Skip to content

Riesengasse

Die Riesengasse verbindet die Herstallstraße mit der Badergasse. Sie findet ihre Fortsetzung jenseits der Badergasse im oberen „Feuergässche“. Die Straße wurde nach dem Wasen’schen Hof „Zum Riesen“ benannt. 1688 wurde sie unter „Herstallgassen“ geführt und 1808 noch „Kleine Herstallgasse“ genannt, in den Plänen von 1809 und 1846 allerdings als „Kleine Riesengasse“ bezeichnet. Diesen etwas widersprüchlichen Namen trug sie bis 1857. Die heutige Riesengasse hat sich wohl aus einem internen Erschließungsweg zwischen den Gebäuden des ausgedehnten Anwesens entwickelt.

Riesengasse 2

Über die frühe Baugeschichte des zweigeschossigen, giebelständigen Wohnhauses mit Halbwalmdach an der Ecke Riesengasse/Herstallstraße ist nichts bekannt. Seit 1825 befand sich darin das Bank- und Warengeschäft Meier Wolfsthal. Das Haus wurde innerhalb der Familie weitervererbt, bis das Bankhaus 1905 von den damaligen Teilhabern Kommerzienrat und Bankdirektor Oskar-Otto Dilsheimer (1856–1935) und Otto Wolfsthal (1872–1942) der Bayerischen Handelsbank verkauft wurde. Erste nachweisbare bauliche Veränderungen wurden 1880 an dem Gebäude vorgenommen. Dabei wurde der Hauseingang von der Mittelachse der Fassade zur Riesengasse an die Seite zur ehem. Nr. 4 verlegt und im Innern durch Verlegung des Korridors das „Comptoir“ (das Büro) vergrößert. 1901 wurde in dem einstigen Bankhaus erstmals ein Laden eingerichtet. Der Metzgermeister Hermann Mittnacht ließ im Erdgeschoss der zur Herstallstraße gerichteten Giebelfassade eine Ladentür und ein Schaufenster vom Baugeschäft Johann Scheuermann einbauen. 1906 wurde neben dem Metzgerladen auf der Seite zu Haus Nr. 32 der Schuhladen von Emil Goldschmitt eingerichtet und zwei Jahre später über das gesamte Erdgeschoss ausgedehnt. Dabei wurde die Schaufensterfront mit einer mittigen Tür vereinheitlicht. 1911 wurden bauliche Änderungen im Erdgeschoss vorgenommen und die Treppe zum Obergeschoss verlegt. Bei den Angriffen auf die Stadt am 3. Oktober 1944 und am 21. Januar 1945 wurden durch Luftdruck und Artillerie das Dach sowie die Front des Hauses beschädigt. Decken, Zwischenwände sowie Fenster und Türen wurden zerstört. 1970 wurde die Binnengliederung im Erdgeschoss des Hauses komplett aufgelöst und auch das Obergeschoss zu Geschäftszwecken ausgebaut. Das Gebäude ist das letzte der giebelständigen Kaufmannshäuser, die das Bild der Herstallstraße als wichtige Handelstrasse bis zur Mitte des 19. Jh. prägten.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 112-113.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.