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Werkstraße

Werkstraße 2

Die Einführung der zentralen Energieversorgung war ein entscheidender Schritt in der Industriellen Revolution des 19. Jh., durch den die Einrichtung von Gaswerken und Verteilernetzen eine wichtige öffentliche Aufgabe von Städten – und so auch für Aschaffenburg – wurde. Das Gaswerk an der Obernauer- und Lamprechtstraße wurde mit städtischen Mitteln durch den Ingenieur und Unternehmer Carl Knoblauch-Dietz aus Frankfurt am Main auf dem sog. „Bocksberg“ gebaut und an ihn verpachtet. Anfang des Jahres 1858 nahm das Werk seinen Betrieb auf. Streitigkeiten zwischen Pächter und Stadt führten dazu, dass der Vertrag vorzeitig aufgelöst wurde und die Stadt ab 1. Januar 1871 das Werk in eigener Regie betrieb. Der Gasverbrauch und damit die Entwicklung des Werkes hielten sich zunächst in Grenzen. Erst Herabsetzungen des Leuchtgaspreises 1874 und 1884 brachten eine höhere Abnahme und damit folglich den Aus- und Umbau des Werkes. Es wurde Gas für Privatbeleuchtung, Motorgas, Heiz- und Kochgas, Gas für die Straßenbeleuchtung sowie die Beleuchtung von städtischen und staatlichen Gebäuden produziert. Zwischen 1900 und 1910 wurde das gesamte Gaswerk in mehreren Bauperioden vollständig um- und neu gebaut, sodass schon damals von den ersten Bauten aus der Mitte des 19. Jh. nur wenige stehen blieben. Das Ende der Gasproduktion in Aschaffenburg kam 1951, als eine Fernleitung von Frankfurt am Main installiert wurde. Damit setzte die Demontage der Werksanlagen ein. 1970 wurden die Gasbehälter stückweise abgebaut. Als letzter Zeuge der Gasproduktion auf dem Gelände der heutigen Stadtwerke blieb das ehem. Apparatehaus erhalten. Im Kern steckt noch ein kleiner Teil des alten Apparatehauses aus der Entstehungszeit des Werkes, welches während der Bauperiode 1903/04 umgebaut und zu einem Apparatehaus mit neuer Kühler- und Waschanlage mit 8.000 cbm Tagesleistung erweitert wurde. Der Rotsandsteinquaderbau ist unverputzt und mit einem Satteldach abgeschlossen. Auf diesem sitzen Lüftungsaufbauten. Lisenen und hohe, stichbogige Fenster mit leicht profiliertem Gewände gliedern die Fassade. Auf der Nordwestseite befindet sich ein großzügiger Eingang mit rundbogigem Oberlicht, flankiert von zwei schmalen Rechteckfenstern. An der nordöstlichen Schmalseite des Gebäudes ist ein markanter Schildgiebel mit aufwendig profilierten Konsolsteinen erhalten. Dieser wiederholt sich am südöstlichen Anbau. In den Giebelfeldern sitzen runde Fenster. Das Gebäude wurde 1980 restauriert und dient heute als Ausbildungswerkstatt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 192-193.

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