1908
Der Neubau für die jetzige Aschaffenburger Raiffeisen-Volksbank wurde 1908 errichtet. Der dazu abgebrochene Vorgängerbau ist auf einem Konsolstein mit Rebstockmotiv mittig über dem
Erdgeschoss vollplastisch nachgebildet. Die Fensterpfeiler im ersten Obergeschoss wurden mit Jugendstil-Figurenschmuck aus Sandstein versehen. Links ist ein vegetabiles Motiv mit Maske als
Konsole zu sehen. Dann folgen in Leserichtung Allegorien der vier Jahreszeiten. Abschließend rahmen zwei ähnliche vegetabile Motive eine Erkerfigur.
Die vier Figuren der Jahreszeiten sind jeweils mit den drei entsprechenden Tierkreiszeichen der
astronomischen Jahreszeit kombiniert. Darüber sind im Konsolstein Tierdarstellungen zu erkennen.
Das Frühlingsbild zeigt über einer Schmuckkonsole mit Nadelbaum-Zapfen und -Blättern den Widder als das erste Frühlings-Sternbild, links davon das Symbol für das nachfolgende Tierkreiszeichen Stier und rechts das Symbol für Zwillinge. Darüber steht auf einem kleinen Sockel eine unbekleidete junge Frau mit langen Haaren. Sie hält in der rechten Hand eine Blumengirlande, die bis zum Boden reicht. Dort wird der florale Schmuck üppiger und endet mit sechs größeren Blüten. In Kopfhöhe ist der
Hintergrund als blütenbedeckte Querrolle gestaltet. Darüber befinden sich in einer halbrunden Nische des Konsolsteines zwei Hasen über einem bogenförmig angeordneten Eierstab. Hasen und Eier sind Symbole für die Fruchtbarkeit des Frühlings und das Osterfest.
Auf dem Sommerbild ist über einer Schmuckkonsole mit einem amorphen organischen Muster in der Mitte ein Krebs abgebildet, der für das entsprechende Tierkreiszeichen steht, links und rechts davon finden sich die nachfolgenden Tierkreiszeichen Löwe und Jungfrau. Darüber steht auf einer Platte ein Bauer in Arbeitskleidung mit Schnürschuhen, fester Hose und einem über der Brust halbgeöffneten Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Auf dem Kopf trägt er einen Hut mit runder und breiter, vor der Sonne schützender Krempe. Links und rechts zu seinen Füßen stehen Getreideähren, wie auch
darunter beim Krebs. Eine halbrunde Handsichel in der rechten und ein Ährenbündel in der linken Hand kennzeichnen ihn als Schnitter, er ist damit das Symbol für die Getreideernte des Sommers im Juni und Juli. In der Konsole oben ist ein Taubenpaar zu erkennen. Das Herbstbild zeigt deutliche
Analogien zum Frühling. Über einer Schmuckkonsole mit einem blütenähnlichen, floralen Ornament ist in der Mitte als erstes Sternbild des Herbstes eine Waage abgebildet, daneben die
Tierkreissymbole von Skorpion (links) und Schütze (rechts). Darüber steht auf einem kleinen Sockel wie im Frühlingsbild eine unbekleidete Frau mit einer haarschopfförmigen Haube aus Weinreben und Weinlaub. Statt einer Blumenranke hält sie ein Füllhorn, aus dem Früchte bis zum Boden und noch bis darunter bis in die Mitte des Waage-Symbols fallen. Es sind Beeren und größere Früchte, auch
Weintrauben sind darunter. Früchtebedeckt ist auch der Querriegel hinter ihrem Kopf. In der Nische des Konsolsteines sind hier über einem Bogen zwei Nagetiere zu erkennen. Ihrem Habitus nach sind wahrscheinlich Steinmarder gemeint.
Das Winterbild schließlich dominiert ein Mann mit Schnauzbart, fester Kleidung, Handschuhen und helmartiger Mütze, der auf einer gezackten Bodenplatte steht. In beiden erhobenen Händen trägt er Mistelzweige. Er ist damit als Personifikation des Winters erkennbar. Dazu gehört als Jagdsymbol auch das Geweih links und rechts zu seinen Füßen. Darunter findet sich über einer Schmuckkonsole mit umrankten Früchten oder Zapfen zentral der Steinbock für das erste Winter-Tierkreiszeichen,
Wassermann und Fische sind ihm beigegeben. Oben in der Konsolsteinnische sitzen zwei Vögel über einem geschuppten Bogen. Dem langen spitzen Schnabel und dem Stützschwanz nach könnte es sich um Spechte oder Eisvögel handeln.
Drei der Fensterpfeiler sind als vegetabile Motive ausgebildet. Der linke zeigt unten das Gesicht eines vollbärtigen Mannes in der Art eines Maskensteines (Maskaron), umrahmt von einem Pflanzenkranz wie bei der benachbarten Figur des Frühlings. Darüber erhebt sich ein Phantasiebaum mit Blüten aus einem geflochtenen Korb. Links und rechts darüber sind zwei Weinbergschnecken und über einem Bogen ein Vogelpaar am Nest mit zwei Nestlingen zu erkennen.
Der mittlere Pfeiler zeigt unten die Maske einer Frau mit unter dem Kinn gebundenen Zöpfen, umrahmt von Ähren. Darüber wiederum ein Topf mit einem früchtetragenden Phantasiebaum. Oben links und rechts sitzen Eidechsen und in der Nische des Konsolsteines zwei Eichhörnchen über einem Bogen aus acht Eicheln.
Der rechte Rahmenpfeiler zeigt ebenfalls eine männliche Maske mit gestriegeltem Bart und
ebensolcher Haartracht. Links und rechts des Gesichtes hängen zwei Weintrauben, die mit Ranken verbunden sind. Darüber erwächst ein dorniger Phantasiebaum ebenfalls einem geflochtenen Topf. Bekrönt wird die Darstellung von zwei Ratten, erkennbar an den langen, dünnen Schwänzen, und zwei (Schleier-)Eulen über einem geflochtenen Bogen.
Die Figur des Stützpfeilers des Erkers ist nicht eindeutig bestimmbar. In vergleichbaren Situationen ist hier meist ein Atlant anzutreffen, der mit erhobenen Armen das Bauteil stützt. Hier wird ein nackter, vollbärtiger Mann als Riese dargestellt, der mit nach unten gerichtetem Blick und zum Sprechen
geöffnetem Mund die massigen Arme auf den Knien aufstützt. Die beim Atlanten üblicherweise gezeigte Trageanstrengung ist nicht zu sehen, eher gebeugte Gelassenheit. Über seinen Schultern ragen Äste mit Blättern und Früchten hervor. Zwischen seinen Beinen steht in der Art mittelalterlicher Stifterfiguren mit in die Höhe gerecktem Gesicht und weit geöffnetem Mund ein flehentlich Bittender mit gefalteten Händen. Er ist mit einem gegürteten, kurzen Gewand und einfachen Schuhen
bekleidet.
Die Fassadengliederung im Putz der weiteren Obergeschosse entwarf Alois Bergmann-Franken. Ausgeführt wurde sie 1967.