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Von der Reichsbank zur Bundesbank

Eine vergangene Institution in Aschaffenburg 1895 bis 2007

-Von der Reichsbank zur Deutschen Bundesbank- (Bank der Banken, der Behörden und der Industrie)

Im Jahre 1895 wurde durch einen Erlass des Reichsbank-Direktoriums in Berlin vom 10. Mai 1895 (Nr.6595, siehe Bild) mit Wirkung vom 05. Juni 1895 die Einsetzung einer Reichsbank-Nebenstelle mit Kasseneinsetzung und beschränktem Giroverkehr verkündet. In der Aschaffenburger Zeitung vom 05. Juni 1895 stand die Eröffnung in der Weißenburger Straße 2 (siehe Bild). Die gleiche Bekanntgabe war auch von der Reichsbank-Hauptstelle Frankfurt/M. in einem Zeitungsinserat. Die Leitung wurde dem Bankvorstande Herrn Hülcker übertragen. Bis zum Jahre 1904 bestand das Personal der Nebenstelle aus dem Bankvorstand und einem Kassendiener. Etwa zeitgleich mit der Einführung des erweiterten Giroverkehrs am 01. Mai 1904 wurde der Buchhaltereiassistent Ernst Daeter von Frankfurt nach Aschaffenburg versetzt. Seit 1908/1909 waren dann außer den beiden Beamten zwei Kassendiener bei der Nebenstelle tätig. Diese Stellenzahl blieb bis zum Jahr 1918 unverändert. In den Jahren 1919 bis 1945 lag die Zahl der Bediensteten dann zwischen sechs und elf Beamten. Im Jahr 1902 wurde in der Erthalstraße 14 für 25.000 RM ein Bauplatz erworben zum Bau einer Reichsbanknebenstelle. Nach zweijähriger Bauzeit bis 1904 entstand für 84.129 RM ein Neubau, der in den Jahren 1922 und 1925 für zusätzliche Büro-und Wohnräume erweitert wurde (siehe Bild). Im Erdgeschoß waren sieben Geschäftsräume, im I. Obergeschoß wohnte der Bankvorstand und im Dachgeschoß der „Hauszählmeister“. Der Stil des Hauses konnte der deutschen Renaissance zugeordnet werden. Bei Luftangriffen im 2. Weltkrieg am 21. November 1944 und am 21. Januar 1945 wurde das Dienstgebäude schwer beschädigt. Während die Dienstwohnungen danach nicht mehr bewohnbar waren, wurden die Geschäftsräume behelfsmäßig wieder benutzbar gemacht. Bei einem weiteren schweren Luftangriff wurde das Nebenstellengebäude schließlich  am 02. April 1945 vollständig zerstört (siehe Bild). Ein Wiederaufbau des Dienstgebäudes erschien sowohl aufgrund des Ausmaßes der Zerstörungen als auch wegen der Grundstücksgröße, die als nicht ausreichend erachtet wurde, nicht empfehlenswert.

Für die Bank galt es nach dem Kriege zunächst, ein neues Geschäftslokal ausfindig zu machen. Durch viel Mühe war es ihr gelungen, in der Zeit von 1945 bis 1952 behelfsmäßig Dienst-und Wohnräume in der Friedrichstraße 13 anzumieten. Zwei Häuser weiter baute man auf dem Gelände Friedrichstraße 17 (ein früherer Friedhof) ein neues Bankgebäude mit Natursteinfassade (siehe Bild). Mit einer Fläche von 1308 qm konnte es zum Kaufpreis von 75.000 DM vom Kirchenbauverein Agatha erworben werden. 1951 kam zu dem erworbenen Baugrund noch ein kleines Teilstück mit einer Fläche von 85 qm hinzu, welches die Stadt Aschaffenburg zu einem Preis von 4250 DM verkaufte. Das neue Bankgebäude konnte im Juli 1952 bezogen werden mit einem zweigeschossigen Tresor von 40,95 qm. Im Eingangsbereich hatte die Bank einen „sitzenden Jüngling“, eine Bronzefigur vom Künstler Rümelin angeschafft (siehe Foto).

Die Dienststelle, die der Hauptstelle Würzburg zugeordnet wurde, wuchs ständig und bekam 1978 nach der Auflösung der Zweigstelle Miltenberg den dortigen Bankbezirk  zugesprochen.

  • Nach dem zweiten Weltkrieg war eine dezentrale Entwicklung entstanden – die Bank wurde in Landeszentralbank von Bayern, Zweigstelle Aschaffenburg umbenannt (bis 1957). Nach Gründung der Deutschen Bundesbank 1957 wurde ihr „Adelstitel-von“ in Landeszentralbank in Bayern geändert (bis 1992). Danach hieß sie Landeszentralbank im Freistaat Bayern (bis 2002). Von 2002 bis März 2003 wurde sie zur Filiale der Deutschen Bundesbank erhoben und von 2002 bis zu ihrer Schließung am 31.03.2007 war sie nur noch Betriebsstelle der Filiale Würzburg.
  • Die Veränderungen waren in dieser Zeit enorm, es waren 33 Bedienstete (Höchststand 40 Mitarbeiter) und die Landkreise Aschaffenburg, Miltenberg sowie der Alzenauer Raum waren in den Geschäfts-und Abrechnungsverkehr mit eingebunden. So waren bis zu 52 Banken und Sparkassen im Bargeldverkehr zu versorgen. Die Einführung des Containerverkehrs und schließlich die Automation verlangten immer wieder Umbauten, wie Panzerverglasung, Tresoraufzüge, Verladeboxen, Großkundenkassen. Die technische Ära blieb nicht stehen. Anfang des 21. Jahrhunderts hatte die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt die Schließung vieler Zweigstellen im Bundesgebiet beschlossen, was auch an der Aufgabenteilung mit der Europäischen Zentralbank  Ein Investor kaufte das Bankgebäude und nach der Schließung 2007 ist dies nun Geschichte und nur der „Sitzende Jüngling“ erinnert noch an die Bank

 

(Heinz Undeutsch, Bundesbankamtmann a,D,)

Die Bilder stammen aus der Zeitschrift für die Angehörigen der Deutschen Bundesbank, Ausgabe Mai 1983

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