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Metzgergasse

Die in Nord-Süd-Richtung zwischen Schloßgasse und Dalbergstraße verlaufende Verbindung hieß bis zur Umbenennung der „Großen Metzgergasse“ in Dalbergstraße 1875 zur besseren Abgrenzung noch „Kleine Metzgergasse“. Sie erhielt ihren Namen von den hier – in der Nähe zum Markt und zu den Fleischbänken im Landing – ansässigen Metzgern. Die kleine, nach Norden hin leicht ansteigende Straße ist nur an ihrer westlichen Seite mit Wohnhäusern bebaut. Am oberen Ende wird sie auf der östlichen Seite von der Muttergottespfarrkirche flankiert.

Metzgergasse 1

Das mit dem Giebel zur Dalbergstraße ausgerichtete Wohnhaus, ein zweigeschossiger Satteldachbau am südlichen Beginn der Metzgergasse, gehört zu den ältesten erhaltenen Bauten der Stadt. Auf einem Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk sitzt ein auf der zur Metzgergasse gerichteten Traufseite auskragendes Fachwerkobergeschoss auf. Die an der Ecke Dalbergstraße/Metzgergasse starke und bis zum Anschluss an das Haus Metzgergasse 3 auslaufende Auskragung wird durch gemauerte Segmentbögen über einer Reihe von Konsolsteinen gebildet. Auf der Traufseite ist ein Zwerchhaus aufgesetzt. Der Eingang befindet sich in der Metzgergasse an der Seite zu Haus Nr. 3. Am oberen Ende der südöstlichen Eckquaderung des Erdgeschosses ist die Jahreszahl 1537 eingemeißelt. Dieses Datum wird jedoch nicht als Jahr der Errichtung aufgefasst, sondern lediglich als Hinweis auf die Versteinerung der Umfassungsmauern des Erdgeschosses. Das Gebäude kann älter sein. 1822 wurde dem Bürger und Hutmacher Josef Geiger genehmigt, sein Haus auf der Giebelseite im Bereich des Erdgeschosses um die Breite der Vorkragung des Obergeschosses zu vergrößern. Seit diesem Umbau ist das Gebäude auf der Giebelseite dreiachsig. Als Metzgermeister Adam Heßler 1867 auf der Giebelseite zwei Schaufenster für seinen Metzgerladen einbauen ließ, kam es zur Verlegung des Eingangs von der Dalbergstraße in die Metzgergasse. Der traufseitige Eingang wurde beim Umbau des Erdgeschosses 1872 erneut verändert und einige Meter weiter nach rechts verlegt. Gleichzeitig wurde ein gekuppeltes, steingerahmtes Fenster eingebaut und die Treppe zum Obergeschoss an die Wand zu Haus Nr. 3 versetzt. 1878 fand der Umbau des Erdgeschosses zu einer Gastwirtschaft für den Pächter Jakob Schmitt statt, wofür der Metzgerladen durch Entfernung einer Trennwand zu einem Gastraum vergrößert und die Wurstküche zur Küche umfunktioniert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude am Dach beschädigt. Die Instandsetzung erfolgte 1948. Dabei wurden auf der Südseite des Daches Gauben eingebaut. Unter dem Gebäude befinden sich zwei Kellerräume, der eine mit Tonnengewölbe, der andere mit einer Balkendecke. Diese stürzte 1953 ein und wurde durch eine Stahlbetondecke ersetzt.

Metzgergasse 3

Über die Baugeschichte dieses Gebäudes lässt sich wegen des Verlustes der Bauakte wenig aussagen. Alois Grimm vermutet, es hätte ehemals als Nebengebäude und Hofraum für Nr. 1 gedient und sei spätestens um die Wende zum 19. Jh. als eigenständiges Gebäude errichtet worden. Das Wohnhaus steht traufständig in der Metzgergasse, ist zweigeschossig und schließt mit einem Satteldach ab. Das Erdgeschoss ist massiv, darüber folgt ein Obergeschoss aus freigelegtem, konstruktivem Fachwerk. Unter dem Gebäude befindet sich ein kleiner quadratischer Keller. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus durch Luftangriffe und Artillerie am Dach beschädigt. Fenster und Türen sowie die Holz- und Trockenhalle wurden zerstört. 1950 erfolgte die Instandsetzung des Hauses.

Metzgergasse 5

Das an der Ecke Metzgergasse/Kleine Metzgergasse gelegene dreigeschossige Fachwerkhaus steht traufständig zur Metzgergasse. Der Giebel mit Halbwalm ist zur Kleinen Metzgergasse ausgerichtet. Der Eingang befindet sich in der Metzgergasse auf der Seite zu Haus Nr. 3. Über einem massivem Erdgeschoss folgen zwei Obergeschosse aus dekorativem Sichtfachwerk mit liegenden Andreaskreuzen und geschweiften Kopf- und Fußbändern. Die Obergeschossfenster sind auf der Traufseite gekuppelt, wobei das rechte Fenster im 1. Obergeschoss zu einem überdachten Erker auf zwei Balkenkonsolen ausgebildet ist. Das Gebäude verfügt über einen tonnengewölbten Keller, der längs zur Metzgergasse unter der vorderen Gebäudehälfte liegt. Ein genaues Baudatum kann für das Gebäude nicht genannt werden. Es wird durch einen Besitzerwechsel 1812 erstmals in Urkunden erwähnt. Zu dieser Zeit hatte es im Erdgeschoss drei Zimmer, im 1. Obergeschoss ebenfalls drei Zimmer sowie eine Küche und im 2. Obergeschoss einen großen Speicher. Den Fachwerkformen nach ist es wohl in das 17. Jh. zu datieren. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschadet. Schäden entstanden vor allem am Dach des Hintergebäudes, an der Waschküche sowie an der Holzhalle.

Metzgergasse 9

Das repräsentative Bürgerhaus mit massivem Erdgeschoss und zwei dekorativ gestalteten Fachwerkobergeschossen ist in den Archivalien bereits 1326 erwähnt und wird dort Haus „Zur Ru(o)sen, Zur Reusen“ genannt. Über die Baugeschichte geben sie jedoch wenig Auskunft. Das Haus zeigt sich heute in der Gestalt der Zeit um 1600. Auf der linken Seite des hohen Erdgeschosses liegt der Eingang mit profiliertem Sandsteingewände und Oberlicht. Die Eingangstür ist zurückgesetzt und über vier Stufen erreichbar. Daneben sind zwei Fenster, ein einfaches und ein gekuppeltes. Unter dem gekuppelten Fenster befindet sich ein zugemauerter halbrunder Kellerabgang. Das 1. Obergeschoss sitzt auf vier profilierten Sandsteinkonsolen auf und kragt deutlich vor. Das Fachwerk besteht aus Ständern mit geraden Fußbändern. Fünf Fenster sind gleichmäßig im Obergeschoss ausgeteilt. Das ebenfalls vorkragende 2. Obergeschoss weist zwei gekuppelte Fenster auf. Die Brüstungsfelder zeigen genaste Andreaskreuze. Im Giebel sitzt mittig ein gekuppeltes Fenster, die Brüstungsfelder sind mit Andreaskreuzen und gebogenen Rauten versehen. Unter dem Krüppelwalm des Satteldaches ist eine geschnitzte Fratze zu sehen. Der Keller unter dem Gebäude ist tonnengewölbt. Während des Zweiten Weltkrieges verursachten Einschüsse Schäden am Haus. Luftdruck und Artilleriebeschuss zerstörten Decken, Wände, Fenster und Türen. Die Instandsetzung des Gebäudes erfolgte 1956. 1957 wurde die Fassade erneuert und dabei das Fachwerk freigelegt. Bei dieser Maßnahme wurden auch die Fenster statt in Galgenteilung in Kreuzstockfenster geändert. 1964 wurden im Anwesen Bäder und sanitäre Anlagen eingebaut. 1978 erfolgte eine erneute Fassaden- und Fensterrenovierung.

Metzgergasse 11/13

Auf dem Grundstück des heutigen Doppelwohnhauses Metzgergasse 11 und 13 befand sich bis zum Beginn des 19. Jh. die Stiftskurie „zum Greif(f)enstein“. Das Anwesen erstreckte sich von der Webergasse bis zur Metzgergasse. 1803 wurde von der „provisorisch angeordneten kurfürstlichen General-Landes und Finanzdirektion im Fürstentum Aschaffenburg“ das Anwesen „Zum Greifen“ dem kurfürstlichen Archivrat Urban Müller überlassen, der noch im gleichen Jahr nach den Plänen der Baumeister Michael und Wolfgang Streiter ein Doppelhaus mit symmetrischer Fassade errichten ließ. Der breitgelagerte, dreigeschossige Walmdachbau mit unverputzter Fassade aus unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk aus rotem Sandstein hebt sich von den benachbarten schmalen Fachwerkhäusern durch seinen repräsentativeren Charakter ab. Die symmetrische, sechsachsige Fassade ist durch ein Geschoss- und ein Sohlbankgesims zwischen Erd- und 1. Obergeschoss horizontal gegliedert. Die äußeren Achsen sind zu je einem leicht vortretenden Risalit ausgebildet. Die Fenster- und Türöffnungen im Erdgeschoss sind mit genuteten Gewänden und einem geraden Sturz versehen. Die Obergeschossfenster der Risalite sind durch profilierte Gewände und eine gerade Verdachung auf Volutenkonsolen hervorgehoben. Die übrigen Fenster haben glatte Sandsteinrahmen. Das 2. Obergeschoss ist als Halbgeschoss ausgebildet. Beiden Gebäudeteilen ist je ein schmaler Rückflügel im rechten Winkel angefügt. Die vorderen Gebäudeteile verfügen jeweils über einen tonnengewölbten Keller. Dieses sehr gut erhaltene Doppelhaus ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass die Stadt am Beginn des 19. Jh. versuchte, durch gezielte Förderung von Steinbauten dem Stadtbild einen repräsentativeren Charakter zu verleihen.

Metzgergasse 15

Das unmittelbar neben dem Eingang der Muttergottespfarrkirche errichtete Haus diente im 18. und 19. Jh. als Pfarrschule. Bereits der Vorgängerbau des jetzigen Gebäudes wurde als Schule genutzt. Eine erste Erwähnung findet sich aus dem Jahr 1706, als nicht näher beschriebene Baumaßnahmen vorgenommen wurden. 1743 errichtete die Stadt über dem Keller des Vorgängerbaus eine neue Pfarrschule, die 1882 der Schreinermeister Josef Fries von der Stadt erwarb. Er ließ einen neuen Kamin einbauen sowie eine Halle zur Lagerung von Brettern an der Grundstücksgrenze zu Haus Nr. 13 errichten. Das kleine Fenster rechts neben der Eingangstür wurde 1908 ergänzt. Die Einfahrt zur Halle links des Gebäudes ließ sich 1928 der Kleiderfabrikant Wilhelm Markert vergrößern. Das Haus wurde während des Zweiten Weltkrieges in allen Wohnräumen durch Explosionsdruck von Bomben beschädigt. Nach dem Krieg nutzte die Muttergottespfarrei das Erdgeschoss als Bibliothek. Das zweigeschossige Eckhaus wurde 2003–06 umfangreich saniert. Das massive Erdgeschoss und das Fachwerkobergeschoss sind verputzt. Der Eingang befindet sich auf der linken Seite der Giebelfassade. Er ist, wie die Erdgeschossfenster, mit einem profilierten, geohrten Sandsteingewände versehen und hat ein schmales Oberlicht. Die Fenster des Obergeschosses sind erneuert. Die Dachgauben auf dem Halbwalmdach wurden 2004 ergänzt. Die Gebäudekanten sind mit einer Eckquaderung versehen. Dort ist in Augenhöhe ein „Flennels“ eingemauert, der sich wohl ehemals an einem der Stadttore befunden hat. Eine solche Darstellung eines Narren mit Eselsohrenkapuze und sternförmiger Halskrause sollte fahrendes Volk wie wandernde Musikanten, Gaukler und Zigeuner abweisen und vor dem Betreten der Stadt daran erinnern, dass Strafen drohten, wen dieses Gebot missachtet wurde.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 96-97.

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