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Frohsinnstraße

Die nordöstlich der Altstadt gelegene Frohsinnstraße verläuft zwischen Weißenburger Straße und Ludwigstraße, sie bildet damit die Verbindung zwischen der ehem. Befestigung der Unterstadt und dem Bahnhof. Der Gesellschaftsverein „Frohsinn“ hatte 1858 sein Gesellschaftshaus in der Straße erbaut, weswegen sie in den 60er Jahren des 19. Jh. nach diesem Verein benannt wurde. Zuvor hieß sie ihrer Funktion als Verbindung zum Bahnhof entsprechend Bahnhofstraße, später auch Innere Glattbacher Straße und zwischen 1933 und 1945 Adolf-Hitler-Straße. In der 2. Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich die Frohsinnstraße dann zu einer lebendigen Geschäftsstraße mit mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, in deren Rückgebäuden zunehmend kleinere Handwerksbetriebe ihre Produktion ausübten. Der Straßenzug wurde im Zweiten Weltkrieg, insbesondere beim Luftangriff am 21. November 1944, schwer getroffen. Zahlreiche Gebäude wurden von Bomben so stark beschädigt, dass nach 1945 zunächst nur in den Erdgeschossräumen oder in provisorischen Baracken einige Geschäfte wieder eröffnet wurden. Da nur wenige Gebäude so gut erhalten waren, dass sie wieder instand gesetzt werden konnten, ist die Frohsinnstraße ein Ort, an dem die moderne Architektur der 50er und 60er Jahre des 20. Jh. Raum bekam. Moderner Geschäfts- und Wohnungsbau in fortschrittlicher Stahlbetonskelettbauweise mit Vorhangfassaden sind Beispiele für das Fortschreiben der Baugeschichte der Stadt.

Frohsinnstraße 1/3

1896 ließen Georg Friedrich und Simon Kuhn ein Doppelhaus mit Rückgebäude am Beginn der Frohsinnstraße errichten. Die Pläne zu dem Wohn- und Geschäftshaus zeichnete der Baumeister F. Fröhlich. Er entwarf für das Doppelhaus zwei regelmäßige, aber unterschiedlich rhythmisierte Fassaden. Von den jeweils vier Fensterachsen sind bei Haus Nr. 1 die mittleren Achsen und bei Nr. 3 die beiden äußeren Achsen zu Paaren zusammengefasst. Das Erdgeschoss beider Häuser war aus Sandsteinquadern errichtet, die übrige Fassade verputzt. Die Fenster erhielten eine Rahmung aus rotem Sandstein und zeigen die stilistisch typischen Dekorformen für die Zeit um 1900. Die Gewände sind abgefast und mit Ankersteinen versehen. Dabei heben sich die Fenster des 1. Obergeschosses durch eine aufwendigere Gestaltung ab. Außerdem sind die jeweils äußeren Fensterachsen stärker gestaltet als die übrigen. Die Brüstungsfelder sind im 1. Obergeschoss mit kleinen Blendbögen und im 3. Obergeschoss mit Wappen versehen. Durchlaufende Sohlbankgesimse gliedern die Fassade in horizontaler Richtung. Ursprünglich besaß Haus Nr. 3 über den mittleren zwei Achsen einen Zwerchgiebel. Im Erdgeschoss von Nr. 1 besteht eine rundbogige Durchfahrt zum Hof. Die ehemals großen Rundbogenfenster mit Brüstungen im Erdgeschoss wurden bereits 1904 zu tiefen Schaufenstern umgebaut. Heute sind in beiden Gebäuden moderne Geschäftsräume eingerichtet. Während des Luftangriffs im November 1944 wurde das Haus im Bereich des Daches beschädigt. Außerdem entstanden Schäden an Decken, Fenstern, Türen und den Schaufenstern. Nach dem Krieg ließ der Tapetenverkäufer Otto Kaufer die Schaufensterfront erneut verändern. Weitere bauliche Eingriffe erfolgten 1978 und 2001, als man Änderungen an der Binnenstruktur vornahm.

Frohsinnstraße 2

Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Weißenburger Straße/ Frohsinnstraße wurde 1890 für den Eisenwarenhändler Carl Stark errichtet. Es bildet durch seine Ecklage städtebaulich den Übergang von der Geschäftsstraße zum Stadtboulevard. Die rote Backsteinfassade ist durch hellen Sandstein gegliedert. Während Pilaster die Fassade in vertikaler Richtung gliedern, geben durchlaufende Sohl- und Sturzgesimse der Fassade eine horizontale Gliederung. Von den vier zur Frohsinnstraße gerichteten Fensterachsen ist die zweite von links zu einem leicht vortretenden Risalit ausgebildet. Die Fenster sind dort zu Paaren zusammengefasst und im 2. Obergeschoss mit einem Giebel überfangen. Die Achse der Gebäudekante ist durch besondere Gestaltung hervorgehoben. Sie ist gänzlich aus Sandstein gefertigt und im 3. Obergeschoss mit einem Holzerker versehen, der dem Gebäude 1916 hinzugegeben wurde. 1909 wurde der Eingang verlegt und damit die Schaufenster auf der Seite der Weißenburger Straße vergrößert. Durch Luftdruck verschiedener Angriffe und Artillerie wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg an Vorder- und Rückseite des Hauses, an Dach, Decken und der Brandmauer zu Haus Nr. 4 schwer beschädigt. 1998 erfolgte der letzte Umbau und die Renovierung des Geschäftes.

Frohsinnstraße 5

1893 plante der Architekt Hermann Reichard den Neubau eines Wohnhauses für den Zahntechniker Karl Münch in der zu dieser Zeit als „Innere Glattbacher Straße“ bezeichneten Straße. Das Gebäude wurde traufständig dreigeschossig an der neuen Baulinie in der Frohsinnstraße errichtet. Im Erdgeschoss befand sich mittig ein Ladengeschäft, links davon ein rundbogiges Schaufenster und auf der rechten Seite eine ebenfalls rundbogige Eingangstür. Dieser ursprüngliche Erdgeschossbereich ist heute modernisiert. Die Obergeschosse aus gelben Backsteinen sind durch Rahmungen aus rotem Mainsandstein hervorgehoben. Die Fenster der beiden äußeren Achsen sind zu Paaren zusammengefasst und mit einer gemeinsamen Giebelverdachung versehen. Im 1. Obergeschoss haben die Fenster seitliche Pilaster und eine gerade Verdachung, im 2. Obergeschoss profilierte Gewände mit einer Ohrung und ebenfalls gerade Verdachungen. Das Gebäude schließt mit einem Satteldach ab. Im Zweiten Weltkrieg entstanden Schäden im Bereich des Daches und des 2. Obergeschosses. Bei den Instandsetzungsarbeiten verzichtete man wohl auf die in den Bauplänen gezeichneten Überfangbögen über den Fenstern dieses Geschosses.

Frohsinnstraße 7

Ein Jahr nach der Errichtung des Wohn- und Geschäftshauses Nr. 5 ließ sich Karl Münch 1894 ein weiteres Gebäude ebenfalls von Hermann Reichard in unmittelbarer Nachbarschaft errichten. Beide Gebäude sind daher sehr ähnlich. Der dreigeschossige traufständige Satteldachbau mit fünfachsiger Fassade ist in der typisch gründerzeitlichen Bauweise aus gelben Backsteinen mit Sandsteinelementen gestaltet. Das modernisierte Erdgeschoss hatte ursprünglich stichbogige Schaufenster mit Brüstung und rechts eine Durchfahrt zum Hof. Gesimse gliedern die Fassade horizontal. Die Fenster des 1. Obergeschosses, die abwechselnd mit Giebel- oder Segmentbogenverdachungen versehen sind, werden durch ein durchlaufendes Sohlbankgesims sowie einen durchlaufenden Sturz miteinander verbunden, die Fenster des 2. Obergeschosses mit Überfangbögen und Schlussstein durch ein durchgehendes Sturzgesims. Auf dem Satteldach sitzen achsgerecht kleine Gauben. 1908 ließ sich der Tuchhändler M. Goldschmidt von Baumeister Adam Schneider das Erdgeschoss des Gebäudes für einen Laden umbauen. Die Ladenzone wurde im Verlauf mehrmals verändert.

Frohsinnstraße 8

1904 erfolgte der Neubau eines Wohnhauses für den Möbelfabrikanten Emanuel Russmann nach Plänen von Johann Scheuermann. Dieser errichtete auf dem schmalen Grundstück ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer nur zweiachsigen Fassade aus weißen Ziegelsteinen und Gliederungen aus rotem Sandstein. Zwischen den beiden Fensterachsen sitzt im Bereich des 2. und 3. Obergeschosses ein polygonaler Erker aus rotem Sandstein. Das Gebäude wird von einem Satteldach abgeschlossen, das 1957 einen Dachaufbau erhielt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude Schäden durch Luftdruck am Dach, an den Decken und Zwischenwänden; der Giebel der Brandmauer stürzte ein.

Frohsinnstraße 9

Der Architekt Heinrich Morhard errichtete 1909 für Emanuel Russmann, dem bereits die Anwesen Nr. 8 und 10 gehörten, einen neuen Wohn- und Geschäftshausbau. Das Gebäude erhebt sich viergeschossig in städtebaulich markanter Lage, an der Stelle, wo die zum Bahnhof in westlicher Richtung leicht abknickende Frohsinnstraße auf die Bodelschwingh- und Heinsestraße trifft und einen kleinen Platz, den Alfons-Goppel-Platz, ausbildet. Die neubarocke Fassade hebt sich deutlich von den noch stark dem Historismus der Gründerzeit verschriebenen Bauten am Beginn der Frohsinnstraße ab. Der repräsentative Anspruch des Gebäudes ist klar ablesbar. Die Fassade ist dem Verlauf der Straße folgend etwas abgeknickt. Ein geringfügig hervortretender Mittelteil mit seitlichen Risaliten wird von zwei je zweiachsigen Seitenflügeln gerahmt. Das Mansarddach des Mittelteils unterstreicht den barocken Charakter des Gebäudes. Die Fassade ist glatt verputzt. Architekturteile wie Fensterrahmungen, Eckquaderungen, Gesimse und Balkone sind aus rotem Sandstein. Das Erdgeschoss mit seinen rundbogigen Öffnungen besteht aus unverputzten Sandsteinquadern. Die beiden seitlichen Risalite des Mittelbaus sind im 2. und 3. Obergeschoss mit sog. Bay Windows versehen. Die dazwischenliegenden Brüstungsfelder tragen Reliefs mit floralen Motiven. Diese wiederholen sich unter der Traufe im Bereich zwischen den Seitenrisaliten. Im 1. Obergeschoss befinden sich Balkone mit Sandsteinbrüstungen auf kräftigen Konsolen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Unter der Leitung des Architekten Alfred Eckert wurde es 1947 wieder instand gesetzt.

Frohsinnstraße 10

Der Tapeziermeister Emanuel Russmann ließ sich 1896 vom Baugeschäft Caspar Schmelzer in der Frohsinnstraße 10 ein Wohn- und Geschäftshaus neu errichten. Der viergeschossige Backsteinbau mit einseitig abgewalmtem Dach gehört stilistisch zu der gründerzeitlichen Bebauung am Beginn der Frohsinnstraße. Die breite, acht Fensterachsen umfassende Fassade aus typischem Ziegelmauerwerk ist durch Fensterrahmen, Gesimse und Eckquader aus rotem Sandstein regelmäßig gegliedert. Alle Achsen sind gleich gestaltet, keine springt vor oder ist hervorgehoben. Die Fenster sind allerdings in jedem Geschoss mit einer anderen Rahmung versehen. Durchlaufende Gesimse betonen die horizontale Gestaltung der Fassade, die einen an einen italienischen Palazzo erinnernden Charakter hat. Das Erdgeschoss war bereits zu Bauzeiten auf der linken Seite als Laden ausgebaut. Die Durchfahrt zum Hof entstand erst 1903. Im Krieg erlitt das Gebäude starke Schäden. Das als Wohnhaus errichtete Gebäude wurde vom Katholischen Frauenbund genutzt und diente seit 1997 als Pflegeheim für geistig behinderte Menschen. Heute werden die Räume von einem sozial engagierten Verein genutzt.

 Frohsinnstraße 11

Das 1955/56 errichtete Hotel ist ein siebengeschossiger Stahlbetonskelettbau mit Flachdach, der 1954 von dem Architekten Karl Rothaug entworfen wurde. Der Baukörper besteht aus zwei Gebäudeteilen: einem horizontal gegliederten Hotelteil, in dem sich die Gästezimmer befinden, und einem etwas höheren, vertikal gegliederten Treppenhausanbau. Die horizontale Gliederung des Hotelteils manifestiert sich in den scheinbar durchlaufenden Fensterreihen der sechs Obergeschosse. Das Erdgeschoss verfügt über Geschäfte mit großen Schaufenstern. Das Dachgeschoss springt etwas zurück, wodurch die zur Straße gerichtete Ostseite Raum für Balkone erhält. Die Vertikalität des Treppenhausbaus entsteht durch eng gestellte, die Geschosse durchlaufende Betonstreben. Zwischen den Streben sind schmale Fenster eingebracht. Dieser Gebäudeteil nimmt Treppenhaus und Aufzug auf. In seinem Erdgeschossbereich liegt eine Durchfahrt zum Hinterhof, der als Parkplatz für Gäste und Angestellte des Hotels dient. Rückwärtig ist ein weiterer Gebäudeteil angeschlossen, in dem sich ebenfalls Hotelzimmer befinden. Die Fassade des gesamten Gebäudes ist unverputzt. Dadurch ist die Stahlbetonskelettkonstruktion an der Fassade ablesbar. Als Gestaltungsmittel dient die Verkleidung der Brüstungsfelder unter den Fenstern und der Randbereiche der Fassade mit gelben Backsteinen. Erschlossen wird das Gebäude über den straßenseitigen Haupteingang. Nach dem links des Eingangs liegenden Treppenhaus folgt eine kleine Hotelhalle, von der aus der hintere Teil des Gebäudes erreichbar ist. Im Erdgeschoss befinden sich ein Restaurant, Clubräume und die Küche sowie Läden, die von der Straße aus zugänglich sind. Im nördlichen Teil des Gebäudes liegt das zweite Treppenhaus. Der Grundriss des Hotels wurde der städtebaulichen Situation ideal angepasst. Der siebengeschossige Gebäudeteil folgt der Straßenflucht der Frohsinnstraße, wohingegen der höhere Treppenhausteil eine Akzentuierung am Alfons-Goppel-Platz darstellt. Das Gebäude ist ein qualitätvolles Beispiel der Wiederaufbauarchitektur in den Formen und Materialien der Nachkriegsmoderne.

Frohsinnstraße 17

Das sechsgeschossige Wohn- und Geschäftshaus mit Dachterrasse wurde 1954 von Architekt Werner Schlauersbach in Stahlbetonskelettbauweise unter der Bauherrschaft von Schäfer & Spinnler errichtet. Das Gebäude besteht aus einem Straßenflügel mit Erdgeschoss, fünf Obergeschossen und einer Dachterrasse sowie einem Hofflügel mit Erdgeschoss und drei Obergeschossen. Straßenflügel und Hofflügel haben jeweils ein eigenes Treppenhaus, wobei der Straßenflügel zusätzlich über einen Aufzug verfügt. Das gesamte Gebäude ist unterkellert. Der auch „Viktoria“-Haus – nach der Firma der Bauherren – genannte sechsgeschossige Straßenflügel wird im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss gewerblich genutzt. Die übrigen Geschosse sind Wohnzwecken vorbehalten. In 22 m Höhe befindet sich eine begehbare Dachterrasse. Insgesamt gibt es in beiden Flügeln 50 Wohnungen: 42 Einzelappartements und 8 Zweizimmerwohnungen. Jede Wohnung ist mit einem kleinen Flur mit Einbauschrank, einem Bad und einer Kochnische ausgestattet. Fast jeder Bewohner hat einen Balkon. Über die Durchfahrt im Straßenflügel erreicht man den Hinterhof und die im Erdgeschossbereich des Hofflügels untergebrachten Garagen. Im Hof steht ein weiteres Gebäude, welches zur vorhergehenden Bebauung gehörte.

Die Fassade des Straßenflügels ist deutlich vertikal gegliedert. In relativ engen Abständen gestellte tragende Betonstreben geben der Fassade ein in die Höhe strebendes Erscheinungsbild. Zwischen den Streben sitzen hochrechteckige Fenster, deren Brüstungsfelder mit geriffelten Kacheln verkleidet sind. Über den Geschäften der Erdgeschosszone ragt ein an der Unterseite kassettiertes Betondach vor. Das 5. Obergeschoss ist etwas zurückversetzt, wodurch Raum für Freisitze entsteht. Darüber liegt die vom Straßenniveau nicht einsehbare Dachterrasse. Für den Bau des neuen Wohn- und Geschäftshauses in der Frohsinnstraße wurden insgesamt 400 Tonnen Zement und 70 Tonnen Stahl verbaut. Man wandte bei der Errichtung des Gebäudes erstmals eine neue Methode an: Leitungsrohre für Gas, Wasser und Strom wurden in den Beton eingegossen. Dies erforderte viel Sorgfalt bei der Arbeit, weil nichts im Nachhinein repariert werden kann. Ein großer Vorteil dieser Methode ist jedoch die Zeit- und damit Geldersparnis, da die Installateure gleichzeitig mit den Maurern arbeiten konnten. Die Anwendung dieser Baumethode ermöglichte somit eine sehr kurze Bauzeit von nur sechs Monaten. Der Bau war am 31. Dezember 1954 bezugsfertig. In zeitgenössischen Medien wurde das Gebäude als „modernstes Haus Aschaffenburgs“ und „vielbestauntes Musterbeispiel moderner Bauweise“ beschrieben. Tatsächlich handelt es sich um ein anschauliches Beispiel der Architektur des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Architekt hat mit der damals üblichen Konstruktionsmethode, dem Stahlbetonskelettbau, ein modernes Wohn- und Geschäftshaus geschaffen, das in kurzer Bauzeit viel Wohnraum in Kombination mit Räumlichkeiten für gewerbliche Nutzung wie Einkaufsläden und Restaurants bietet. Der Bau ist damit ein Zeugnis einer Zeit, in der es nötig war, mit wenigen Mitteln, in kurzer Zeit möglichst viel Lebensqualität für die Bürger zu schaffen. Dazu gehörte durchaus moderner, gut belichteter und zentral beheizter Wohnraum in der Innenstadt.

Frohsinnstraße 25

Außer der Bezeichnung „1896“ am oberen Ende des Erkers sind keine Überlieferungen zur Baugeschichte des repräsentativen Wohn- und Geschäftshauses erhalten. Der viergeschossige Mansarddachbau steht traufständig am nördlichen Ende der Frohsinnstraße. Die Backsteinfassade ist mit Elementen aus rotem Mainsandstein reich gegliedert. Die fünf Achsen sind durch schmale Pilaster vertikal unterteilt. Die Fenster der beiden äußeren Achsen sind zu Paaren zusammengefasst und im Bereich des 1. Obergeschosses mit einem Balkon mit Sandsteinbalusterbrüstung versehen. Im Dach betont ein wirkungsvolles Zwerchhaus die äußeren Achsen. Die symmetrische Fassade erfährt in der Mitte durch einen über zwei Geschosse reichenden Erker, der im 3. Obergeschoss in einem kleinen Balkon mit Gusseisengitter endet, eine weitere Akzentuierung. Alle Fenster sind durch ein Gesims in Höhe der Sohlbänke und des Fenstersturzes optisch miteinander verbunden. Die Fenster des 3. Obergeschosses sind alle gekuppelt, etwas kleiner und rundbogig. Im Dach sitzen drei achsgerechte Gauben. Das wohl von Kriegsschäden weitestgehend verschont gebliebene Gebäude zeigt sich bis auf den modernisierten Erdgeschossbereich heute in bauzeitlicher Gestalt. Es verdeutlicht durch seine repräsentative Fassade in städtebaulich markanter Lage direkt gegenüber dem Bahnhof als „Tor zur Stadt“ den hohen Stellenwert, den man am Ende des 19. Jh. dem modernen Verkehrsmittel Eisenbahn und dem sich damit entwickelnden Stadtviertel beimaß.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 46-50.

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