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Hauptstraße

Die Hauptstraße verläuft parallel zum Main. Ihr südliches Ende bildet eine Stichstraße, um die sich die Anwesen des sog. „Schwarzviertels“ gruppieren. Die Straße ist zwischen 10 und 15 m breit und an beiden Seiten von meist zweigeschossigen, giebelständigen Wohnhäusern gesäumt. Sie stehen mit der nördlichen Traufwand auf der Grundstücksgrenze. Auf der Südseite liegt der Wirtschaftshof. Ursprünglich waren die Bauernanwesen mit hohen, gemauerten rundbogigen Toren mit Sandsteingewände und kleinen Fußgängerpförtchen miteinander verbunden, die heute kaum mehr erhalten sind. Den rückwärtigen Abschluss des Hofes bildet die Scheune, deren First parallel zur Straße verläuft. Sie reicht von Grundstücksgrenze zu Grundstücksgrenze. Dahinter erstreckt sich der Gemüse- und Obstgarten. Die Häuser sind ganz oder teilweise in Holz gebaut, ihr Fachwerk ist meist verputzt. Sie werden in der Regel von der Hofseite erschlossen. Das Innere ist in drei Zonen unterteilt. Im Erdgeschoss befanden sich auf der zur Straße gewandten Seite Stube und Kammer, der zum Hof gerichtete Bereich wurde als Stall oder Werkstatt genutzt und in der Mitte waren die Küche und der Aufgang zum Obergeschoss, wo Wohn- und Schlafräume untergebracht waren. Das Dach war nicht ausgebaut und hatte keine Gauben. Da Obernau von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschont geblieben ist, sind im Bereich des historischen Ortskerns entlang der Hauptstraße noch einige anschauliche Beispiele dieser bäuerlichen Anwesen erhalten.

Hauptstraße 6

An der Stelle, an der die Hauptstraße nach Norden abknickt, steht das Halbwalmdachhaus. Über einem massiven Erdgeschoss folgt ein verputztes Fachwerkobergeschoss. Das Fachwerk kragt jeweils leicht vor. Das Satteldach ist an der nach Süden gerichteten Giebelseite zur Hälfte abgewalmt. Im Giebel sind zwei kleine Fenster. An der nördlichen Giebelseite ist eine Scheune mit Tordurchfahrt angeschlossen. Das bäuerliche Anwesen wird in das Ende des 16. Jh. datiert, bezeichnet ist es mit 1811. Dieses Datum bezieht sich wohl auf einen Umbau des Erdgeschosses. 1962 wurde das Wohnhaus um einen zweigeschossigen Anbau in östlicher Richtung erweitert. Dadurch wurden über der Hofeinfahrt drei Zimmer geschaffen. Der Anbau ist unterkellert, er steht auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus.

Hauptstraße 8/10

Der hochgiebelige Satteldachbau wurde bis auf das rückseitige Giebeldreieck aus grob behauenen Sandsteinen errichtet. Die Hauskanten der Straßenfassade sind mit größeren, hammerrecht bearbeiteten Sandsteinquadern hervorgehoben. Da ein Steinbau in der Zeit seiner Entstehung, um 1600, teuer und daher selten war, ist anzunehmen, dass die Bauherren wohlhabende Leute waren. Das Haus wurde als Wohn- und Stallhaus genutzt. Die Fenster sind – ohne dass dies konstruktiv notwendig wäre – wie bei einem Fachwerkhaus ungleichmäßig auf der Fassade verteilt. An der südwestlichen Gebäudekante sind sie gekuppelt. Im 1. Obergeschoss befindet sich hinter diesen Fenstern die ehem. Stube. Dieser Raum ist mit Wanddekorationen aus der Erbauungszeit ausgestattet, die an den Fensternischen gemalte Säulen mit Kapitellen und einen Segmentbogen zeigen. Unter der Decke ist ein kräftiger Fries, darunter sind feine, rankenartige Gebilde dargestellt. Es wird davon ausgegangen, dass ursprünglich der gesamte Raum ausgemalt war. Im hinteren Bereich des Grundstücks steht eine Doppelscheune mit zur Straße parallelem First, sie reicht von Grundstücksgrenze zu Grundstücksgrenze. Unter beiden Scheunenteilen befindet sich ein gewölbter Keller, der höchstwahrscheinlich als Weinkeller gedient hat.

Hauptstraße 15 – St. Peter und Paul

Kirchenrechtlich war Obernau bis zur Gründung der eigenen Pfarrei 1788 dem Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg und damit dem Erzbistum Mainz zugehörig. Bevor Ende des 18. Jh. in der Ortsmitte die kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul errichtet wurde, bestand bis zur Fertigstellung der neuen Kirche 1793 im Bereich des Gemeindefriedhofs eine kleine Kapelle. Die Lage dieser Kapelle wird in der Nähe des heutigen Friedhofseingangs an der Kirchhofgasse angenommen. Es handelte sich um eine geostete Westturmanlage mit eingezogenem quadratischem Chor. Das Jahr der Errichtung dieser Kapelle ist nicht bekannt. Früheste schriftliche Aufzeichnungen, die eine Kapelle im Friedhof nennen, sind aus dem Jahr 1283 überliefert. Mit der Einrichtung der Pfarrei Obernau 1788 verstärkten sich die Bestrebungen zum Bau eines größeren Gotteshauses in der Ortsmitte. Gegenüber dem vorhandenen Pfarrhaus wurden drei Grundstücke gekauft und zwei Wohnhäuser abgebrochen, um darauf 1792 nach Plänen des Aschaffenburger Baumeisters Johannes Jodokus Hospes eine neue Kirche zu errichten, die 1793 weitgehend fertiggestellt war. Das Langhaus hatte drei Fensterachsen und einen eingezogenen halbrund geschlossenen Chor mit Sakristeianbau. Der Turm war in die zur Hauptstraße weisende Westfassade integriert. Am 3. November 1942 brannte die Kirche infolge eines Kurzschlusses in der elektrischen Anlage bis auf die Außenmauern aus. Durch den Brand wurde die gesamte Ausstattung zerstört. Der Turm blieb als Stumpf stehen. Wenige Monate nach dem Brand begann man mit dem kriegsbedingt mühsamen Wiederaufbau der Kirche. Auf den Außenmauern wurde ein Notdach errichtet und so die Kirche zunächst nutzbar gemacht.

1946 erhielt die Kirche eine Empore, um der durch die große Zahl an Flüchtlingen gewachsenen Gemeinde ausreichend Platz zu schaffen. Um 1950 angestellte Überlegungen, die Kirche in erweiterter Form wieder aufzubauen, führten später zu dem Entschluss, eine neue Kirche zu errichten. 1955 genehmigte die Diözese den Neubau einer Kirche. Die Baupläne zeichnete das Architekturbüro Willi Goldhammer und Anton Schmitt aus Aschaffenburg. Anregungen für den Entwurf holten sie sich bei Hansjakob Lill. Am 8. August 1960 südwestlichen Gebäudekante sind sie gekuppelt. Im 1. Obergeschoss befindet sich hinter diesen Fenstern die ehem. Stube. Dieser Raum ist mit Wanddekorationen aus der Erbauungszeit ausgestattet, die an den Fensternischen gemalte Säulen mit Kapitellen und einen Segmentbogen zeigen. Unter der Decke ist ein kräftiger Fries, darunter sind feine, rankenartige Gebilde dargestellt. Es wird davon ausgegangen, dass ursprünglich der gesamte Raum ausgemalt war. Im hinteren Bereich des erfolgte die Baugenehmigung und im Juni desselben Jahres wurde die alte Kirche bis auf den Turm und die Westfassade abgerissen. Die neue Kirche wurde am 5. Mai 1962 den Heiligen Peter und Paul geweiht. Der Neubau wurde in der Tiefe des Grundstücks errichtet. Glockenturm und Westfront der barocken Kirche von 1793 blieben als Torso erhalten und prägen weiterhin als wichtiger Blickpunkt das alte Straßendorf. Das einstige Hauptportal der alten Kirche mit geradem Sturz und Dreiecksgiebel ist erhalten, aber zugemauert. Im Sturz ist die Jahreszahl „MDCCLXXXXII“ (1792) zu lesen. Darüber befindet sich eine Rundbogennische in der ursprünglich eine hölzerne Marienfigur stand. Heute steht darin eine Schutzmantelmadonna aus rotem Mainsandstein. Zwischen dem Neubau und den rekonstruierten Ruinenteilen wurde eine räumliche Trennung vorgenommen. Als Verbindung dient der eingeschossige Pfarrsaal. Durch diese Anordnung der Baukörper entstand der bisher nicht vorhandene Kirchenvorplatz.

Das neue Kirchengebäude ist eine in Skelettbauweise aus sieben Spannbetonbindern errichtete Halle von 23 × 31,5 m Grundfläche mit einem eingezogenen trapezförmigen Chor und flachem Satteldach. Die Skelettbauweise erlaubt einen stützenfreien Innenraum. Die Wände sind mit Ziegelsteinen ausgefacht und außen mit behauenem Mainsandstein verkleidet. Fenster haben die Wände keine. Die Belichtung des Kirchenschiffes erfolgt in erster Linie über ein breites, farbiges Fensterband, das auf der südwestlichen Fassade zwischen Schildwand und den Seitenwänden bzw. dem Dach verläuft. Dieses gestalterische Mittel wird durch die frei tragende Konstruktion möglich und wurde von dem Bauhauskünstler Hannes Neuner entworfen. Außerdem fällt durch ein Lichtband am oberen Ende der Seitenwände wie durch einen Obergaden Tageslicht in den Raum. Der Chor wird zusätzlich von der Nordseite durch eine Fensterwand aus Betonteilen belichtet. Die Holzdecke ist an den Spannbetonbindern aufgehängt. Das Eingangsportal hebt sich mit einer starken, unprofilierten Sandsteinrahmung mit geradem Sturz von der Westfassade ab. Vier Türflügel mit Oberlichtern führen zum Kircheninnenraum. Dieser ist von einer großen Schlichtheit gekennzeichnet. Die fensterlosen Wände sind weiß getüncht und ohne architektonischen Schmuck. Der ebenso schlicht gehaltene Altarraum ist hell und übersichtlich möbliert. Der Altar steht auf einem um drei Stufen erhöhten Podest und besteht aus einem Block aus örtlichem rotem Sandstein. Ambo (links) und Kanzel (rechts) sind ebenfalls aus rotem Sandstein gefertigt. An der Altarwand befindet sich ein Wandbild von Sr. Michaela Kroemer (1916–2010), Missionsschwester vom kostbaren Blut aus Neuenbeken. Pfarrer Johannes Maria Tschoepe (1913– 1996) wünschte für seine den Aposteln Petrus und Paulus gewidmete Kirche die Darstellung der sog. „Traditio legis“, die Übergabe des Gesetzes von Christus an Petrus. Die Mosaizistin und Textilkünstlerin Kroemer gestaltete ein 5×7 m großes Wandbild aus Steinen.

Die Darstellung entfernt sich allerdings von der Tradition. Die Apostel stehen nicht links und rechts von Jesus, sondern erscheinen beide etwas niedriger auf der Evangelistenseite. Christus hält in seiner rechten Hand ein kostbar geschmücktes Buch und zeigt mit der linken auf Petrus und Paulus, die beide mit ihren jeweiligen Attributen – Schlüssel und Schwert – dargestellt sind. Im Altarraum befindet sich noch ein Osterleuchter, der in der Goldschmiede der Abtei Münsterschwarzach (Lkr. Kitzingen) hergestellt wurde. Die getriebenen, feuervergoldeten Bronzeplatten zeigen Motive aus dem Alten Testament. Rechts des Altarraums steht der Taufstein. Dieser wurde von dem Aschaffenburger Bildhauer Hermann Kröckel gefertigt und ist wie Altar, Ambo und Kanzel aus rotem Sandstein. Er hat eine Piscina aus zwei Becken. In der Wand hinter dem Taufstein befindet sich eine vergitterte Nische, in der die heiligen Öle für die Taufe aufbewahrt werden. Die Marienfigur auf der linken Seite des Altarraumes ist das einzige nicht zeitgenössische Ausstattungsstück in der Kirche. Sie wurde bereits für die alte Kirche aus dem Frankfurter Kunsthandel angeschafft und stammt wohl aus dem 15. Jh. Apostelleuchter und Kreuzweg sind getrennt voneinander jeweils an den beiden Seitenwänden des Kirchenschiffes angebracht: links die Apostelleuchter, rechts der Kreuzweg. Die Leuchter wurden von Herman Kröckel geschaffen. Der Sandstein dafür stammt aus demselben Block, aus dem der Altar gehauen wurde. Der Kreuzweg, gefertigt aus getriebenen Bronzetafeln nach dem Entwurf von Helmut Albert und Willibald Blum, zeigt keine Folge von einzelnen Stationen, sondern einen zusammenhängenden Weg, aus dem die Bronzetafeln als Höhepunkte herausstechen.

Hauptstraße 16 a/b

Bei dem in zwei Hausnummern unterteilten Wohnstallhaus handelt es sich um ein Fachwerkgiebelhaus, welches als Stockwerkskonstruktion errichtet wurde. Dem Fachwerk nach ist das Gebäude in die 2. Hälfte des 17. Jh. zu datieren. Das Satteldach ist auf der südlichen Giebelseite mit einem Krüppelwalm versehen. Anstelle der das Grundstück zum Main hin abschließenden Scheune wurde 1998 ein neues Wohnhaus errichtet.

Hauptstraße 19/21

Auf dem Grundstück des ehem. Bauernanwesens Dölger an der Ecke der ehem. „Körnchesgasse“ (Am Rathaus) entstand 1910/11 das neue Rathaus der Gemeinde Obernau. Der Entwurf stammt von dem Bauamtsassessor des Kgl. Landbauamts Aschaffenburg Selzer. Er hatte eine historisch geprägte, bodenständige Architekturauffassung und setzte den damals zeitgemäßen Jugendstil nur sparsam ein. Die Arbeiten für den Neubau begannen im Juni 1910, im Oktober wurde Richtfest gefeiert und am 14. März 1911 das neue Rathaus eingeweiht. Das zweigeschossige Gebäude setzt sich aus zwei giebelständigen Baukörpern mit dazwischenliegendem Mitteltrakt mit Tordurchfahrt zusammen. Der linke der beiden Baukörper trägt ein Krüppelwalmdach und ist mit einem zierlichen Dachreiter bekrönt, der rechte ist mit einem Mansarddach abgeschlossen. Die Fenster des verputzten Baus sind mit Gewänden aus rotem Sandstein gerahmt. Auffällig ist eine Gruppe von vier gekuppelten Fenstern im Obergeschoss des linken Bauteils. Der Eingang ist mit einer geraden, profilierten Verdachung versehen. Daneben ist der Torbogen des Hofportals des Anwesens Dölger in den Rathausbau integriert. Ebenso wurde der Wappenstein des abgebrochenen Unteren Tores der Ortsbefestigung in die Fassade eingesetzt. An der Gebäudekante befindet sich die Figur des hl. Florian, da das Gebäude auch von der Feuerwehr genutzt wurde. Das in das Dorfbild harmonisch integrierte Gebäude nimmt die äußere Form der zwei zuvor an dieser Stelle gestandenen Giebelhäuser und Tore und damit den Maßstab der umgebenden Bebauung wieder auf. Es passt sich somit in das Bild des Straßendorfes ein. Der Dachreiter bereichert gemeinsam mit dem Kirchturm die Silhouette der Ortschaft.

Hauptstraße 25/27

Der Bauernhof besteht aus einem zweigeschossigen giebelständigen Wohnhaus mit den Nrn. 25 und 27 und einer Scheune. Das Wohnhaus wurde um 1600 aus Bruchsteinmauerwerk errichtet. Auf der südöstlichen Traufseite besteht das Obergeschoss aus Fachwerk. Die z. T. gekuppelten Fenster der Giebelfassade sind mit Sandsteingewänden gerahmt. Diese sind weitgehend unprofiliert, aber mit Ladenfalz versehen. Möglicherweise war die heute steinsichtige Fassade des Satteldachbaus ursprünglich verputzt. An der mainseitigen Grundstücksgrenze ist eine Scheune erhalten, die wohl, wie das Wohnhaus, um 1600 entstanden ist. An der südlichen Gebäudekante des Wohnhauses sind Reste des profilierten Sandsteingewändes des ehem. Hoftores erhalten. Das Grundstück wird auf der Südseite von einer Bruchsteinmauer begrenzt.

Hauptstraße 26

Das ehem. Wohnstallhaus aus der 2. Hälfte des 17. Jh. erhebt sich zweigeschossig auf rechteckigem Grundriss und schließt mit einem steilen Satteldach ab. Der Zugang befindet sich auf der Traufseite im Hof. Aktuell ist das Gebäude mit Eternitplatten verkleidet. Es handelt sich um eine Mischkonstruktion aus einem massiv erneuerten Erdgeschoss, einer Bruchsteinmauer zur Feuergasse hin und Fachwerkbauweise.

Hauptstraße 34/36

Ursprünglich waren die Häuser an der Straßenkante durch hohe Mauern und Tore miteinander verbunden. Zum Hof führte ein mit Sandsteingewände gerahmtes Einfahrtstor mit danebenliegender kleinerer Fußgängerpforte. Das Hoftor zwischen Hauptstraße 34 und 36 aus dem 16. Jh. ist das einzige erhaltene Beispiel dieser Toranlagen. Reste von Hoftoren sind noch an weiteren Anwesen zu erkennen.

Hauptstraße 38

Da der Vorgängerbau von 1724 baufällig war, ging man an die Planung zum Bau eines neuen Pfarrhauses. Eine erste Planzeichnung fertigte Stiftsbautechniker Ignaz Henfling am 24. Januar 1907, diese wurde jedoch nicht ausgeführt, da die Finanzierung des Projektes noch ungeklärt war. Pfarrer Kilian Huber trieb die Bestrebungen, ein neues Pfarrhaus zu errichten, erneut voran, sodass der Aschaffenburger Architekt Otto Leitolf neue Pläne zeichnete. Im Frühjahr 1912 wurde mit dem Bau begonnen, die Bauausführung übernahm das Baugeschäft Alois Scheuermann. Das Pfarrhaus steht der Kirche direkt gegenüber, etwas hinter die Bauflucht zurückgesetzt. Als zweigeschossiger Mansardwalmdachbau im neubarocken Stil hebt es sich von der übrigen Bebauung ab. Die Fassade wirkt ausgewogen, obwohl sie nicht symmetrisch gegliedert ist. Aus der Mitte gerückt, befindet sich im Erdgeschoss der über einige Stufen erreichbare, eingetiefte Eingang. Links davon ist ein einfaches, rechts ein gekuppeltes Fenster mit Sandsteingewände und Eisenvergitterung gesetzt. Im Obergeschoss gibt es auf der zur Straße gerichteten Fassade drei Fenster mit Klappläden, die ebenfalls mit Rahmen aus rotem Sandstein eingefasst sind. Im Dach sitzt über der Mittelache eine große Gaube mit zwei Fenstern und einem geschwungenen Giebel. Sie ist mit Schiefer verkleidet und wird von zwei kleineren Gauben flankiert. Den Anschluss an die Nachbarbebauung stellen zwei zu Viertelkreisen gebogene Flügelmauern her. Auf der Rückseite des Gebäudes sind die Fenster zu Paaren zusammengefasst. Dazwischen befindet sich mittig ein von drei kräftigen Säulen getragener Balkon. Auf dem Grundstück stehen noch die 1765 errichteten Nebengebäude des alten Pfarranwesens. Die ehem. Zehntscheune bildet mit dem einstigen Kelterhaus und Viehstall eine dreiflügelige Gebäudegruppe, die weitgehend unverändert heute noch erhalten ist und der Gemeinde für verschiedene Zwecke dient.

Hauptstraße 40

Das Wohnhaus Nr. 40 auf der Mainseite der Hauptstraße ist eines der wenigen traufständigen Beispiele in dem einstigen Straßendorf. Im Erdgeschoss befindet sich auf der linken Seite eine Durchfahrt zum Hof. Die Erdgeschosswand der rechten Seite ist verputzt, wahrscheinlich handelt es sich um Fachwerk über einem Sandsteinsockel. Anordnung und Größe der Fenster entsprechen nicht dem bauzeitlichen Zustand. Das Sichtfachwerk des Obergeschosses wurde in der Vergangenheit mehrfach verändert, Schmuckformen sind keine vorhanden. Die hofseitige Traufwand besteht ebenfalls aus Fachwerk. Auf dem Satteldach sitzen drei Gauben. Der östliche Giebel ist mit einem Krüppelwalm versehen. Außer im Bereich der Durchfahrt ist das Haus unterkellert. Der Kellerhals befindet sich im Hof. Schriftliche Hinweise zum Bau des Wohnhauses gibt es keine. Aufgrund bauhistorischer Untersuchungen durch den Stadtheimatpfleger wird seine Entstehung im frühen 19. Jh. angesetzt.

Hauptstraße 42

Das Wohnhaus Nr. 42 ist dem Nachbaranwesen baulich sehr ähnlich. Das Wohnhaus steht ebenfalls traufseitig an der Straße, ist mit einem Satteldach abgeschlossen und verfügt wie Nr. 40 über eine überbaute Hofdurchfahrt auf der linken Seite. Das Anwesen entstand höchstwahrscheinlich zur gleichen Zeit, also im frühen 19. Jh.

Hauptstraße 44

Bei diesem schmalen Fachwerkgiebelhaus handelt es sich wohl um das ehem. Austragshaus eines der Nachbargebäude. Da der Bau auf dem Urkataster aber bereits als Einzelanwesen mit Rückgebäuden und Scheune dargestellt ist, wurde er möglicherweise schon am Ende des 18. oder am Beginn des 19. Jh. zum eigenständigen Wohnhaus. Das Gebäude ist so schmal, dass auf der Giebelseite im Erdgeschoss nur ein gekuppeltes Fenster, im Obergeschoss zwei eng stehende Fenster mit schmaler Figurennische dazwischen und im Giebel wieder ein gekuppeltes Fenster Platz haben. Das Fachwerk ist konstruktiver Natur ohne Schmuckformen. Es handelt sich um einen Stockwerksbau. Seine Errichtung ist am Ende des 18. Jh. anzunehmen.

Hauptstraße 46

Der zweigeschossige Mansardhalbwalmdachbau steht mit dem Giebel zur Straße. Er wurde aus Fachwerk errichtet, welches auf der Giebelseite im Bereich des Erdgeschosses durch einen Ladeneinbau erheblich gestört ist. Die Traufseiten sind verputzt, auf der Giebelseite liegt das Fachwerk frei. Es handelt sich um konstruktives Fachwerk ohne Schmuckformen. Die Fenster sitzen gleichmäßig in drei Achsen auf der Fassade. Das Wohnhaus wurde im frühen 19. Jh. errichtet. Im mainseitigen Bereich des Grundstücks steht eine Scheune.

Hauptstraße 58/60

Das mit zwei Hausnummern bezeichnete Wohnhaus gehört, wie auch Nr. 62, zu den ältesten Hofanlagen der Hauptstraße. Es ist ein anschaulicher Vertreter des Obernauer Bauernhauses und entstand wohl im 16./17. Jh. Trotz des Verputzes ist der Charakter des Fachwerkhauses ablesbar. Er zeigt sich zum einen an den wegen der Fachwerkkonstruktion unregelmäßig angeordneten Fenstern der Giebelfassade, zum anderen an den überstehenden Balkenköpfen. Der Eingang befindet sich auf der Hofseite.

Hauptstraße 61

Der kleine, giebelständige Satteldachbau an der Ecke Hauptstraße/Kirchhofgasse ist durch unterschiedliche Spuren von Umbauten und später ergänzten Bauteilen ungeklärten Ursprungs gekennzeichnet und hat eine bewegte Baugeschichte. Das zweigeschossige Wohnhaus wurde als reines Fachwerkhaus um 1485 (d) errichtet. Die Fachwerkkonstruktion des Ständerbaus ist einfach, die einzelnen Hölzer sind miteinander verblattet. Die straßenseitige Giebelwand und der an den Westgiebel anschließende Teil der hofseitigen Traufwand wurden im 16. Jh. massiv aus Bruchsteinen erneuert. Das Baumaterial wurde offensichtlich von einem abgebrochenen Gebäude zweitverwendet. Auffällig sind die unregelmäßig auf der Fassade verteilten Fenster mit ganz unterschiedlichen Formaten. Während die des Erdgeschosses recht klein sind, erscheinen die Dreierfenstergruppe im Obergeschoss und das gekuppelte Fensterpaar im Giebel proportional zu groß. Wahrscheinlich handelt es sich hier – wie auch bei der kleinen sandsteingefassten Rundöffnung im Giebelspitz des Hauses – um Spolien. Ein aufwendig gestalteter Wappenstein über den Fenstern des Obergeschosses zeigt ein Handwerkszeichen und die Jahreszahl „1588“. Der namentlich nicht bekannte Eigentümer des Hauses brachte mit der steinernen Fassade Wohlstand und beruflichen Erfolg zum Ausdruck. Auf der Hofseite befindet sich unmittelbar neben dem heutigen Zugang ein zugemauertes spitzbogiges Türgewände, welches den ehem. Eingang markiert. Hinter dem Wohnhaus in Richtung Friedhof stand eine Scheune, die 1960 abgebrannt ist. Unter dieser ehem. Scheune liegt ein gewölbter Keller, dessen Zugang in der Kirchhofgasse mit sandsteingerahmtem und mit „1608“ bezeichnetem Portal erhalten ist. Zwischen dem Wohnhaus und der ehem. Scheune steht seit 1959 ein kleiner zweigeschossiger Anbau.

Hauptstraße 62

Vergleichbar wie bei Nr. 58/60 handelt es sich bei diesem im 17./18. Jh. entstandenen Bauernhaus um einen verputzten Fachwerkbau. Das giebelständige Wohnhaus schließt mit einem Satteldach ab. Die Fenster der Giebelwand sind zum Teil gekuppelt, die der Hofseite sitzen direkt unter der Traufe. Wie fast alle Wohnhäuser der Hauptstraße erfolgt der Zugang von der Hofseite her. Zwischen dem Satteldachbau und dem östlichen Nachbaranwesen Nr. 58/60 ist in Teilen die Toranlage mit (ehemals) rundbogiger Durchfahrt und Fußgängerpforte (bez. „1606“) erhalten.

Hauptstraße 66

Das wohl bereits im 16. Jh. entstandene Wohnhaus entspricht dem Typus des Obernauer Bauernhauses, ist jedoch erkennbar älter. Wie zahlreiche andere ist der Fachwerkbau verputzt. Die leicht vorspringenden Geschosse deuten darauf hin, dass der Bau älter ist als die beiden östlichen Nachbaranwesen. Die Fenster sind verhältnismäßig klein und der Fachwerkkonstruktion entsprechend auf der Giebelfassade angeordnet bzw. sitzen auf der Traufseite direkt unter der Traufschwelle.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 288-295.

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