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Bodendenkmäler – Stadtbefestigung

Der Abt Ekkehard von Aura berichtet in seinem Chronicon für das Jahr 1122, dass der Mainzer Erzbischof Adalbert I. in einem Streit mit dem Kaiser das „castrum antiquum et iam per multas generationes pene funditus dirutum, quod […] Askenburg dicitur“ neu befestigt habe. Es ist also von einer alten Burg die Rede, die bereits seit vielen Generationen fast vollkommen zerstört war. Von den Historikern, die sich mit der Geschichte Aschaffenburgs befasst haben, wird „castrum“ nach Auslegung verschiedener Quellen in diesem Fall übereinstimmend mit „civitas“ gleichgesetzt. So soll eben keine alte Burg, wie sie sich möglicherweise auf dem Badberg befunden hat, gemeint sein, sondern die gesamte Oberstadt. Gestützt wird diese Deutung durch einen Inschriftenstein, der 1777 beim Abriss des Döngestores am Ende der Dalbergstraße nahe der Stiftskirche geborgen wurde. Darin wird Bischof Adalbert erwähnt, sodass der Stiftsberg wohl von ihm befestigt wurde. Leider kann der Stein, der 1715 renoviert wurde, nicht aus sich heraus datiert werden. Fünf römische Spolien, die ebenfalls 1777 im Döngestor entdeckt wurden, zeigen, dass römisches Mauerwerk bei dessen Errichtung noch zugänglich war.

Die Umwehrung der Oberstadt ist obertägig lediglich in kleinen Resten erhalten, im Boden befindliche Befunde der Stadtbefestigungen wurden aber bei verschiedenen Bodeneingriffen in unterschiedlichen Arealen angetroffen und dokumentiert. Der Zeitpunkt ihrer Anlage konnte bislang nicht über Schichtzusammenhänge oder Fundmaterial datiert werden. Eine mögliche frühmittelalterliche Befestigung des Stiftsberges war unter dem Stiftskapitelhaus zum Vorschein gekommen, ist aber vorläufig weder exakt datierbar noch in ihrem weiteren Verlauf rekonstruierbar.

Am besten war die mittelalterliche Stadtmauer am Schloßplatz bewahrt, wo der Bau des Landingtunnels ihre Ausgrabung und Dokumentation ermöglichte. Dort war sie durch eine frühneuzeitliche Grabeneinfüllung bis zur Mauerkrone erhalten. Der an dieser Stelle 6 m hohe Mauerabschnitt war aus Bruchsteinen aufgeführt und mit einem satteldachförmigen Abschluss versehen. Bei einer Baustellenbeobachtung 1982 wurde im Bereich des Anwesens Wermbachstraße 8 am Stiftsberg ein Teil des mittelalterlichen Stadtgrabens angeschnitten. Es wurden Verfüllschichten mit spätmittelalterlichem und frühneuzeitlichem Fundmaterial angetroffen. 1993 ließ sich im Zwickel zwischen dem Stiftskapitelhaus und der rekonstruierten Löwenapotheke in der Dalbergstraße 11 ebenfalls ein kleiner Teil der mittelalterlichen Stadtmauer dokumentieren. Hierbei konnte auch eine repräsentative Verblendung der Schauseite der Mauer sowie eine sekundäre Verstärkung des Fundamentes im hangseitigen Bereich festgestellt werden (Vgl. Baudenkmäler, Stadtmauer).

Im Zuge der ersten Erwähnung der Pfarrkirche St. Agatha ist ausdrücklich von ihrer Parochie „extra muros civitatis“ die Rede. Die verschiedenen vor den Stadtmauern entstandenen Siedlungsteile der Aschaffenburger Unterstadt wurden wohl seit der 2. Hälfte des 13. Jh. bis zum 15. Jh. mit Mauern und Gräben befestigt. Eine Urkunde über den Beginn der Befestigungsarbeiten existiert nicht, doch könnte die Auseinandersetzung zwischen dem Erzstift Mainz und den Grafen von Rieneck von 1255 bis 1265 den Anlass zum Bau gegeben haben. Teile der Stadtmauer sind obertätig erhalten. Dort und im Bereich abgegangener Partien sind Befunde des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit im Boden vorhanden.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 214-215.

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