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Niedernberger Straße

Niedernberger Straße 10a – Kettenschiff

Das Kettenschiff „Määkuh“ (Mainkuh) ist ein anschauliches Zeugnis der zwischen 1886 und 1936 auf dem Main zwischen Bamberg und Mainz betriebenen Kettenschifffahrt, welche die bis dahin übliche Treidelschifffahrt ablöste. Während beim Treideln die Schiffe von Pferden, die am Ufer entlang eines sog. Treidelpfades liefen, gezogen wurden, haspelten sich die Schiffe nun mittels Dampfkraft entlang einer im Flussbett verlegten Kette flussauf- und -abwärts. Die Kettendampfer selbst dienten weder der Personenschifffahrt noch dem Transport von Gütern. Sie waren als „Lokomotive“ mit Kohle beladen, die zur Befeuerung ihrer Dampfmaschine nötig war, und schleppten bis zu zwölf antriebslose Binnenschiffe. Der vollständig erhaltene Rumpf des letzten auf dem Main betriebenen Kettenschiffes ist ca. 50 m lang und 6,5 m breit. Er wurde von der Schiffswerft der Deutschen Elbschifffahrtsgesellschaft „Kette“ im Dresdner Stadtteil Übigau 1901 auf Kiel gelegt und im folgenden Jahr in Aschaffenburg zusammengebaut und in Dienst gestellt. Die Dampfmaschine und die technische Ausstattung des Schiffes sind nach Außerdienststellung 1936 verloren gegangen. Das Schiff wurde dann am Ufer der Stadt stabil verankert und erhielt einen Restaurantaufbau, der letztlich der Erhaltung des Schiffsrumpfes diente. Der Rumpf zeigt die für die Zwecke der Kettenschifffahrt speziell geformte Wölbung, welche dem Lauf der Kette, an der sich das Schiff mittels Dampfkraft vorwärts gehaspelt hat, entspricht. Mit Hilfe einer dampfbetriebenen Winde wurde die in der Flussmitte verlegte Kette am Bug des Schiffes hochgezogen, dreimal um zwei Antriebstrommeln gewickelt und am Heck wieder in den Fluss gelassen.

Der gewölbte Rumpf ist als genietete Stahlfachwerkkonstruktion mit ebenfalls genieteter Eisenhaut ausgeführt. Neben einfachen Spanten aus Stahlprofilen und Winkelverstärkungen stabilisieren den Rumpf vor allem tragende Deckbalken und Rahmen (Kielschweine) entlang der Außenkante. Das Schiff ist durch sechs wasserdichte Schottwände in sieben Schotten eingeteilt. Neben dem Kessel gab es zwei Kohlenräume à 15 m³ Fassungsvermögen mit eisernen Wänden. Die Außenhaut des Schiffsrumpfes besteht aus zwischen 4,5 und 5,5 mm dickem Stahl. An den Längsseiten des Decks befand sich eine Reling aus eisernen Stützen und hölzernen Leisten. Bemerkenswert war die Steuerung der Ketten-Schleppdampfer, die wegen der Kette eingeschränkt, gleichzeitig aber besonders wichtig war. Daher verfügten sie über zwei außergewöhnliche Ruder vorn und hinten. Diese wurden von den mittschiffs auf einer Steuerbrücke befindlichen Handrädern bewegt. Es sind zahlreiche Ausstattungsdetails wie die Bullaugen mit ihren Scharnieren und Schraubverschlüssen, eiserne Schottentüren mit Verriegelung, die Doppelpoller an Deck etc. erhalten. Seinen Beinamen „Määkuh“ (fränkisch für Mainkuh) erhielt das Ketten-Schleppschiff wegen seiner Schiffshupe, die an das Muhen einer Kuh erinnerte. Ernst Pfeifer beschrieb die zur Hochzeit der Industrialisierung häufigen Kettenschiffe sehr anschaulich in der Zeitschrift Spessart: „Das war ein Wasserwesen, das flach und breit war wie ein Nudelbrett, rasselnd und scheppernd den Main hinauf schwamm und dabei nicht nur dicke Qualmwolken, sondern markerschütternde Schreie ausstieß. Es war an einer Kette festgebunden, die es aus dem Wasser zog und sich den Buckel runterrutschen ließ. Dadurch bewegte es sich vorwärts und zog eine lange Reihe von Frachtkähnen hinter sich her.“

Nähe Niedernberger Straße – Bildstock

Der Säulenbildstock an der Niedernberger Straße ist einer der ältesten in Aschaffenburg. Er stammt vermutlich noch aus dem 16.Jh. Auf einem gefasten Vierkantschaft sitzt ein vierseitiger, leicht auskragender Aufsatz mit Giebelchen, die etwas überstehen. Schaft und Aufsatz sind aus Sandstein. Auf drei Seiten ist ein flaches Kreuzigungsrelief mit Unterschriften, die nicht mehr zu entziffern sind, zu sehen. Der Bildstock wurde nach einer Restaurierung im August 2002 wieder aufgestellt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 278-279.

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