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Dossier Valentin Pfeifer

Pfeiferstraße (Damm), benannt 1970 nach

Valentin Pfeifer (1886 – 1964)

Lehrer und Heimatschriftsteller (Umwidmung der Straße im Jahr 2024)

  • * 24. Juni 1886 in Sommerau
  • 1892 – 1899 Besuch der Volksschule in Sommerau
  • 1899 – 1902 Präparandenschule in Lohr
  • 1902 – 1904 Lehrerseminar in Würzburg
  • 1904 – 1908 (Jung-)Lehrer in Faulbach, Michelbach (Kahlgrund), Rück und Waldaschaff
  • 1908 Staatsexamen in Würzburg
  • 1909 – 1931 Lehrer an der Luitpoldschule in Aschaffenburg
  • 1910 Hochzeit mit Laura Schwarz, zwei Kinder (*1911 und *1928)
  • 1913 Veröffentlichung „Was Mutter erzählte“
  • 1914 Bürgerrecht der Stadt Aschaffenburg
  • 1919 Mitbegründer des Turnvereins Sommerau
  • 1920 Veröffentlichung „Spessart-Märchen“ (1923: Band 2 und 3)
  • 1922 Veröffentlichung „Aus grünem Heimatgrund“
  • 1928 Haus in der Hanauerstraße 14 in Aschaffenburg
  • 1929 Veröffentlichung „Spessartvolk – Sitte und Brauch“
  • 1931 – 1945 Lehrer, ab 1938 Oberlehrer und ab 1942 Rektor an der Volksschule in Aschaffenburg-Damm
  • 1931 – 1935 mehrere „Darbietungen im Rundfunk“ zu Geschichten/Märchen aus dem Spessart auf verschiedenen Sendern
  • 1933 – 1945 Mitglied des NS-Lehrerbunds
  • 1933/35 – 1945 Mitglied der NSDAP [Mitglieds-Nr. 3 560 723, Mitgliedsbuch Juli 1936]
  • 1934 – 1945 Mitglied der NS Volkswohlfahrt (NSV) und des Reichsluftschutzbunds (RLB)
  • 1934 – 1938/45 Mitglied der Reichsschrifttumskammer
  • 1935 – 1945 Mitglied im Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA)
  • 1936 Veröffentlichung „Das Jahr des Bauernbuben“
  • 1936/37 – 1945 Mitglied im Reichskolonialbund
  • 1944/45 Umzug aus Aschaffenburg (Haus in der Hanauerstraße 14 zerstört) in seinen Geburtsort Sommerau, 1951 erneuter Umzug nach Aschaffenburg
  • 1945 krankheitsbedingte Versetzung in den Ruhestand
  • 1946 Einstufung in die Gruppe IV (Mitläufer) im Entnazifizierungsverfahren
  • 1948 Veröffentlichung „Spessart-Sagen“ (in zahlreichen Auflagen erschienen, zuletzt 2007)
  • 1952 Veröffentlichung „Märchen und andere Geschichten aus dem Erzählschatz der Mutter“
  • 1958 Veröffentlichung „Das Wirtshaus zu Rohrbrunn“
  • † 20. Juni 1964 in Aschaffenburg

Ehrungen:

  • 1956 Ehrenbürger der Gemeinde Sommerau (Eschau)
  • 1956 Ehrenmitglied des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg
  • Ehrenmitglied weiterer Vereine, Namensgeber einer Straße in Eschau (Valentin-Pfeifer-Straße) sowie der Valentin-Pfeifer-Volksschule Eschau (Grund- und Mittelschule)
  • Ehrengrab auf dem Waldfriedhof in Aschaffenburg (laut Wikipedia; laut Gutachten von Hans-Bernd Spies sei das Wirken von Valentin Pfeifer „erheblich überschätzt“ worden, siehe Main Echo vom 30.03.2012)

 

Wirken vor 1933

Der in Sommerau (heute Eschau, Spessart) geborene Pädagoge Valentin Pfeifer lehrte in jungen Jahren an Dorfschulen im Spessart, seit 1909 in Aschaffenburg, über 20 Jahre an der Luitpoldschule, anschließend an der Volksschule in Aschaffenburg-Damm. Bekannt wurde er als Heimatschriftsteller, insbesondere mit (Sammlungen von) Märchen und Sagen aus dem Spessart, die er auch in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichte. Er machte sich Zeit seines Lebens um die Tradierung von Brauchtum und „Volksgut“ aus dem Spessart verdient.

Wirken in der NS-Zeit

Während der NS-Zeit lebte und wirkte Valentin Pfeifer in Aschaffenburg. Er war seit 1931 Hauptlehrer an der Volksschule Aschaffenburg-Damm. 1938 wurde er dort zum Oberlehrer und 1942 zum Rektor der Schule ernannt. Seit 1933 war er im NS-Lehrerbund organisiert. Zum 1. April 1945 ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen pensionieren (andere Angabe: Versetzung in den Ruhestand zum 30.12.1944; beides Selbstangaben aus dem Jahr 1946).

Valentin Pfeifer war Mitglied der NSDAP [Mitglieds-Nr. 3 560 723]. Laut eigener Angaben im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens sei er 1935 eingetreten, der Eintritt aber auf den 1. Mai 1933 rückdatiert worden. Anhand der beiden tradierten NSDAP-Karteikarten lässt sich das nicht eindeutig verifizieren; hier findet sich jeweils der 1. Mai 1933 eingestempelt, ohne weiterführenden Vermerk. Die vergebene Mitgliedsnummer stützt seine Angaben eher als dass sie sie infrage stellte. Laut Gaukarteikarte reichte Valentin Pfeifer am 25. April 1936 einen Antrag ein auf Ausstellung eines „Mitglieds-Buchs“, das ihm demnach am 25. Juli 1936 ausgestellt und ausgehändigt wurde (BArch, NSDAP-Mitgliederkarteien). Des Weiteren war er Mitglied der NSV und des RLB (1934 – 1945) sowie darüber hinaus ab 1935 des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland (VDA) und ab ca. 1936 des Reichskolonialbunds.

Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Rektor veröffentlichte Valentin Pfeifer weiterhin Beiträge als Heimatschriftsteller, etwa in der Monatsschrift „Spessart“ sowie als Mitarbeiter der „Aschaffenburger Zeitung“ (AZ). Brauchtum, Handwerk und Lebenswirklichkeit seiner Heimat, dem ländlich geprägten Spessart, standen inhaltlich im Vordergrund, wie etwa in den Beiträgen „Deutsches Volkstum im Spessartwinkel“ (AZ vom 28.09.1935), „Der lange Lenz“ (AZ vom 05.04.1938), „Die Dreschmaschine brummt im Oberdorf“ (AZ vom 11.12.1943) und „Das Elfenrössel“ (AZ vom 08./09.01.1944). In den Beschreibungen geht Valentin Pfeifer wiederholt auf „Errungenschaften“ des Nationalsozialismus ein. In der Kontextualisierung zur Erzählung „Der lange Lenz“ heißt es etwa:

„Sie [die Erzählung] kündet davon, wie ehemals dem Spessartbewohner der Frühling besonders lange, viel zu lange erschien. War doch das Frühjahr die Wartezeit auf die ersehnte neue Ernte. Und die Wohltätigkeitseinrichtungen eines ‚Winterhilfswerkes‘ oder einer ‚Volkswohlfahrt‘ hielten noch nicht ihre schirmende Hand über arme Spessartgebiete wie jetzt in der nationalsozialistischen Zeit“ (AZ vom 05.04.1938).

Im weiteren Verlauf des Beitrags wird auf die „bekanntlich vom Nationalsozialismus verurteilte Erbteilung“ rekurriert, die Schuld an der erzwungen einfachen Lebensweise der Spessartbauern sei.

In den Märchen und Erzählungen selbst tauchen Wehrmachtssoldaten als Protagonisten auf, die zum Krafttanken in den heimatlichen Spessart kommen – und „heimatbeseelt“ zurück in den Krieg ziehen, wie etwa am Ende der Erzählung „Die Dreschmaschine brummt im Oberdorf“:

„Wieder befindet sich der Grenadier im Urlauberzug, doch diesmal nach der Fremde. Und wieder hat er einen Eckplatz gefunden und sinnt in sich hinein. Er ist wiederum beglückt: denn es begleitet ihn die Gewißheit in die Schnee- und Waldböden Lapplands: zuhause ist alles wohlbestellt und seiner Heimkehr harrt ein gutes treues Mädel, das nach Kriegsende mit ihm den väterlichen Hof pflegen will und an seiner Seite schreiten wird über die fruchtbereite heimatliche Flur“ (AZ vom 11.12.1943).

Als Buch erschien 1936 „Das Jahr des Bauernbuben“, ein „Heimat-Kinderbuch“, wie es in einer Besprechung hieß (AZ vom 08.12.1936). Die von der Reichswaltung des NS-Lehrerbundes herausgegebene „Jugendwarte“ lobte die „unliterarische Schlichtheit“ des Werks. Das Buch werde auf überzeugende Weise „von einer Heimatliebe getragen, die keine Worte macht, sondern einfach da ist und gelebt wird“.

Welche Rolle Valentin Pfeifer der „Bedeutung des Schrifttums im nationalsozialistischen Staat“ beimaß, erläuterte er in einem gleichnamigen programmatischen Aufsatz, der am 27. November 1936 in der AZ erschien (und hier ungekürzt wiedergegeben wird, um den Gesamteindruck nicht zu verfälschen):

„Eine hohe Berufung hat das geschriebene Wort. Es kündet die nationalsozialistische Weltanschauung, es hat deren Gedankengut für die Zukunft zu bewahren und es ist die geistige Waffe, ‚das Schwert des Geistes‘ im Dienste der nationalsozialistischen Idee. Ob Tagesblätter, Zeitschriften oder Bücher: sie ringen neben anderen Kräften um die Ganzheit unseres Volkes (seelisch wie räumlich), bis auch der letzte Deutsche im abgelegensten Hofe, im einsamen Spessartdörflein die nationalsozialistische Weltanschauung in sich aufgenommen hat, sich zu ihr bekennt und danach handelt. Gehören aber der Einödbauer in Oberbayern und der Spessarter Holzhauer nicht auch geradesogut zum Volksganzen wie etwa der Bewohner der Reichshauptstadt! Der Nationalsozialismus wertet – gottlob! – alle Volksgenossen als Brüder, weil artgleichen Blutes, und aus solcher Wertung erwächst jedem einzelnen, wo und wessen Standes er sei, die Pflicht, mitzuhelfen, daß sein Vaterland und sein Volk bestehe und lebe.

Stumm, still wendet sich das geschriebene Wort an uns. Und doch beutet es eine gewaltige Macht.

Der Bauer, der Arbeiter, der Handwerker liest z. B. von den Untaten der Bolschewisten in Spanien. Stumm, aber eindringlich mahnen die starren Lettern. Und der Leser staunt zunächst, entrüstet sich alsdann und sein Herz gibt den stummen Mahnungen die handfeste Antwort: in unserer Heimat, bei uns in Deutschland darf’s nie so kommen wie dort in Spanien! Und, wenn er seither dem nationalsozialistischen Wollen aus irgendwelchen Gründen noch gleichgültig oder gar ablehnend gegenüber gestanden wäre, jetzt ist er wachgerüttelt und vom Verlangen getrieben, tieferen Einblick in das Wesen nationalsozialistischen Denkens zu erhalten. So reift das stille Zeitungswort und mit ihm das gute Buch den Willen und die Tat für die nationalsozialistische Idee.

Wer sich nationalsozialistischem Schrifttum hingibt, der spürt in sich wesensverwandte Saiten erklingen und fühlt er dies nicht, so ist er wahrem Deutschtum abwegig geworden. Denn das wirklich nationale Schrifttum greift an die Wurzeln deutschen Wesens, das in seiner Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit neu erstehen, blühen und künftighin gewahrt werden soll.

Nationalsozialistisches Schrifttum gehört zu den wichtigen Heilkräften im fortschreitenden Gesundungsprozeß des deutschen Volkes. Die nationalsozialistische Bewegung hat die Gesundung eingeleitet. Unser Volk war krank. Es war in Parteigewirr verstrickt und einer spie gegen den anderen ohne zu bedenken, daß der Untergang der ‚anderen‘ naturnotwendig auch seinen Untergang herbeiführen müßte. Ebenso zerschlissen und irrend mußte in der liberalistischen Zeit auch das Schrifttum sein, zudem es von artfremden Personen beherrscht ward, die unmöglich deutsch denken und fühlen konnten“ (AZ vom 27.11.1936).

Als Heimatschriftsteller war Valentin Pfeifer Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahrens gab er an, der Kammer nur bis 1938 angehört zu haben. In einem Antrag aus dem Jahr 1944 ersuchte Valentin Pfeifer um „Befreiung von der Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer“ (BArch, R 9361-II/804662). Offensichtlich war er im Juni 1944 zumindest nicht dauerhaft von der Mitgliedschaft befreit. Der Antrag selbst ist nicht tradiert, wohl aber die sich daraus ergebenden Anfragen/Rückmeldungen an die Kreisleitung der NSDAP Aschaffenburg-Alzenau vom 03./26.06.1944, die sich explizit auf den Antrag beziehen. Eine Befreiung war dann möglich, wenn der Autor maximal sehr vereinzelt oder im privaten Bereich publizierte. In der angeforderten Mitteilung des NSDAP-Ortsgruppenleiters heißt es: „Pfeiffer [sic!] Valentin, Hauptlehrer, ist Parteimitglied seit 1.5.33 unter Nr. 3560723. In politischer Hinsicht ist Nachteiliges nichts über ihn bekannt geworden.“

 

Entnazifizierungsverfahren

Die Spruchkammer Obernburg am Main reihte Valentin Pfeifer in die Gruppe IV der Mitläufer ein – das entsprach seiner Selbsteinschätzung – und legte ihm eine Geldsühne über 200, – RM auf. In der Begründung dazu heißt es:

„Pfeifer gehörte seit 1935 der Partei an und wurde auf 1.5.1933 zurückdatiert. Er war ferner Mitglied der NSV, NSLB, VDA und Reichskolonialbund. Pfeifer stand innerlich dem Nationalsozialismus fern und hat sich in keiner Weise aktiv betätigt. Vor der Machtübernahme war er schriftstellerisch in der Heimatkunde (Spessart) tätig. Durch den Nationalsozialismus wurde ihm diese Tätigkeit zerschlagen. Pfeifer ist total ausgebombt“ (31.08.1946, StA Würzburg, Spruchkammer Obernburg 1600).

Die Spruchkammer entsprach damit einer von Valentin Pfeifer formulierten Darlegung, in der er all sein Handeln beschrieb „auf Grund der demokratischen Linie, die ich mir als Richtschnur vorgezeichnet hatte“. In dem dreiseitigen Dokument betont er seinen Umgang mit Juden auch nach 1933 (ein Jude wohnte bis 1939 in seinem Haus zur Miete) sowie seine „christliche Lebensauffassung“, die sowohl seinen Schuldienst als auch seine schriftstellerische Tätigkeit durchzogen habe. Für beides finden sich Bestätigungen Dritter in der Akte. Er gibt an, nicht mehr schriftstellerisch tätig gewesen sein zu können („Ab 1936 konnte ich keine Schrift mehr veröffentlichen, das literarische Schaffen war sozusagen unterbunden.“). Unter der sich selbst gestellten Frage „Wie kam ich nun bei meiner Einstellung zur NSDAP?“ berichtet er von einer Tagung des „Landesverbands realistischer Bildung Bayerns“ in Aschaffenburg Ende Mai 1934. Er habe dort „heimatliche Dialektgeschichten“ vorgetragen; der Leiter der Veranstaltung sei „ein sehr werbendes Mitglied der NSDAP“ gewesen. Er, Valentin Pfeifer, habe aber „nicht im geringsten an einen Beitritt zur Partei“ gedacht. Für politische Dinge habe er niemals Zeit gefunden, war mit Schule, Heimatforschung und (Jugend-)Schrifttum sowie der aktiven Teilhabe am kulturellen Leben der Stadt ausgelastet gewesen. Weiter heißt es in der Darstellung:

„Meine Arbeitskraft war derart in Anspruch genommen, dass mir zu einer genaueren Einsichtnahme in das Wesen der NSDAP tatsächlich keine Zeit blieb. Die marktschreierische, aufdringliche Art ihrer Propaganda stieß mich von vornherein ab. Tragbar schien mir noch eines zu sein, nämlich, dass sie sich als sozialistisch bezeichnete. Sozialismus lag mit meiner Lebensauffassung in derselben Richtung. […] Der angebliche Sozialismus der Partei und die Rücksichtnahme auf die Familie waren die Gründe, weshalb ich, wenn auch mit innerem Widerstreben dem Werben nachgab und nach einer schriftlichen Einladung schließlich meine Einwilligung zum Eintritt erteilte. Dann wurde dieser ohne mein Befragen vordatiert auf 1. Mai 1933. […] Die letzten drei bis vier Jahre besuchte ich grundsätzlich keine Pflichtversammlungen mehr. Der seelische Druck war für jeden Deutschen ungeheuer, für einen Erzieher schier unerträglich geworden“ (An die Spruchkammer über den Vorprüfungsausschuss in Obernburg, undatiert signiert, StA Würzburg, Spruchkammer Obernburg 1600).

In den beigelegten Erklärungen, Bescheinigungen und Gutachten (so die Überschriften) wird wiederholt darauf Bezug genommen, dass Valentin Pfeifer zwar offiziell Mitglied der NSDAP gewesen sei, nicht aber mit deren Gesinnung und Weltbild übereingestimmt habe. Der Geistliche Rat Heckelmann versicherte, „dass die listenmäßige Parteizugehörigkeit ihn weltanschaulich nicht zum Angehörigen der NS-Partei zu machen vermochte“. „Er [Valentin Pfeifer] verurteilte alles Ungerechte und Radikale der NSDAP“, bescheinigte ihm der mit einer Jüdin verheiratet Kleiderfabrikant Heinrich Desch, mit dem Valentin Pfeifer auch während der NS-Zeit verkehrte. „Seine Zugehörigkeit zur NSDAP hat er selbst oft genug bedauert, wie bekannt, war aber ein Austreten gleichbedeutend mit Berufs- oft sogar Freiheitsverlust“, heißt es in einer weiteren „Bestätigung“. „Nach meiner Überzeugung steht Herr Oberlehrer Pfeifer, wenn er auch seinerzeit zum Beitritt zur nationalsozialistischen Partei veranlasst wurde, der Weltanschauung und den Zielen jener Partei ferne. Das beweisen auch seine Schriften“, erklärte der Geistliche Rat bei St. Agathe, Max Jäger; sein katholischer Kollege Keller (Pfarramt zu U. L. Frau) bescheinigte Valentin Pfeifer, dass er „innerlich […] mit dem Nazismus ganz gewiss nicht einverstanden“ war. Und Stadtrat [sic!] Nanna Ruths ließ wissen: „Den Ideen des Nationalsozialismus war er unzugänglich, wenn er auch zwangsläufig in die Partei eingetreten ist.“

Die Darstellungen, Bescheinigungen und Erklärungen lagen dem „Vorprüfungsausschuss für Lehrer“ des Landkreises Obernburg vor. In seinem Gutachten vom 23. Juli 1946 empfahl der Ausschuss, Valentin Pfeifer als Mitläufer zu werten. Als Sühne wurden 300, – RM für den Wiedergutmachungsfonds vorgeschlagen. „Pfeifer ist belastet als Mitglied der NSDAP seit 33; 35 wurde er zum Beitritt erpresst und auf 33 zurückdatiert“ [Hervorhebung im Original], heißt es im tradierten Gutachten. Zu seinen Gunsten sprach demnach seine katholisch geprägte Einstellung („pflegte in seinem Unterrichte christlichen Geiste“) und sein Verkehren mit Geistlichen sowie Juden während der NS-Zeit. Unter „Gesamthaltung“ fasste das Gutachten Folgendes zusammen (mit – im gekürzten Zitat bewusst ausgesparten – Hinweisen auf die jeweiligen Nummern der Belege):

„Zwar wurde Pfeifer 41 Rektor; dies dürfte kaum auf politische Hintergründe zurückgehen, sondern darauf, dass er als berühmter Schriftsteller in der Spessartheimatkunde schwerlich zu umgehen war. Seine Veröffentlichungen sind unpolitischen Charakters und wertvoll für die Heimatkunde des Spessarts. Durch das 3. Reich war er sogar in seiner schriftstellerischen Tätigkeit gehemmt. Weltanschaulich war er nicht Angehöriger der NSDAP, […] verurteilte alles Unrechte und Radikale der NSDAP, bezeichnete den Rassengedanken als Rassenwahn, unterhielt in seinen Schriften christlichen nicht nazistischen Geist, hielt den Nazihass gegen die Juden schon immer für unsinnig, war den Ideen des Nat[ional]Soz[ialismus] unzugänglich, […] war im Innern mit dem Nazismus gewiss nicht einverstanden, hat 5 Geschwister seiner Eltern und 1 Bruder in USA.“

 

Quellen:

  • BArch, NSDAP-Mitgliederkarteien
  • BArch, R 9361-II/804662
  • StA Würzburg, Spruchkammer Obernburg 1600
  • SSAA, SBZ II, 904 [Straßenbenennungen 1961 – 1974]
  • SSAA, ZAS 01, Nr. 233

Literatur:

  • Körner, Hans-Michael/Jahn, Bruno: Große bayerische biographische Enzyklopädie. München 2005, S. 1487.
  • Pfeifer, Otto: Chronik der Familie Pfeifer Sommerau (Selbstverlag). 2017.
  • Pollnick, Carsten: Aschaffenburger Straßennamen. Aschaffenburg 1990.

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