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Anekdote aus dem Vereinsleben – aus der Tennisgeschichte

von Wolfgang Krämer

Neben dem renommierten Tennisclub Weiß-Blau an der Schönbuschallee, der übrigens aus einem Hockeyclub hervorging, kam an zweiter Stelle die Tennisabteilung des Turnvereines Aschaffenburg, kurz TVA 1860 in der Flachstraße. Es gab da neben dem Sportplatz, der Aschebahn, drei Tennisplätze (heute sind es acht Plätze).

In den 1960er Jahren war es nicht so einfach, Mitglied eines dieser Clubs zu werden. Man benötigte dazu einen Paten.

Als ich als Lehrling (heute Auszubildender) 1961 in die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank in der Weißenburger Str. eintrat (jetzt HypoVereinsbank), war die erste Frage des damaligen Filialdirektors Paul Pischinger: „Welchen Sport betreiben Sie?“ Die Frage kam überraschend, ich war auf solche Fragen nicht eingestellt. Es folgte: „Tennis oder Rudern?!“ Direktor Pischinger war nämlich Präsident, sowohl des Aschaffenburger Ruderclubs als auch des TVA , Abteilung Tennis. Einspruch unmöglich, ich unterschrieb die mir vorgelegte Beitrittserklärung des Tennisclubs.

Zuhause allerdings gab es erheblichen Widerspruch. Mein Vater nahm mich an die Hand, ging mit mir in den Vorgarten unseres Hauses in der Deutschen Str. und fragte: „Was siehst du?“ Ich antwortete: „Die Schrebergärten.“ „Was siehst du weiter?“ Antwort: „Die Fasanerie.“ „Und was ist darüber?“ Meine Antwort: „Der Godelsberg.“ Darauf sagte mein Vater mit einem erzieherischen Unterton: „Schau, die da oben wohnen können Tennis spielen. Du wirst erstmal fleißig lernen und wenn du es zu etwas gebracht hast, dann kannst du Tennis spielen.“

Nun war die Situation schwierig, hier das Versprechen meinem Direktor gegenüber. Ich war sehr stolz, dass er meine Patenschaft übernommen hatte. Und dort die Worte meines Vaters, dem ich zu gehorchen hatte.

Was tat ich? Ich spielte heimlich Tennis und meine Sportklamotten wurden in der Tennistasche meines Freundes verstaut, dessen Mutter sie mitwusch. Im Gegenzug gab es für meinen Freund ein Freibier. Das ging nur eine Weile gut, bis zuhause ein Einsehen stattfand. Dass der Sohn „Fremdwaschen“ ließ, entsprach nicht dem Ehrgefühl der Familie.

Nach über 25 Jahren Mitgliedschaft in einem Verein, ist es üblich, eine Ehrung zu erhalten, die bei mir ausblieb. Ich reklamierte nach 31 Jahren. Mit Erfolg – wie man aus der Anlage ersehen kann: Die Anerkennung meiner besonderen Verdienste für den TVA 1860, Abteilung Tennis, wurden mir, der TURNSCHWESTER Wolfgang Krämer am 25.5.1992 unter Verleihung der silbernen Ehrennadel und der entsprechenden Urkunde, zuteil. Unterzeichnet von B. Zimmermann.

Noch heute findet diese Urkunde hin und wieder schmunzelnde Erwähnung unter den ehemaligen Tennisfreunden.

 

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