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Großostheimer Straße

Die Großostheimer Straße führt auf der linken Mainseite in südwestlicher Richtung aus der Stadt heraus. Entlang der gerade verlaufenden Straße hat sich in jüngerer Vergangenheit vor allem kleines Gewerbe angesiedelt. Wohnbebauung gibt es kaum. Die Straße führt parallel den Main entlang, vorbei am Nilkheimer Park und Nilkheimer Hofgut bis in den namensgebenden Ort Großostheim. Die Straße war der alte Wallfahrtsweg zur Kreuzkapelle Großostheim, an dem sich die Sieben Fußfälle erhalten haben. Das Denkmal am Beginn der Schönbuschallee erinnert an Pater Bernhard von Trier, der zwischen 1624 und 1627 sowie von 1631 bis 1634 Guardian des Kapuzinerklosters in Aschaffenburg war. Im Dreißigjährigen Krieg sollte er im November 1631 den schwedischen König Gustav II. Adolf (1594–1632) davon abhalten, die Stadt mit seinen Truppen zu stürmen. Pater Bernhard bot dem König die Schlüssel der Stadt als Zeichen der Kapitulation. Der Erzählung nach brachte der Mut des Mönchs den König dazu, die Stadt nicht einzunehmen. Der dreiteilige Muschelkalkblock zeigt im oberen Teil das Brustrelief von Pater Bernhard mit den Stadtschlüsseln in der Hand. Darunter ist die Inschrift „Zum dankbaren Gedenken an / P. BERNHARD v. TRIER / Guardian des Kapuziner- / klosters den Fürsprecher der / Stadt Aschaffenburg vor dem / Schwedenkönig Gustav Adolf / am Abend des 23. November / 1631“ zu lesen. Angefertigt wurde das Denkmal von Otto Gentil. Die Aufstellung erfolgte zum 300-jährigen Jubiläum 1931 am Ort des Geschehens.

Großostheimer Straße 170

Die Ursprünge der direkt an der Staatsstraße 3115 nach Großostheim gelegenen barocken kath. Kapelle St. Kilian reichen vermutlich in das 8. und 9. Jh. zurück. Außerdem existieren Urkunden, die über eine Nilkheimer Pfarrei im 13. Jh. berichten. Nachdem die Kapelle im Markgräflerkrieg ruiniert worden war, wurde sie 1596 abgetragen. Sie war seit 1552 der Pfarrei Unserer Lieben Frau zu Aschaffenburg untergestellt, weil das Dorf Nilkheim nach den Markgrafenkriegen größtenteils zerstört und nach dem Dreißigjährigen Krieg nur das kurmainzische Hofgut übrig geblieben war. Dessen Pächter und spätere Besitzer waren es, die sich des Erhalts des Kirchenstandortes annahmen. 1661 stifteten die damaligen Pächter des Hofgutes Johann Jacob Morhard und seine Frau Maria Martha eine neue Kapelle. Die jetzige Kapelle wurde wohl von den Nachkommen der Morhards 1720 errichtet. Ende des 19. Jh. ließ Dr. Philipp Victor Pauli (1836–1890, Besitzer des Nilkheimer Hofes) die Kapelle restaurieren und 1895 neu weihen. Der kleine Saalbau steht mit der Giebelseite und dem Portal zur Straße und ist mit einem außen polygonalen, leicht eingezogenen Chor geschlossen. Auf der südwestlichen Seite befindet sich ein kleiner quadratischer Sakristeianbau. Das Portal der Kapelle ist mit einem profilierten Gewände mit Ohrung versehen, darüber befindet sich ein gesprengter Giebel, zwischen dessen Schenkeln eine Nische in das Mauerwerk eingearbeitet ist, die die Figur des hl. Kilian enthält. Über dem Sturz des Portals steht die Jahreszahl 1720. Der kleine Dachreiter mit Zwiebelhaube wurde einer Inschrift auf einer Glocke zufolge wohl erst 1782 aufgesetzt. Das Langhaus ist mit einer Flachtonne abgeschlossen, deren Quergurte es in drei Joche teilen. Der Chor ist halbrund und mit einer mit figürlichen Motiven stuckierten Halbkuppel abgeschlossen. Der Barockaltar mit zwei Säulen trägt ein Altarbild in halbrund geschlossenem Rahmen mit der Darstellung des hl. Kilian und seiner Begleiter. In die Inschrift des Bildes ist ein Chronostichon integriert, das den Altar in das Jahr 1731 datiert. Das als eine Art Antependium gestaltete Gemälde Christi im Grab wurde 1947 von dem Aschaffenburger Maler Heinrich Heilos geschaffen. In der stuckierten Halbkuppel sind eine Gloriole mit dem Signet „IHS“ – da die Jesuiten lange Zeit Seelsorge in Nilkheim betrieben – und die sternenbekrönte Muttergottes umgeben von Engeln dargestellt. An der Fassade der Kapelle sind zwei Grabsteine angebracht: einer für Maria Martha Morhard, gest. 1725, und einer für Matheus Morhard, gest. 1777, Mitglieder der Stifterfamilie.

An der Nordwestseite der Kilianskapelle steht auf einem vasenförmigen Postament eine aus rotem Sandstein gefertigte Muttergottesfigur. Das Postament ist mit einer mehrfach profilierten Platte abgeschlossen. Auf der Vorderseite befindet sich eine erhabene Kartusche mit einer Inschrift. Darunter sind die Namen Matheus Morhard und Maria Morhard mit der Jahreszahl 1754 eingemeißelt. Die Familie Morhard stammte aus Großostheim und war in vier Geschlechterfolgen Erbbeständer des Nilkheimer Hofes. Matheus und seine Frau stifteten die Marienfigur, deren ursprünglicher Aufstellungsort nicht bekannt ist. Sie wurde Ende des 19. Jh. bei den Restaurierungsarbeiten aus dem Bodenschutt im Innern der Kapelle geborgen. Möglicherweise ist sie Teil einer Kreuzigungsgruppe mit den Assistenzfiguren Maria und Johannes gewesen.

Großostheimer Straße 199 – Nilkheimer Park

Das ursprünglich als Obsthain geplante Gelände wurde unter dem Landwirt Freiherr Carl Constantin Victor von Mergenbaum, der seit 1811 Erbpächter des Hofgutes war, bis zu seinem Tod 1845 in einen Park umgestaltet. Zu den Einrichtungen im Park gehört ein klassizistischer Pavillon auf einer Terrasse in der Form eines griechischen Amphiprostylos mit zwei Säulenvorhallen. Die Säulen aus rotem Sandstein mit ionischen Kapitellen stützen ein flaches Walmdach. Der quadratische Innenraum besitzt je zwei Doppeltüren an allen Seiten. Er wird wegen der Verspiegelung der abgeschrägten Ecken und der Wandpfeiler auch als Spiegelsaal bezeichnet. Bis heute ist nicht ganz geklärt, wann dieser Pavillon errichtet wurde. Er könnte bereits 1783 unter der Federführung von Herigoyen entstanden sein oder erst einige Jahrzehnte später während der Umgestaltung des Parks unter Mergenbaum. Schräg zum Pavillion steht ein kleiner, außen völlig schmuckloser Walmdachbau, der sog. Billardsaal. Er war ursprünglich innen im Stil einer gotischen Kapelle ausgemalt und verfügte über einen (heute verfüllten) Keller, der wohl zur Lagerung von Getränken gedient haben mag. In der Achse des den Park gerade durchquerenden Weges steht ein kleiner Rundtempel, ein Monopteros mit acht toskanischen Säulen aus rotem Sandstein mit phantasievollen Kapitellen und flacher Kuppel. Dieser wird der Zeit der Parkgestaltung unter Mergenbaum zugeschrieben. Zur weiteren Ausstattung des Parks gehören eine Hermenstatue eines bärtigen Mannes mit Umhang, zwei Pfosten einer Schaukel mit geschmiedeter Traverse (hierbei könnte es sich um die ehemals im Park Schönbusch gestandene transferierte Schaukel handeln), ein Steinbrunnen und eine an die Parkmauer angebaute Kegelbahn. Zwei steinerne Löwen sind Reste des von Johann Jakob Hofmann 1907 geschaffenen Siegfried-Denkmals. Die Sphinx wurde von der Bildhauerin Luise Terletzky-Scherf geschaffen und zwischen 1965 und 1974 im Park aufgestellt.

Im östlichen Teil des Parks wurde im Rahmen einer Neugestaltung in den 1960er Jahren eine in Stockstadt ausgegrabene römische Ruine übertragen. Am östlichen Ende des Mittelwegs steht ein Obelisk aus rotem Sandstein. Auf den vier Seitenflächen stellen Reliefs griechische Götter dar, die allegorisch auf die vier Tageszeiten bzw. die vier Himmelsrichtungen verweisen. Der Obelisk ist mit einer Kugel bekrönt, auf der sich eine Wetterfahne in Gestalt des Chronos dreht. Die Fundamente des Obelisken wurden 1819 ergegraben. Er lässt sich stilistisch allerdings noch Herigoyen zuschreiben, daher ist nicht auszuschließen, dass es sich evtl. um den um 1788 am Oberen See im Schönbusch befindlichen Obelisken handelt, der im 19. Jh. in den Nilkheimer Park gelangte.

Großostheimer Straße 201 – Nilkheimer Hof

Ab 1782 ließ Kurfürst Friedrich Carl Joseph von Erthal das Hofgut nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen erbauen. Der dreiflügelige Ökonomiehof diente als Mustergut zur Ausbildung junger Landwirte. In dem Gut wurde Versuchs-Viehzucht betrieben. Zu dem Anwesen gehörten ausgedehnte Felder und Wiesen sowie eine große Obstbaumschule und eine Bienenzucht. Gleichzeitig befanden sich in den Gebäuden Wohnungen für die jungen Ökonomen. 1811 wurde das Hofgut unter Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg an den damaligen Pächter Carl Constantin Victor von Mergenbaum verkauft. Der Erlös des Verkaufs wurde für den Bau des neuen Theaters verwendet. Mergenbaum ließ das Gut weiter ausbauen und richtete ein Gasthaus, eine Branntweinbrennerei, eine Bierbrauerei und eine Essigsiederei ein. Neben dem Ausbau des Hofgutes ist ihm vor allem die Anlage des Parks zu verdanken. Ehem. Hofgut und Park, die zwischen 1950 und 1965 von der Schlösserverwaltung betreut wurden, werden seither von der Stadt Aschaffenburg unterhalten und dienen als Sitz des städtischen Garten- und Friedhofsamtes. Das langgestreckte, eingeschossige ehem. Wohngebäude bildet den nördlichen Flügel. Es ist mit einem Halbwalmdach abgeschlossen. Auf der Giebelseite befinden sich drei relativ große Erdgeschossfenster und im Obergeschoss ein Fenster im Palladio-Motiv. Dem zum Hof gerichteten Eingang ist eine Portikus mit zwei toskanischen Säulen vorgestellt. Im Giebelfeld ist eine kleine Krone dargestellt. An der östlichen Stirnseite der Hofanlage steht eine aus Bruchsteinmauerwerk errichtete Scheune mit steilem Satteldach und zwei Einfahrtstoren. Den dritten Flügel bildet ein dem ehem. Wohnhaus ähnliches ehem. Stallgebäude. Abgeschlossen wird die Hofanlage von einer zweiten Scheune an der südöstlichen Stirnseite. Im Hof steht ein Taubenschlag in Form eines klassizistischen Zentralbaus mit Säulenportikus und Rundturm. Das den Hof abschließende Tor wird von zwei Pfeilern flankiert, auf denen je ein Löwe mit Putto sitzt, der ein Wappen mit dem Monogramm Mergenbaums hält. Die Figuren aus rotem Sandstein wurden von J. B. Scholl d. Ä. um 1780 gefertigt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 262-263.

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