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Marienstraße

Die Marienstraße im Ortsteil Schweinheim beginnt an der Kreuzung Rosen-/Molkenbornstraße. Die leicht abschüssige Straße verläuft in nordsüdlicher Richtung durch die Ortsmitte an der kath. Pfarrkirche Mariä Geburt vorbei, nach der sie 1908 benannt wurde. Zuvor handelte es sich schlicht um die Hauptstraße des Ortes. Nachdem sie die Hensbachstraße überquert hat, mündet die Marienstraße in die Ebersbacher Straße. Ihr nördlicher Teil bildet noch heute die verkehrsberuhigte Ortsmitte von Schweinheim. Neben der Pfarrkirche und dem Pfarrhaus sind hier drei der ältesten Bauernhöfe Schweinheims erhalten (Marienstraße 15, 17 und 19).

Marienstraße 13

Durch die Einrichtung einer eigenen Pfarrei in Schweinheim ergab sich der Wunsch nach dem Bau eines Pfarrhauses. Als Bauherr trat die Gemeinde Schweinheim selbst auf, da die kirchliche Genehmigung der Pfarrei erst am 26. Januar 1821 erfolgte. Als Bauplatz wurde das der Kirche gegenübergelegene, 105 m2 große Grundstück von Johann Staudt gekauft. Das zweigeschossige Pfarrhaus ist aus Sandsteinmauerwerk mit Quaderarmierung errichtet und verputzt. Die heute siebenachsige Fassade hatte ursprünglich nur fünf Fensterachsen. Der Eingang mit profiliertem, geradem Sturz befand sich in der Mittelachse. Die Fenster im Erdgeschoss sind hochrechteckig und haben einfache Sandsteinrahmen. Sie sitzen auf einem Sohlbankgesims auf. Im Obergeschoss sind die Fenster rundbogig abgeschlossen und mit einem profilierten Gesims auf Höhe der Bogenansätze untereinander verbunden. Hinter dem Eingang lag der Hausflur, der das Haus in zwei gleiche Hälften teilte, wo sich links zwei und rechts ein Zimmer mit Küche befanden; die gleiche Einteilung wiederholte sich im Obergeschoss. Die Pläne zu dem Schweinheimer Pfarrhaus zeichnete der kgl. Baurat und Direktor Bernhard Morell (1785–1859). Die Bauausführung erfolgte im Jahr 1819 unter den Baumeistern Johann Adam Kolb, Johann Staudt, Paul Kolb und Konrad Sauer. Hinter dem Pfarrhaus entstand noch eine Scheune mit Viehstall, an der nördlichen Giebelseite der Scheune ein Stall für Schweine und Federvieh sowie entlang der nördlichen Grundstücksgrenze ein Wasch- und Backhaus mit einem Brunnen. Ab Herbst 1887 wurde das Pfarranwesen grundlegend saniert und baulich ergänzt. Zwei deutsche Hauskamine wurden durch russische ersetzt und in diesem Zusammenhang alle Öfen und der Kochherd erneuert, alle Zimmer wurden neu gedielt, Hausflur und Küche mit neuen Platten ausgelegt, Haus- und Zimmertüren sowie Fenster erneuert; die in sämtlichen Zimmern fehlenden Sockel- und Fensterbretter samt Lamperien wurden angebracht und die Räume neu getüncht. Insbesondere wurde der bisher nicht vorhandene Abort angebaut. Ebenso wie das Pfarrhaus waren auch die Nebengebäude in schlechtem baulichem Zustand, sodass die Stallungen in der Scheune abgebrochen wurden. In der Zeit des Kirchenneubaus (1894–95) diente die Scheune als Notkirche. Wahrscheinlich um 1920 erfolgten die Verbreiterung der Fassade um zwei Achsen mit sehr eng gestellten Fenstern und die Erneuerung des Mansarddachs mit Zwerchhaus, welches mittig auf der verbreiterten Fassade sitzt und die Unregelmäßigkeit geschickt kaschiert.

Marienstraße 15

Von dem ehem. bäuerlichen Anwesen im alten Ortskern von Schweinheim am südlichen Ausgang der Marienstraße ist nur das Wohnhaus erhalten. Der zweigeschossige Fachwerkbau des 17. Jh. mit Satteldach und vorkragendem Obergeschoss ist vollkommen verputzt. Der Zugang erfolgt traufseitig vom Hof aus. Weil auch der Ortsteil Schweinheim im Krieg schwer getroffen wurde, entstanden an dem Wohnhaus starke Schäden: die westliche Giebelwand wurde zerstört, Zwischenwände und Decken wurden durchlöchert sowie sämtliche Nebengebäude beschädigt. Im Grundstück wurde anstelle der einstigen Scheune 1996 ein neues Wohnhaus errichtet.

Marienstraße 16

An der Stelle der heutigen kath. Pfarrkirche Mariä Geburt hatte man 1660 eine vermutlich dem hl. Wendelin geweihte Kapelle errichtet. Als 1751/52 in Schweinheim eine Kaplanei eingerichtet wurde, reichte die Kapelle in ihrer Größe nicht mehr aus und der kleine Saalbau wurde 1756 mit einem Querschiff und einem neuen Chor erweitert. Aber auch dieser, seit 1821 als Pfarrkirche fungierende Bau wurde allmählich für die Gemeinde zu klein, sodass 1865 mit der Planung einer erneuten Erweiterung begonnen wurde, die jedoch nie zur Ausführung kam. Als der alte Kirchenbau endgültig zu klein und baufällig war, wurde ein Neubau beschlossen und 1894 die alte Kapelle abgebrochen.

Am 10. Juni 1894 wurde der Grundstein für die neue Pfarrkirche gelegt. Die Weihe der unter den Schutz der Muttergottes gestellten Kirche fand am Patronatsfest, dem 8. September 1895, statt. Die im neugotischen Stil errichtete Kirche steht, wie ihr Vorgängerbau, geostet mit dem Hauptportal an der Marienstraße. An Nord- und Südseite befinden sich Seiteneingänge. Die Außenmauern bestehen aus Bruchsteinmauerwerk aus rotem Sandstein mit Quaderarmierung und sind unverputzt. In die westliche Giebelfassade einbezogen steht der Turm. In seinem Erdgeschoss liegt die gewölbte Eingangshalle, im Obergeschoss der Läuteraum, von dem eine Wendeltreppe zur Glockenstube führt. Der Turm ist mit vier Giebeln und einem Spitzhelm abgeschlossen. Der eingezogene Polygonchor ist ebenfalls überwölbt. Beiderseits des Chores sind Anbauten angefügt, der eine für die Sakristei, der andere für den Raum der Ministranten und die Unterbringung der Paramente. Der Kirchenraum ist als Halle ausgeführt und überwölbt. Die Gewölbe ruhen auf vier Säulen. Die Pläne für die neue Schweinheimer Pfarrkirche zeichneten die Brüder Franz und Roman Woerner vom gleichnamigen Baugeschäft, welches auch die Bauleitung und Ausführung sämtlicher Maurer-, Steinmetz- und Zimmererarbeiten übernahm. Die restlichen Arbeiten wurden von Schweinheimer Handwerkern ausgeführt.

Der Kircheninnenraum wurde 1999 von den Aschaffenburger Architekten Ritter und Bauer grundlegend erneuert und die künstlerische Raumausgestaltung von dem Wiener Künstler Leo Zogmayer neu überarbeitet, nachdem die Kirche bereits in den 1960er Jahren entgotisiert worden war. Von der historischen Ausstattung ist einzig eine Madonnenfigur erhalten. Die frühbarocke Holzfigur stand ursprünglich auf dem nördlichen Seitenaltar. Sie stammt aus der Lorettokapelle des von den Franzosen 1802 aufgehobenen Kapuzinerklosters in Mainz und wurde 1805 in der alten Schweinheimer Kirche aufgestellt.

Marienstraße 17

Das zur Marienstraße giebelständige Wohnhaus des bäuerlichen Anwesens aus dem 18. Jh. ist zweigeschossig und schließt mit einem Satteldach ab. Das Erdgeschoss ist massiv, das Obergeschoss Fachwerk. Die westliche Giebelseite ist zur Hälfte abgewalmt. Der Eingang befindet sich auf der Hofseite. Auf dem Grundstück steht eine Scheune, der 1937 eine Futterkammer angefügt wurde. Die um 1900 entlang der straßenseitigen Grundstücksgrenze aufgestockte Halle wurde gemeinsam mit dem Schweinestall 1996 abgebrochen.

Marienstraße 19

Das wohl aus dem 18. Jh. stammende giebelständige Wohnhaus mit Satteldach besteht aus massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss. Das gesamte Gebäude ist verputzt. Der Zugang erfolgt traufseitig vom Hof aus. 1901 wurde die Errichtung eines Kamins genehmigt. Nach starken Kriegsschäden erfolgte 1948 die Instandsetzung des Wohnhauses und 1959 die Errichtung eines landwirtschaftlichen Erweiterungsbaus zwischen Wohnhaus und Scheune. Entlang der straßenseitigen Grundstücksgrenze steht ein weiteres kleines Nebengebäude, welches den Hof gemeinsam mit dem Hoftor zur Straße hin abschließt.

Quelle:

Ina Gutzeit/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkmäler, Bodendenkmäler (Denkmäler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), München 2015, S. 308-310.

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