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Saarstraße – Herz-Jesu-Kirche

Die Saarstraße ist ein kurzer Straßenzug im Stadtviertel „Österreicher Kolonie“. Die Bezeichnung der von mehrgeschossigen Mietshäusern sowie zweigeschossigen Reihen-, Einzel- und Doppelhäusern mit Garten geprägten Wohnkolonie, ist von dem dort befindlichen Österreicher-Denkmal, was an die Gefallenen von 1866 erinnert, abgeleitet. Die Straßenbezeichnungen des Viertels sind in Erinnerung an die Ereignisorte des Krieges gewählt.

Saarstraße 2 – Herz-Hesu-Kirche

Die kath. Herz-Jesu-Kirche entstand als Entlastung der Pfarrei St. Agatha, zu deren Gemeindegebiet das nach dem Ersten Weltkrieg entstandene Stadtviertel „Österreicher Kolonie“ gehörte. Mit der Planung der Kirche wurde Architekt Professor Albert Boßlet (1880–1957) beauftragt. Die Bauleitung vor Ort übernahm Architekt Franz Schmitt. Die Bauausführung oblag der Baufirma Josef Meixner aus Würzburg. Nachdem im September 1928 der erste Spatenstich zum Bau der Kirche erfolgt war, konnte die fertige Kirche nur 13 Monate später am 27. Oktober 1929 von Bischof Dr. Matthias Ehrenfried geweiht werden. Die Ausstattung wurde 1931/32 durch die Beschaffung von vier Skulpturen (Herz-Jesu und Jungfrau Maria sowie die Heiligen Antonius von Padua und Josef) vervollständigt. 1933 entstand das Apsisgemälde. Als Standort für die Kirche wurde die ehem. Kaiser-Wilhelm-Straße (ab 1949 Deschstraße) am nördlichen Rand der Großmutterwiese gewählt. Der massige, gedrungene Baukörper mit den „Doppeltürmen“ ist weithin sichtbar. Gemeinsam mit dem Pfarrhaus (ursprünglich 1925 von Albert Boßlet, nach Kriegszerstörung Wiederaufbau 1955), Kindergarten und Altersheim bildet die Kirche einen umfassenden Baukomplex am Südrand der sog. Österreicher Kolonie. Durch die unverputzten Fassaden aus scharrierten Hausteinen aus örtlichem rotem Sandstein und eingearbeiteten Ziegelschichten wirkt der monumentale Bau fast wie eine moderne Wehrkirche im Osten der Stadt. Auf Fassadendekor wurde fast gänzlich verzichtet. Die zur Saarstraße gerichtete Westfassade ist mit einem großen Kreuz in einem Blendbogen und zwei überlebensgroßen Heiligenfiguren, links der hl. Petrus, rechts der hl. Paulus, versehen. Unterhalb des Kreuzes und der Figuren befindet sich ein Flugdach, das die drei Türen des Hauptportals überdacht. Die Seitenschiffe sind etwas kürzer als das Hauptschiff und sehr hoch. Je sieben schmale Fenster belichten den Kirchenraum. Im Osten, anstelle eines Querhauses, befinden sich die beiden „Türme“, die zu einer Art „Ostwerk“ zusammengefasst sind und jeweils mit einem kleinen Zeltdach abschließen. Strebepfeiler geben dem Bau zusätzlich einen fortifikatorischen Charakter. An die kräftige Turmwand ist die niedrige, halbrunde Apsis mit Kegeldach angebaut, an der Nordseite des Chores die Sakristei. Kirchenschiff, Seitenschiffe, Türme und Apsis sind wie einzelne Baukörper aneinandergefügt – vergleichbar mit romanischen Kirchen.

Der Innenraum, ein hohes Langhaus mit sechs schmalen Öffnungen zu den Seitenschiffen, ist wie die Außenfassade schlicht gehalten. Die Gestaltung konzentriert sich auf den Chor und die Apsis. Der restliche Kircheninnenraum ist mit einem weiß gestrichenen, rauen Putz versehen und mit einer flachen Holzdecke abgeschlossen. Sechs Stufen führen zum Altarraum, der durch zwei große Gurtbögen optisch vom Langhaus getrennt und von zwei geräumigen Seitenchören gerahmt wird. Die Apsis schmückt ein Gemälde des Münchner Professors Alois Miller, welches er zunächst 1933 und erneut nach dem Krieg 1957 in leicht veränderter Form schuf. Es zeigt Christus mit ausgebreiteten Armen über weidenden Schafen, ein Motiv aus den Apsiden spätantiker Kirchen. Zur Ausstattung gehören neben dem aus Travertin-Marmor geschaffenen Hochaltar mit einem Retabel mit Silbermedaillons das an der südlichen Langhauswand hängende Kruzifix von Fried Heuler (1889–1959) aus Würzburg, der auch die Figuren Madonna mit Kind und Herz-Jesu am Triumphbogen schuf. Die Figuren der Seitenaltäre, hl. Antonius von Padua und hl. Josef, sind Arbeiten der Künstlerin Katharina Hock (1896–1979). In den Seitenschiffen befindet sich ein Kreuzweg von August Weckbecker (1888–1939). Der Zweite Weltkrieg stellte für die junge, aber stets wachsende Gemeinde einen schweren Einschnitt dar. Im Laufe des Jahres 1944 bereits durch verschiedene Luftangriffe in Mitleidenschaft hezogen, wurde ihre Kirche am 21. November von drei Bomben getroffen und dabei an der Westfassade durch einen Riss sehr schwer beschädigt. Zwischen 1946 und 1949 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche, bei dem das Dach des Kirchenschiffes bis über den Portalbau erweitert wurde. Mit der Neugestaltung der Taufkapelle links des Eingangs durch Franz Schmitt 1954 war der Wiederaufbau abgeschlossen. Die Glasfenster wurden 1958 von Helmut Albert und Willibald Blum entworfen und von der Kunstglaserei Wolpert geschaffen. Altar, Ambo und Sedilien sind ebenfalls Entwürfe von Willibald Blum. Die Kirche, weitgend im Entwurf von Boßlet erhalten, stellt ein anschauliches Beispiel vom Übergang der traditionellen zur modernen Kirchenbauweise dar.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 115-116.

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