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Hafenbahnhofstraße

Planungen zum Ausbau des Hafens und die Errichtung einer entsprechenden Hafenverwaltung existierten schon seit 1910, doch wurde die Ausführung bis nach dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt. Die Bauten entstanden daher erst 1918–21 mit dem Ausbau des Neuen Hafens und dem Anschluss an die Rhein-Main-Donau-Schifffahrtsstraße. Die Hafenbahnhofsiedlung mit Verwaltung besteht aus einer Gruppe von sieben zweigeschossigen Walmdachbauten, die nach einheitlichem Plan zur selben Zeit in Nähe zum Hafen entlang den Bahngleisen errichtet wurde. Zentrum der Anlage bildet westlich ein begrünter Platz, der von drei Bauten eingefasst wird, deren mittlerer mit einem Dachreiter als Hauptgebäude der Verwaltung gekennzeichnet ist (Nr. 25). Während das den Platz westlich begrenzende Gebäude (Nr. 27) Verwaltungszwecken dient, ist das östliche Gebäude (Nr. 21) das erste von fünf Wohnhäusern (Nrn. 17–23), die in Stellung und Größe alternieren.

Die Walmdachbauten besitzen alle einen oblongen Grundriss, einen bossierten Rotsandsteinsockel, weiß verputzte Wandflächen, ein leicht vortretendes Obergeschoss, weit vorspringende kastenartige Traufen, ein ziegelgedecktes Walmdach mit verschieferten Gauben und symmetrisch angeordneten Kaminen im First. Alle Wohnhäuser haben ein begrüntes Gartenumfeld. Der Verwaltungsbau (Nr. 25) hat sieben zu drei Achsen. Im Dach erscheinen drei Giebelgauben und auf der Schmalseite nur eine. Bekrönt wird das Gebäude von einem achteckigen verschieferten Uhren-Dachreiter mit Zwiebelhaube, Knauf und Wetterfahne. Zum Platz hin wird das Gebäude durch einen mittigen rundbogigen Eingang mit einem barocken, kräftig profilierten Rahmen erschlossen. Auf der rückwärtigen Seite zu den Gleisen hin befinden sich drei rundbogige Türen. Während die Türen durch die roten Sandsteinrahmungen besonders hervorgehoben sind, sind die Fenster rahmenlos eingeschnitten und haben lediglich Sandsteinsohlbänke. Die geteilten Fensterfüllungen sind zwar leider verlorengegangen, die Klappläden mit Lamellen – wichtig für die Wirkung der Gesamterscheinung – sind jedoch weitgehend erhalten.

Nr. 27 (Verwaltung) hat annähernd die gleichen Dimensionen wie Nr. 25 und ebenfalls keinen Risalit. An den Schmalseiten befindet sich je ein über eine Sandsteinfreitreppe erschlossener Rundbogeneingang. Dieser Bau ist in jüngerer Zeit etwa in den Gauben und an den Kaminen verändert worden. Drei kleinere Wohnhäuser (Nrn. 15, 19 und 23) mit sieben zu zwei Achsen stehen mit der Schmalseite zur Straße. Ihr Eingang liegt auf der Längsseite in einem geschwungen vorgewölbten und ins Dach reichenden Treppenhausrisalit mit breiten Lisenen, die im profilierten Gesims und im geschwungenen Giebel verkröpft sind. Das Dach des Risalits ist wie die Giebelgauben verschiefert. Das Treppenhaus wird durch die Tür, ein Fenster und ein achteckiges Fenster zwischen den Geschossen belichtet. Rückwärtig sind zwei kleine Balkone auf Balkenkonsolen in der Mitte und kleine Toilettenfenster angebracht. Die zwei größeren Wohnhäuser stehen etwas zurückgesetzt längs der Straße, zu der sie ihre Rückseite mit Balkonen und wie an den Schmalseiten mit zweckbestimmter, aber dennoch wohlproportionierter Durchfensterung zeigen. Die Nebeneingänge haben schlichte Rahmen mit einem blinden Rundbogen. Die Hauptseite liegt zum südlichen Garten hin. Ihre Front wird bestimmt vom Fassadenrücksprung mit dem geschwungenen Eingangsrisalit zwischen zwei Risaliten, die an Pavillons erinnern. Zur Bautengruppe gehört noch ein in der Formensprache bescheideneres und kleineres Nebengebäude zwischen Nr. 23 und 25 mit Satteldach und verbretterten Giebeln, das technischen gemeinschaftlichen Zwecken dient. Im Rahmen kriegsvorbereitender Maßnahmen wurde die bahn- und hafennahe Baugruppe mit einem Bunker versehen. Das große Wohnhaus Seegrundstraße 1 stammt seiner Merkmale nach vom selben Planfertiger wie die anderen Bauten und wurde zur gleichen Zeit errichtet. Das Gebäude erscheint als fünfachsiger Längsbau zwischen zweiachsigen Pavillons. Zur Straße hat er einen rundbogigen, über eine Treppe erschlossenen Eingang. Auf der südlichen Gartenseite weisen die Pavillons Balkone auf, der Treppenhausrisalit ist im Unterschied zu den anderen Wohnhäusern flach. Auch die Garteneinfriedung z. T. aus Rotsandstein ist architektonisch gestaltet. Die Walmdachbauten sind mit ihren Fachwerkanspielungen und Fenstern mit Klappläden sowie durch ihre relative Schlichtheit dem sog. Heimatstil zuzuordnen. In ihrer Anordnung, ihren Proportionen, der symmetrischen Disposition, den Risaliten, dem Dachreiter bzw. der Haustür spiegeln sich barocke Traditionen wider, wie sie gern im 1. Viertel des 20. Jh. wieder aufgegriffen wurden.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 266-267.

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