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Im Schlossgarten

Im Schlossgarten steht auf einem zum Mainufer steil abfallenden Felsen ein Pavillon, den 1782 Emanuel Joseph von Herigoyen an der Stelle errichtete, wo sich bis 1748 ein Stadtturm und später eine dem hl. Rochus geweihte Kapelle befand. Der als Frühstückstempel bezeichnete klassizistische Kuppelbau gilt als Zitat von Robert Morris’ „Architectural Remembrancer“ von 1751, der ihn darin als Sommerhaus auf einem Hügel bezeichnet, was auf die Situation im Schlosspark sehr gut zutrifft. Einziger Unterschied zum Vorbild ist der auf der Nordseite angefügte rechteckige Vorbau als Haupteingang. Das rundbogige Portal mit Giebel wird von ionischen Eckpilastern flankiert. In den drei Hauptachsen des Rundbaus wird dieses Motiv des von ionischen Säulen getragenen Giebels in Form von Giebelvorlagen über rundbogigen Fenstertüren wiederholt. In den Giebelfeldern ist das Wappen des Auftraggebers, Friedrich Carl Joseph von Erthal, dargestellt. Es wird von Festons im Stil Louis-Seize gehalten. Die Südseite des Pavillons schließt mit der geböschten Mauer der Terrasse ab, sodass die Fenstertür auf dieser Seite zu einem Balkon ausgebildet ist. Im Innern ist der kleine Bau mit weißen Stuckaturen auf farbigem Grund ausgestaltet. Die Wandflächen zwischen den Fenstern sind mit Spiegeln besetzt. Die Kuppel ist mit stuckierten Arabesken und Friesen geschmückt. Der kleine Pavillon ist Teil des Gestaltungskonzepts, welches Kurfürst Erthal am Ende des 18. Jh. mit der Umgestaltung der alten Wälle und Gräben der nun funktionslosen Stadtbefestigung im südländischen Stil verfolgte. Er ist ein Bauwerk mit englischer Ausprägung, seine äußere und innere Gestalt basiert auf Vorlagen englischer Publikationen. Der Bau wurde nicht nur an exponierter Stelle errichtet, sodass er gut sichtbar ist, sondern bietet selbst einen weitläufigen Blick entlang des gesamten Mainufers im Stadtbereich.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S, 75.

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