{"id":4363,"date":"2022-03-28T07:52:06","date_gmt":"2022-03-28T05:52:06","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4363"},"modified":"2022-03-29T09:30:27","modified_gmt":"2022-03-29T07:30:27","slug":"bodendenkmaeler-graeberfelder-in-obernau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/bodendenkmaeler-graeberfelder-in-obernau\/","title":{"rendered":"Bodendenkm\u00e4ler &#8211; Gr\u00e4berfelder in Obernau"},"content":{"rendered":"<p>Der Fundplatz befindet sich etwa 1.800 m s\u00fcdlich vom Ortsausgang Obernau. Der \u00fcberwiegende Teil des Bestattungsplatzes der Urnenfelderzeit, der Lat\u00e8nezeit, der r\u00f6mischen Kaiserzeit und der Merowingerzeit wurde durch Sandabbau komplett zerst\u00f6rt. Nur in den Randbereichen ist noch mit gut erhaltenen arch\u00e4ologischen Befunden zu rechnen. Die ersten Funde wurden im November 1924 beobachtet. Damals schwoll der Altenbach durch einen Wolkenbruch sehr stark an und riss gro\u00dfe Mengen Erdreich mit sich fort. Bei der Altenbachsm\u00fchle wurden in der Folge mindestens drei lat\u00e8nezeitliche Brandgr\u00e4ber ausgesp\u00fclt. Augenscheinlich wurden die Funde zu jener Zeit nur teilweise erfasst, sodass lediglich ein Ausschnitt an das Mainfr\u00e4nkische Museum in W\u00fcrzburg gelangte. Bekannt wurden drei weitgehend vollst\u00e4ndig erhaltene sowie die Bruchst\u00fccke von mindestens zwei weiteren Gef\u00e4\u00dfen und Leichenbrand. Zudem fanden sich die Fragmente von drei Lanzenspitzen, zwei Schwertern und die Reste einer Schere.<\/p>\n<p>Seit dieser Zeit wurden durch den Betrieb der Sandgrube vermutlich weitere Gr\u00e4ber zerst\u00f6rt. Erst im April 1951 konnten Mitarbeiter der Aschaffenburger Museen eine Notuntersuchung vornehmen. Dabei wurden unter sehr ung\u00fcnstigen Begleitumst\u00e4nden die \u00dcberreste von acht vielfach gest\u00f6rten Brandgr\u00e4bern der fr\u00fchen mittleren (Lt B), der entwickelten mittleren (Lt C) und der sp\u00e4ten Lat\u00e8nezeit (Lt D1) aufgedeckt. Eine Steinkiste war beigabenlos und kann daher nicht datiert werden. Das Fundgut war vergleichsweise sp\u00e4rlich, bemerkenswert sind neben wenigen Gef\u00e4\u00dfscherben vor allem diverse Fibelbruchst\u00fccke sowie ein bandf\u00f6rmiger Schildbuckel. Aus dem Grab 8 zugeordneten Material, das den Schildbuckel und die Reste zweier Fibeln vom Mittellat\u00e8neschema enthielt, konnten sp\u00e4ter die Beigaben eines sp\u00e4tkaiserzeitlichen Brandgrabs einer Frau isoliert werden. Die j\u00fcngere Bestattung war offenbar in oder unmittelbar neben der \u00e4lteren angelegt worden, sodass eine Trennung anhand des Befundes w\u00e4hrend der Bergung nicht gelang. Auch unter den zun\u00e4chst zusammenhanglos geborgenen Keramikfunden fielen viele St\u00fccke der r\u00f6mischen Kaiserzeit auf. Sie stammten von insgesamt zw\u00f6lf Gef\u00e4\u00dfen, die zu einem paarweise zusammengestellten Geschirrsatz geh\u00f6rt haben k\u00f6nnten. Gegen\u00fcber der stattlichen Anzahl von sp\u00e4tkaiserzeitlichen K\u00f6rpergr\u00e4bern stellen Brandbestattungen dieser Zeitstellung in S\u00fcddeutschland, zumal mit einer derartigen reichen Ausstattung, eine Besonderheit dar. Das Grab kann in das ausgehende 3. Jh. bzw. die Jahrzehnte um 300 datiert werden und geh\u00f6rt somit zu den fr\u00fchesten Gr\u00e4bern in S\u00fcddeutschland nach dem Ende des Limes (um 260 n. Chr.). Grabungen und Beobachtungen des Abbaubetriebes der Sandgrube erbrachten in den folgenden Jahren bis 1957 noch acht weitere Bestattungen, die in einigen F\u00e4llen von Steinsetzungen umgeben waren. Sie konnten teils wiederum der Lat\u00e8nezeit zuwiesen werden. Nach den geborgenen Keramikgef\u00e4\u00dfen zu urteilen, datiert die \u00fcberwiegende Anzahl dieser Bestattungen hingegen in die mittlere bis sp\u00e4te Urnenfelderzeit.<\/p>\n<p>In Zusammenhang mit dem lat\u00e8nezeitlichen Gr\u00e4berfeld k\u00f6nnte ein M\u00fcnzfund stehen, der bereits 1876 nur 250 m westlich beim Bau der Bahnstrecke gemacht wurde. Es handelt sich um eine seltene keltische Silberm\u00fcnze, angeblich eine Nachahmung des \u201eAthena-Alkis-Typus\u201c. Die M\u00fcnze soll in das M\u00fcnzkabinett M\u00fcnchen (heute Staatliche M\u00fcnzsammlung) gekommen sein, kann dort aber nicht mehr identifiziert werden. Die Bedeutung des Fundplatzes wird durch drei vollst\u00e4ndig erhaltene merowingerzeitliche Gef\u00e4\u00dfe aus der 2. H\u00e4lfte des 7. Jh. n. Chr. unterstrichen. Sie wurden den Aschaffenburger Museen w\u00e4hrend der Ausgrabungen in den 1950er Jahren ohne genaue Kenntnis der Lage innerhalb der Sandgrube \u00fcbergeben. Vermutlich stammen sie von zerst\u00f6rten Reihengr\u00e4bern. Der fr\u00fchmittelalterliche Friedhof k\u00f6nnte mit der W\u00fcstung Ruchelnheim in Zusammenhang stehen. Der 1184 erstmals genannte Ort befand sich s\u00fcdlich des Altenbachs nahe dem Bahnhof Sulzbach auf Sulzbacher Gemarkung. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass auch ein Teil der Funde, die dem merowingerzeitlichen Gr\u00e4berfeld in der Aschaffenburger Stra\u00dfe zugeschrieben werden, zu diesem Gr\u00e4berfeld geh\u00f6rten.<\/p>\n<p><strong>Reihengr\u00e4berfeld der Merowingerzeit<\/strong><\/p>\n<p>Das n\u00f6rdlich au\u00dferhalb des Altortes gelegene Reihengr\u00e4berfeld der Merowingerzeit befindet sich gut 600 m von der Kirche St. Peter und Paul entfernt und k\u00f6nnte zu einer merowingerzeitlichen Vorg\u00e4ngersiedlung von Obernau geh\u00f6ren. Das erste K\u00f6rpergrab des Bestattungsplatzes wurde im M\u00e4rz 1922 in der Aschaffenburger Stra\u00dfe 20 bei Gartenarbeiten angeschnitten. Es konnten zwei Gef\u00e4\u00dfe gesichert werden, die allgemein dem 6. oder 7. Jh. n. Chr. zugewiesen werden k\u00f6nnen. Ein zehn Jahre sp\u00e4ter entdecktes Fundensemble aus Glas- und einigen Bernsteinperlen, die zu Schmuckketten geh\u00f6rten, sowie ein rollr\u00e4dchenverzierter Tonbecher belegen eine weitere fr\u00fchmittelalterliche Bestattung.<\/p>\n<p>Bald nach Ver\u00f6ffentlichung dieses Grabfundes in der Zeitung wurde 1932 ein weiterer Fundkomplex bekannt, der angeblich ebenfalls von diesem Gr\u00e4berfeld stammen soll. Nach Einsch\u00e4tzung von Georg Hock enthielt er neben einem merowingerzeitlichen Gef\u00e4\u00df auch bronzene Gegenst\u00e4nde \u00e4lterer Perioden. Im Einzelnen waren es ein patinierter Bronzearmreif, drei bronzene \u201eKinderarmringe\u201c sowie vier Nadeln von 15, 17, 25 und 45 cm L\u00e4nge. Allein die L\u00e4nge der Nadeln l\u00e4sst an eine Einordnung in die mittlere und sp\u00e4te Bronzezeit oder \u00e4ltere bis mittlere Urnenfelderzeit denken. Nach Hock ist deshalb nicht auszuschlie\u00dfen, dass der Fundkomplex m\u00f6glicherweise von dem Gr\u00e4berfeld an der Altenbachsm\u00fchle stammt, da der dortige Fundplatz in mehreren Perioden, u. a. auch in der Urnenfelderzeit, als Bestattungsplatz genutzt wurde. M\u00f6glicherweise wurden die dort beim Sandabbau entdeckten Objekte einem anderen Fundplatz untergeschoben, um etwaige Auflagen beim Abbaubetrieb zu umgehen. Der Verbleib der Funde ist nicht mehr zu ermitteln, eine genauere Ansprache und Datierung somit nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Grabh\u00fcgel im Obenauer Wald<\/strong><\/p>\n<p>Im Obernauer Wald, etwa 450 m \u00f6stlich der Waldkapelle Maria Frieden wurde ein Grabh\u00fcgel vorgeschichtlicher Zeitstellung gemeldet. Der H\u00fcgel ist heute obert\u00e4gig nicht mehr sichtbar und m\u00f6glicherweise zu einem unbekannten Zeitpunkt eingeebnet worden. Eventuell ist er mit dem bei Peter Endrich erw\u00e4hnten Grabh\u00fcgel \u201eBei dem L\u00f6ffelborn\u201c identisch (Vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/kapellenweg\/\">Kapellenweg<\/a>; N\u00e4he Kapellenweg).<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 299-301.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fundplatz befindet sich etwa 1.800 m s\u00fcdlich vom Ortsausgang Obernau. 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