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Bodendenkmäler – Gräberfelder in Obernau

Der Fundplatz befindet sich etwa 1.800 m südlich vom Ortsausgang Obernau. Der überwiegende Teil des Bestattungsplatzes der Urnenfelderzeit, der Latènezeit, der römischen Kaiserzeit und der Merowingerzeit wurde durch Sandabbau komplett zerstört. Nur in den Randbereichen ist noch mit gut erhaltenen archäologischen Befunden zu rechnen. Die ersten Funde wurden im November 1924 beobachtet. Damals schwoll der Altenbach durch einen Wolkenbruch sehr stark an und riss große Mengen Erdreich mit sich fort. Bei der Altenbachsmühle wurden in der Folge mindestens drei latènezeitliche Brandgräber ausgespült. Augenscheinlich wurden die Funde zu jener Zeit nur teilweise erfasst, sodass lediglich ein Ausschnitt an das Mainfränkische Museum in Würzburg gelangte. Bekannt wurden drei weitgehend vollständig erhaltene sowie die Bruchstücke von mindestens zwei weiteren Gefäßen und Leichenbrand. Zudem fanden sich die Fragmente von drei Lanzenspitzen, zwei Schwertern und die Reste einer Schere.

Seit dieser Zeit wurden durch den Betrieb der Sandgrube vermutlich weitere Gräber zerstört. Erst im April 1951 konnten Mitarbeiter der Aschaffenburger Museen eine Notuntersuchung vornehmen. Dabei wurden unter sehr ungünstigen Begleitumständen die Überreste von acht vielfach gestörten Brandgräbern der frühen mittleren (Lt B), der entwickelten mittleren (Lt C) und der späten Latènezeit (Lt D1) aufgedeckt. Eine Steinkiste war beigabenlos und kann daher nicht datiert werden. Das Fundgut war vergleichsweise spärlich, bemerkenswert sind neben wenigen Gefäßscherben vor allem diverse Fibelbruchstücke sowie ein bandförmiger Schildbuckel. Aus dem Grab 8 zugeordneten Material, das den Schildbuckel und die Reste zweier Fibeln vom Mittellatèneschema enthielt, konnten später die Beigaben eines spätkaiserzeitlichen Brandgrabs einer Frau isoliert werden. Die jüngere Bestattung war offenbar in oder unmittelbar neben der älteren angelegt worden, sodass eine Trennung anhand des Befundes während der Bergung nicht gelang. Auch unter den zunächst zusammenhanglos geborgenen Keramikfunden fielen viele Stücke der römischen Kaiserzeit auf. Sie stammten von insgesamt zwölf Gefäßen, die zu einem paarweise zusammengestellten Geschirrsatz gehört haben könnten. Gegenüber der stattlichen Anzahl von spätkaiserzeitlichen Körpergräbern stellen Brandbestattungen dieser Zeitstellung in Süddeutschland, zumal mit einer derartigen reichen Ausstattung, eine Besonderheit dar. Das Grab kann in das ausgehende 3. Jh. bzw. die Jahrzehnte um 300 datiert werden und gehört somit zu den frühesten Gräbern in Süddeutschland nach dem Ende des Limes (um 260 n. Chr.). Grabungen und Beobachtungen des Abbaubetriebes der Sandgrube erbrachten in den folgenden Jahren bis 1957 noch acht weitere Bestattungen, die in einigen Fällen von Steinsetzungen umgeben waren. Sie konnten teils wiederum der Latènezeit zuwiesen werden. Nach den geborgenen Keramikgefäßen zu urteilen, datiert die überwiegende Anzahl dieser Bestattungen hingegen in die mittlere bis späte Urnenfelderzeit.

In Zusammenhang mit dem latènezeitlichen Gräberfeld könnte ein Münzfund stehen, der bereits 1876 nur 250 m westlich beim Bau der Bahnstrecke gemacht wurde. Es handelt sich um eine seltene keltische Silbermünze, angeblich eine Nachahmung des „Athena-Alkis-Typus“. Die Münze soll in das Münzkabinett München (heute Staatliche Münzsammlung) gekommen sein, kann dort aber nicht mehr identifiziert werden. Die Bedeutung des Fundplatzes wird durch drei vollständig erhaltene merowingerzeitliche Gefäße aus der 2. Hälfte des 7. Jh. n. Chr. unterstrichen. Sie wurden den Aschaffenburger Museen während der Ausgrabungen in den 1950er Jahren ohne genaue Kenntnis der Lage innerhalb der Sandgrube übergeben. Vermutlich stammen sie von zerstörten Reihengräbern. Der frühmittelalterliche Friedhof könnte mit der Wüstung Ruchelnheim in Zusammenhang stehen. Der 1184 erstmals genannte Ort befand sich südlich des Altenbachs nahe dem Bahnhof Sulzbach auf Sulzbacher Gemarkung. Es ist nicht auszuschließen, dass auch ein Teil der Funde, die dem merowingerzeitlichen Gräberfeld in der Aschaffenburger Straße zugeschrieben werden, zu diesem Gräberfeld gehörten.

Reihengräberfeld der Merowingerzeit

Das nördlich außerhalb des Altortes gelegene Reihengräberfeld der Merowingerzeit befindet sich gut 600 m von der Kirche St. Peter und Paul entfernt und könnte zu einer merowingerzeitlichen Vorgängersiedlung von Obernau gehören. Das erste Körpergrab des Bestattungsplatzes wurde im März 1922 in der Aschaffenburger Straße 20 bei Gartenarbeiten angeschnitten. Es konnten zwei Gefäße gesichert werden, die allgemein dem 6. oder 7. Jh. n. Chr. zugewiesen werden können. Ein zehn Jahre später entdecktes Fundensemble aus Glas- und einigen Bernsteinperlen, die zu Schmuckketten gehörten, sowie ein rollrädchenverzierter Tonbecher belegen eine weitere frühmittelalterliche Bestattung.

Bald nach Veröffentlichung dieses Grabfundes in der Zeitung wurde 1932 ein weiterer Fundkomplex bekannt, der angeblich ebenfalls von diesem Gräberfeld stammen soll. Nach Einschätzung von Georg Hock enthielt er neben einem merowingerzeitlichen Gefäß auch bronzene Gegenstände älterer Perioden. Im Einzelnen waren es ein patinierter Bronzearmreif, drei bronzene „Kinderarmringe“ sowie vier Nadeln von 15, 17, 25 und 45 cm Länge. Allein die Länge der Nadeln lässt an eine Einordnung in die mittlere und späte Bronzezeit oder ältere bis mittlere Urnenfelderzeit denken. Nach Hock ist deshalb nicht auszuschließen, dass der Fundkomplex möglicherweise von dem Gräberfeld an der Altenbachsmühle stammt, da der dortige Fundplatz in mehreren Perioden, u. a. auch in der Urnenfelderzeit, als Bestattungsplatz genutzt wurde. Möglicherweise wurden die dort beim Sandabbau entdeckten Objekte einem anderen Fundplatz untergeschoben, um etwaige Auflagen beim Abbaubetrieb zu umgehen. Der Verbleib der Funde ist nicht mehr zu ermitteln, eine genauere Ansprache und Datierung somit nicht mehr möglich.

Grabhügel im Obenauer Wald

Im Obernauer Wald, etwa 450 m östlich der Waldkapelle Maria Frieden wurde ein Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung gemeldet. Der Hügel ist heute obertägig nicht mehr sichtbar und möglicherweise zu einem unbekannten Zeitpunkt eingeebnet worden. Eventuell ist er mit dem bei Peter Endrich erwähnten Grabhügel „Bei dem Löffelborn“ identisch (Vgl. Baudenkmäler, Kapellenweg; Nähe Kapellenweg).

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 299-301.

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