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Friedrichstraße

Die Friedrichstraße entstand in Folge der Niederlegung der einstigen Stadtbefestigung 1870/71. Anstelle der zweispurigen Straße verlief seit Mitte des 14. Jh. die Stadtmauer mit Graben und „Seilergang“, einem Weg entlang der Inneren Mauer. Die Stadtbefestigung wurde abgebrochen, der zugehörige Graben verfüllt und eine breite Straße als Promenade mit Grünstreifen angelegt. So ist die Friedrichstraße heute gemeinsam mit der parallel verlaufenden Weißenburger Straße eine Art Ringstraße, die am Roßmarkt beginnt und an der Einmündung der Duccastraße auf die Weißenburger Straße trifft. Die Herkunft der Namensbezeichnung der Friedrichstraße ist umstritten. Da aber die Benennung der Straße in engem Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 steht, erscheint es plausibel, dass sie den Namen des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der Bayern bei Weißenburg am 4. August 1870 zum Sieg führte, trägt, und nicht wie Johann Schober (1906) meint, den des Mainzer Kurfürsten Friedrich Carl Joseph von Erthal (1719–1802). Die Friedrichstraße ist nur einseitig auf der Südseite mit Wohn- und Geschäftshäusern des späten 19. und frühen 20. Jh. mit Fassaden im Stil des Historismus und des Jugendstils bebaut. Auf der anderen Seite grenzt ein parkähnlicher Grünstreifen, das ehem. offene Schöntal, an. Mit der ebenfalls repräsentativen Bebauung auf der nördlichen Seite der Weißenburger Straße ergibt sich ein geschlossener Straßenzug.

Ensemble Friedrichstraße/Weißenburger Straße

Seit 1854, mit dem Anschluss an die Ludwig-Westbahn, begann Aschaffenburg sich weiter nach Norden auszudehnen. Dieses Wachstum kam erst während der Gründerzeit zur vollen Entfaltung, da bis 1870 die äußere Stadtbefestigung von 1370/80 im Wesentlichen erhalten geblieben war. Erst nachdem der Graben zwischen der ehem. Apfelallee (heute Weißenburger Straße) und dem Seilergang (jetzt Friedrichstraße) aufgefüllt und die Stadtmauer beseitigt worden war (1870/71), setzte die Bebauung ein, die dem Ensemble Friedrichstraße/Weißenburger Straße trotz zahlreicher Kriegszerstörungen und Neubauten seinen bleibenden Stempel aufdrückt. Ein Beispiel der frühen Bebauung ist das Anwesen Friedrichstraße 19 aus dem Jahr 1874, errichtet an der Stelle des 1867 abgebrochenen sog. Folterturms, der Teil der äußeren Aschaffenburger Stadtbefestigung gewesen war. Dieses ehem. spätklassizistische Wohnhaus, heute an einen modernen Geschäftsbau angebunden, illustriert die ursprüngliche villenartige Bebauung am Rande der Unteren Stadt. Mit Bauten des späten Historismus und Jugendstils, mit z.T. prächtigen, roten und gelben Sandsteinfassaden des späten 19. und frühen 20. Jh., wurde diese Straßenanlage zu einer vom Typus der Ringstraße erweitert, die auch den hierfür charakteristischen, parkartigen Grünstreifen besitzt und so in besonderer Weise die alte „Stadtgrenze“ anschaulich macht. Ein besonderes städtebauliches Gewicht bekommt das Ensemble dadurch, dass es im Zusammenhang eines größeren, die Stadt einfassenden Park- und Grüngürtels steht. Denn östlich der erhaltenen Barbakane des 1869 abgebrochenen Herstalltores, die einen Endpunkt des Ensembles markiert, erstreckt sich der Park Schöntal, der ehem. ummauerte fürstliche Tiergarten, der im 18. Jh. zu einem englischen Park (mit der „Staffagearchitektur“ der Beginenklosterruine) umgewandelt worden war. Am westlichen Endpunkt des Ensemblebereichs, ungefähr da, wo das ehem. Karlstor bzw. Dingstalltor stand, setzt sich der Grüngürtel im Schlossgarten fort, der, bis zum Main führend, einen Schloss und Pompejanum einfassenden Park bildet.

Friedrichstraße 15

Das dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Friedrichstraße/Luitpoldstraße ließ sich 1892 der Tünchermeister Otto Hock von dem Münchner Architekten August Hock neu errichten. Das weitgehend in bauzeitlichen Formen erhaltene Gebäude gehört zur ersten Bebauung an der 1898 fertig ausgebauten Friedrichstraße. Die Fassade ist im Stil der Neurenaissance durch Elemente aus rotem Sandstein reich gegliedert. Das aufgehende Mauerwerk über dem Erdgeschoss aus roten Sandsteinquadern ist verputzt und war ursprünglich mit Dekorationsmalereien versehen. Die Fenster der beiden Obergeschosse sind mit Sandsteingewänden gerahmt, die des 1. Obergeschosses haben zusätzlich gerade, profilierte Überdachungen. Die Fassade zur Friedrichstraße hat sechs Fensterachsen, von denen die von Nr. 13 aus gesehen erste Achse als Risalit ausgebildet ist. Dieser ist ganz aus roten Sandsteinquadern gearbeitet und in Höhe des 1. Obergeschosses mit einem Erker versehen, der in einem Balkon endet. Der Risalit schließt mit einem steilen Walmdach ab. Die dritte Achse tritt risalitartig vor, ist mit Eckquaderung betont und hat gekuppelte Fenster. Im Erdgeschoss befindet sich ein rundbogiges Portal, darüber ein von geschwungenen Konsolen getragener Balkon; den Abschluss bildet ein Zwerchgiebel, den ein Sandsteingiebelreiter bekrönt. Die Gebäudekante ist abgeschrägt, in Höhe des 1. Obergeschosses sitzt ein Erker, der in einem Türmchen mit hohem Pyramidendach endet. Die Fassade zur Luitpoldstraße ist nur vier Achsen breit, wobei die vierte Achse wiederum als Risalit mit Erker und Zwerchgiebel gestaltet ist. Heute schließt direkt an das Gebäude ein moderner Bürobau an. Zur Bauzeit befand sich jedoch in der Luitpoldstraße ein kleiner eingefriedeter Garten mit rundbogigem Eingangsportal. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Mansardenräume und die Wohnung im 2. Obergeschoss durch Luftangriffe und Artillerie zerstört sowie Mauern, Fenster und Türen beschädigt. 1978 wurden die Fenster erneuert, 1980 zwei Rückgebäude abgebrochen und 1982 Umbauten im Erdgeschoss vorgenommen.

Friedrichstraße 19

1874 ersteigerte der praktizierende Arzt Dr. Rudolf Döbner das Grundstück des ehem. Friedhofs der St.-Agathakirche und beauftragte Architekt Josef Zwisler dort eine Villa zu richten, die er 1882 um einen Anbau in Richtung Osten erweitern ließ. Das asymmetrische Gebäude ist zweigeschossig und verfügt über ein Souterrain. Die äußerste rechte Achse tritt leicht nach vorn und ist um ein Mezzaningeschoss erhöht. Die Fenster sind gekuppelt. Bei den übrigen Achsen sind die Fenster mit Steingewänden gerahmt, im Obergeschoss mit gerader Verdachung auf kleinen Konsolen. Die ergänzte Achse im Erdgeschoss nimmt eine Dreierfenstergruppe auf, die von Lisenen mit Basen und Kopfstücken gerahmt ist. Im Obergeschoss ist diese Fenstergruppe zu einem flachen Erker mit seitlichen Schlitzfenstern ausgebildet. Die die Fenster rahmenden Lisenen tragen ein Gebälk und einen flachen Dreiecksgiebel. Die Villa wird von einem weit überstehenden, flachen Satteldach abgeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg verursachte Luftdruck schwere Schäden an der Villa, die der Zahnarzt Dr. Kreußer, der seit 1935 Besitzer der Villa war, 1958 durch den Architekten Karl Jung instand setzen ließ. Weitere Um- und Erweiterungsbauten wurden vorgenommen, wobei man bei Grabungen Reste des ehem. Stadtturms, des sog. Folter- oder Zehntturms, entdeckte. Dieser wurde im 14. Jh. errichtet und 1871 abgebrochen. 1971/72 wurde die Villa restauriert und an der Seite zur Erthalstraße ein modernes Bürogebäude nach Plänen des Aschaffenburger Architekten Heinrich Kaupp errichtet. Der Büroneubau wurde im Bereich des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses mit der Villa verbunden. Dafür wurde das Treppenhaus der Villa in den Neubau verlegt und die Raumaufteilung geändert.

Friedrichstraße 33/35/37

Zwischen Oktober 1906 und März 1907 wurden diese drei viergeschossigen Mietshäuser auf dem ehemals zur Karlstraße 12 gehörenden Grundstück von dem Architekten Heinrich Morhard für Alois Scheuermann und den Kaufmann Friedrich Neis entworfen. Die Fassaden sind individuell gestaltet, haben aber gemeinsame, verbindende Elemente, die ein harmonisches Erscheinungsbild bewirken. Neben der einheitlichen Geschosshöhe sind das das durchgehende Erdgeschoss, die Erker und die Gliederungselemente aus örtlichem rotem Sandstein. Alle drei Gebäude sind mit einem Mansarddach abgeschlossen. Die Hauseingänge befinden sich auf der jeweils rechten Seite und haben ein Oberlicht zur Belichtung des dahinterliegenden Flures. Die Fenster der hohen Erdgeschosszone sind rundbogig, die der Obergeschosse rechteckig mit gefastem Gewände. Im Bereich der Mansarde gibt es unterschiedliche Dachaufbauten wie Zwerchgiebel bei Nr. 33, turmartiger Aufbau mit Kegeldach bei Nr. 35 und Zwerchhaus mit Filialgiebel bei Nr. 37. Alle drei Mietshäuser erlitten durch Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg Schäden im Dachbereich und an den Obergeschossen. Nach Instandsetzung wurden auf den Gebäuderückseiten in den 1960er Jahren Balkone angefügt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 7-8; S. 44-46.

Kommentare

  1. Unklar bleibt hier leider das Jahr der (endgültigen) Verfüllung des Stadtgrabens auf das heutige Niveau der Friedrichstraße. Diese Verfüllung erfolgte keineswegs schon in Verbindung mit der Niederlegung der Stadtmauer, wie man das nach obenstehendem Beitrag annehmen könnte, sondern großenteils erst ein viertel Jahrhundert später im Jahre 1895. Die Grabenverfüllung war begleitet von umfangreichen Rodungen im offenen Schöntal und schuf damals die Voraussetzung für seine Neuanpflanzung und die Errichtung des SC-Kriegerdenkmals 1870/71 im Jahre 1896 und für den Ludwigsbrunnen (1897). Quelle: Aschaffenburger Zeitung, 1895

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