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Ludwigsallee

Die Ludwigsallee führt in Fortsetzung der Lindenallee in östlicher Richtung aus der Stadt. Die Straße beginnt am Wittelsbacherring, hat einen geraden, ansteigenden Verlauf und führt als Haibacher Straße südlich des Godelsbergs in den gleichnamigen Vorort von Aschaffenburg. Die Allee wurde um 1845 angelegt und nach König Ludwig I. von Bayern benannt.

Der gemauerte, um 1800 entstandene Bildstock am westlichen Beginn der Ludwigsallee ist etwa 3 m hoch. Er hat ein massives Unterteil, auf dem eine profilierte Sandsteinplatte aufliegt, welche die Basis für den Bildhäuschenaufsatz bildet. Die stichbogige Nische ist mit einer Sandsteinrahmung und diagonaler Vergitterung versehen. Den Abschluss bildet ein biberschwanzgedecktes Satteldächlein. In der Nische befindet sich eine Holztafel mit der Darstellung „Jesus nimmt Abschied von seiner Mutter“. Aufgrund des Motivs, welches als „Urlaubsbild“ oder als „Beichtenmarter“ bezeichnet wird, könnte der Bildstock entweder infolge der Wallfahrt nach Schmerlenbach entstanden sein oder in Zusammenhang mit der Rechtsgeschichte der Stadt stehen, da nach 1788 die Hinrichtungen im Bereich der heutigen Berliner Allee vollzogen wurden, sodass die Hinzurichtenden an dem Bildhäuschen vorüberkamen, wo sie letztmalig die Möglichkeit zum Ablegen einer Beichte hatten. Das Bild wird in das ausgehende 18. Jh. datiert.

Ludwigsallee 2

Die im Osten der Stadt auf einem ausgedehnten Grundstück zwischen Ludwigsallee, Kochstraße und Bessenbacher Weg gelegene „Grünewaldschule“ wurde auf Beschluss des Stadtrates vom 17. Juli 1954 zwischen November 1954 und September 1955 in nur zehnmonatiger Bauzeit errichtet. Der Schulbau besteht aus drei versetzten Baukörpern, die durch zwei niedrige Zwischentrakte miteinander verbunden sind. In den beiden südlichen, etwas schmaleren Flügeln befinden sich die Klassenräume, in dem nördlichen, etwas breiteren Trakt ist die Turnhalle untergebracht. Durch die versetzte Anordnung der einzelnen Baukörper ergeben sich drei Höfe: oberhalb der Turnhalle ein Spielhof und vor jedem Klassenflügel ein Pausenhof. Die beiden Klassenflügel sind langgestreckte Satteldachbauten mit Untergeschoss und zwei Obergeschossen. Die Eingänge mit Foyer und Treppenhaus liegen jeweils am südöstlichen Ende. Der südliche Flügel hat ein halbrund vor die Südwestfront tretendes Treppenhaus mit flach geneigtem Kegeldach über schlanken Stützen. Die Treppen sind elegant und räumlich wirkungsvoll geschwungen.

Die Innendisposition der Gebäude ist einhüftig mit dem Korridor auf der Nordostseite und den Schulzimmern in den Obergeschossen nach Südwesten. Der längere Flügel hat zehn, der etwas kürzere acht Klassenräume, jeder ist 72 m2 groß und wird von sechs Fenstern belichtet. Im größeren Flügel sind Lehrmittelräume, Gruppenraum, Hausmeisterzimmer, Arztzimmer und Musiksaal untergebracht. Im Souterrain waren eine Hausmeisterwohnung, Bäder, Umkleiden und Versorgungsräume, im kleineren Flügel eine Schulküche mit Lehrsaal, ein Handarbeits-, ein Werk- und ein Fahrradraum eingerichtet. Die Verbindungsflügel sind niedrigere, mit Souterrain zweigeschossige Bauten mit flach geneigten Satteldächern und Fensterband. Der größere konnte bei schlechtem Wetter als Pausenraum genutzt werden. Die große Turnhalle ist bei größerer Breite der Formensprache der Klassenbauten angeglichen. Sie wird als Aula – und gelegentlich auch öffentlich – genutzt. Während das Äußere der Gebäude schlicht gehalten ist, sind im Innern vor allem die Foyers und Treppenhäuser aufwendig gestaltete Räume mit Wandgemälden im zeitgenössischen Stil mit christlichen Szenen und Motiven aus Flora und Fauna. Zur wandfesten Ausstattung zählen etwa die Fußböden aus Kunststein und in den übrigen Räumen aus schallschluckendem Estrich mit einem Gummibelag oder in den Klassenräumen die von Wandschränken für Waschbecken und Unterrichtsmaterial flankierten Türen und ein Wandbrunnen. Außer der Auswechslung der Fensterflächen der Zwischentrakte, die den Charakter des Schulbaus nicht stören, sind seit dessen Errichtung keine einschneidenden baulichen Veränderungen vorgenommen worden. Die Grünewaldschule zeigt die Umsetzung des modernen, am Wohlbefinden der Schüler ausgerichteten Schulbauwesens nach Reformen, die seit den 1920er Jahren – unterbrochen durch die Zeit des Nationalsozialismus – entwickelt wurden und mit denen man sich von den Bauten nach der Schulreform von 1870 abgewandt hat. Das Ergebnis waren flach angelegte Gebäude mit Schulzimmern mit schattenfreiem Tageslicht und der Möglichkeit zur individuellen Bestuhlung. Die durch Verglasung geöffneten Bauten sollten sich der Natur einerseits öffnen und dabei auch Weltoffenheit und das offenere demokratisch organisierte Gemeinwesen verkörpern. Neben der Transparenz war die Integration des Schulbaus in die Umgebung wichtig.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 90-91.

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