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Bodendenkmäler – Aschaffenburger Oberstadt

Die Aschaffenburger Oberstadt liegt auf einem trapezförmigen Plateau von ungefähr 550 m Länge und einer größten Breite von etwa 300 m. Sie erhebt sich bis zu 30 m über den Main, der im Westen unmittelbar an ihrem Fuß vorbeifließt. Durchschnittlich überragt das prägnante Plateau die nähere Umgebung um etwa 20 m. Im Norden und Osten wird es von dem in den Schlossgraben mündenden Landing, im Süden vom Löhergraben umzogen. Ursprünglich waren auch Landing und Löhergraben von Wasserläufen geprägt, doch werden diese heute unterirdisch abgeleitet. Zwar ist die beschriebene Topographie noch heute erkennbar, doch werden im digitalen Geländemodell auch die künstlichen Talauffüllungen im Bereich des Landings deutlich.

Im gesamten Bereich der Oberstadt haben sich Befunde vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung sowie des Mittelalters und der frühen Neuzeit in unterschiedlichem Maße, teilweise jedoch in Form von beeindruckenden Schichtpaketen erhalten. Die größte bodendenkmalpflegerische Ersatzmaßnahme innerhalb der Oberstadt Aschaffenburg wurde im Bereich des Theaterplatzes durchgeführt. Deren Ergebnisse ermöglichen größere Einblicke in die anthropogene Nutzung der Oberstadt von der Vorgeschichte, den Ursprüngen der Stadt seit dem frühen Mittelalter bis zur Ausbildung der mittelalterlichen Stadtquartiere und der Zerstörung der historischen Bebauung im Zweiten Weltkrieg. Neben dieser Flächengrabung existieren weitere Beobachtungen aus kleineren Ausgrabungen sowie zahlreichen bauvorgreifenden oder begleitenden Maßnahmen. Diese erlauben in der Regel nur schlaglichtartig einen Blick auf Detailbefunde, die mehr oder weniger zufällig von bauseitig vorgegebenen Bedingungen wie Orientierung, Ausdehnung und Eingriffstiefe bestimmt werden. Die Ergebnisse geben erst in der Zusammenschau Hinweise auf die Siedlungsentwicklung von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit.

Dalbergstraße/Neben der großen Metzgergasse

Im Jahre 1783 wurden beim Ausgraben der Grundmauern des sog. „alten Bergschlosses“ verschiedene „Rüstzeuge“, Skelettteile und eiserne Pfeilspitzen gefunden. Von den Grabungsfunden ging lediglich eine Münze, ein römischer „Triens des Claudius II., Goticus Maximus“ (268–270 n. Chr.) an Hugo Eberhardt Heim. Wenn die Funde heute auch nicht mehr vorhanden sind, so weist ihre Kombination auf mindestens eine spätantike oder völkerwanderungszeitliche Bestattung hin. Unklar ist, worum es sich bei dem „alten Bergschloss handelt“. Wahrscheinlich sind romanische Wohntürme in der Dalbergstraße und Neben der großen Metzgergasse gemeint, die am Ende des 18. Jh. niedergelegt wurden. Zu ihnen gehörten vermutlich die ältesten im Kellerkataster festgestellten, im Grundriss auffällig quadratischen Keller.

Dalbergstraße 7

Eine 1974 durchgeführte Baubeobachtung im Hinterhof der Dalbergstraße 7 ergab einen verfüllten Keller als zentralen Befund. Die Funde aus der Verfüllung, darunter ca. 70 kg Keramikstücke, wurden noch nicht wissenschaftlich ausgewertet. Es ist zu erwarten, dass das Material neue Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Einwohner dieses Anwesens zulässt.

Dalbergstraße 11

Die sog. Löwenapotheke stand bis 1944 an der Ecke Dalbergstraße/Stiftsplatz. Nach schriftlichen Quellen war das Grundstück im späten Mittelalter im Besitz des Stiftes St. Peter und Alexander. Ein darauf befindliches, auch archäologisch belegtes Wohngebäude wurde vom Stift vermietet. Im 16. Jh. wurde an seiner Stelle ein repräsentativer Fachwerkbau errichtet, der seit dem Ende desselben Jahrhunderts nachweislich die älteste Apotheke Aschaffenburgs beherbergte. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg behielt der Bau diese Funktion bei. Erst 1984 entschloss man sich zur Enttrümmerung und Neugestaltung der kriegsbedingten Brachfläche. In einem zweiten Bauabschnitt erfolgte in den 1990er Jahren schließlich die Rekonstruktion des historischen Fachwerkbaus. Enttrümmerung und Wiederaufbau wurden nach Möglichkeit durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburger begleitet.

Bei der Bereinigung des Ruinengrundstückes 1984 wurden Keller, Latrinen und Abfallgruben aufgedeckt, die ein ungewöhnlich reichhaltiges Fundmaterial erbrachte. Die große Anzahl der zutage tretenden vollständigen Gefäße weckten jedoch auch das Interesse von Raubgräbern. So wurde eine Abfallgrube über Nacht von Unbekannten geplündert. Besonders ergiebig war die Aushebung einer Latrine bzw. eines mit Abfall verfüllten Kellers, der ein Gesamtfundgewicht ca. 200 kg erbrachte. Die Funde konnten anhand einer deutlich erkennbaren Grenze aus Fichtenbrettern einem oberen und einem unteren Teil zugeordnet werden. In der unteren Schicht fand sich Hausrat des 14. und 15. Jh., insbesondere Kochtöpfe und Ofenkacheln. Die obere Verfüllung enthielt neben barocken Haushaltsgegenständen wie Tellern, Schüsseln, Kochtöpfen und Weinflaschen eine große Anzahl apothekenspezifischen Abfalls. Die ältesten Stücke gehörten zur Erstausstattung der Apotheke, darunter ein großes Standgefäß aus grauem Steinzeug mit gemodelten Auflagen und Kobaltbemalung mit der Jahreszahl 1590. Aus jüngerer Zeit stammen u. a. Laborgeräte wie Mörser, Reibeschalen aus Keramik und Destillieraufsätze aus Glas. Zahlreich waren auch Gefäße aus Steinzeug, Fayence, Porzellan oder Glas zur Aufbewahrung und dem Verkauf von Produkten der Apotheke. Die jüngsten geborgenen Stücke gehören in das späte 19. Jh. Trotz der überregionalen Bedeutung des Komplexes ist eine wissenschaftliche Auswertung nicht begonnen worden.

1993 wurde der durch einen Bombentreffer am 29. November 1944 verschüttete und bis dahin als Depotraum genutzte Keller der Apotheke im Zuge von Aushubarbeiten für die geplante Gebäuderekonstruktion freigelegt. Die Notbergung ergab ein hölzernes Regal, auf dessen Bodenbrett drei große zylindrische Vorratsgefäße aus Steinzeug standen. Darüber befanden sich offensichtlich mehrere Albarelli aus Porzellan mit lateinischer Beschriftung. Eine Gruppe von Medizinfläschchen mit Pipette war durch die Erschütterung vom Regal gefallen und wurde in einem Haufen davorliegend aufgefunden. Mehrere Deckel der Albarelli waren hinter das Regal gestürzt. Weitere Chemikalienflaschen verschiedenster Größe konnten geborgen werden. Obgleich manche Glasgefäße vollkommen zerschmolzen aufgefunden wurden, waren viele der geborgenen Gefäße unversehrt und bargen noch ihren Inhalt. Die geborgenen Funde lösten trotz des jungen Alters ein großes Interesse in Medien und Bevölkerung aus, wodurch einige Inhaltsanalysen und die Publikation in einer Festschrift zur Fertigstellung der rekonstruierten Löwenapotheke ermöglicht wurden.

Dalbergstraße 72

Im Zuge der Instandsetzung des Gebäudes wurde unterhalb des Estrichs des rückwärtigen Gebäudeteils der obere Teil einer Sandsteinsäule mit Palmettenkapitell geborgen, die als Spolie verwendet wurde (Vgl. Baudenkmäler, Dalbergstraße).

Karlsplatz/Theatergasse

1995 konnten die archäologischen Schichtverhältnisse bei einer Kanalerneuerung auf der gesamten Strecke, mit baubedingten Unterbrechungen, beobachtet werden. Im Mittelpunkt der Beobachtung stand der Nachweis einer bereits bei früheren Beobachtungen (vgl. Baudenkmäler, Pfaffengasse und Pfaffengasse 11) angetroffenen Kulturschicht mit vor- und frühgeschichtlichen Funden. Die Profile ergaben, dass die allgemeine Mächtigkeit der Schichtungen von Osten („Alte Dechantei“ bzw. Karlsplatz) nach Westen (Schloßgasse) hin allmählich abnahm. Die unterste Kulturschicht war davon hingegen nicht betroffen und abhängig von jüngeren Bodeneingriffen in unterschiedlicher Stärke erhalten. Eine eindeutige Datierung war nicht möglich, da im Zuge der Maßnahme lediglich wenige Funde und insbesondere kleinteiliges Scherbenmaterial geborgen werden konnte. Im Zuge der Arbeiten in der Theatergasse wurde ein Keller des Grundstückes Schloßgasse 12 angeschnitten, der unter den modernen Straßenverlauf reichte. Gleiches gilt für eine Latrine im hinteren Teil desselben Grundstückes.

Pfaffengasse

Pfaffengasse. Kanalanschlussarbeiten in der Pfaffengasse ermöglichten Ende 1995 die direkte Fortsetzung eines 1994 am Gebäude Pfaffengasse 11 aufgenommenen Profils. Dabei konnte insbesondere die dort beobachtete vor- und frühgeschichtliche Kulturschicht weiter verfolgt werden. Aus dem Baggeraushub und der Baugrube für den Kanal wurden verschiedene Metallobjekte geborgen. Darunter fällt ein durch starke Hitze angeschmolzener Bronzequader besonders auf. Das 2,4×1,0×0,7 cm messende und 7,66 g schwere Fundstück ähnelt in Größe und Form spätbronze- bis frühurnenfelderzeitlichen Gewichten, die im Rhein-Main-Gebiet mehrfach bezeugt sind. Ebenfalls hervorzuheben ist ein stark korrodierter eiserner Schwertscheidenbeschlag der Mittellatènezeit. Eine schlecht erhaltene Klingenspitze sowie mehrere unbestimmbare Bronzefragmente lassen sich nicht näher datieren.

Pfaffengasse 6

In der Pfaffengasse 6 wurden bei Bauarbeiten 1966 der kreisförmige Laufgang und das mächtige Kontergewicht einer Baumkelter gefunden. Bei dem Gewicht handelt es sich um eine Sandsteintrommel von 135 cm Durchmesser und 53 cm Höhe. Es diente als Verankerung der Spindel, mit welcher der Baum einer Weinpresse heruntergezogen wurde. Möglicherweise steht der Bau der Weinpresse mit dem Wechsel des Anwesens in den Besitz des Stiftes St. Peter und Alexander im Jahre 1393 in Verbindung. Das Ende der Nutzung der Kelter wird durch die Keramik aus der Verfüllung des Laufganges in das 15./16. Jh. datiert.

Pfaffengasse 11

Sanierungsmaßnahmen am Gebäude Pfaffengasse 11, der Villa Kirsch und dem Beobachter am Main, boten Anfang 1994 die Gelegenheit ungestörte Schichtfolgen entlang des zur Pfaffengasse 9 gewandten Hausfundamentes aufzunehmen. Aus den beobachteten Schichten wurden Funde geborgen. Erst in bis zu 3 m Tiefe unter der modernen Oberfläche wurde der anstehende Boden, ein hellgelber lehmiger Sand, erreicht. Bei der untersten Kulturschicht handelte es sich um ein bis zu 0,8 m starkes Paket. Darin waren Keramik, unbestimmbare Bronzefragmente, Hüttenlehm, Schlacken, Holzkohle und Tierknochen eingebettet. Die Analyse der Schlacken am Institut für Archäometallurgie an der Universität Mainz gestattete die Ansprache als Schmiedeschlacken, sie ergab aber keine chronologische Einordnung. In der Schicht waren vorgeschichtliche Scherben wohl aus der Frühlatènezeit mit provinzialrömischer Mayener Ware und frühmittelalterlicher Keramik vergesellschaftet, sodass die übrigen siedlungsanzeigenden Funde keiner dieser Perioden zweifelsfrei zugeordnet werden konnten. Die Untersuchung der geborgenen Tierknochen ergab mehrheitlich Schlacht- und Küchenabfälle kleinwüchsiger Rinder und Schweine. Nicht eindeutig bestimmbar waren die Überreste von Schaf/Ziege, Pferd oder Hirsch. Die Schichtbildung erfolgte wohl primär im 5. Jh. Die beschriebene Kulturschicht war von einer Schicht mit hochmittelalterlichem Bauschutt abgedeckt. Diese war durch den Bau eines romanischen Hauses in der Nachbarschaft während der Mitte des 12. Jh. entstanden, wie die Grabungen auf dem Theaterplatz später ergaben. Hingewiesen sei noch auf einen im Profil angeschnittenen Keller des frühen 19. Jh., der nach 1945 mit Bauschutt verfüllt worden war. Das hier dokumentierte Profil konnte Ende 1995 in die Pfaffengasse hinein fortgesetzt werden.

Rathausgasse 6

Im Sommer 1999 erforderte der Bau eines Wohn- und Geschäftshauses mit Tiefgarage eine archäologische Untersuchung. Zur Kalkulation der anfallenden Kosten für eine solche Untersuchung wurde im Juli zunächst eine Sondagegrabung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ausgeführt, wobei zwei Grabungsschnitte von jeweils 4×5 m Größe angelegt wurden. Die Voruntersuchung bestätigte den Reichtum der archäologischen Substanz. Die oberen 1 bis 1,2 m bestanden aus Nachkriegsplanierungen und neuzeitlichen Schichten ohne größere Bebauungsstrukturen. Darunter fand sich jedoch ein grauschwarzes, kaum gliederbares humoses Schichtpaket von etwa 1 m Mächtigkeit, das auf dem anstehenden Sand auflag. Das Fundmaterial im oberen Bereich dieses Paketes konnte dem Spätmittelalter, im unteren Bereich dem Frühmittelalter und der römischen Kaiserzeit zugewiesen werden. Noch ältere Funde waren fast sicher anzunehmen, aufgrund der geringen Scherbenzahl aber nicht exakt ansprechbar. Vereinzelte Gruben und Pfostenlöcher deuteten auf mögliche Hausbefunde. Für die Baumaßnahmen mussten auch die Kelleranlagen unter den Häusern Dalbergstraße 35 und 37 abgebrochen werden. Sie wurden zuvor durch den Stadtheimatpfleger E. Holleber dokumentiert. Besonders hervorzuheben ist der Keller der ehem. Hausnr. 31, der allem Anschein nach romanischen Ursprungs und somit deutlich älter als das 1537 darüber errichtete Gebäude „Zum Schild“ war. Es handelte sich um eine größere Anlage mit zwei symmetrischen Vorkellern und einem zweischiffigen Hauptkeller, dessen Kreuzgewölbe in der Mitte von zwei Sandsteinpfeilern getragen wurde. Entsprechende Pfeiler korrespondierten an den Seitenwänden und der rückseitigen Stirnwand. In Fortsetzung der Sondageflächen wurde im August und Anfang September 1999 durch die Firma Scherbaum eine großflächige Ausgrabung in den wenig gestörten hinteren Grundstücksteilen von Dalbergstraße 35 und 37 durchgeführt. Die ergiebige Grabung – es wurden immerhin 210 archäologische Befunde unterschieden – ist bislang noch nicht abschließend ausgewertet und publiziert worden. Es liegt jedoch ein Vorbericht des Ausgrabungsleiters vor und die Funde wurden durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg gesichtet.

Einige linearbandkeramische Scherben aus dem anstehenden Sand zeigen als Streufunde zumindest neolithische Begehungen des Stadthügels an. Vor allem lassen sich aber vier spätere Besiedlungsperioden benennen, die meist auch durch die Stratigraphie gut trennbar waren. Grundsätzlich lag, wie schon in der Sondagegrabung, eine vergleichsweise einfache Schichtung vor: Im Sand waren Pfostenlöcher und Gruben erkennbar. Diese wurden von einer hochmittelalterlichen Schicht abgeschnitten, auf die ein durchlaufender Horizont des 13./14. Jh. folgte. Den Abschluss bildete eine spätmittelalterlich-neuzeitliche Auffüllung.

Der frühgeschichtliche Horizont bestand maßgeblich aus zwei größeren Gruben und einigen Pfostenlöchern. Die Pfostenstellungen lassen sich aufgrund der zu geringen Größe der Grabungsfläche leider nicht zu Gebäudegrundrissen rekonstruieren, doch wird immerhin eine Nord-Süd-Orientierung deutlich. Bei der größten Grube könnte es sich um ein verschliffenes Grubenhaus handeln. Am nördlichen Rand der Grabungsfläche wurde ein kleiner Rennfeuerofen entdeckt und als Block für die Museen der Stadt Aschaffenburg geborgen. Ein Laufniveau der ältesten Siedlungsphase war nicht erhalten. Der überwiegende Teil der Befunde gehört der römischen Kaiserzeit bzw. der Völkerwanderungszeit an, datiert also in das 3. bis 5. Jh. n. Chr. Ein signifikantes Fundaufkommen ist jedoch auch der beginnenden und späten Latènezeit zuzuordnen. Beachtenswert ist, dass erstmals auf dem Aschaffenburger Stadtberg auch eine kleine Grube aus dem Frühlatène aufgedeckt wurde, die mit den zerscherbten Resten mehrerer Keramikgefäße gefüllt war. Unter den Funden der frühen Latènezeit sind eine Fibel des sog. Duxer Typs aus Bronze und ein Fingerring aus tordiertem Golddraht hervorzuheben. Unter den kaiserzeitlichen Funden fällt die scheibenförmige Riemenzunge eines römischen Legionärs besonders auf. Eine gedrehte Geweihscheibe mit geometrischem Sternmotiv und ein Dreilagenkamm mit halbrunder Griffplatte gehören stellvertretend für die zahlreichen germanischen Funde in das 5. Jh.

Die älteren Befunde wurden von einer stark humosen Kulturschicht überlagert bzw. im oberen Teil von dieser abgeschnitten. Es mischte sich hierin vor- und frühgeschichtliches Material mit hochmittelalterlichen Funden. Möglicherweise handelt es sich daher um eine Aufplanierung, die mit den vergleichbaren Befunden vom Theaterplatz in Zusammenhang steht und von einer bedeutenden Umstrukturierung und Neubebauung des südlichen Stadtberges zeugen könnte. Ob das weitgehende Fehlen frühmittelalterlichen Fundmaterials auf eine solchenMaßnahme zurückgeht oder einen Besiedlungsrückgang anzeigt, muss vorläufig offen bleiben. An Befunden ist aus dieser Siedlungsphase neben wenigen Pfostenlöchern ein Ofen mit hufeisenförmigem Grundriss zu nennen. Vermutlich handelte es sich um einen Backofen. Zwischen der hochmittelalterlichen Periode und den spätmittelalterlichen Siedlungsstrukturen lagen eine Lehmschicht mit Resten einer Brandschicht im Osten der Grabungsfläche und eine Steinrollierung im Westen, die wohl beide ein belaufenes Hofniveau des 13./14. Jh. kennzeichnen. Dem ausgehenden Mittelalter entstammen nur wenige unauffällige Befunde, die auf eine Gartennutzung hindeuten. In der Neuzeit ändert sich daran nichts Grundlegendes. Zwei Latrinen, ein Brunnen und schwache Fundamentsockel lassen die üblichen Funktionen der hinteren Grundstücksbereiche erkennen.

Stiftsgasse

Im Zuge der Neugestaltung des Platzes neben dem ehem. Kelterhaus, heute die städtische Kantine, wurde im Jahre 2008 knapp unterhalb des Pflasters der Ring einer Brunneneinfassung aus Sandstein aufgedeckt. Der durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg dokumentierte Befund besaß einen Außendurchmesser von 1,2 m. Der verfüllte Brunnen gehörte wohl zur „Alten Münze“ und dürfte im Rahmen des Neubaus des Kelterhauses nach 1764 verfüllt worden sein. Der Brunnenkranz wird heute im neuen Pflaster abgebildet.

Webergasse

Von einem Spaziergänger wurde im Sommer 2004 auf dem abschüssigen Hang zum Main, etwa auf Höhe des Kornhäuschens (Webergasse 5) und nur wenig unterhalb davon, eine Silbermünze gefunden. Sie wurde von den Museen der Stadt Aschaffenburg erworben. Es handelt sich um einen Silberpfennig (-denar) des Bischofs Adolf I. von Köln, der zwischen 1194–1204 geprägt wurde.

Avers zeigt die Münze den thronenden Bischof im Ornat, die Mithra auf dem Kopf, mit seinem Krummstab in der Linken. Er liest in einem Buch. Revers sind zwei Fahnen an Stangen zu sehen, die in Kreuzen auslaufen. Dazwischen befindet sich eine säulenumstandene Kirche als Symbol der Stadt Köln. Die Umschriften sind vollkommen unleserlich. Avers wäre „ADOLFS ARCHIOIA“, Revers „SANCTATCOLONIA“ anzunehmen.

Webergasse 1

Die kath. Kirchenstiftung „Zu Unserer Lieben Frau“ führte ab 1998 im ehem. Altenwohnheim Marienstift, einem ehem. Adelshof an der Stadtbefestigung, umfangreiche Sanierungsarbeiten durch, die archäologisch begleitet wurden. In Vorbereitung auf die anstehenden Baumaßnahmen wurde im Garten des Marienstiftes ein Arbeitsweg angelegt. Um die Tragfähigkeit des Bodens zu untersuchen, wurden im Februar 1998 insgesamt elf Bohrungen vorgenommen, die durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg beobachtet wurden. Die Beurteilung wurde allerdings durch die Verwendung eines Spiralbohrers nahezu unmöglich gemacht, da auf diese Weise keine Bohrkerne entnommen werden konnten. Entsprechend konnten die Ergebnisse nur wenig zur Planung der nachfolgenden Ausgrabung im Innern des Stifts beitragen. Immerhin wurde eine große Schichtmächtigkeit festgestellt. Das tiefste Bohrloch lieferte bei 6 m Tiefe noch keinen anstehenden Boden, in anderen trat er bereits bei 3,5 m Tiefe auf. Einzelne Funde spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik sowie Widerstände durch verborgene Mauerzüge bestätigten jedoch die archäologische Relevanz der Fläche. Anschließend wurde im Innern des Marienstiftes im November 1998 durch die Firma ReVe eine bauvorgreifende archäologische Untersuchung von vier Wochen Dauer jeweils auf eng begrenzten Flächen durchgeführt. Die Tiefbauarbeiten, durch die diese Untersuchungen notwendig wurden, blieben im Wesentlichen auf die Fläche eines Treppenhauses mit Fahrstuhlschacht an der Webergasse und einen etwas zurückgesetzten Keller von etwa 2×5 m nordwestlich davon begrenzt.

Im Bereich des Fahrstuhlschachtes wurde lediglich ein bereits bestehendes Erdprofil bis auf den anstehenden Boden fortgeführt und dokumentiert. Unter der stark humosen Deckschicht von ca. 0,5 m Stärke traten bereits anstehende Schwemmsande auf. Die Deckschicht enthielt nur vereinzelte umgelagerte Keramikfragmente aus dem späten Mittelalter sowie der frühen Neuzeit, war stark mit Tiergängen und Wurzeln durchsetzt und zeigte keinerlei anthropogene Spuren. Weiterreichende Schlüsse über die Entwicklung des Gebietes ließen sich an dieser Stelle somit nicht gewinnen. Ergiebiger war der Kellereinbau. Zwar konnten auch hier keine Baubefunde aufgedeckt werden, doch waren trotz der beschränkten Einblicke wesentliche Aussagen zur Chronologie des Stiftsberges möglich. Unter einer etwa 0,5 m starken Deckschicht mit verlagertem spätmittelalterlichem und frühneuzeitlichem Siedlungsschutt fanden sich mehrere schwach humose, sandige Auffüllschichten, die durchweg Keramik des 12. bis 14. Jh. enthielten. Darunter befanden sich in einer geringeren Ausdehnung, in einer Tiefe von 1,4 m unter der heutigen Oberfläche, Schichten, die fast ausschließlich karolingische Keramik des 8. bis 9. Jh. lieferten. Möglicherweise waren hier auch einige verlagerte Scherben der römischen Kaiserzeit enthalten, die jedoch nicht zweifelsfrei zu bestimmen waren. Die Frage einer möglichen Siedlungskontinuität muss an dieser Stelle jedoch unbeantwortet bleiben. Bis in den Schwemmsand waren noch zwei Pfostenlöcher und zwei größere Gruben eingetieft. Hervorzuheben ist darunter eine 1,5 m lange, wannenförmige Grube, die mit umfangreichen Kalkmörtelresten angefüllt war. Da diese Befunde die Schichten des 12. und 14. Jh. durchschnitten, dürften sie mit Baumaßnahmen des späten Mittelalters am teilweise noch heute vorhandenen Gebäudebestand zusammenhängen. Bei den weiteren Umbaumaßnamen wurden im Jahr 2000 zwei Spolien angetroffen, die vielleicht vom Abriss der mittelalterlichen Muttergottespfarrkirche ab dem Jahr 1768 stammen.

Wermbachstraße 10 und 12

1999 wurden dem Aschaffenburger Museum zwei Fundstücke bekannt, die angeblich um 1996 bei Gartenarbeiten auf dem Grundstück Wermbachstraße 12 unterhalb der Stiftskirche gefunden wurden. Laut Aussage der Finder, des Pächters und eines befreundeten „Hobbyarchäologen“, traten zunächst mittelalterliche Scherben zutage, als eine Sickergrube für eine Toilettenanlage ausgehoben werden sollte. Die weitere Suche ergab schließlich zwei Bronzegegenstände, die von den Findern selbst restauriert wurden. Es handelt sich um eine frühlatènezeitliche Vogelkopffibel sowie einen romanischen Schreibgriffel. Letzterer gehört zu einer kleinen, im Wesentlichen zentraleuropäischen Gruppe, die am Schaft ein kantiges S und gegenüberliegend ein Z zeigen. Da sie im Umfeld kirchlicher Großbaustellen vom 12. bis zum Beginn des 14. Jh. auftreten, könnten sie neben der Funktion als Schreibgerät auch als Markenzeichen bestimmter Baumeister oder Steinmetze aus Norditalien gedient haben, die für viele dieser Bauten archivalisch genannt werden. SZ würde dann für deren Schutzpatron San Zeno stehen. Nachdem das Aschaffenburger Museum beide Funde 1999 für eine Ausstellung entleihen konnte, wurden sie 2009 in Absprache mit dem Grundeigentümer und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege angekauft. Der Aussagewert ist durch die unklaren Fundumstände jedoch eingeschränkt. (Vgl. Baudenkmäler, Ensemble Oberstadt).

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 215-233.

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