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Gemarkung Gailbach

Die ältesten bekannten archäologischen Funde aus dem Bereich der Gemarkung Gailbach datieren in das Neolithikum. Ohne genauere Bezeichnung der Fundorte und Fundumstände wurden mehrere neolithische Steinbeile und ein nicht näher innerhalb der Vor- und Frühgeschichte datierbarer Wetzstein bekannt, die alle um die Wende vom 19. zum 20. Jh. gefunden wurden. Sie stammen zum Teil aus der Sammlung von Christian Ludwig Thomas, von wo aus sie später in das Völkerkundemuseum in Berlin und daraufhin in die Bestände des Museums für Vor- und Frühgeschichte gelangten. Andere Fundstücke, darunter auch der Wetzstein, kamen in die Archäologische Staatssammlung München. Erhalten blieben zwei dünnnackige Steinbeile mit rechteckigem Querschnitt in Berlin sowie die Skizzen eines spitznackigen jüngerneolithischen Beils, eines wohl schnurkeramischen trapezförmigen Beils mit gewölbter Ober- und Unterseite und der langrechteckige Wetzstein aus dunkelgrauem Tonschiefer. Auf dem „Findberg“ nördlich von Gailbach, zu etwa gleichen Teilen in den Gemarkungen Gailbach und Haibach (Gde. Haibach) gelegen, soll sich nach alten Nachrichten ein Ringwall befunden haben. Heute ist die Anlage infolge von Steinabbau auf der Kuppe des Berges wahrscheinlich vollkommen zerstört. Angeblich stand 1885 noch die Hälfte des Walls. Bereits 1894 soll hingegen nur ein lediglich 15 m langes Reststück vorhanden gewesen sein. Die Befestigungsanlage, die gelegentlich auch als verstürzte Mauer angesprochen wird, besaß nach den überlieferten Informationen eine Höhe von 12 Fuß und eine Breite von 25 Fuß. Die Zeitstellung der mutmaßlichen Befestigung ist nicht zu ermitteln, da Funde nicht bekannt geworden sind.

Der südöstlich von Aschaffenburg gelegene Ort Gailbach wird als „Gauwelenbach“ und „Galinbach“ 1262 im Nekrolog des Stifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg erstmals genannt. Die Erstnennung entspricht sicherlich nicht dem tatsächlichen Siedlungsbeginn im Mittelalter. In den folgenden Jahrhunderten sind Nennungen des kleinen Ortes in unterschiedlichen Schreibweisen zu finden. Eine dem heutigen Ortsnamen in der Lautschrift sehr ähnliche Schreibweise („Geilbach“) findet sich in einer Karte aus der 2. Hälfte des 16. Jh. Der kleine Ort entwickelte sich als Straßendorf entlang der Straße nach Dörrmorsbach und Soden in einem schmalen Spessarttal, das von dem gleichnamigen Wasserlauf durchflossen wird. Kirchenrechtlich war der Ort eine Filiale der Pfarrei Unserer Lieben Frau in Aschaffenburg. Erst 1817 erlangte man die kirchliche Eigenständigkeit. Zu dieser Zeit fanden die Gottesdienste in einer kleinen, 1792/93 errichteten Kapelle statt, die am Ende des 19. Jh. um ein Querhaus und einen neuen Chor mit Sakristei erweitert wurde. 1968 wurde die neue Kirche St. Matthäus nach zweijähriger Bauzeit geweiht. In dem bäuerlich geprägten Gailbach entstand im 19. Jh. durch Bevölkerungszunahme und damit verbundene Erbteilung eine verarmende Generation von Tagelöhnern, die ihr tägliches Brot in Fabriken in Aschaffenburg, Steinbrüchen der Umgebung oder in der ortsansässigen Heimschneiderei verdienten. Nachdem der Ort durch der beiden Weltkriege zum Teil schwere Schäden erlitten hatte, entwickelte sich die Gemeinde nach 1945 von einem Bauern- zu einem Arbeiterdorf. Am 1. April 1975 wurde Gailbach im Rahmen der Gebietsreform nach Aschaffenburg eingemeindet. Es zählte zu diesem Zeitpunkt 1367 Einwohner und hatte eine Fläche von 317,54 ha. Innerhalb des Altortes sind Befunde und Funde des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu vermuten.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 255.

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