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Leinwanderstraße

Zwischen der westlich des Bahnhofs gelegenen Maximilianstraße und der Hanauer Straße bildet die Leinwanderstraße eine kurze Verbindung in nordsüdlicher Richtung. Sie ist 1879 angelegt worden und nach dem Aschaffenburger Hof- und Mundkoch Josef Leinwander (1725–1809) benannt. Dieser stiftete der Stadt 1805 sein Vermögen, von dem jährlich arme Jungen mit Stipendien zur Bestreitung der Ausbildung bedacht werden sollten. Der Fonds wurde vom Aschaffenburger Stadtmagistrat verwaltet. Die Straße ist beidseitig von mehrgeschossigen Mietwohnhäusern bebaut und gehört zum seit Mitte des 19. Jh. sich entwickelten Bahnhofsviertel.

Leinwanderstraße 2a

1901 hat das städtische Bauordnungsamt den Neubau eines Wohnhauses in der Leinwanderstraße genehmigt. Er wurde wohl von dem Bauunternehmer Johann Scheuermann geplant und 1902 fertiggestellt. 1905 ließ sich Davio Hirsch ein Lagerhaus für Farbwaren durch den Architekten Friedrich Selbert neu errichten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude durch mehrere Granatvolltreffer vom Dach bis zum Erdgeschoss zu einem Drittel beschädigt. Die Fassade des dreigeschossigen Mietwohnhauses ist klar symmetrisch gegliedert. Im hohen Erdgeschoss befinden sich drei stichbogige Fenster mit Bandelwerk in den Brüstungsfeldern und eine Durchfahrt zum Hof. Die Mittelachse ist im 1. Obergeschoss durch einen dreiseitigen Erker betont. Die Fenster der beiden seitlichen Achsen sind in beiden Obergeschossen zu Paaren zusammengefasst. Im 1. Obergeschoss sind die Sandsteingewände mit Vorhangbögen versehen, im 2. Obergeschoss sind sie stichbogig. Die betonte Mittelachse wird durch einen Zwerchgiebel mit Zwillingsfenster abgeschlossen. Im Giebel findet sich die Jahreszahl der Fertigstellung des Hauses. Die historistische Fassade zeigt Formelemente der Neurenaissance, wie in den Brüstungsfeldern der Erdgeschossfenster, und neugotische Stilformen am Erker und im Bereich der Obergeschossfenster. Die Häuser in der nahe dem Bahnhof gelegenen Leinwanderstraße wurden bei den mehrfachen Angriffen auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. Der überwiegende Teil der Gebäude wurde abgebrochen und nicht wieder aufgebaut, sodass die Bebauung heute vor allem durch Wohnhäuser der Nachkriegszeit charakterisiert wird. Zwischen diesen Gebäuden fällt der historistische Bau auf und stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der Erstbebauung der Straße dar.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 84-85.

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