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Kinderpost

Von KlotzMatthias

In der Akte „SSAA, PGS, 156“ des Stadt- und Stiftsarchivs befindet sich eine ganze Serie von Fotos mit der Aufschrift: „Kinderpost.“ Was hat es damit auf sich? – Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Die Fotos waren Teil eines Spiels. Aber lassen wir Frau Brigitte Syroff-Schmitt, die den Nachlass ihres Vaters abgegeben hat, einfach selbst erzählen:

In den 1960er Jahren gab es in unserer Familie mit drei Kindern zum Spielen eine „Kinderpost.“ Das war eine große Schachtel mit einem nachgestalteten Postschalter aus Karton im typischen „Postgelb“, den man auf dem Tisch aufstellen konnte. Des Weiteren befanden sich in der Schachtel die typischen Postutensilien wie Postkarten mit und ohne Bild, Briefpapier und Briefumschläge, Briefmarken, Paketkarten und ein kleiner Stempel mit dem „K“ für Kinderpost samt Stempelkissen. Mit diesem Stempel stempelten wir aus Mangel an Ansichtskarten die Fotos, die wir hatten.

Diese Fotos machte unser Vater in großer Zahl mit seiner Agfa-Box, die sich noch heute in meinem Besitz befindet.

Wir Kinder spielten nun abwechselnd Postkunde oder Postbeamter vor oder hinter dem Schalter. Abgeschaut hatte ich mir das Ganze bei meinen Besuchen in der Postfiliale, die sich praktischerweise in unserer Straße befand. In der Schalterhalle wartete man geduldig, bis man an der Reihe war und von der Postbeamtin, die hinter dem Schalter saß, bedient wurde. Dort erledigte ich sehr gerne kleine Aufträge für meine Mutter, wie Briefe aufgeben und frankieren lassen, Briefmarken kaufen oder Päckchen abholen.

Diese Leidenschaft für Briefe und Postkarten zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich verschicke auch im Zeitalter von E-Mails, E-Letter und SMS sehr gerne Briefe und Ansichtskarten, auch aus aller Welt. Und ich besuche Poststellen, wo ich gerade bin. Dublin z.B. hat ein wunderschönes Hauptpostamt, ein Post-Office mit einer Schalterhalle in edlem Holz und Messing. In Washington DC besuchte ich das Old Post Office, Washingtons erstes Hochhaus. Eins meiner Lieblingsmuseen in Washington DC ist das National Postal Museum mit einer der weltweit besten Briefmarkensammlungen. Dort gibt es unter anderem einen Postschalter, von dem ich am liebsten meine Post versende, weil es dort einen ganz besonderen Poststempel gibt….

So kommt es, dass es im Stadt- und Stiftsarchiv Fotos mit dem Stempel „Kinderpost“ gibt. Unsere Fotos zeigen das Spiel aus den 1960er Jahren, zwei weitere Fotos sowie den dazugehörigen Stempel „Kinderpost“.

 

Fotos:

Spiel „Kinderpost“: Spielzeugmuseum Nürnberg, Nr. 1998225.

Bild mit Hühnern und Einschulung: Brigitte Syroff-Schmitt, Aschaffenburg.

Stempel „Kinderpost“: Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, PGS, 156.

 

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