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Der Besuch des bayerischen Königs Ludwigs I. und seiner Familie in Aschaffenburg 1840 (Teil 1)

Zwei Jahre mussten die Aschaffenburger warten, bis ihr geliebter König Ludwig I. (1786-1868) wieder die Stadt besuchte. Am 20. Mai 1840 traf die Familie in Aschaffenburg ein, nachdem sie vorher Besuche in Ingolstadt und Würzburg absolvierte. Neben König Ludwig und seiner Ehefrau Therese (1792-1854) waren die Kinder Luitpold (1821-1912, der spätere Prinzregent) und Adelgunde (1823-1914), Hildegard (1825-1864), Alexandra (1826-1875) und Adalbert (1828-1875) mitgereist. Der Thronfolger Maximilian (1811-1864, später Maximilian II.) reiste später an.[1]

Das Sandtor war mit einem Triumpfbogen aus Laub- und Blumengewinden ausgestattet und mit der Königskrone sowie dem bayerischen Wappen geschmückt. In goldenen Buchstaben stand „Willkommen“ geschrieben. Hier hielten Pfarrer Anderlohr eine Rede und eine Lehrerin, Frl. Mittermayer, trug ein Gedicht vor. Kaplan Will richtete einen Gruß an die Königin und ein Frl. Marx trug ein weiteres Gedicht vor.

Die Besuche der Königsfamilie in Aschaffenburg waren eine Mischung aus offiziellem Besuch und – Urlaub. Aschaffenburg war natürlich auch eine ideale „Außenstelle“, von wo man Besuche aus dem nicht weit entfernten Ausland empfangen konnte. Das „Ausland“ begann schon ein paar Kilometer westlich an der Grenze zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Dort war die älteste Tochter Mathilde (1813-1862)[2] mit dem Erbgroßherzog von Hessen, Ludwig III. (1806-1877, 1848 bis 1877 Großherzog von Hessen-Darmstadt) verheiratet. Nach Mathilde ist die berühmte Mathildenhöhe in Darmstadt benannt. Sie nutzte, so oft es ging, die Gelegenheit, um in Aschaffenburg bei ihrer Familie zu sein.

Am Sonntag, dem 24. Mai 1840, wohnte das Königspaar mit Prinz Luitpold einem Konzert der Opernsängerin Clara Stökl-Heinefetter aus Wien bei. Dabei traten auch ihre Schwester Madame Miklovich-Heinefetter, Herr Hirsch, Violinist des herzoglichen Theaterorchesters Wiesbaden und Herr Ostermaier, Hautboist des hier stationierten Regiments „Zandt“ auf. Veranstalter war der hiesige Frauen-Verein.[3]

Bereits am Vormittag des 21. Mai trafen der Erbgroßherzog von Hessen, Ludwig III., und seine Ehefrau Mathilde in Aschaffenburg ein, um am Abend wieder abzureisen.[4] Am Dienstag, 26. Mai 1840, besuchten sie wieder Aschaffenburg. Diesmal war der russische Thronfolger [Alexander II., 1818-1881] mit dabei, denn er war mit der erst 15jährigen Maria zu Hessen und bei Rhein (1824-1880), einer Schwester des Erbgroßherzogs, liiert. Sie stiegen im Gasthaus „Bayerischer Hof“ ab. Die Abreise der Gäste nach Darmstadt erfolgte noch am selben Tag.[5] Mathilde reiste am 13. Juni wieder nach Darmstadt zurück.[6]

Am nächsten Tag, dem 22. Mai, standen Empfänge der hiesigen Adels, sämtlicher königlichen Stellen und Behörden, der Geistlichkeit und der Offizierscorps der Linie und der Landwehr auf dem Programm.[7]

Am Montag, 1. Juni, traf der Großherzog Ludwig II. von Hessen-Darmstadt und sein Bruder, Prinz Emil von Hessen (1790-1856), in Aschaffenburg ein und kehrten abends wieder nach Darmstadt zurück.[8]

Am 9. Juni traf der regierende Landgraf von Hessen-Homburg, Philipp (1779-1846) mit seiner Ehefrau ein, nahm im Bayerischen Hof Quartier und speiste mit der königlichen Familie zu Mittag.[9]

Anlässlich des Todes des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) am 7. Juni 1840 ordnete Ludwig I. ab dem 11. Juni für die Dauer von vier Wochen Trauer an. Am 11. Juni reiste Prinz Luitpold nach Berlin ab[10] und kehrte am 23. Juni wieder zurück.[11] In der Zwischenzeit war ihm der Schwarze-Adler-Orden verliehen worden.[12]

Aschaffenburg war für König Ludwig auch das ideale Sprungbrett, um Besuche im nahegelegenen Ausland zu absolvieren: Am Morgen des 18. Juni reiste Ludwig I. nach Frankfurt, um die kaiserlich russische Familie zu besuchen.[13] Die Fronleichnamsprozession wurde aufgrund allerhöchster Verordnung auf Sonntag, den 21. Juni 1840 verschoben. Zu diesem Fest war der Bischof von Eichstätt, Karl August Graf von Reisach (1800-1869), zu Gast und feierte das Hochamt.[14]

Ludwig hat eine Reise nach Germersheim unternommen und kehrte am Sonntag, 28. Juni, wieder zurück. Abends fand ein Festball mit Anwesenheit von König Ludwig statt.[15]

Am Nachmittag des 29. Juni kamen an: Großfürstin Helena (1807-1873,[16] Gemahlin des Großfürsten Michael von Rußland) mit ihren Töchtern Marie, Elisabeth und Katharina, die verwitwete Herzogin von Nassau mit ihrer Tochter Marie. Großfürstin Helena stieg mit Gefolge im königlichen Schloss, Frau Herzogin im Gasthaus „Zum Bayerischen Hof“ ab. Die Abreise erfolgte am 30. Juni.[17]

Am 2. Juli, morgens um 7 Uhr, reiste das Königspaar Ludwig und Therese mit Prinz Luitpold nach (Bad) Ems ab, um der Kaiserin von Rußland und dem nassauischen Hof einen Besuch abzustatten.[18] Am 6. Juli trafen sie frühmorgens um 3 Uhr wieder in Aschaffenburg ein.[19] Mathilde kam am 6. Juli wieder nach Aschaffenburg.[20]

Der vorläufige Höhepunkt der Reise war der 8. Juli: Der 48. Geburtstag der Königin Therese. Dazu wurde am Donnerstag, 9. Juli, auf dem Büchelberg ein großes Fest gefeiert. Ein einstündiger Festzug zog von der Innenstadt hinauf zum Büchelberg, wo ein weiß-blaues Festzelt und mehrere Zeltpavillons aufgebaut waren. „Seine Majestät der König, Allerhöchstwelcher die einzelnen Puncte des Festplatzes in Augenschein nahm, geruhte mit besonderer Freundlichkeit mit Jedermann sich zu unterhalten, und überall, wo der verehrte Landesvater erschien, ertönte großer Freudenruf.“ Nachdem die königliche Familie gegen 4 Uhr nachmittags abgereist war, kam sie am Abend zurück, um weiter zu feiern. Nur einer musste der Feier fernbleiben: Prinz Luitpold, der wegen Unpässlichkeit verhindert war. Die in der Nähe gelegene altgotische Burg des Weinbergbesitzers Adam Kipp war mit bengalischem und anderem Feuerwerk beleuchtet.[21]

Am eigentlichen Geburtstag, dem 8. Juli 1840, war die gesamte königliche Familie nach Großheubach auf den Engelberg gereist, wo sie auf einer Anhöhe den Geburtstag im engen Kreise mit einem Mittagsmahl feierten. Die Rückfahrt erfolgte per Schiff. Am Abend waren die in den Nationalfarben beflaggten Schiffe prächtig beleuchtet. Viele Einwohner waren an den Nilkheimer Hof gekommen, um das Spektakel zu beobachten.[22]

 

Anmerkungen:

[1] AZ 1840, Nr. 122, 21. Mai, S. 1-2. Die Anwesenheit der drei jüngsten Kinder geht nur aus AZ 1840, Nr. 209, 31. August, S. 4, hervor.

[2] Zu Mathilde siehe auch: AZ 1840, Nr. 133, 3. Juni, S. 4.

[3] AZ 1840, Nr. 125, 25. Mai, S. 1-2, auch Nr. 124, 23. Mai, S. 4.

[4] AZ 1840, Nr. 123, 22. Mai, S. 2.

[5] AZ 1840, Nr. 127, 27. Mai, S. 1.

[6] AZ 1840, Nr. 143, 15. Juni, S. 2.

[7] AZ 1840, Nr. 124, 23. Mai, S. 2.

[8] AZ 1840, Nr. 132, 2. Juni, S. 1.

[9] AZ 1840, Nr. 139, 10. Juni, S. 3.

[10] AZ 1840, Nr. 140, 11. Juni, S. 1.

[11] AZ 1840, Nr. 151, 24. Juni, S. 2.

[12] AZ 1840, Nr. 157, 1. Juli, S. 3.

[13] AZ 1840, Nr. 146, 18. Juni, S. 3 und Nr. 157, 1. Juli, S. 2. In der Zeitungsnotiz vom 1. Juli heißt es eindeutig „27. Juni“. Die Angabe am 18. Juni (Vortag) ist also falsch, hier wurde das „Zeitungsgebot“ (schreibe so, als wenn es am Erscheinungstag geschehen wäre) nicht eingehalten. Zum Besuch der kaiserlich russischen Familie in Frankfurt siehe auch: AZ 1840, Nr. 147, 19. Juni, S. 2.

[14] AZ 1840, Nr. 149, 22. Juni, S. 1-2.

[15] AZ 1840, Nr. 155, 29. Juni, S. 3.

[16] http://www.carl-reinecke.de/Vita/grossfuerstin_helene.html

[17] AZ 1840, Nr. 156, 30. Juni, S. 1.

[18] AZ 1840, Nr. 158, 2. Juli, S. 1.

[19] AZ 1840, Nr. 161, 6. Juli, S. 3.

[20] AZ 1840, Nr. 163, 8. Juli, S. 3.

[21] AZ 1840, Nr. 164, 9. Juli, S. 1-3.

[22] AZ 1840, Nr. 164, 9. Juli, S. 3-4.

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