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Stiftsgasse

Die Stiftsgasse beginnt an der Dalbergstraße, an der Stelle, wo diese einst zu einem Marktplatz erweitert war. Sie verläuft in einem Bogen auf dem Kamm des Stiftsberges in südwestlicher Richtung und trifft wieder auf die Dalbergstraße. Topographisch lässt sich die Stiftsgasse auf dem Höhenrücken oberhalb des Löhergrabens in zwei Bereiche unterteilen: Der östliche Teil zwischen Stiftskirche und der Einmündung der Rathausgasse bildet den Stiftsberg. Dieser wird durch einen natürlichen Sattel von der westlichen Hälfte des Höhenzuges, dem Badberg abgegrenzt. Die Bezeichnung ergab sich aus den hier gelegenen Stiftshöfen des ehem. Kollegiatsstifts St. Peter und Alexander. Allerdings wird dieser Straßenzug erst seit der Einführung der Hausnummerierung 1881 als Stiftsgasse bezeichnet. Eine überlieferte, im Mittelalter übliche Bezeichnung lautet „Grafengasse“ (Gref(f) engasse), wohl nach den diversen Grafen, die hier ihren Besitz hatten. Im Pfarreienplan von 1809 findet sich die Namensgebung „Im Sack“ und im ersten amtlichen Katasterplan von 1845 wird die Stiftsgasse „Sackgasse“ genannt. Die unregelmäßige Bebauung der Gasse ist heute noch gekennzeichnet von den erhaltenen und z.T. nach Kriegsende wieder aufgebauten Höfen der Stiftsherren. Die Stiftshöfe waren Privatbesitz der Kanoniker und wurden per Testament einem anderen Kanonikus übereignet. Im Laufe der Zeit gingen alle Höfe an das Stift über. Zur Zeit der Säkularisation bestanden 27 Stiftshöfe. Die älteste schriftliche Überlieferung zu den Stiftshöfen als Wohnstätten der Stiftsherren datiert aus dem Jahr 1160.

Stiftsgasse 1

Das Stiftsglöcknerhaus, ein dreigeschossiger schmaler Walmdachbau, wurde unter Verwendung des erst 1728 erneuerten Dachwerks des Vorgängerbaus 1749/50 neu errichtet. Im Bereich des Stiftsplatzes fällt der Bau durch seine repräsentative Steinquaderfassade auf. Diese ist in drei Achsen gegliedert. Die Quader des Erdgeschosses sind als Bandrustika gesetzt. Der flache Stichbogen des mittigen Portals wird aus Keilsteinen gebildet. Flankiert wird das Portal von zwei aufrecht stehenden Ovalfenstern mit Vergitterung. Ein im Bereich der Eckpilaster verkröpftes Gurtgesims schließt das Erdgeschoss ab. Eckpilaster mit ionischen Kapitellen rahmen die beiden Obergeschosse. Die Fenster sind mit Stichbogen und Keilstein abgeschlossen; die des 1. Obergeschosses sind höher als die des 2. Obergeschosses. Die Fassade wird im Bereich der Mansarde mit einem Dreiecksgiebel bekrönt, in dessen Giebelfeld sich eine Kartusche mit dem Wappen des Stifters, der das Haus für den Stiftsglöckner neu errichten ließ, befindet. Nachdem das Stiftsglöcknerhaus während des Zweiten Weltkrieges vergleichsweise geringe Schäden an Fenstern, Türen und Wänden durch Luftdruck erfuhr, zeigt es sich heute in weitgehend bauzeitlicher Form und bildet mit seiner frühklassizistischen Fassade einen den Platz prägenden Bau am Beginn der Stiftsgasse.

Stiftsgasse 5

Nachdem eine Visitation 1765 den baufälligen Zustand des 1317 erstmals erwähnten Anwesens feststellte, wurden am 21. Februar 1766 Pläne für einen Neubau vorgelegt und in den folgenden Jahren umgesetzt. Der Stiftspfarrer beantragte 1832, das bisherige Pfarrhaus (Stiftsgasse 12) mit dem Haus „Zur Rose“ wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Kirche zu tauschen. Seitdem dient das Gebäude als Wohnsitz des jeweiligen Stiftspfarrers. Im Laufe des 19. Jh. erfolgten diverse Umbauten im Innern des Gebäudes. 1909 wurde auf der Südseite ein Badezimmer angebaut, nachdem 1889 das Anwesen an die städtische Wasserleitung angeschlossen worden war. Am 31. März 1945 brannte das Gebäude nach Artilleriebeschuss völlig aus. Der Stiftspfarrhof wurde 1951/52 unter Verwendung der historischen Keller und der Umfassungsmauern in gleicher äußerer Gestalt wieder aufgebaut. Der Innenausbau hingegen erfolgte nach Zeitgeschmack. Der massive Bau erhebt sich zweigeschossig über einem niedrigen Sandsteinquadersockel und schließt mit einem Mansarddach ab. Die Fassade zur Stiftsgasse ist fünf Achsen breit, die mittleren drei springen in Form eines flachen Risalits leicht vor. Zum mittigen Portal führt eine doppelläufige Treppe. Die Fenster und das Portal sind mit geohrten Rahmungen versehen. In der Mittelachse ist unter dem Fenster des Obergeschosses eine plastische goldene Rose angebracht. Unter dem Gebäude befindet sich ein Gewölbekeller mit einem Vorkeller. Diese wurden beim Neubau 1766 vom Vorgängergebäude aus dem 15. Jh. übernommen. Die letzte umfangreiche Sanierung des Stiftspfarrhofes fand 2000/01 statt.

Stiftsgasse 6/9

Bei dem zwischen 1751 und 1756 anstelle von älteren Gebäuden, von denen eines „Zur alten Münze“ genannt wurde, von Stiftskanoniker Georg Wenzeslaus von Hoffmann geplanten und errichteten Dekanatshof handelt es sich um eine Dreiflügelanlage um einen gegen die Stiftsgasse durch eine Mauer abgeschlossenen Schmuckhof. Das Hauptgebäude, ein zweigeschossiger Walmdachbau, ist neun Achsen breit. Die Fassade ist verputzt. Rahmungen und Gesimse sind aus rotem Mainsandstein gefertigt. In der Mittelachse befindet sich ein von Pilastern gesäumtes und von einem Dreiecksgiebel bekröntes Portal, welches über vier Stufen erreichbar ist. Unter der mehrfach profilierten Traufe verläuft ein Zahnfries. Die Gebäudekanten sind im Bereich des Obergeschosses mit einer Eckquaderung hervorgehoben. Auf der zum Löhergraben gerichteten Südfassade treten die mittleren drei Achsen in Form eines flachen Risalites leicht vor. Die Fenster hier sind sowohl im Erd- als auch im Obergeschoss rundbogig. Zum Garten führte einst eine doppelläufige Treppe. Darüber ist im Obergeschoss ein Balkon angebracht. Auf der Nordseite des Gebäudes sind eingeschossige Flügel mit flachen Walmdächern angefügt. Zum Hof hin haben die Flügel je vier Achsen mit mittiger Rundbogennische. Die Flügel sind durch eine Mauer miteinander verbunden. Sie ist in je zwei Felder mit Fensterdurchbrüchen gegliedert, in der Mitte befindet sich ein rundbogiges Portal. Dem Hauptgebäude gegenüber steht das ehem. Kelterhaus, ein zur Stiftsgasse eingeschossiger und zur Rathausgasse zweigeschossiger Walmdachbau, der die Formen des Portals und der Hofmauer spiegelt. Das Anwesen wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftdruck und Artillerie so schwer beschädigt, dass vom Hauptgebäude nur die Außenmauern stehen blieben. Nach Ende des Krieges konnten die Seitenflügel zunächst noch bis 1955 als Notwohnungen und Werkstatt genutzt werden. Das Hauptgebäude jedoch war unbewohnbar. 1969 wurden die noch stehenden Mauerreste einschließlich der Keller abgetragen. Witterung hatte im Laufe der vielen Jahre des Leerstandes eine Wiederverwendung unmöglich gemacht. Zwischen 1970 und 1972 wurde das Gebäude rekonstruiert. Beim Wiederaufbau wurden einzelne Bauteile wie Gesimse, Fenstergewände, Portale und Eckquaderungen sowie Inschriftentafeln und -bänder in den Neubau integriert. Der in den historischen äußeren Formen wieder aufgebaute ehem. Dekanatshof hat durch die bewusste Wahl des Bauplatzes auf dem Sattel zwischen Stifts- und Badberg und seine städtebauliche Wirkung mit dem kleinen Hof zur Stiftsgasse und der Schmuckfassade zum Löhergraben mit kleinem Garten und Weinberg eine besondere Bedeutung für das Stadtbild. Unter den Stiftskurien in der Stiftsgasse ist er der einzige, der mit einem solch hohen architektonischen Anspruch im Stil des 18. Jh. errichtet wurde.

Stiftsgasse 7

Der Stiftshof „Zum Einbeck“ erhielt seinen Namen von dem in der 2. Hälfte des 14. Jh. hier wohnenden Kanoniker Johann von Einbeck. Der zuvor wahrscheinlich giebelständige Bau wurde 1730 zu einem massiven, zweigeschossigen Mansarddachbau verändert. Zu dem Anwesen gehörten diverse Nebengebäude. Nach der Säkularisation wurde das Kanonikerhaus zunächst vermietet, dann verkauft. Eine Buchdruckerei fand hier im 19. Jh. ihr Domizil. 1905 wurden im Nebengebäude Wohnungen eingerichtet. 1917 erfolgte der Rückkauf des Anwesens durch die Stiftungsverwaltung. Daraufhin wurden im Erdgeschoss des Gebäudes das Archiv des Stifts und im Obergeschoss Wohnungen eingerichtet. Wie das Nachbargebäude brannte das Haus „Zum Einbeck“ nach Beschuss im März 1945 aus und wurde 1947–49 in Angleichung an das Haus Nr. 5 unter Übernahme der alten Umfassungsmauern über historischem Gewölbekeller wieder aufgebaut. So zeigt sich der Bau heute als zweigeschossiger Mansarddachbau mit direktem Anschluss und in gleicher Höhe wie Haus Nr. 5. Die Fensterformate sind gleich, nur die Ohrungen sind zusätzlich im Sturz verkröpft. An der Grundstücksgrenze zu Haus Nr. 9 steht ein pavillonartiges Nebengebäude, das mit dem Hauptgebäude durch ein rundbogiges Einfahrtstor verbunden ist.

Stiftsgasse 8

Das städtebaulich bewusst als Platzabschluss an der Stelle, an der die Rathausgasse auf die Stiftsgasse trifft, platzierte Wohnhaus bestand ursprünglich aus einem Hauptbau, dessen Giebel direkt auf den Eingang der Stiftskirche gerichtet war und einem an der Nordseite des Hauptbaus angefügten Anbau mit Giebel zur Dalbergstraße. Das heutige Erscheinungsbild des Walmdachbaus ist das Ergebnis eines Umbaus im 18. Jh. Nach dendrochronologischen Untersuchungen wurde das Haus 1390 unter Verwendung älterer Hölzer oder Integration eines Vorgängerbaus von 1294 errichtet. Dem Gelände entsprechend erhebt sich der Bau auf hohem Kellersockel aus Bruchstein. Die Obergeschosse zur Stifts- und zur Rathausgasse bestehen aus Fachwerk, dessen handwerkliche Ausführung von hoher Qualität zeugt. Es handelt sich um eine Mischform aus Ständer- und Stockwerksbau. Das Obergeschoss und der Giebel kragen auf Konsolen vor. Die Holzverbindungen sind geblattet. Die übrigen Umfassungswände sind z.T. erneuert und massiv. Alle Fassaden sind verputzt. An der Nordfassade zur Rathausgasse ist ein Erker über einem rundbogigen Kellerabgang angefügt. Sein dekoratives Fachwerk ist in die Zeit um 1600 zu datieren. Der Eingang zum Gebäude befindet sich auf der Seite zur Stiftskirche, leicht erhöht, über eine Treppe erreichbar. Der Ursprungsbau war von der südlichen Traufseite, der Hofseite, zugänglich. Später wurde das Gebäude um zwei Anbauten erweitert. Der zweigeschossige Flügel zur Stiftsgasse 10 wurde bei der letzten Sanierung durch einen Neubau ersetzt, auch der Anbau zur Rathausgasse 10 wurde weitgehend erneuert.

Stiftsgasse 12

Nachdem das wohl seit dem 13. Jh. bestehende Haus „Zum Trappen“ (Ersterwähnung dieses Namens 1576) baufällig und ruinös war, wurde vom Stift 1799 der Neubau beschlossen. Landbaumeister Michael Streiter erhielt 1802 den Auftrag, einen Bauplan zu verfassen, die Bauausführung erfolgte 1803. In den Neubau wurden Bauteile des Vorgängerbaus integriert. So ist ein überdachtes, spitzbogiges Hoftor mit gekehltem Gewände und einem Wappen im Scheitel erhalten. Alois Grimm berichtet in seinem „Aschaffenburger Häuserbuch“ von erhaltenen Konsolsteinen an der Einfriedungsmauer, die wohl auf eine Art Wehrgang hindeuten, der für Stiftshöfe üblich gewesen sei. Das Haus wurde 1832, als der Stiftspfarrer in das der Kirche näher gelegene Haus „Zur Rose“ (Stiftsgasse 5) zog, verkauft. Das Wohnhaus ist zweigeschossig. Über einem massiven Erdgeschoss folgt ein verputztes Fachwerkobergeschoss. Der Bau schließt mit einem Walmdach ab. Die Fassade zur Stiftsgasse hat fünf gleichmäßige Fensterachsen, in der äußersten linken liegt der Eingang zum Gebäude. Dieser ist etwas nach innen gelegt und über vier Stufen erreichbar. Die Fenster im Erdgeschoss sind glatt umrahmt, die des Obergeschosses haben keine Rahmung. Auch sonst fehlt der Fassade jegliche Gliederung oder Dekoration. Unter dem Gebäude befindet sich ein nicht die gesamte Fläche des Hauses einnehmender Keller, der über einen Kellerhals vom Hof aus zugänglich war.

Stiftsgasse 13

Bis 1822 war das Gebäude, eine ehem. Stiftskurie, im Eigentum des Stiftes. Anfang des 18. Jh. wurde es als Vikariehaus des Stiftes erwähnt. Erbaut wurde das repräsentative Fachwerkgiebelhaus laut Bezeichnung im Giebel 1601. Der zur Stiftsgasse giebelständige Satteldachbau ist zweigeschossig mit massivem Erdgeschoss. Fenster und Eingang sind mit Rahmungen aus rotem Sandstein versehen. Die linke Gebäudekante ist im Bereich des Erdgeschosses mit einer unregelmäßigen Eckquaderung ebenfalls aus rotem Mainsandstein hervorgehoben. Die Fensterrahmung ist mehrfach profiliert und hat am Ablauf Voluten. Der rundbogige Eingang ist mit dekorativem Beschlagwerk versehen. Darüber befindet sich ein gekuppeltes Oberlicht. Obergeschoss und Giebel sind aus Sichtfachwerk konstruiert und kragen jeweils leicht vor. Das Eingangsportal liegt leicht nach links gerückt. Unter dem Fenster links daneben befindet sich ein rundbogiger Kellerabgang zum Gewölbekeller.

Stiftsgasse 15

Das ehem. Stiftsvikariatshaus ist dem Haus Nr. 13 sehr ähnlich. Anfang des 18. Jh. wurde das Gebäude erstmals als „Vikariehaus“ bezeichnet. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben eine Bauzeit um 1600/01 für das zweigeschossige Fachwerkhaus. Im Unterschied zum Nachbargebäude steht der Bau traufständig in der Stiftsgasse. Über massivem Erdgeschoss folgt ein leicht auskragendes Sichtfachwerkobergeschoss. Im Erdgeschoss besitzt das Gebäude ein dreifach und ein zweifach gekuppeltes Fenster mit karniesprofilierten Sandsteingewänden. Der rundbogige Hauszugang mit doppelluchtigem Oberlicht ist über eine sechsstufige Außentreppe erreichbar. Sein reiches Beschlagwerk wurde nach Kriegsschäden rekonstruiert. Stilistisch ist er dem von Haus Nr. 13 sehr ähnlich und stammt möglicherweise aus derselben Werkstatt. Die Fenster im Obergeschoss haben – dem Fachwerk entsprechend – unregelmäßige Abstände. Das Gebäude ist mit einem quer zum First stehenden Gewölbekeller teilunterkellert. Dieser ist über einen separaten Zugang von der Stiftsgasse und über eine schmale Treppe vom erhöhten Erdgeschoss aus zugänglich.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 148-179.

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