{"id":4359,"date":"2022-03-28T08:02:43","date_gmt":"2022-03-28T06:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4359"},"modified":"2025-04-17T15:08:02","modified_gmt":"2025-04-17T13:08:02","slug":"bodendenkmaeler-theaterplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/bodendenkmaeler-theaterplatz\/","title":{"rendered":"Bodendenkm\u00e4ler &#8211; Theaterplatz"},"content":{"rendered":"<p>Der Theaterplatz ist im Ursprung eine durch den Abriss kriegszerst\u00f6rter H\u00e4user entstandene Brache. Der Name f\u00fcr die s\u00fcdlich des Theaters gelegene Freifl\u00e4che hatte sich zun\u00e4chst im Volksmund eingeb\u00fcrgert, bevor er Jahrzehnte sp\u00e4ter eine offizielle Bezeichnung wurde. Bis in die 1990er Jahre wurde das Areal \u00fcberwiegend als Parkplatz benutzt. 1996 bis 1997 fand im Zuge einer vorgesehenen Neugestaltung und teilweisen Bebauung auf dem Platz die gr\u00f6\u00dfte arch\u00e4ologische Fl\u00e4chengrabung in Aschaffenburg statt. Hinweise auf die mittelalterlichen Geb\u00e4ude wurden schon bei den Abrissma\u00dfnahmen der 1950er Jahre gefunden. Im Mai 1994 wurde f\u00fcr den Theaterplatz eine gro\u00dfz\u00fcgige Neubebauung mit Tiefgarage geplant und als Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Die hohe denkmalpflegerische Bedeutung einer der letzten gro\u00dfen, noch unbebauten innerst\u00e4dtischen Kriegsbrachen im Westen Deutschland stand bereits in der Planungsphase au\u00dfer Zweifel. Das Ausma\u00df der zu untersuchenden Fl\u00e4che stellte jedoch alle Beteiligten vor eine beachtliche Herausforderung.<\/p>\n<p>Zur Entwicklung eines arch\u00e4ologischen Konzeptes wurden von den Museen der Stadt Aschaffenburg in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege die Ergebnisse der bisherigen Baubeobachtungen sowie archivalische Belege und alte Katasterpl\u00e4ne zusammengestellt. Anhand dieser Vorarbeiten wurden die Sondagefl\u00e4chen f\u00fcr eine Probegrabung ausgew\u00e4hlt, die vom 23. Oktober bis zum 24. November 1995 durch die Firma ArcTron ausgef\u00fchrt wurde. In Hinblick auf eine schnelle Bearbeitung der f\u00fcr das folgende Jahr geplanten Fl\u00e4chengrabung wurden moderne digitale Dokumentationsmethoden erprobt. So geh\u00f6rt die Sondagegrabung auf dem Aschaffenburger Theaterplatz zu den ersten, richtungsweisenden Grabungen in Deutschland, deren Vermessung und zeichnerische Dokumentation weitgehend mit Hilfe eines Tachymeters und photogrammetrischer Verfahren erstellt wurden.<\/p>\n<p>Die Sondagegrabung sollte es erm\u00f6glichen, die Schwierigkeiten bei der sp\u00e4teren gro\u00dffl\u00e4chigen Ausgrabung des Areals durch Kenntnis der Stratigraphie und Funddichte besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Die \u00fcberwiegend durch die Stadt Aschaffenburg finanzierten Grabungen mussten sich aufgrund unumg\u00e4nglicher zeitlicher Vorgaben auf r\u00e4umliche und thematische Untersuchungsschwerpunkte beschr\u00e4nken. So schieden die unterkellerten und durch andere neuzeitliche Bodeneingriffe betroffenen Areale fr\u00fchzeitig aus der Planung aus. Auf diese Weise gelang es, die insgesamt durch die Bauma\u00dfnahmen betroffene Fl\u00e4che von 8.000 m2 auf arch\u00e4ologisch relevante 2.000 m2 zu reduzieren. F\u00fcr die Sondagegrabungen wurden schlie\u00dflich zwei r\u00e4umlich weit voneinander getrennte Areale von 6\u00d79 m Gr\u00f6\u00dfe ausgew\u00e4hlt, die nicht durch neuzeitliche Bebauung gest\u00f6rt waren. Die verfolgten Fragestellungen konzentrierten sich v. a. auf die \u00e4lteren Besiedlungsphasen, n\u00e4mlich die ur- und fr\u00fchgeschichtlichen sowie die fr\u00fch- bis hochmittelalterlichen Befunde. Schnitt 1 wurde in einem Bereich angelegt, der nach den schriftlichen Quellen in der fr\u00fchen Neuzeit als Garten genutzt worden war. Erwartungsgem\u00e4\u00df wurden lediglich wenige neuzeitliche \u00dcberreste, v. a. von barocken Nebengeb\u00e4uden und Latrinen, gefunden. Insgesamt wurde eine rund 2,5 m m\u00e4chtige Stratigraphie erschlossen. Unter einem modernen Planierungshorizont begann eine komplizierte Schichtenfolge, die im Wesentlichen dem 10. bis 12. Jh. entstammte. In diesen Zeithorizont geh\u00f6ren auch mehrere gro\u00dfe Pfostengruben und ein nur ausschnitthaft erfasster noch gr\u00f6\u00dferer Befund, wohl eine Kellergrube. Weitere Pfostenspuren datieren vermutlich in die V\u00f6lkerwanderungszeit. Urgeschichtliche Perioden waren in dieser Fl\u00e4che nur mit wenigen verlagerten Einzelfunden vertreten, worunter das Fragment einer schnurkeramischen Bootshammeraxt besonders herausgestellt werden muss.<\/p>\n<p>Schnitt 2 lag im Hofbereich zwischen zwei Geb\u00e4uden. Ein Ziel war hier die Erfassung der Fundamente des sog. St\u00e4blerhauses, das als \u00e4ltester profaner Steinbau Aschaffenburgs galt. Das 1182 erstmals erw\u00e4hnte Geb\u00e4ude wurde 1953 nach schweren Kriegssch\u00e4den abgerissen. Die Ausgrabungen zeigten jedoch, dass die Fundamente bei den Abbrucharbeiten oder zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt vollkommen beseitigt worden waren. Im ungest\u00f6rten Bereich konnte allerdings eine 5,5 m m\u00e4chtige Folge von Siedlungsschichten ergraben werden. Das sp\u00e4te Mittelalter und die Neuzeit waren darin nur in geringer St\u00e4rke unter der modernen Planierung vorhanden. Unter den sp\u00e4tmittelalterlichen Schichten befand sich wiederum ein m\u00e4chtiges Schichtpaket des 10. bis 12. Jh., das eine wohl zur gleichen Zeit verf\u00fcllte gr\u00f6\u00dfere Grube \u00fcberlagerte, die aber nur angeschnitten wurde. Verschiedene Laufhorizonte in der Schichtung k\u00f6nnen als Estriche einer Innenbebauung sowie Pflasterungen des Hofes interpretiert werden. Direkt \u00fcber der Grube wurden einige Gusskuchen gefunden, die auf eine hochmittelalterliche Eisengewinnung in der n\u00e4heren Umgebung weisen. Aus umgelagerten Schichten stammen ein r\u00f6mischer Spielstein des 3. Jh. aus blauem Glas sowie Fragmente Mayener Keramik und eine v\u00f6lkerwanderungszeitliche Glasperle.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieser vorbereitenden Untersuchung lie\u00dfen arch\u00e4ologische Stratigraphien von bis \u00fcber 5 m M\u00e4chtigkeit erwarten, die bis in vor- und fr\u00fchgeschichtliche Perioden zur\u00fcckreichen w\u00fcrden. Das Hauptaugenmerk lag aber auf der V\u00f6lkerwanderungszeit und der Frage nach der Identifizierung des beim Geographen von Ravenna f\u00fcr das 5. Jh. erw\u00e4hnten alamannischen Hauptortes \u201eascapha\u201c mit Aschaffenburg. Es wurde erhofft, hier endlich auf gr\u00f6\u00dferer Fl\u00e4che Siedlungsstrukturen der entsprechenden Zeitstellung nachweisen zu k\u00f6nnen. So wurde vom 1. April 1996 bis zum 27. M\u00e4rz 1997 die bislang gr\u00f6\u00dfte arch\u00e4ologische Fl\u00e4chengrabung innerhalb des Stadtkerns von Aschaffenburg durchgef\u00fchrt. Unter der fachlichen Aufsicht des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege in der Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Aschaffenburger wurde die Firma ArcTron mit der Ausf\u00fchrung betraut. Wie bereits bei der vorausgehenden Sondagegrabung wurden gerade erst entwickelte digitale Dokumentationsverfahren eingesetzt, sodass den Untersuchungen auf dem Theaterplatz eine Vorreiterrolle in der Anwendung moderner Grabungstechniken in Deutschland zukam. Die arch\u00e4ologischen Untersuchungen betrafen das gesamte nach dem Krieg unbebaut verbliebene Areal zwischen der Dalbergstra\u00dfe im S\u00fcdosten, der Schlo\u00dfgasse im S\u00fcdwesten, dem Theater, dem Kunstraum und dem Hochbauamt im Nordwesten sowie der Pfaffengasse im Nordosten, mithin also mehrere in den \u00e4ltesten Katasterpl\u00e4nen verzeichnete Parzellen. Ausgenommen blieben vor allem die randlichen Bereiche entlang der Dalbergstra\u00dfe und der Schlo\u00dfgasse, da dort wegen der Unterkellerung kaum arch\u00e4ologisch relevante Substanz zu erwarten war. Somit verblieb eine zusammenh\u00e4ngende Fl\u00e4che von knapp \u00fcber 2000 m2, die in zwei zeitlich gestaffelten Grabungsabschnitten vollst\u00e4ndig untersucht wurde. Zun\u00e4chst wurde die westliche Teilfl\u00e4che s\u00fcdlich des Theaters ausgegraben, einige Monate darauf die geringf\u00fcgig gr\u00f6\u00dfere \u00f6stliche Teilfl\u00e4che in Richtung der Pfaffengasse. Die fristgerechte Fertigstellung dieser Areale mit ihrer komplizierten Stratigraphie von Mauer-, Gruben und Schichtbefunden blieb eine gewaltige Aufgabe, die nur durch gute Organisation, einen gro\u00dfen Mitarbeiterstab und den Einsatz technischer Hilfsmittel bew\u00e4ltigt werden konnte. Die Dimensionen werden auch durch die insgesamt etwa 10.300 aufgedeckten Fundkomplexe verdeutlicht.<\/p>\n<p>Leider ist diese stadthistorisch bedeutendste Ausgrabung trotz umfassender Vorarbeiten, die bereits w\u00e4hrend der laufenden Grabung begonnen wurden, und verschiedener Vorberichte, in denen wesentliche Ergebnisse zusammengefasst wurden, noch nicht abschlie\u00dfend wissenschaftlich bearbeitet worden. Die Voraussetzungen f\u00fcr die Erhaltung von Strukturen aus der \u00e4ltesten Besiedlungsphase waren sehr unterschiedlich. Viele dieser Befunde wurden von einer fl\u00e4chigen Aufplanierung des 11.\/12. Jh. stark in Mitleidenschaft gezogen. Andererseits sorgten die massiven hochmittelalterlichen Planierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Versiegelung \u00e4lterer Schichten und eine gut erkennbare stratigraphische Trennung der j\u00fcngeren von den fr\u00fcheren arch\u00e4ologischen Perioden. Weitere Unterschiede in der Befunderhaltung entstanden durch die sp\u00e4tmittelalterliche und neuzeitliche Nutzung, die auch auf eng benachbarten Fl\u00e4chen verschieden tiefe Bodeneingriffe zur Folge hatte. F\u00fcr die unterkellerten Geb\u00e4udeteile waren s\u00e4mtliche \u00e4lteren Befunde ausger\u00e4umt worden: so unter dem Hauptgeb\u00e4ude von Pfaffengasse 9, dem Vorhaus, dem \u00e4lteren Teil des Haupthauses und dem S\u00fcdostteil des r\u00fcckw\u00e4rtigen Quergeb\u00e4udes von Pfaffengasse 7, dem Geb\u00e4ude im r\u00fcckw\u00e4rtigen Teil von Pfaffengasse 26 am sog. Judeng\u00e4sschen sowie einem Gew\u00f6lbekeller im Hofbereich von Schlo\u00dfgasse 6. In den ehem. Hof- bzw. Hinterhofbereichen nahezu aller Grundst\u00fccke verursachten insbesondere neuzeitliche Latrinengruben partielle St\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Die Pakete mit Kulturschichten erreichten in der Regel eine Tiefe von 2 m, in Ausnahmef\u00e4llen sogar bis \u00fcber 5 m. Der anstehende Boden wurde von einer terti\u00e4ren Abfolge von Sanden und Tonen gebildet, \u00fcber der eine bis zu 0,5 m starke Auflage von grobk\u00f6rnigem gelblichem Sand der quart\u00e4ren Flussterrasse lag. Die \u00e4ltesten und am tiefsten eingegrabenen Befunde einer v\u00f6lkerwanderungszeitlichen bzw. fr\u00fchmittelalterlichen Holzbebauung zeichneten sich hierin durch ihre dunkle Verf\u00fcllung deutlich ab. Dar\u00fcber lag ein inhomogener Horizont von sandiger Konsistenz mit verschiedenen lehmigen und humosen Einschl\u00fcssen. Er war in den verschiedenen Grabungsabschnitten sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt und erlaubte oftmals keine exakte Befundtrennung. Auff\u00e4llig oft waren hier eisenzeitliche und v\u00f6lkerwanderungszeitliche Funde ohne weiteren Befundkontext eingebettet. Am ehesten ist der Horizont als Begehungs- bzw. Arbeitsebene zum Zeitpunkt der um 1100 erfolgten fl\u00e4chigen Aufplanierung des gesamten Gel\u00e4ndes anzusprechen. Diese \u00e4ltesten Planierschichten des hohen Mittelalters und die Schichtungen des beginnenden sp\u00e4ten Mittelalters waren im Gegensatz zu den j\u00fcngsten Auff\u00fcllungen und Planierungen durch ihre relativ homogene sandige Konsistenz bei gleichzeitiger recht dunkler, aschig-humoser F\u00e4rbung zu unterscheiden. Besonders der Stein- und Dachziegelanteil unterschied sich von den auflagernden fr\u00fchneuzeitlichen Planierschichten betr\u00e4chtlich und weist auf eine \u00fcberwiegende Holz- bzw. Fachwerkbebauung in \u00e4lterer Zeit. Auff\u00e4llig wurde in diesem Zusammenhang auch, dass seit dem Sp\u00e4tmittelalter zunehmend Gneise in den Mauern bzw. dem umgelagerten Schutt vorkamen. Noch \u00e4ltere Mauern bestanden fast ausnahmslos aus Sandstein. Eine weitere Schichttrennung erm\u00f6glichte ein sp\u00e4tmittelalterlicher Brandhorizont, der sich vor allem im Westen des Grabungsareals in weiten Teilen der Fl\u00e4che auffinden lie\u00df. Der Abschluss der generellen Stratigraphie wurde durch die Einebnung des durch den Krieg zerst\u00f6rten Areals f\u00fcr die Anlage eines Parkplatzes gebildet.<\/p>\n<p>F\u00fcr einzelne Zeitr\u00e4ume k\u00f6nnen trotz der noch fehlenden wissenschaftlichen Auswertung wesentliche siedlungsarch\u00e4ologische Erkenntnisse f\u00fcr die Geschichte Aschaffenburgs formuliert werden<\/p>\n<p><strong>Vor- und Fr\u00fchgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Eine Reihe von pr\u00e4historischen Funden verweisen auf Siedlungsaktivit\u00e4ten verschiedener Epochen, die durch Befunde aber nicht n\u00e4her gefasst werden k\u00f6nnen. Die Funde gelangten s\u00e4mtlich durch j\u00fcngere Erdbewegungen in sp\u00e4tmittelalterliche oder fr\u00fchneuzeitliche Kontexte. Die \u00e4ltesten Funde der Grabung und zugleich aus dem Gebiet Aschaffenburgs \u00fcberhaupt sind ein mittelpal\u00e4olithischer Faustkeil aus Feuerstein und ein Seitenschaber aus Hornstein, die dem Neandertaler zuzuordnen sind. Weitere Silexabschl\u00e4ge und Steinger\u00e4te weisen auf die gelegentliche Anwesenheit von Menschen in den Steinzeiten hin, lassen sich aber nicht pr\u00e4zise einordnen. Darunter befinden sich mehrere Abschl\u00e4ge von honigfarbigem Grand-Pressigny-Feuerstein aus Frankreich sowie einige Pfeilspitzen. Sicher neolithisch sind eine Steinbeilklinge und die Fragmente von zwei Lochhammer\u00e4xten. Der bronzezeitliche Fundniederschlag ist nur gering. Aus der Urnenfelderzeit liegt eine kleine Keramikserie aus dem s\u00fcdwestlichen Areal des ersten Grabungsabschnittes vor. Sie ist m\u00f6glicherweise als umgelagerter Kulturschutt einer Siedlung zu deuten.<\/p>\n<p>Deutlicher ist der Fundniederschlag aus der fr\u00fchen und mittleren Lat\u00e8nezeit. Einige bronzene Fibeln und verschiedene markant gestaltete Perlen sind zweifelsfrei dieser Periode zuzuweisen, w\u00e4hrend sich die Keramik nur in Ausnahmef\u00e4llen gut von der sp\u00e4teren, v\u00f6lkerwanderungszeitlichen Tonware trennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>V\u00f6lkerwanderungszeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Grabungen erbrachten nicht nur zahlreiche Funde der V\u00f6lkerwanderungszeit, die sich \u00fcber das gesamte untersuchte Areal verteilten, sondern auch zugeh\u00f6rige Siedlungsstrukturen. Zu diesen z\u00e4hlen insbesondere eine gro\u00dfe Anzahl von Pfostenl\u00f6chern sowie mehrere Grubenh\u00e4user. Die Postenl\u00f6cher bzw. -gruben gehen sicher \u00fcberwiegend auf Geb\u00e4ude zur\u00fcck, doch konnten sie beim derzeitigen Stand der Auswertung noch nicht zu Hausgrundrissen verbunden werden. Da sich wegen zahlreicher St\u00f6rungen lediglich die sehr tief gegr\u00fcndeten Pfostenl\u00f6cher erhalten haben, erscheint ein Erfolg ohnehin fraglich, zumal mit mehreren v\u00f6lkerwanderungszeitlichen Bauphasen zu rechnen ist. Deutlicher treten die Grubenh\u00e4user oder \u00e4hnliche langrechteckige Siedlungsgruben hervor. Insgesamt wurden sechs derartige Strukturen aufgedeckt. Davon konnten zwei mit Sicherheit und ein weiteres wahrscheinlich der V\u00f6lkerwanderungszeit zugewiesen werden. Letzteres hatte nach Ausweis t\u00f6nerner Webgewichte als Wirtschaftgeb\u00e4ude einen Webstuhl beherbergt. Die \u00fcbrigen drei unvollst\u00e4ndig erhaltenen Strukturen k\u00f6nnten auch von fr\u00fch- bis hochmittelalterlichen Geb\u00e4udebefunden stammen. Zum Fundgut geh\u00f6ren zahlreiche sp\u00e4tr\u00f6mische Importe wie die Fragmente r\u00e4dchenverzierter sog. Argonnensigillata, Mayener Ware und von Reibsch\u00fcsseln. Unter den Kleinfunden befanden sich zudem die \u00dcberreste von bronzenen Fibeln, einer Pinzette und einer G\u00fcrtelgarnitur sowie Glasperlen und ein Spielstein aus blauem Glas. Die zeitliche Einordnung ist insbesondere durch einige M\u00fcnzen, darunter eine Siliqua von Constantinus III. (407\u2013411), m\u00f6glich. Der \u00fcberwiegende Teil des Fundgutes muss in das sp\u00e4te 4., v. a. aber das fr\u00fche 5. Jh. gestellt werden. Die heimische, relativ grobe und oft mit Quarz gemagerte Keramik besteht vornehmlich aus Sch\u00fcsseln und Schalen mit stark einziehendem Rand oder Schalen und T\u00f6pfen mit geschwungenen Hals- und Randbildungen. Sie ist der fr\u00fchlat\u00e8nezeitlichen Keramik sehr \u00e4hnlich, sodass es zu Verwechslungen kommen kann. Ein Knochenkamm, verzierte Ton- und Glasperlen sowie z.T. verzierte Spinnwirtel sind weitere heimische Erzeugnisse. Als ein wesentliches stadthistorisches Ergebnis der Grabung auf dem Theaterplatz ist somit der arch\u00e4ologische Beleg f\u00fcr die durch den Geographen von Ravenna erw\u00e4hnte alamannische Siedlung \u201eascapha\u201c bzw. \u201eascis\u201c festzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchmittelalter<\/strong><\/p>\n<p>Das fr\u00fche Mittelalter war auf der Grabungsfl\u00e4che nicht im gleichen Ma\u00dfe wie die vorangehende Periode vertreten. Ob hierf\u00fcr allein die Planierungen des 11. und 12. Jh. verantwortlich gemacht werden m\u00fcssen, ist fraglich. Denkbar ist auch eine Ver\u00e4nderung der Siedlungsfunktionen, die zu einer weniger dichten Nutzung des Stadtberges f\u00fchrte. M\u00f6glicherweise wurde die bev\u00f6lkerungsreiche Ansiedlung durch einen Adelssitzes abgel\u00f6st oder vor\u00fcbergehend ganz aufgegeben. Mit diesem k\u00f6nnte der Fund einer Nadel mit goldenem Kopf in Einklang stehen, die nach byzantinischen Vorbildern mit einer Verzierung aus tordierten Ringen gefertigt ist. Die wenigen Vergleichsfunde stammen haupts\u00e4chlich aus fr\u00e4nkischen Adelsgr\u00e4bern im Rheinland und Burgund. Wie die \u00fcbrigen, meist keramischen Funde dieser Periode war auch die Nadel mit keiner arch\u00e4ologischen Struktur verbunden, sondern stammte aus einer j\u00fcngeren Auff\u00fcllung.<\/p>\n<p><strong>Hochmittelalter<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten, jedoch stark zerschnittenen Reste von Steinbauten datieren noch in vorromanische Zeit. Im nord\u00f6stlichen Grabungsbereich unter dem Hofareal von Pfaffengasse 7 fand sich ein zweiphasiges Steingeb\u00e4ude, dessen Fluchten bereits die Ausrichtung der Stra\u00dfe respektierten. Das \u00e4ltere Fundament war in Lehm gesetzt, die j\u00fcngere Phase bereits gem\u00f6rtelt. Das zugeh\u00f6rige Fundmaterial datiert die zweite Bauphase in das 10.\/11. Jh. Die gro\u00dffl\u00e4chige Aufplanierung des 11.\/12. Jh. \u00fcberlagert das Geb\u00e4ude. Dar\u00fcber befanden sich verschiedene Bauhorizonte, die mit der Errichtung von Stiftsh\u00f6fen an der Pfaffengasse in der Mitte des 12. Jh. zusammenh\u00e4ngen. Ausgegraben wurden das Haupthaus und ein Nebengeb\u00e4ude von Pfaffengasse 7, der sog. Kurie \u201eZum Freudenberg\u201c. Das Sandsteinmauerwerk des Haupthauses war von bemerkenswerter Qualit\u00e4t. \u00dcber dem etwa 0,7 m hohen Fundament folgte eine Ausgleichschicht, \u00fcber der das aufgehende Mauerwerk ein wenig zur\u00fccksprang. Dieses bestand zun\u00e4chst aus drei Lagen gr\u00f6\u00dferer Sandsteinquader und schlie\u00dflich dem zeittypischen \u201eHandquader\u201c-Mauerwerk. Der Bau entstand wohl zeitgleich mit dem \u201eSt\u00e4blerhaus\u201c, der Kurie \u201eZum Bienenberg\u201c in der Pfaffengasse 5.<\/p>\n<p><strong>Sp\u00e4tmittelalter<\/strong><\/p>\n<p>Im Hinterhof von Pfaffengasse 7 wurde ein Schwellriegelbau aus Holz entdeckt, der als Werkstatt gedient hatte. Im Innenraum waren die Reste eines Stampflehmbodens nachweisbar, auf den ein Ofen gesetzt war. Davor konnten noch zwei Brandflecken dokumentiert werden, in denen sich Gussreste aus einer Kupferlegierung fanden. Die Bauten in der Pfaffengasse fielen in der 2. H\u00e4lfte des 13. Jh. einem Feuer zum Opfer, dessen Spuren sich als aufplanierter Brandschutt in weiten Bereichen der Grabungsfl\u00e4che belegen lie\u00dfen. Aus dem Brandschutt konnten gro\u00dfe Mengen an verkohltem Getreide, Glasfragmente, Schmelztiegel, Gussreste, Schlacken und Reste von drei F\u00e4ssern, die wohl als F\u00e4rberbottiche anzusprechen sind, geborgen werden. Das Ausma\u00df des Brandes wird auch durch den umgest\u00fcrzten, verkohlten Giebel eines Fachwerkhauses illustriert, der im hinteren Grundst\u00fccksteil von Dalberstra\u00dfe 26 freigelegt wurde. Durch die zahlreichen Befunde und Funde l\u00e4sst sich eine soziale Differenzierung des Stadtquartiers treffen. Im Unterschied zu den Stiftsh\u00f6fen in der Pfaffengasse gruppierten sich adelige Wohnbauten und B\u00fcrgerh\u00e4user entlang der Dalbergstra\u00dfe und der Schlo\u00dfgasse. Die r\u00fcckw\u00e4rtigen Parzellen wurden von Handwerksbetrieben genutzt. Der Wiederaufbau nach dem Brand wurde offenbar zu Ver\u00e4nderungen in der Parzellierung genutzt. Einige gro\u00dfe Sand- und Lehmentnahmegruben wurden ohne R\u00fccksicht auf \u00e4ltere Grundst\u00fccksgrenzen angelegt.<\/p>\n<p><strong>Neuzeit<\/strong><\/p>\n<p>Durch die zunehmende Steinbebauung, die weitgehende Konstanz der Grundst\u00fccke sowie die Pflasterung von Stra\u00dfen und H\u00f6fen bildeten sich in der Neuzeit kaum mehr Siedlungsschichten aus und die arch\u00e4ologisch belegbaren Geb\u00e4udebefunde gehen entsprechend deutlich zur\u00fcck. Von der ehem. st\u00e4dtischen Zehntscheuer aus dem 16.\/17. Jh. wurden im ersten Grabungsabschnitt die Fundamentierung der s\u00fcd\u00f6stlichen Giebelfront und ein Teilst\u00fcck der nordwestlichen Traufseite erfasst. Hinzu kamen Hinweise auf die Innenaufteilung des Geb\u00e4udes. \u00dcberwiegend wurden aus der Neuzeit aber Latrinen und ihr reichhaltiges Fundmaterial ergraben. Schon 1956 hatte man im Vorfeld des geplanten Baus der Industrie- und Handelskammer auf dem Grundst\u00fcck Dalbergstra\u00dfe 18 in unmittelbarer Nachbarschaft des St\u00e4blerhauses eine Latrine mit Glas- und Keramikfunden des 17. bis 19. Jh. untersucht.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 227-232.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Theaterplatz ist im Ursprung eine durch den Abriss kriegszerst\u00f6rter H\u00e4user entstandene Brache. 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