“ bezeichnete Anwesen wurde wohl von dem Aschaffenburger Vizedom Oswald Groschlag von Dieburg 1507 gebaut. Die Fachwerkformen des Obergeschosses und des Giebeldreiecks sind laut Alois Grimm in das 1. Drittel des 16. Jh. zu datieren, was die Annahme zur Erbauung des Anwesens wenige Jahre nach 1500 bestätigt. Das zweigeschossige, ursprünglich komplett in Fachwerk errichtete Gebäude steht giebelständig zur Schloßgasse und ist drei Achsen breit. Das Erdgeschoss wurde um 1800 massiv erneuert. Rechts liegt eine spitzbogige Toreinfahrt, von der wegen ihrer Form und Profilierung angenommen wird, dass sie älter als das Gebäude selbst ist und ursprünglich aus einem anderen Anwesen stammt. Die Durchfahrt wurde in einer nicht datierten Bauphase mit einem Geschoss überbaut. Die Holztür ist neugotisch. Unter dem Anwesen befindet sich ein Gewölbekeller aus dem frühen 13. Jh. mit einem Vorkeller. Der Zugang zu diesem erfolgte über den noch heute erhaltenen Kellerabgang von der Gasse aus. 1802 wurde entlang der Grundstücksgrenze zu Haus Nr. 19 eine Scheune errichtet, die 1871 um ein Geschoss erhöht wurde und ebenfalls z.T. unterkellert ist. Von Kriegsschäden und baulichen Veränderungen in jüngerer Vergangenheit weitgehend verschont, zeigt sich das Anwesen heute noch in fast ursprünglichem Zustand und ist damit eines der wichtigsten Zeugnisse der Bebauung des 15./16. Jh. in der Schloßgasse.

Schloßgasse 27

Die dreiflügelige Anlage auf dem trapezförmigen Grundstück zwischen Schloß- und Webergasse war der ehem. Marstall der kurfürstlichen Residenz, der im 18. und Anfang des 19. Jh. als herrschaftliche Remise genutzt wurde. Der vorhergehende Marstall befand sich auf dem Gelände der Anwesen Schloßplatz 3 und 5. Der Nachfolger hat seinen baulichen Ursprung wohl in einem Kutscherhaus, welches 1730/31 errichtet wurde und möglicherweise heute noch in dem zur Webergasse gelegenen Flügel steckt. Die Arbeiten zur Errichtung des Marstalls als „neue Remise“ begannen 1749 und wurden mit der Pflasterung der Hoffläche 1758 beendet. Die als Abschluss des vor dem Schloss gelegenen Platzes errichtete Anlage bestand aus drei eingeschossigen Gebäuden. Der Mittelflügel war neun Fensterachsen breit, von denen die Mittelachse als Risalit betont war. Im Erdgeschoss waren Stallungen, im Dachgeschoss Bedienstetenwohnungen untergebracht. Daran angeschlossen waren zwei Flügel mit an den Enden abgewalmten Satteldächern. Dort befanden sich weitere Stallungen und die Wagenremisen. Zunächst wohl mit einem Satteldach errichtet, wurde der Mittelbau in der 2. Hälfte des 18. Jh. mit einem Mansarddach versehen. Ende des Jahrhunderts waren in dem Marstall etwa 40 bis 50 Pferde untergebracht. 1913 erfolgten Renovierungs- und Umbauarbeiten. Seitdem diente das Anwesen nicht mehr als kurfürstliche Remise und königlicher Marstall, sondern wurde von der bayerischen Armee zum Unterstellen von Pferden und Fahrzeugen genutzt. 1928 wurde das Gebäude als zentrale Wache für die städtische Feuerwehr umgebaut. Der bei dieser Maßnahme errichtete Schlauchturm prägte bis zu seinem Abbruch 1979 die Stadtsilhouette vom Main aus. Im Krieg schwer beschädigt, wurde das Gebäude zwischen 1979 und 1981 bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen um- und z.T. wieder aufgebaut und dient seither der Meisterschule für Steinmetzen und Steinbildhauer als Domizil. Nach dem Umbau zeigt sich die Anlage äußerlich in der historischen Form, wurde aber entsprechend der Nutzung im Innern angepasst. Im Erdgeschoss des Mittelbaus befinden sich eine geschlossene Werkhalle, das Treppenhaus und sanitäre Anlagen; im Obergeschoss liegen Zeichen- und Unterrichtsräume. In dem Flügel entlang der Schloßgasse sind Verwaltungsräume untergebracht, der Flügel an der Webergasse dient als offene Werkhalle.

Schloßgasse 28

An der Stelle, wo sich heute das stadtbekannte Traditionsgasthaus „Schlappeseppel“ befindet (Schloßgasse/Ecke Fürstengässchen), bestand bereits seit Beginn des 19. Jh. eine Wirtschaft. 1802 ließ die Witwe von Bierbrauer Sebastian Bormann ein Wohnhaus mit Schankwirtschaft für ihren Sohn, Franz Bormann, nach Plänen von Maurermeister Sebastian Mang errichten. Da Franz Bormann sein Bier im „Karpfen“ in der Löherstraße braute und zu seiner neuen Schankwirtschaft bringen musste, baute er sich 1803 entlang des Fürstengässchens ein Brauhaus. Nachdem die als „Weißes Bierhaus auf dem Schloßplatz“ bekannt gewordene Brauerei verschiedentlich den Besitzer gewechselt hatte, stellte 1842 Josef Steigerwald den Antrag zur Errichtung eines neuen Brauhauses anstelle des alten. Wegen eines Streits über zwei Fenster mit dem Nachbarn Adam Seitz (Fürstengasse 1) wurde der dreigeschossige Neubau erst 1851 errichtet. Zu dem Anwesen gehörten weitere Nebengebäude wie Holzlege, Schweinestall und Werkstatt sowie eine Brandweinbrennerei, die zusammen mit dem Hauptgebäude einen Hofraum umschlossen. 1869 wurde im Brauhaus eine zweite Malzdarre eingebaut und 1873 ein Eiskeller unter dem Gastraum eingerichtet. Das Brauereigeschäft schien zu dieser Zeit zu florieren, sodass Johann Adam Steigerwald zunächst 1873 ein neues, dreigeschossiges Rückgebäude winklig zu dem bestehenden Flügel errichten ließ und 1879 und 1880 um die Genehmigung zur Errichtung zweier neuer Keller bat. Eine erste größere Umbaumaßnahme erfuhr das Wohn- und Gasthaus 1907 unter der Bauherrschaft von Georg Konrad Vogel, der den Eingang zur Gastwirtschaft von der Mitte an die linke Seite des Gebäudes verlegte und im Zuge dessen den Gastraum vergrößerte.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden alle Gebäude auf dem Anwesen durch Luftangriffe beschädigt. Das ehem. Anwesen Nr. 26, welches bereits 1929 der Brauerei angegliedert worden war, wurde 1960 abgebrochen und in gleicher Breite neu gebaut und die Fassade der bestehenden Nr. 28 angeglichen. Seither ist die Fassade zur Schloßgasse sieben Fensterachsen breit. Durch Angliederung des Hauses Schloßgasse 24 wurde das Anwesen nach dem Krieg vergrößert und 1958 im rückwärtigen Bereich eine Flaschenabfüllanlage errichtet. 1961 wurde auf dem Grundstück von Nr. 24 ein dreigeschossiger Neubau errichtet, in dessen Erdgeschoss sich die Einfahrt zu Hof und Flaschenlager befindet, darüber sind Erweiterungsräume für die Flaschenabfüllanlage untergebracht und im Dachgeschoss wurden Wohnräume eingerichtet. Seit 1978 wird an diesem Standort kein Bier mehr gebraut; die traditionsreiche Gaststätte blieb erhalten. Aufgrund der wechselvollen Baugeschichte hat sich die äußere Gestalt des als Wohnhaus und Schankwirtschaft errichteten Gebäudes mehrfach verändert. Der Bau von 1802 wurde in der Flucht des gegenüberliegenden Hauses Fürstengasse 2 als zweigeschossiger, massiver Halbwalmdachbau traufständig zur Schloßgasse errichtet. Er war drei zu fünf Achsen groß, wobei die mittleren drei der fünf zur Schloßgasse gerichteten Achsen etwas enger standen, was eine Betonung der mittleren Fassadenpartie ergab und einen harmonischen Rhythmus der Fassade bewirkte. Der Eingang befand sich entsprechend in der Mittelachse. Links davon war der Gastraum der Wirtschaft, den ein Mittelgang von Wohnräumen trennte. Im Obergeschoss lagen weitere Wohnräume, wobei sich hinter den drei mittleren Fenstern ein kleiner Saal befand. Leider ohne Beleg ist eine Baumaßnahme, bei der das Gebäude ein 2. Obergeschoss erhielt, welches in Fachwerk ausgeführt wurde. Es ist anzunehmen, dass dies in der Mitte des 19. Jh. geschah, als das Anwesen um ein neues, dreigeschossiges Brauereigebäude ergänzt worden war. Seither ist der Bau mit einem Walmdach abgeschlossen.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 122-134.

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