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Alte Gaststätten (6)

Seppls Weinstube, besser bekannt als „Schnaps-Neuner“

In einem Zeitungsartikel wurde sie einmal als „Insel der letzten Bohemiens“ bezeichnet, Seppls Weinstube in der Dalbergstraße. Wie kaum eine andere Gaststätte lebte sie von ihrem Wirt – von Seppl Neuner.
Geboren 1898 in Laufach begann Seppl Neuner nach dem Abitur ein Chemiestudium, das er mit dem Staatsexamen abschloss.
Ab 1919, also schon mit 21 Jahren, begann er mit der Likörfabrikation und dem Weinhandel.
Nach verschiedenen Standorten eröffnete er schließlich 1950 in der Dalbergstraße 68 „Seppls Weinstube“.
Schon bald wurde sie zu einem Treffpunkt der Aschaffenburger Künstler, wie z.B. Trude Lommatzsch, Lobodar Mossora und Elisabeth Dering. Auch der Wirt selbst gab sich gerne als Unterhalter. Aus dem Stegreif rezitierte er viel und gerne, nicht nur aus dem „Faust“, oder spielte auf seiner Zither.

Die Gaststube, zu der eine schmale Treppe hinaufführte, strahlte mit ihrer Balkendecke eine besondere Atmosphäre aus. Von den holzgetäfelten Wänden blickten die Handpuppen von Trude Lommatzsch und Werke der hier verkehrenden Künstler auf die Gäste, die sich hier ausgesprochen wohl fühlten. Sie störten sich auch nicht an der abenteuerlichen Klosett-Anlage. Es war die Originalität und die sprichwörtliche gute Laune von Seppl Neuner, die die Gäste anzog. Man ging gerne zu ihm.

Als Seppl Neuner im Dezember 1972 starb, war ein weiteres Ascheberger Original verschwunden. Und die Gaststätte nicht mehr so wie früher.

Quellen:
– Aschaffenburger Volksblatt vom 30.6.1956 und 19.12.1972.
– Main-Echo vom 19.12.1972 und 25.5.1973.

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