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Gemarkung Schweinheim

Aus der Gemarkung Schweinheim stammen verschiedene Altfunde von Steinbeilen sowie mindestens eine Steinaxt. Die Fundorte lassen sich nicht mehr exakt lokalisieren, belegen aber eine Begehung des Gemarkungsgebietes seit dem Altneolithikum. Aus der Privatsammlung von Christian Ludwig Thomas gelangten drei Steingeräte an das Völkerkundemuseum in Berlin und somit später in die Bestände des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Sie werden als flacher Steinkeil, Steinbeil sowie Steinhammer angesprochen und wurden 1882, 1885 und 1906 bekannt. Leider liegen keine Zeichnungen oder Maßangaben vor, sodass sich die Fundstücke heute nicht mehr sicher identifizieren lassen. Lediglich der als Steinkeil angesprochene Fund konnte mit einiger Sicherheit zugeordnet werden. Weitere Objekte aus Schweinheim gingen an die Archäologische Staatssammlung München. Es handelt sich um einen steinernen Meißel, ein größeres sowie ein kleineres Beil, das wohl sekundär in späterer Zeit durchbohrt wurde und möglicherweise Amulettcharakter besaß. Diese Stücke wurden 1895, 1896 und 1905 erfasst und sind zumindest in maßgerechten Skizzen überliefert. Der Zufallsfund eines jung- bis endneolithischen Steinbeils lässt sich näher lokalisieren. Das vollständig erhaltene Stück mit einer Länge von 9,3 cm wurde vor 1894 am Bischberg im Westen von Schweinheim nahe Obernau gefunden und an die Archäologische Staatssammlung München abgegeben. Vor 1897 fand man zwei Bruchstücke eines stark verbogenen Armringes aus Bronze mit spitzovalem Querschnitt, der an die Archäologische Staatssammlung München gelangte. Der Ring besitzt eine sehr raue Patina, ist teilweise abgeschliffen und zeigt an einigen Stellen Spuren einer Strichverzierung. Nach Otto Matthias Wilbertz ist die Datierung letztlich unsicher, doch deutet die Zustandsbeschreibung auf eine Brandbestattung der Urnenfelderzeit hin. Vermutlich ist diese Bestattung im Umfeld der Gemeindesandgrube und dem nahe gelegenen Grabhügelfeld in der Flur „Pärlein“ zu lokalisieren.

Das ehem. Pfarrdorf Schweinheim liegt südlich von Aschaffenburg in einem von Osten gegen Westen abfallenden Tal, dem sog. Haintal, welches von den Höhen Haidberg, Bischberg, Erbig, Stengerts, Findberg und Dörrnberg gebildet wird. Es wird von dem Hainsbach, heute Hensbach durchflossen. Eine Schenkungsurkunde von 1226 gilt als der erste schriftliche Quellenbeleg für die Existenz der Ortschaft. Der Zeitpunkt der Ortsentstehung im Mittelalter ist aus der zufällig überkommenen Jahresangabe aber nicht abzuleiten. Der Ort soll aus den Teilen Oberhain und Unterhain, die das alte Hagen bildeten, zusammengewachsen sein. Noch im 13. Jh. „Hagene“ oder „Hagen“, auch „Hain“ oder „Oberhain“ bzw. „Unterhain“ genannt, wurde das Dorf 1347 als „Sweynheym“ bezeichnet. Die Herkunft des Namensteils „Schwein“ wird damit erklärt, dass es auf dem Gemeindegebiet einen Wildschweinpark der Kurfürsten von Mainz gegeben hat. Die Schweinheimer waren der Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau (Muttergottespfarrkirche) in Aschaffenburg zugehörig. 1249 erhielten die Einwohner durch Erzbischof Christian II. die gleichen Rechte und Freiheiten wie die Bürger Aschaffenburgs. Etwa in der Zeit der Bauernkriege (um 1525) verlor Schweinheim wiederum sein Aschaffenburger Bürgerrecht und erlangte gemeindliche Selbstständigkeit. Um 1817 kam es zur Begründung der eigenen Pfarrei Schweinheim, deren kirchliche Genehmigung am 26. Januar 1821 erfolgte. Die Eingemeindung Schweinheims nach Aschaffenburg wurde am 1. April 1939 vollzogen. Der Stadtteil wuchs seit Ende des Zweiten Weltkrieges Stück für Stück mit der Stadt zusammen und entwickelte sich seit den 1960er Jahren zu einem beliebten Wohnstandort. Dennoch hat er bis heute an einigen Stellen seinen ländlichen Charakter beibehalten. Im gesamten Altortbereich sind archäologische Befunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu vermuten. Dies gilt auch für die Flächen der ehem. Aumühle und der ehem. Dümpelsmühle. Als Hinweis auf die Wirren des Dreißigjährigen Krieges darf der Zufallsfund eines Münzdepots im Schweinheimer Wald gelten, der sehr wahrscheinlich als Versteckfund zu interpretieren ist. An heute nicht mehr genau lokalisierbarer Stelle fand eine arme Holzsammlerin am 31. August 1784 im Bett einer Quelle mehrere Münzen des 15.–17. Jh.. Die Fundstelle wurde daraufhin von weiteren Personen erneut erfolgreich abgesucht. Diese Münzen wurden von den Findern unterschlagen. Auf eine Anzeige hin verhörte der Schweinheimer Vogt mehrere Verdächtige und Ankäufer, darunter auch den geistlichen Rat Hugo Eberhardt Heim und einige Juden. Nach den damaligen Ermittlungen bestand der Schatzfund aus mindestens 147 Silber- und 26 Goldmünzen, die im Dreißigjährigen Krieg vergraben worden waren. Die Münzen wurden durch das kurfürstliche Münzkabinett begutachtet, das darunter keine „relevanten“ Sammlungstücke feststellte und ein modern anmutendes Rückerstattungsverfahren anordnete. Diejenigen, die auf Drängen der Behörden ihre Funde gemeldet und abgeliefert hatten, erhielten sie zurück. Diejenigen, die fortgesetzt die Herausgabe verweigert hatten, sollten zur Abschreckung bestraft werden.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 303.

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