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Kapuzinerplatz – Kapuzinerkloster und -kirche St. Elisabeth

Der Kapuzinerplatz befindet sich am nördlichen Ende der Karlstraße und war ehemals die „Kapuzinergasse“, welche zur Kapuzinerkirche führte. Das Gässchen ist wohl mit dem Bau des Klosters 1626 entstanden. Auf dem Stadtplan von 1809 wird die Straße von der Agathakirche in westlicher Richtung stadtauswärts mit „Capuzinergasse“ und „Capuzinerthor“ bezeichnet. Dieser Straßenzug wurde nach 1810 zur Karlstraße. Das Kloster und sein Umfeld wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Die Reste der umliegenden Gebäude wurden abgetragen und der frühere Fahrweg (Karlsberg) mit Trümmern aufgeschüttet. Mit Stadtratsbeschluss vom 1. Februar 1956 wurden die Bezeichnungen Karlsberg und Kapuzinergasse aufgehoben und die neu entstandene Fläche als „Kapuzinerplatz“ festgelegt.

Kapuzinerplatz 8 – Kapuzinerkloster und -kirche St. Elisabeth

Baugeschichte: Die Kapuziner wurden 1620 von dem Mainzer Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg nach Aschaffenburg gerufen und errichteten sich ab 1626 in einem Teil des Schlossgartens nahe der Stadtmauer, genannt „auf den Schutz“, ihre erste Kirche. Diese wurde 1627 von Ambrosius Seibaeus, Weihbischof von Mainz geweiht und zwei Jahre später bezogen die Mönche ihr Kloster. Die im Laufe des 18. Jh. erweiterte Anlage wurde durch einen Brand in der Nacht vom 7. zum 8. November 1813 stark zerstört, aber innerhalb eines Jahres mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut. Auch im 19. Jh. wurde die Anlage mehrfach erweitert, bevor Anfang des 20. Jh. eine neue Klosterkirche gebaut wurde. Der Münchner Architekt Friedrich von Thiersch (1852–1921) plante im Juli 1908 einen Kirchenneubau, der noch im September des gleichen Jahres genehmigt wurde. Die Bauleitung oblag H. Stockinger, die Firma Sager & Woerner führte den Bau aus. Friedrich von Thiersch sah einen in Ost-West-Richtung liegenden Kirchenbau vor, der das alte Kirchengebäude, welches in Nord-Süd-Richtung stand, mit einbezog. So bildete die alte Kirche den Chorraum des neuen Kirchenschiffs. Der Mittelraum des alten Schiffs war dann Teil des neuen Langhauses, die zwei Seitenräume sind als Oratorien abgetrennt. Das neue Langhaus wurde mit einem Tonnengewölbe versehen. Der Hochaltar fand im Westen seinen Platz. Der Eingang lag gegenüber auf der Ostseite, wo auch eine zweistöckige Empore mit einer pneumatischen Orgel von Willibald Siemann & Co, München aufgestellt wurde. An der nördlichen Fassade befanden sich zwei weitere Eingänge, die den Zugang zur Kirche vom Klosterhof aus ermöglichten. Die Kirche wurde im neuromanischen Stil errichtet. 1909 wurden weitere Umbauarbeiten am Konventgebäude durch die Firma Sager & Woerner vorgenommen. Sie umfassten die Vergrößerung des Refektoriums, den Umbau der Küche und eine Veränderung der Zellen. 1910 wurde das Paramentenhaus umgebaut, indem man das Gewölbe herausnahm und durch den Einzug einer Geschossdecke einen weiteren Raum gewann, in dem ein Fremdenzimmer eingerichtet wurde.

Im Garten wurde 1911 an der Stelle des Treibhauses ein Gartenhaus in Fachwerkkonstruktion errichtet, welches sich noch heute an dieser Stelle befindet. 1925 wurde die Pforte umgebaut. Alle seit 1910 erfolgten Arbeiten wurden vom Baugeschäft Johann Scheuermann durchgeführt. Zu einer umfangreichen Innenrenovierung, begleitet durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, kam es 1939. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten insgesamt zwölf Luftangriffe die Kirche und die Gebäude des Klosters z.T. stark. Besonders schwer wurde das Kloster beim Angriff am 3. Januar 1945 getroffen. Im Klostergarten gingen 15 Bomben nieder, zusätzlich fügte Artilleriebeschuss den Mauern schwere Schäden zu. Die Nordseite der Kirche wurde durch Sprengbomben vernichtet, die Türmchen, das Dach sowie Fenster und Türen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ein Jahr nach Kriegsende wurde unter Guardian Pater Armin mit dem Aufbau des Klosters nach Plänen des Aschaffenburger Architekten Ludwig Dölger begonnen. Dabei wurden u. a. das Tonnengewölbe der Kirche durch eine flache Holzdecke ersetzt und die Kirchenfenster verkleinert, was eine deutliche Änderung des Raumeindrucks mit sich brachte. Die Instandsetzungsarbeiten aller Gebäude waren 1949 abgeschlossen. 1950/51 wurde die Eingangshalle nach Plänen von Dipl.-Ing. Alois Grimm umgestaltet. 1957 wurde das Glockentürmchen, ein kleiner Dachreiter, mit einer neuen Glocke der Glockengießerei Rudolf Perner, Passau, wieder hergestellt. An der Stelle des 1895 errichteten Konventgebäudes wurde 1965 ein neues Gebäude nach Plänen des Architekten Willi Goldhammer errichtet. Die alten Wirtschaftsgebäude an der Nordseite des Klosters wurden abgebrochen. Die Gestaltung des Platzes vor der Klosterkirche, den es in dieser Form vor dem Krieg nicht gegeben hat, erfolgte 1962. Die heute dort befindliche 1,90 m große Bronzeplastik des hl. Franz von Assisi wurde erst im Oktober 1983 aufgestellt. Sie wurde von der Stadt gestiftet, von Hermann Kröckel gestaltet und von Jörg Grundhöfer gegossen. Die Kapuziner verließen Aschaffenburg im Jahr 2010. Kirche und Kloster wurden von der Diözese Würzburg übernommen und an die „ Fraternità Francescana di Betania“ zur Betreuung der italienischen Gemeinde Comunità cattolica italiana Untermain überlassen.

Baubeschreibung:

Die erste Kirche von 1627 war mit einem flach gedeckten Schiff recht schlicht. Der Eingang befand sich auf der Nordseite, wo heute noch eine Sandsteinnische mit der Figurengruppe der hl. Elisabeth, einem Bettler einen Trunk reichend, erhalten ist. Die Gruppe entstand wohl um 1627 und wird stilistisch dem Bildhauer Zacharias Juncker d. Ä. aus Miltenberg zugeschrieben. Die nach dem Brand von 1813 wieder aufgebaute Kirche war den Umständen entsprechend einfach und hatte eine bescheidene Ausstattung. Nach einer Rekonstruktion von Alois Grimm sah das Klosteranwesen um 1880 in etwa so aus, dass die Kirche den östlichen von vier einen Klosterhof umschließenden Flügeln bildete. An der Nordseite des Komplexes war ein Nebengebäude angeschlossen. Die Klostergebäude beinhalteten u. a. die Klosterpforte, das Refektorium sowie einen Küchenbereich im Erdgeschoss. Die Wohnzellen waren im Obergeschoss eingerichtet. An der Südseite der Kirche waren der Paramentenraum und die Sakristei angeschlossen. Im südlich des Anwesens gelegenen Klostergarten steht der mit 1597 bezeichnete Brunnen, der sich schon im Schlossgarten befand, bevor die Kapuziner das Gelände geschenkt bekamen, und der maßgeblich mit ausschlaggebend dafür war, dass sie sich für diesen Standort entschieden. Die 1908/09 neu errichtete Kirche von Friedrich von Thiersch ist einschiffig mit Seitenkapellen und einem quadratischen Chorraum. Das Kirchenschiff war von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen abgeschlossen, welches infolge der Kriegszerstörungen durch eine flache Holzdecke ersetzt wurde. Das Langhaus wird beidseitig von niedrigeren Seitenkapellen flankiert, die mittels kräftiger Schildbögen vom Mittelschiff getrennt sind. Darüber sitzen schmale rundbogige Fenster. Ein großer Chorbogen trennt den Altarraum vom Kirchenraum. Der Altarraum ist mit einem Kreuzgratgewölbe abgeschlossen. Auf seiner rechten Seite befindet sich die über den alten Kircheneingang zugängliche Empore, auf der gegenüberliegenden Seite der Klosterchor, darunter die Sakristei. Der Haupteingang war ursprünglich auf der Nordseite und liegt heute auf der Ostseite. Über dem Eingang gibt es seit der Wiederherstellung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg ein rundes Fenster. Die Außenfassade der Klosterkirche ist verputzt und durch eine Eckquaderung und Fensterrahmungen aus rotem Sandstein gegliedert. Der Eingang auf der Ostseite ist durch eine Eingangshalle hervorgehoben. Darüber befindet sich ein rundes Fenster und im Giebelfeld ein Kruzifix aus Sandstein.

Ausstattung:

Der Hochaltar an der Westwand der Kirche wurde von Friedrich von Thiersch geplant und von Bildhauer Jakob Hoffmann ausgeführt. Das rundbogig abgeschlossene Retabel aus grauem Naturstein mit Vergoldung ist nach dem Vorbild südfranzösischer Kunst der Frühromanik gestaltet. In der unteren Ebene stehen vier Engel, die die Leidenswerkzeuge Christi tragen, darüber befindet sich eine mit Kassetten umgebene Nische, darin eine Holzplastik mit der Figur der hl. Elisabeth, Patronin der Kirche. Die Gruppe wurde von Prof. Josef Knabl aus München geschaffen und ist ein Werk, das er 1877 bereits für die alte Kirche geschaffen hatte. Neben der Gruppe sind steinerne Sitzfiguren aufgestellt: links die hl. Veronika Giuliana, rechts die hl. Klara von Assisi. Vor dem Steinretabel steht ein silberner Tabernakelaufbau mit schlanken Säulchen, die einen Architrav und darüber ein Gewölbe tragen. Das von Silberschmied Josef Amberg aus Würzburg hergestellte Tabernakel enthält ein Kruzifix. Die Rückwand des Altarraumes wurde 1950 von Alois Bergmann-Franken bemalt, diese Bemalung ist seit 1978 nicht mehr vorhanden. 1974/75 erfolgte eine Modernisierung und Umgestaltung des Altarraumes nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der neue, zur Gemeinde gerichtete Altar wurde als Aluminiumguss von dem Künstler und Bildhauer Hermann Kröckel und dem Kunstgießer Jorg Grundhöfer geschaffen. In gleicher Weise entstanden Vortragekreuz, Ambo und Sedilien. Bei der Instandsetzung der Kirche nach dem Krieg wurden die Altäre der Seitenkapellen nicht wieder aufgestellt und durch Beichtstühle ersetzt. Seitenaltäre befinden sich heute nur noch rechts und links des Triumphbogens: links der Altar des hl. Franz von Assisi, einst mit den von Bildhauer Wilhelm Heider geschaffenen Begleitfiguren aus Holz der sel. Kreszentia von Kaufbeuren (1682–1744) und des hl. Ludwig von Frankreich (1215–1270), rechts der Altar des hl. Antonius von Padua mit den Assistenzfiguren des hl. Fidelius von Sigmaringen (1577–1612) und des hl. Laurentius von Brindisi (1559– 1619). Seit der Umgestaltung stehen drei der Figuren heute in der Nische rechts des Antoniusaltars. Die Nische links vom Franziskusaltar birgt eine Pietà – ursprünglich in der mittleren der südlichen Seitenkapellen –, die von Emilie Brentano, der Ehefrau von Christian Brentano, dem Bruder des Dichters Clemens Brentano, gestiftet worden war. In der südlichen Seitenkapelle befindet sich nun der Kreuzaltar, der bis 1975 neben dem Klostereingang aufgestellt war. Der heute einheitlich hell gestrichene Kirchenraum war bis 1978 mit Wandgemälden versehen. Der Triumphbogen war mit der Anbetung des göttlichen Kindes von Leonhard Thoma (1864–1921) im Nazarenerstil bemalt, ebenso wie 14 Kreuzwegbilder an der Wand des Kirchenschiffes. Diese ersetzt seit 1951 ein neuer Kreuzweg des Künstlers Karl Jung (1908–1989) aus Donauwörth. Auf die Orgelempore über dem östlichen Eingang der Kirche gelangt man über den Aufgang, der von dem sog. „Engelstor“ abgeschlossen ist. Das schmiedeeiserne Tor wurde ebenfalls von Karl Jung gefertigt und zeigt in zehn Feldern musizierende Engel, darunter die hl. Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik. Die Orgel wurde 1978 erneuert, ebenso die Brüstung, die wie der nachkonziliare Altar von der Künstlergemeinschaft Kröckel/Grundhöfer gestaltet wurde. Das runde Buntglasfenster hinter der Orgelempore wurde 1948 eingebracht.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 75-77.

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