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Bodendenkmäler – Gräberfelder in Aschaffenburg

Gräberfelder der Völkerwanderungs- und Merowingerzeit

Unweit südöstlich der Altstadt von Aschaffenburg befindet sich an der Schweinheimer Straße ein Gräberfeld der Völkerwanderungszeit und vermutlich der Merowingerzeit. Der Fundplatz ist von einem Wohngebiet weitgehend überbaut, der Erhaltungszustand damit unklar. Die Fundgeschichte des Gräberfelds reicht bis weit in das 19. Jh. zurück und zählt zu den ältesten archäologischen Beobachtungen auf dem Gebiet der Stadt Aschaffenburg. Die überkommenen Nachrichten sind aufgrund der frühen Fundzeit allerdings spärlich. Bereits 1812 bis 1815 entdeckte man bei Bodeneingriffen an der Schweinheimer Straße mehrere zerbrochene Gefäße, deren Material nicht genannt ist. Die damals entdeckten Objekte sind nicht erhalten. Bei den Bodeneingriffen wurde auch nicht näher interpretierbares „Mauerwerk“ aufgedeckt. 1852 fand man etwa an gleicher Stelle einen Krug und ein Glasgefäß in 1,2 bis 1,5 m Tiefe („Krug aus terra cotta ganz erhalten, das zertrümmerte Glas wiederhergestellt“). Beide Stücke gelangten durch den Grundeigentümer als Geschenk an das Bezirkskomitee des historischen Vereins von Unterfranken, später an den Aschaffenburger Geschichtsverein und damit an das Stiftsmuseum Aschaffenburg.

Der knapp über 18 cm hohe Krug besteht aus feiner, hellockerroter Irdenware, auf der sich wenige Spuren eines dunkelroten Überzuges erhalten haben. Der konische Becher aus gelbgrünem Glas läuft nach unten spitz zu und ist schräg geriefelt. Unterhalb des Randes ist ein Glasfaden spiralig aufgelegt. Beide Stücke können in das 5. Jh. n. Chr. datiert werden. Die Ansprache der Objekte als Beigaben zerstörter Gräber wird durch eine 1899 aufgedeckte Körperbestattung im Garten des Anwesens Schweinheimer Straße 6 bestätigt. In diesem Grab fand sich ein einfacher Sigillata-Teller der Spätantike. Nicht sicher zugehörig ist ein weiterer Glasbecher. In den Museen der Stadt Aschaffenburg werden zwei Glasgefäße aufbewahrt, die diesem Gräberfeld ebenfalls zugerechnet werden. Es handelt sich um einen Sturzbecher mit geriefter Wandung sowie einen hohen Tummler. Beide Gefäße datieren bereits an das Ende des 6. bzw. in das 7. Jh. n. Chr. Möglicherweise zeigen sie eine Weiterbelegung oder eine nochmalige Nutzung des Bestattungsplatzes in der Merowingerzeit an. Durch die völkerwanderungszeitlichen Bestattungen wird eine Besiedlung der näheren Umgebung der Aschaffenburger Oberstadt noch vor Auftreten der Franken am Untermain bezeugt. Anhand der wenigen, unter schwierigen Bedingungen überlieferten Funde kann nur spekuliert werden, inwiefern ein Zusammenhang mit dem beim Geographen von Ravenna für das späte 5. Jh. genannten „ascapha“ besteht.

Gräberfeld der Hallstattzeit

Etwa 1500 m nordöstlich des Altstadtkernes von Aschaffenburg befindet sich ein Gräberfeld der Hallstattzeit. Der Fundplatz ist von einem Gewerbegebiet weitgehend überbaut, der Erhaltungszustand des Bestattungsplatzes somit unklar. Insgesamt liegen nur wenige Beobachtungen zu Bodeneingriffen vor. So stammt aus dem Bereich der Goldbacher Straße 74 eine 1945 bis auf wenige Scherben zerstörte Urne ohne nähere Fundzeitangabe. Das Gefäß war von schwarzer Färbung, 23,5 cm hoch und besaß einem Randdurchmesser von 18,5 cm bei einer größten Weite von 35 cm. 1926 wurde in geringer Entfernung im Garten der Auhofstraße 20 in etwa 0,75 m Tiefe eine weitere Urne geborgen. Das große Gefäß besaß eine Höhe von 25 cm, einen Bodendurchmesser von 20 cm und einen größten Umfang von 80 cm. Das heute verschollene Objekt enthielt Leichenbrand. Beigaben werden nicht erwähnt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 208-209; S. 213.

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