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Judenpfad

Ein schlichtes Steinkreuz aus rotem Sandstein erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Obernau. Der Entwurf des Kriegerdenkmals stammt von dem Architekten Otto Leitolf, Direktor der Aschaffenburger Meisterschule für Bauhandwerk. Ausgeführt wurde das Kriegerdenkmal von Bildhauer und Steinmetz Franz Herbig. Allerdings entsprach die Ausführung nicht ganz dem Entwurf von Leitolf. Das Kreuz wurde im Juni 1920 im Dorfkirchhof aufgestellt und Ende des Jahres 1921 an seinen heutigen Standort an der Bahnhofstraße im Osten des Ortes versetzt, weil Leitolf als Planer mit der geänderten Ausführung des Denkmals nicht einverstanden war. Seitdem steht das Kreuz auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel am Weg zum Waldfriedhof und zur Waldkapelle. Die Basis bildet ein gemauerter Sockel, auf dem sich das Kreuz, bestehend aus Kreuzstamm, Querbalken und Kopfteil, erhebt. Am unteren Ende des Stammes sind vier Sandsteinhaken zum Aufhängen von Ehrenkränzen ausgearbeitet. Am oberen Ende des Kreuzstammes ist auf der Vorderseite eine rechte erhobene Hand in einem länglichen Oval dargestellt. Auf der rechten Seite befindet sich das von Leitolf entworfene Relief „Frauenarbeit“, das eine Frau beim Pflügen zeigt. Das eigentlich vorgesehene Gegenstück dieses Reliefs, „Opfer der Heimat“ mit einer Frau bei Pflanzarbeiten, wurde durch die Darstellung eines erschöpften Soldaten ersetzt. Im Kopfteil sah Leitolf ursprünglich das Relief eines übergroßen Stahlhelms vor, dieser wurde dann bei der erneuten Aufstellung des Kreuzes auf die Rückseite gedreht, auf der Vorderseite ist stattdessen das Relief eines geneigten Jesushauptes mit Dornenkrone zu sehen. Auf allen Seiten des Kreuzstammes sind die Namen der Kriegsgefallenen in zeitlicher Reihenfolge aufgeführt.

Am östlichen Ortsrand von Obernau, am Weg zur Waldkapelle befand sich ein von Gastwirt und Bäcker Konrad Ebert aufgestellter Bildstock, welcher dem hl. Wendelin gewidmet war. Um diesen Bildstock ließ die Köchin von Pfarrer Johann Peter Noll 1853 eine Kapelle errichten, die den Gläubigen auf dem Weg zur Waldkapelle im Winter Schutz vor Wind und Kälte bieten sollte. Die kleine Kapelle konnte 1922 durch Spenden mit neuen Ziegeln eingedeckt werden. Die heute in der Kapelle befindliche Wendelinfigur wurde 1932 bei einer Altarbaufirma bei Mühldorf am Inn in Auftrag gegeben und am 15. Oktober 1933 eingeweiht. Die Kapelle wurde 1976 von Mitgliedern der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) renoviert.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 295-296.

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